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The Art of War II: Der Verrat

Originaltitel: The Art of War II: Betrayal__Herstellungsland: Kanada__Erscheinungsjahr: 2008__Regie: Josef Rusnak__Darsteller: Wesley Snipes, Lochlyn Munro, Athena Karkanis, Winston Rekert, Ryan McDonald, Rachel Hayward, Scott Heindl, Michael Ryan, Olivia Cheng, Paul Bae u.a.
The Art of War II Der Verrat Cover

“The Art of War II: Der Verrat” präsentiert Wesley Snipes als Ex-Agent Neil Shaw.

Nach den Ereignissen in „The Art of War“ hat sich Neil Shaw auf sein Altenteil zurückgezogen und fungiert ab und an als technischer Berater auf Filmsets, wo er seine Erfahrungen im heißumkämpften Agentengewerbe einbringt, um die Filme der Traumfabrik realistischer wirken zu lassen. Aktuell arbeitet er mit dem Schauspieler Garret zusammen, der sein positives Image als Actionheld in die Politik hinüberretten will und als Senator kandidiert.

Damit begibt er sich selbst in die Schusslinie eines international agierenden Waffenhändlers, der insofern in die Wahl eingreift, dass er alle Senatorenkandidaten, die seinen Handelsgeschäften nichts Positives abgewinnen können, liquidieren lassen will. So gerät Garret auf die Abschussliste des Waffenhändlers. Irgendwann sieht sich auch Neil Shaw in das Treiben involviert, scheinen doch die gesamten seltsamen Vorkommnisse auch im Zusammenhang mit dem Tod seines Mentors „Mother“ zu stehen.

Schaut in “The Art of War II: Der Verrat” hinein

Die Pluspunkte des Actionthrillers

Will man „The Art of War II: Der Verrat“ in einem prägnanten Urteil zusammenfassen, würde ein „Wesley hui, Regisseur pfui“ die ganze Chose wohl am Besten umschreiben. Beginnen wir am Besten einmal mit dem Positiven: Die Story von „The Art of War II“ kommt zwar verdammt mühsam aus der Hüfte, ist aber letztendlich deutlich geradliniger und weniger verschwurbelt als die des Vorgängers.

Zudem versucht man, wie im Vorgänger gegen Ende einen Twist zu lancieren, der aber sehr nach dem Schema des ersten Teils abläuft und eben einfach nur die Personenkonstellationen ein wenig auf den Kopf stellt. Dennoch trägt die Geschichte den recht dialoglastigen Streifen ganz ordentlich, tritt aber auch hier und da gewaltig auf der Stelle.

Des weiteren muss man Wesley Snipes („The Expendables 3“) deutlich hervorheben. Snipes ist mit vollem Engagement bei der Sache, spielt auf einem sehr guten Niveau und lässt in dem Streifen so oft wie in keiner anderen DTV-Produktion die Fäuste fliegen. Dabei gefällt nach wie vor sein sehr eigenwilliger, ungemein eleganter, auf Effizienz bedachter Kampfstil. Einzig, das Bäddie-Aufkommen ist zu niedrig, um ihn durchgehend zu beschäftigen. Auch wenn jetzt gleich eine Menge an Problemen kommen wird, muss ich dringend hervorheben, dass diese beiden – recht wenig klingenden – positiven Punkte fast die halbe Miete für „The Art of War II: Der Verrat“ bedeuten.

Die Problemfelder von “The Art of War II”

Und damit zu den Problemen, oder besser dem Problem. Regisseur Josef Rusnak („The Contractor“) macht einen großen Teil der positiven Eindrücke im Alleingang kaputt. Da wären die Actionszenen, die er mit einem überbordenden Stilmittel-Bombardement beinahe samt und sonders kaputt inszeniert. Unpassende und sehr cheesige Zeitlupen-Einlagen, Jumpcuts, Lichtblitze, Flashbacks (während der Fights!) zu anderen Fights und hier und da zu hektische Schnitte lassen manche Kampfeinlage von Snipes leider vollkommen verpuffen.

Glücklicherweise hat sich Snipes anscheinend ab und an doch durchsetzen können und so bleiben einige Kampfeinlagen doch unangetastet und kommen sogar richtig stylisch rüber. Etwa ein Fight im Haus eines der Senatorenkandidaten, der irgendwann mehr eine Art Schattenspiel denn ein Fight ist.

Dennoch ist offensichtlich, dass Rusnack als Actionregisseur eher im unfähigeren Bereich angesiedelt ist. Vor allem der Showdown auf dem ungeheuer coolen Setting eines Uraltdampfers entwickelt zu keiner Zeit Wucht, Spannung, Dramatik oder was man sich sonst von einer größer angelegten Actionszene erwarten würde. Obendrein ist der Showdown so plötzlich zu Ende, wie er begonnen hat.

Auch optisch passt nicht mehr viel an dem Actionthriller

Außerdem hat Rusnack im Vergleich zum Vorgängerstreifen massive Optikprobleme. Natürlich hatte er nur einen Bruchteil des Budgets zur Verfügung, dass Regisseur Duguay bei „The Art of War“ zur Verfügung stehen hatte, dennoch ist es unverzeihlich, wenn ein DTV-Snipes-Streifen einfach nur aussieht wie eine Uraltfolge von „24“. Sprich: Hier macht sich piefigste 0815-TV-Optik breit und langweilt den Zuschauer doch massiv.

Zumindest wurde „The Art of War II“ in Kanada gedreht und nicht im damals so beliebten Ostblock. Dessen Look hätte „The Art of War II“ dann sicher vollends das Genick gebrochen. Auch ist Rusnack offensichtlich kein Regisseur, der sagt: „Holy Shit, dieser CGI Effekt ist so mies, lass uns die Szene einfach anders angehen.“ So ist die Ballerei mit der Superwaffe des Waffenhändlers in dem riesigen Dachgeschosszimmer von der Idee her richtig fett und in einigen Momenten für eine B-Produktion erstaunlich gut getrickst, doch dann endet alles in einem Special Effects Shot, der an schlimmste Cinetel / SyFy-Koproduktionen erinnert und wirklich mit zum Traurigsten gehört, was ich seit langem gesehen habe.

Was die Schauspielerführung angeht, verlässt sich Rusnack offenbar auf Zugkraft und Schmäh des Hauptdarstellers Wesley Snipes. Die Folge: Teils sehr schwache bis unterirdische Leistungen in den Nebenrollen, die ab und an an finsterstes Sprechpuppentheater uralter Michael-Dudikoff-Filme erinnern. Zudem schafft Rusnack es nicht, für Snipes einen ansatzweise würdigen und ebenbürtigen Gegner zu installieren. Das steigert sich mit zunehmender Laufzeit zum echten Problem, da Snipes permanent nur gegen gesichtslose Lackaffen losdreschen darf.

Was auch komplett misslungen ist, ist der Score von Peter Allen, der in einer Teenie-Sexkomödie auf Hawaii sicher ganz gut angebracht wäre, im Zuge eines auf Spannung ausgelegten Actionthrillers in seiner Mitnickbarkeit aber vollkommen deplatziert wirkt und in seiner Monotonie irgendwann auch amtlichst auf den Zeiger geht.

“The Art of War II: Der Verrat” kann sich zumindest auf Wesley Snipes verlassen

Was bleibt ist ein Streifen, der im damals aktuellen DTV-Oeuvre seines Hauptdarstellers weit vor Gurken a la „Marksman“ oder „Unstoppable“ anzusiedeln ist, gegen den besten Auswurf der snipesischen Kinoabstinenzphase „Detonator“ aber nur ein laues Lüftchen darstellt.

Im Vergleich zum zerfahrenen, etwas unhomogenen, dafür deutlich stylisheren Vorgänger „The Art of War“ verliert „The Art of War II“ zwar auch, allerdings nicht so deutlich, wie man es allgemein vielleicht befürchtet hat. So sind Wesley Snipes und die etwas straightere Story das größte Pfund an „The Art of War II“, während Regisseur Rusnack doch in so gut wie allen Belangen ziemlich versagt und einige gute Ansätze brachial platt walzt. Insgesamt ist aber dennoch eine halbwegs versöhnliche Note durchaus gerechtfertigt.

4 von 10

Die deutsche DVD von Sony ist die übliche Fanverarsche, bei der selbst Wesley Snipes aufgrund mangelhaften Schwarzwertes wirkt, als sei er grau … Keine Ahnung, wie Sony das immer wieder hinbekommt. Dafür gibt es zu den größer angelegten Kickerszenen von Snipes alternative Szenen zu bestaunen, die jedweden optischen Firlefanz außen vor lassen und einen ungefilterten Eindruck davon geben, was Snipes alles drauf hat und wie oft bei seinen Actionszenen Doubles zum Einsatz kommen (nie).

In diesem Sinne:
freeman

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