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The Bravest – Kampf den Flammen

Originaltitel: Lie Huo Ying Xiong__Herstellungsland: China__Erscheinungsjahr: 2019__Regie: Tony Chan__Darsteller: Huang Xiaoming, Du Jiang, Tan Zhuo, Yang Zi, Oho Ou, Hou Yong, Yin Xiaotian, Zhang Zhehan, Gao Ge u.a.
The Bravest DVD Cover

“The Bravest – Kampf den Flammen” spart nicht mit Spektakel.

„The Bravest – Kampf den Flammen“ basiert auf den Ereignissen in der chinesischen Stadt Dalian aus dem Jahre 2010. Hier waren zwei Rohöl-Pipelines explodiert, die zu einem gewaltigen Öllager im städtischen Xingang-Hafen führten. Die Folgen: Ein gewaltiger Ölteppich vor den Stränden der Stadt und ein Feuer, das aufgrund steter Ölzufuhr 15 Stunden lang brannte. Die Ereignisse nahm der Schriftsteller Bao’erji Yuanye zur Grundlage für seinen Roman „The Deepest Water Is Tears“, der 2019 für die große Leinwand adaptiert wurde.

Der daraus resultierende Film erzählt von Jiang Liwei, Hotshot der Feuerwehr der chinesischen Stadt Dalian. Als es jedoch bei einem Einsatz zu einem folgenschweren Zwischenfall kommt, wird er seines Amtes enthoben und in die Provinz versetzt. Doch schneller als ihm lieb sein kann, wird er wieder gen Dalian berufen. Hier droht nämlich ein Erdöl-Terminal im Xingang-Hafen zu explodieren und eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes auszulösen.

Zusammen mit Kameraden aus allen Teilen der Provinz wirft sich Liwei in den Kampf gegen die Flammen. Ein scheinbar aussichtsloses Unterfangen, das auch Menschenleben fordern wird.

Schaut in den brandheißen Desaster-Film aus China hinein

Wer ein Faible für große Spektakelbilder hat, der dürfte in „The Bravest“ definitiv ein neues El Dorado finden. Denn die Chinesen um Regisseur Tony Chan holen von Anfang an den ganz großen Hammer raus. Bereits in der Einleitung fegen sie die Zuschauer mit der gewaltigen Explosion eines Restaurants förmlich aus dem Sessel. Obendrein meint man, viele Bilder rund um diese Exposition bereits zu kennen. Immer wieder scheint nämlich der Platzhirsch „Backdraft“ in einzelnen Szenen durch. Nicht das schlechteste Vorbild für einen feurigen Katastrophenfilm.

Unmittelbar nach dieser krachigen Eröffnung geht in dem gewaltigen Öllager im Hafen von Xingang alles schief. Und schon fegen die nächsten großen Bilder über den Zuschauer hinweg. Bilder fetter Explosionen, Feuersbrünste und herumgeschleuderter Hafenarbeiter – ein wahres Inferno. Von dem so etablierten Schauplatz wird sich der Film in den nächsten 100 Minuten kaum wegbewegen. Stattdessen startet er eine Kette von Ereignissen, die für immer neues Augenfutter sorgen. Darunter zum Beispiel explodierende und sich überschlagende Löschzüge oder wie Geschosse umherschießende Gullydeckel. Dass sich dabei die ohnehin dramatische Ausgangssituation noch weiter zuspitzt, muss man sicher nicht extra erwähnen.

The Bravest Feuerwehrleute

Angesichts brennenden Öls geraten einige Feuerwehrleute an ihre Grenzen.

Fans von Desaster-Filmen kommen also vollends auf ihre Kosten. Wenn, ja wenn sie den wahrhaft überbordenden Heldenpathos des Filmes ausblenden können. Und das sagt ein Fan von Heldenpathos. Allerdings muss man zu „The Bravest – Kampf den Flammen“ eines wissen: Er war einer von neun Filmen, die anlässlich der 70-Jahrfeier der Gründung der Volksrepublik China produziert wurden. Und die Volksrepublik schlägt bei dieser Propaganda-Maschine über den Durchhaltewillen der Chinesen vollkommen über alle Stränge.

Die Folge ist eine Flut an nicht nachvollziehbaren Szenen, die allesamt aus dem übertrieben zelebrierten Pathos resultieren. Da bilden Feuerwehrleute eine Menschenkette und stellen sich gegen das Feuer – ohne Schläuche oder Löschmittel wohlgemerkt. Da tönen vor jeder Aktion Durchhaltereden aus dem Lautsprecher. Es wird in den unpassendsten Momenten ausgiebigst salutiert, um andere Helden zu feiern. Wenn ein Feuerwehrmann stirbt, legen ALLE anderen die Arbeit nieder, um eine Art Schweigeminute inmitten der heftigsten Feuersbrunst zu zelebrieren. Zu von Chorälen vorangepeitschter Musik sterben die Kameraden, ziehen sich heftige Verwundungen zu, verlieren trotzdem nie den Mut und opfern sich bis zum – natürlich – heldenhaften Freitod auf.

The Bravest aus China feiert Feuerwehrleute

Die chinesische Feuerwehr stellt sich gegen eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes.

Das wird derart heftig mit dem Holzhammer inszeniert, dass „The Bravest“ leider immer wieder ins unfreiwillig Komische abrutscht. Über weite Teile kann man gar nicht glauben, was man da zu sehen bekommt. Schnell beginnt man aufgrund der dummen Entscheidungen und Handlungen der Feuerwehrleute an die suizidalen Lemminge des gleichnamigen Computerspiels zu denken. Spätestens wenn einige Feuerwehrleute mit ihren Schläuchen mitten ins Feuer rennen, um sich dann zu wundern, dass die Schläuche natürlich nicht feuerfest sind und sie sich so selbst in akute Lebensgefahr gebracht haben, lässt man alle Hoffnung fahren.

Derart dumme Szenen bekommt Regisseur Chan ganz schnell nicht mehr aufgefangen. Womit auch, immerhin wären Ironie, Humor oder andere Brechungen hier vollkommen fehl am Platz. Selbst die Etablierung eines weiteren Handlungsstranges, der zeigen soll, wie die Bevölkerung der betroffenen Stadt um ihr Überleben kämpft, funktioniert nicht. Weil diese Parallelhandlung um eine Mutter und ihr Kind derart spannungsfrei transportiert wird, dass man sie nur als überflüssigen Showstopper begreifen kann.

Action aus Feuerwehrfilm

Dieser Laster ist nicht der einzige, der in “The Bravest” durch die Gegend geschleudert wird.

Die Schauspieler gehen in dieser Gemengelage total unter und werden dank Uniformen und Helmen zur gesichtslosen Masse. Einzig Jiang Du („Operation Red Sea“) und Xiaoming Huang („Ip Man 2“) bleiben ansatzweise im Gedächtnis, da der Film an ihren Figuren entlang aufgezogen wird. Wobei das Verhältnis der beiden Figuren untereinander total unklar ist. Allgemein bekommt keine Figur einen glaubhaften Hintergrund vom Drehbuch zugestanden. Das Feuer und die Durchhalte-Messages sind die Stars, denen sich hier alles unterordnet.

In technischer Hinsicht dominieren fette Spektakelbilder, unter denen ein brutal heroischer Score wüten darf. Der Aufwand hinter „The Bravest“ mutet gigantisch an und man sieht selbigen auch tatsächlich auf der Leinwand. Die schier nicht enden wollende Zahl an im Vorspann erwähnten Produktionsfirmen scheint eine Menge Geld lockergemacht zu haben. Vermutlich hat auch das Politbüro ein paar Taler beigesteuert. Dass alles Geld der Welt nicht reichte, um den einen oder anderen cheesy Effektshot zu verschleiern, verwundert dann allerdings schon. Aber CGIs waren und sind noch nie die Stärke der chinesischen Filmindustrie gewesen.

„The Bravest – Kampf den Flammen“ ersäuft im Pathos

Schon früh beim Genuss von „The Bravest – Kampf den Flammen“ macht sich Ernüchterung breit. Klar, die feurigen Bilder haben eine irre Wucht und man lässt sich nur zu gerne von dem heroischen Score einlullen. Ständig passiert etwas und sind die Filmcharaktere in Bewegung. Aber das zwischen den brandheißen und irre aufwändigen Spektakelbildern gezündete Heldenpathos ist schlicht und ergreifend unerträglich. Teilweise sitzt man fassungslos mit dem Kopf schüttelnd vor der Glotze und kann gar nicht glauben, was darauf abgeht. In der Folge wird die Distanz zu den Charakteren und der Katastrophensituation immer größer und das mitreißende Element immer kleiner. Irgendwann köchelt die Spannung nur noch auf Sparflamme und rutscht das den chinesischen Feuerwehrleuten gewidmete Katastrophendrama komplett in unfreiwillig komische Gefilde ab.

04 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erscheint am 28. Februar 2020 von Capelight Pictures. Mit einer FSK 16 Freigabe ist der Film ungeschnitten und Bild und Ton der Datenträger sind absolut tadellos. Das Fehlen von Extras jedoch ist bei einem solch aufwändigen Film beinahe unverzeihlich.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Capelight Pictures__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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