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The Reach – In der Schusslinie

Originaltitel: Beyond the Reach__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2014__ Regie: Jean-Baptiste Léonetti__Darsteller: Michael Douglas, Jeremy Irvine, Hanna Mangan Lawrence, Ronny Cox, Patricia Bethune, Martin Palmer, David Garver u.a.
The Reach

Michael Douglas jagt als fieser Geschäftsmann einen Fährtenleser durch die Mojave-Wüste

Fährtenleser Ben wird von einem reichen Jäger engagiert, ihm bei der Jagd auf ein seltenes Schaf zur Seite zu stehen. Ben ist von der Arroganz John Madecs, der sich als skrupelloser Geschäftsmann entpuppt, wenig angetan. Da dieser aber einen ordentlichen Batzen Geld zahlen will, übernimmt Ben den Job. Wirklich näher kommen sich die beiden Männer in den folgenden Stunden aber nicht. Vor allem weil Ben das protzige Gehabe von Madec wenig imponiert. Ein Hochleistungsgewehr und eine Mercedes-Offroad-Spezialanfertigung ringen ihm keinerlei Respekt ab.

Doch nach und nach kann der charismatische Madec zu Ben durchdringen. Man bleibt zwar immer respektvoll auf Abstand, gemeinsam lachen und sich gegenseitig die jeweiligen Lebensgeschichten erzählen, das klappt ganz gut. Allerdings ahnt Ben, dass Madec ihm noch einen Haufen Ärger einbringen wird. Und wirklich, als sie vermeintlich eines der gejagten Schafe ausgemacht haben, drückt Madec unvermittelt und vor allem übereilt ab…

Als die beiden Jäger nach der Beute Ausschau halten, müssen sie feststellen, dass der vorbeihuschende Schatten keinem Tier gehörte. Vielmehr hat Madec einen Einsiedler schwer verwundet. Ben will den Verwundeten sofort in ein Krankenhaus bringen, doch Madec kann sich derartige Publicity nicht erlauben. Er erschießt den Verwundeten mit Bens Waffe, um ihm den Unfall in die Schuhe zu schieben, und denkt gar nicht daran, Zeugen für diese Tat am Leben zu lassen. Es beginnt eine lange Jagd durch die lebensfeindliche Mojave-Wüste…

Diese wird von Regisseur Jean-Baptiste Leonetti so intensiv bebildert, dass man mehr als einmal versucht, sich auszumalen, wie anstrengend die Dreharbeiten in diesem Landstrich wohl gewesen sein müssen. Denn Leonetti kehrt sowohl die unendliche Schönheit dieses lebensfeindlichen Landstriches heraus als auch seine unmittelbare Bedrohung für Leib und Leben. Er zelebriert die schroffe Natur der Wüste, lässt den Zuschauer die unnachgiebige Hitze der Sonne förmlich am eigenen Leib spüren und sorgt für viele intensive Momente, die das Katz- und Mausspiel zwischen Madec und Ben um eine wirklich heftige Survival-Note ergänzen.

The Reach

Hier ziehen Ben und John noch an einem Strang…

Dabei wird die auf dem Roman „Deathwatch“ basierende Geschichte absolut auf das Wesentlichste heruntergebrochen. Ist die Verfolgungsjagd einmal gestartet, spannt der Film keinerlei Nebenhandlungen mehr auf. Er wird zum Zweipersonenstück. Es geht nur noch um Aktion und Reaktion. Zwischenmenschliche Interaktionen sind ausschließlich geprägt von dem Überlebenskampf und den Versuchen, den jeweils anderen zu übertölpeln bzw. auszuschalten. Dadurch hat der Film etwas irre Physisches und zehrt natürlich komplett von dem Darsteller-Gespann Michael Douglas und Jeremy Irvine.

Michael Douglas („Ant-Man“) ist als in der sengenden Wüstenhitze Martinis mixender Geschäftsmann eine einzige Wucht. Seinem sinistren Spiel verdankt der Film diverse Spannungshöhepunkte. Und das schon weit vor der eigentlichen Verfolgungsjagd. Denn man traut dem verschlagenen Madec dank Douglas’ irrer Präsenz alles zu und erwartet förmlich von Szene zu Szene, dass der Charakter irgendwann Amok läuft. Irgendwie hat man teilweise das Gefühl, dass man hier einfach seinem Wall-Street-Charakter Gordon Gekko bei einem „Erholungsurlaub“ zuschaut…

The Reach

John und sein Offroad-Monster.

Gegen diese Charisma-Show kommt Jeremy Irvine („Die Frau in Schwarz 2“) nicht ganz an. Was aber nicht heißen soll, dass er schlecht wäre. Ganz im Gegenteil: Er zeichnet seinen Ben sehr sympathisch und macht in seiner Rolle, die ihm vor allem physisch einiges abverlangt, eine tolle Figur. Aufgrund dieser Tatsachen und des mal wirklich hinterfotzigen Antipoden fiebert man nur zu gerne mit Ben mit. Obwohl der Film sehr stark auf seine beiden Hauptfiguren fokussiert, tummelt sich in einer Nebenrolle gar ein größerer Name wie der von Ronny Cox („Robocop“).

Inszenatorisch gibt der Schauplatz hier immer die Richtung vor. Es dominiert eine Mischung aus erdigen Farben einerseits und dem knalligen Blau des Himmels andererseits. Die Sonne flutet jedes Bild mit praller Helligkeit und die unendlichen Panoramen der Wüste sorgen für die eindrucksvollen Schauplätze. Stilistisch fallen vor allem harte Zooms auf, die immer auch die Zieloptik eines Scharfschützengewehres nachzuahmen scheinen. Interessant sind auch Momente, in denen der Regisseur gefühlt jedwede Filtermöglichkeiten von seiner Kameralinse entfernt und die Sonne gnadenlos auf das Material einbrennen lässt. Spätestens da wird einem auch auf dem heimischen Sofa ziemlich heiß… Eine flotte Montage und ein treibender, spannungsfördernder Score heizen zusätzlich ein.

The Reach

John kann keine Zeugen gebrauchen!

Im Grunde ist „The Reach“ schon aus sich heraus das Idealbeispiel für einen Actionfilm: Aufgrund seiner Story-Prämisse ist er immer in Bewegung und legt in Sachen Eskalation immer noch eine Schippe oben drauf. Die Folgen sind zwar keine gigantischen Verfolgungsjagden oder Shootouts, dafür aber eine konstante Spannungskurve und ein mehr als beachtliches Tempo. Gerade bei den direkten Konfrontationen zwischen Ben und Madec gönnt sich „The Reach“ auch mal knalligere Momente, beispielsweise bei dem hübschen Finale in der Wüste. Seine Problemzonen hat der Film direkt zu Beginn und gegen Ende. So ist die Hinleitung zu dem Jagdtrip eine ziemliche Abfolge an Klischees. Welche noch durch die blöde Beziehungskiste zwischen Ben und seinem Love Interest verschärft wird. Derweil ist die Herleitung der Schlussszene einfach nur blöd und bis zu einem gewissen Grad auch vollkommen unlogisch. Davon abgesehen bleibt ein starkes Duell zwischen zwei ebenbürtigen Gegnern, das vor allem aus seinem Schauplatz noch viele zusätzliche Reize zu generieren vermag. Ob die Macher von „The Reach“ eigentlich „Bone Dry“ gesehen haben? Dieser Film sagt wie „Hitcher – Der Highway Killer“ im Verlauf von „The Reach“ mehr als einmal „Hallo“ zu dem wissenden B-Filmfan. Nicht die schlechtesten Vorbilder für einen grimmigen Wüstentrip…

Die deutsche DVD/Blu-ray kommt am 25. September 2015 von Universum Film und Square One und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten. Abgesehen von einigen Trailern bekommt man allerdings keinerlei Antworten auf die im Review gestellte Frage nach dem Ablauf der Dreharbeiten…

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Universum Film/Square One__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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