| Originaltitel: the Decedent__ Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2025__ Regie: Andrew Bowser__ Darsteller: Zoe Graham, Andrew Bowser, Paul Schwartz, Jawaun Sanders, Daniel Dorr, … |

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Bei „the Decedent“ (2025) handelt es sich um einen Low-Budget-Horror-Streifen von Andrew Bowser – welcher ebenfalls die zugehörige Skript-Vorlage verfasste und eine der Nebenrollen verkörpert. Seines Zeichens seit etlichen Jahren schon u.a. als Autor, Schauspieler, Regisseur diverser Musik-Videos, Kurz- und Langfilme, Comedian, YouTube-Content-Creator und Podcaster aktiv, begab er sich 2021 ans Realisieren des Projekts – allerdings reichte nach den Dreharbeiten in Pittsburgh das Geld für die Post-Production auf einmal nicht mehr aus; weshalb das Werk im Folgenden vorerst unvollendet verblieb. Als nächstes stemmte er „Onyx the Fortuitous and the Talisman of Souls“ (2023) – basierend auf seinem bekanntesten „Alter Ego“ sowie dank einer Crowdfunding-Kampagne, die ihm stolze $610.467,- bescherte – nach dessen Veröffentlichung ein Vertreiber dann auch Interesse an diesem Werk hier bekundete; sollte er es denn fertig bekommen. Also versuchte er es erneut via Kickstarter – und erhielt dafür auf jenem Wege schließlich $26.774,- von 197 Backern (einer derer ich war) gepledged: Eine mehr als genügende Summe…
Obgleich dem Found-Footage-Subgenre zugeordnet sowie sich in dem betreffenden charakteristischen Look bzw. Stil entfaltend, ist das gebotene Bild-Material im Vorliegenden nicht etwa irgendwo „gefunden“ worden – vielmehr werden dem Publikum die Ereignisse der erzählten Geschichte dieses kleinen Indies einfach nur in Form verschiedener Recordings unterschiedlicher Quellen Schrägstrich Geräte präsentiert, die „traditionell“ zusammengeschnitten sowie außerdem mit einem Score unterlegt wurden. Über den Verlauf einer Nacht hinweg in den Räumlichkeiten einer einzigen Location angesiedelt – und zwar in denen des Beerdigungs-Instituts von Stephen Brady (Paul Schwartz) und seiner Tochter Bella (Zoe Graham) – stammen die Aufnahmen von einer ganzen Reihe an Security-Kameras, die nach einigen Einbrüchen jüngst bei ihnen installiert wurden, von einem Camcorder und einer GoPro, die Bella jeweils nutzt, um ihre Tätigkeiten (bspw. für Branchen-spezifische oder medizinische Tutorials) zu dokumentieren, sowie seitens der Body-Cams zweier Polizisten; einer davon ihr Ex-Freund Mark (Jawaun Sanders)…
Während ihr eine Weile nun schon verwitweter Vater zu einem Date hin aufbricht, gedenkt Bella indes, an diesem Abend die inzwischen einbalsamierte Leiche eines Mannes für die anstehende Trauerfeier weiter vorzubereiten. Per Kopfschuss hatte Richard Feller Suizid begangen – daher ist es gerade ihre primäre Herausforderung, im Zuge der Präparation einen Teil seines Gesichts zu rekonstruieren. Beim Durchgehen seiner Lieblings-Kleidung, welche die Familie ihr fürs Herrichten zur Verfügung gestellt hatte, entdeckt sie in einer der Taschen einen bis dato scheinbar übersehenen Zettel, der sich (neben ein paar anderen kryptischen Zeilen) als ein verdächtig nach einem Schuld-Eingeständnis für eine nicht genauer benannte Tat lesender Abschieds-Brief entpuppt – inklusive einer Adressangabe. Verunsichert, kontaktiert sie Mark – welcher ihr verspricht, jenen Ort mal anzusteuern. Willkommener Weise (wegen seiner Gesellschaft und seines selbstgebrannten Schnaps‘) ist der nette Hausmeister Duncan (Bowser) gegenwärtig noch dabei, das Schloss der Hintertür auszutauschen – bevor sich Mark etwas später bei ihr zurückmeldet; mit beunruhigenden Ausführungen…
„the Decedent“ eröffnet in Gestalt einer Werbung für das Bestattungs-Unternehmen der Bradys – worauf das beschriebene Darbietungs-Konzept stracks einsetzt sowie konsequent bis zum Ende hin durchgezogen wird; mit den Footage-Perspektiven (je nach Relevanz im aktuellen Geschehen) im ständigen Wechsel sowie regelmäßig ergänzt um eine Split-Screen-Übersicht mehrerer Feeds der Überwachungs-Kameras im Gebäude (plus draußen an den Eingängen). Auf Anhieb positiv zu registrieren: Bowser konnte in einem echten Betrieb dieser Art drehen – was die von solchen Örtlichkeiten generell ausgestrahlte Atmosphäre nochmals zusätzlich kräftigt. Der Einstiegs-Akt etabliert die Ausgangs-Situation zweckdienlich – so dass man durchaus gespannt auf die von Bella kommentierte Nach-Modellierung der zerstörten Schädelpartie ist. Mit dem Toten in ihrer direkten Nähe in einem Leichensack liegend, legt sie also los – allerdings muss sie das schon bald unterbrechen, um einige (Exposition liefernde) Dinge mit Duncan und ihrem Vater zu bereden, welche sie mit ihrer Anwesenheit eh vom eigentlich erhofften zügigen Vorankommen abhalten…
Als etwas unrealistisch empfand ich es, dass Stephen’s Date erst nach 23 Uhr beginnt – aber nun gut: Jedem das Seine. Plötzlich informiert Mark Bella darüber, dass er an der angegebenen Adresse auf etliche grässlich zugerichtete menschliche Überreste gestoßen ist – so dass Feller jetzt posthum verdächtigt wird, ein Serien-Killer zu sein, und er den Körper in den nächsten Stunden abholen würde, um ihn in die Gerichtsmedizin zu bringen. Bis dahin hatten Bella und Duncan locker (sowie am Alkohol nippend) über dies und jenes geplaudert – z.B. übers Nicht-Glauben an Geistern, wenn man einen Job wie ihren ausübt, wie eine Einbalsamierung funktioniert oder warum Jugendliche dort einbrechen sollten (da manche der Chemikalien zum High-Werden taugen) – doch erweckt das Erfahrene bei Duncan (im Gegensatz zur eher beklommen reagierenden Bella) sogleich erhöhte Neugier – denn seit jeher ist er ein leidenschaftlicher True-Crime-Fan, der sich hier nun just nahe dran (statt bloß bereits sonstwo Erschienenes konsumierend) vorfindet. Dann erhält Bella einen weiteren Anruf – u.a. mit neuen Details zu den Ermordeten…
Auf Nachfrage berichtet sie Duncan, bei allen wären die Worte IN HIS NAME in die Haut geritzt worden – was er wiederum stracks mit einem speziellen Fall zu verbinden vermag: In den ’50ern hatte Victor Lee Tannon 13 Personen getötet und exakt das an den Tatorten hinterlassen – und in jedem folgenden Jahrzehnt hatte jemand dieses Vorgehen „nachgeahmt“; von denen ein Gefasster angab, eine Macht hätte ihn ergriffen und zu diesen Verbrechen gezwungen (wobei da aber natürlich verbreiteter in Richtung eines Kults oder gestörter Einzel-Follower spekuliert wird). Logischerweise unwissend für Bella und Duncan, wurden dem Zuschauer derweil ab und an schon merkwürdige Bild-Glitches in bestimmten Momenten (wie so oft in vergleichbaren Genre-Streifen) vor Augen geführt, die eventuell tatsächlich auf paranormale Einwirkungen hindeuten könnten. Die Mystery-Komponente dieser Phase – mit der im Raum stehenden Unklarheit im Zentrum, was es mit dem Ganzen wohl auf sich hat – bewegt das zuvor unterschwellige Unbehagliche solide weiter voran – bis es um der Halbzeitmarke herum leider jedoch zu schnell zu konkret wird…
„the Decedent“ entpuppt sich als ein Besessenheits-Film: Einer der Zugegenen wird von dem „Geist“ Tannons eingenommen – dessen Ziel es immer gewesen ist, die Zahl von 100 Opfern zu erreichen (vor dieser Nacht lag der Stand bei 63). Erwartungsgemäß trudeln diejenigen, die im Vorfeld bislang involviert waren (oder erwähnt wurden), nach und nach ein – und sterben. Für eine Produktion mit einem so niedrigen Budget sind die Kills absolut brauchbar geraten – dank überzeugender Practical-F/X und ihrer ungemütlich-qualvollen Art besonders zwei davon: Einer mit einer großen arteriellen Metall-Stab-Kanüle als Waffe und einer, bei dem der Vorgang der Einbalsamierung (Blut raus, Chemikalien rein) bei einer Unglückseligen gestartet wird, während jene noch am Leben ist. Grundsätzlich gefielen mir gewisse Sequenzen prima, die nice creepy und/oder eigenwillig-grotesk daherkommen – darunter flüchtige Images des umherwandelnden Leichnams Fellers sowie die letzten Sekunden – allerdings vermochte Bowser das Level jener (ebenso wie das des Pacings) nicht „überdauernder“ beizubehalten; selbst im finalen Drittel nicht…
Wovon das Werk definitiv profitiert hätte, wäre wenn es bloß den Umfang einer „Masters of Horror“-esken Episode aufgewiesen hätte – sprich: Rund 45 bis 60 Minuten (so nun sind es 81). Ich habe weiß Gott nichts gegen Slow Burns – und mir ist bewusst, dass Bowser u.a. wegen der Vermarktbarkeit kein nur etwa einstündiges Ergebnis angestrebt hat – doch sind die Möglichkeiten, die eine oder andere Situation bzw. Stelle zugunsten einer komprimierteren, intensiveren Entfaltung zu „straffen“, einfach nicht zu verkennen. Würde man wenigstens eine innigere Connection zu den Protagonisten aufbauen können – aber nein: Das verhindern deren Figuren-Zeichnungen (samt teils echt schwacher Dialoge sowie dummer Gebarensweisen und Entscheidungen) weitestgehend. Zoe Graham („Secret in their Eyes“) ist das allerdings nicht anzukreiden: Sie agiert charismatisch und eindringlich – nur vermindert sich Bella’s Sympathie-Grad irgendwann erheblich, als sie in den Bann Tannons gerät. Ihren Vater spielt Paul Schwartz indes annehmbar – wie auch Bowser die Rolle Duncans; welcher aber einen Zacken zu viel Screen-Time besitzt, meiner Meinung nach…
Mark schlichtweg schlecht portraitierend, fällt bei Jawaun Sanders noch mehr als bei Bowser auf, dass jene bei ihren Auftritten (im Zuge ihrer Unterhaltungen mit Bella) des Öfteren unbeholfen steif anmutend herumstehen – von der fies „hölzernen“ Reaktion Marks aufs Auffinden einer Leiche mal ganz zu schweigen. Im Kontext der Ereignisse um sie herum hätte bei beiden (jeweils ab einem Punkt) eine stärkere „Unruhe“ besser gepasst. Zusätzliche Dinge, die einem die Laune ein Stück weit trüben, sind z.B. als Mark Bella ein Handy-Video des Tatorts zeigt, von dem er betont, dass er sie das eigentlich gar nicht sehen lassen dürfte – mit dieser Szene einem aber via seiner Police-Body-Cam dargeboten – oder als zwei Kids gegen halb drei in der Früh‘ einen erneuten Einbruchs-Diebstahl bei den Bradys angehen – unabhängig dessen, dass das Gebäude nicht abgeschlossen ist, die Lichter brennen und ein Transporter mit offenen Türen am Hintereingang steht; also alles darauf hinweist, dass Leute anwesend sind. Die Story an sich ist okay für einen Streifen wie diesen – hätte allerdings inspirierter ausgearbeitet werden müssen, um die Lauflänge zu rechtfertigen…
Was mich bei „the Decedent“ überdies geärgert hat, waren diverse Kontinuitäts-Fehler im Bereich der Überwachungskamera-Aufnahmen – vorrangig da es auf ihnen Wanduhren zu erspähen gibt, deren Zeiten meist nicht mit der Einordnung im Geschehen (sowie den digitalen Time-Stamps) übereinstimmen. Die verschiedenen Perspektiven sorgen für Abwechslung – und bei der 9er-Ansicht schaut man stets unweigerlich genauer hin; also zwischen den einzelnen „Kacheln“ umher – doch als sich die Handlung später mal in den Keller verlagert, kommen plötzlich neue Feeds hinzu, die vorher nie aufgetaucht sind sowie von der Platzierung der Geräte her überwiegend nicht wirklich realistisch erscheinen. Unlogisch zudem, dass sich eine besessene Person die rekonstruierte Gesichtspartie Fellers aufsetzt – schließlich ist es nicht dessen Geist, sondern der Tannons: Aber hey, zumindest erfüllt der Anblick seinen beabsichtigten Zweck! Der Score ist derweil deutlich gelungener als das Editing – und auch das Sound-Design mochte ich – alles in allem ist der Film jedoch keine Empfehlung wert. Stattdessen lieber noch einmal zu „the Autopsy of Jane Doe“ greifen…
gute![]()
Während „the Decedent“ in den USA bei Tubi verfügbar ist, sind mir bis heute (01/2026) indes noch keine Veröffentlichungspläne für Deutschland bekannt…
Stefan Seidl

(© Fortuitous Films & Tubi)
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| Copyright des „the Decedent“ Postermotivs und der Screenshots: Fortuitous Films / Tubi__ Freigabe der amerikanischen VÖ: TV-MA__ DVD/BluRay: nein/nein |




