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The Shanghai Job

Originaltitel: Ji Zhi Zhui Ji__Herstellungsland: China__Erscheinungsjahr: 2017__Regie: Charles Martin__Darsteller: Orlando Bloom, Simon Yam, Lynn Hung, Hannah Quinlivan, Xing Yu, Wu Lei, Thomas Price, Liang Jing, Ying Da, Chang Rong u.a.
The Shanghai Job deutsches DVD Cover

Kurier-Dienstleister Danny (Orlando Bloom) erlebt in “The Shanghai Job” das Abenteuer seines Lebens.

Danny Stratton betreibt in Shanghai einen Kurierdienst für besonders wertvolle Gegenstände. Gerade wohnt er dem Transport eines unfassbar teuren van Goghs bei und genießt den reibungslosen Ablauf der Aktion, als eine Explosion in die Routine bricht. Der Wagen mit Danny und dem Gemälde darin überschlägt sich. Ein Kerl dringt von außen in den Transporter ein und verpasst Danny einen Roundhouse-Kick, nur um hernach mit dem Gemälde zu verschwinden…

Ein Jahr später hat Dannys Unternehmen immer noch an diesem Zwischenfall zu knabbern. Der Verlust des Gemäldes schadete der Reputation gewaltig und die Kunden bleiben aus. Was noch dadurch verschärft wird, dass die örtliche Polizei aufgrund des spurlosen Verschwindens des Bildes vermutet, Danny höchstselbst könne hinter dem Verbrechen stecken.

In genau dieser Phase gelingt es Danny doch noch, einen großen Kunden an Land zu ziehen. Für diesen sollen er und seine Partner Mach Ren, JJ und DingDong eine wertvolle Vase nach London befördern. Doch schon bei ihrer Fahrt zum Shanghaier Flughafen werden Danny und Co. überfallen. Turbulente Minuten später hat Danny zwar die Vase gerettet, doch er hat auch mitbekommen, dass die Angreifer ebenjene waren, die einst den van Gogh entwendeten!

Danny will die Ereignisse von damals wieder gerade rücken, den van Gogh zurückholen und die Drahtzieher am besten hinter Gitter bringen. Doch das gestaltet sich alles andere als leicht…

Schaut in “The Shanghai Job” mit Orlando Bloom hinein

Wenn Orlando Blooms Danny gleich zu Beginn aus dem Off etwas unheilschwanger über die Bedeutung von Zeit fabuliert, ist man tatsächlich gespannt, wie sich dieser Aspekt auf den eigentlichen Film auswirken wird. Wird mit der Erzählzeit gespielt? Wird auf verschiedenen Zeitebenen gearbeitet? Wird die Zeit irgendwie sonst eine Rolle spielen? Leider kommt dem Zeitaspekt im Film dann jedoch keinerlei Bedeutung zu. Es fliegen zwar immer mal wieder Uhren durchs Bild, doch weder gibt es besondere Countdowns noch Story-Fragmente in verschiedenen Zeitebenen.

Stattdessen erzählt „The Shanghai Job“ eine geradlinige Geschichte, in der der Held der Chose die Möglichkeit erhält, ihm Widerfahrenes ungeschehen zu machen und sein Leben nicht nur beruflich wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Denn freilich schadete der Zwischenfall rund um das Van-Gogh-Gemälde nicht nur Dannys Firma, sondern er wirkte sich auch auf Dannys Verhalten aus und schädigte so dessen Beziehung zu seiner großen Liebe Ling nachhaltig.

The Shanghai Job Orlando Bloom mit Simon Yam

Danny mit seinen Partnern JJ (li.) und Mach Ren.

Da Danny und Co. bei diesem „Rachefeldzug“ höchst unbeirrbar vorgehen, birgt „The Shanghai Job“ keine großen Überraschungen oder erzählerischen Twists. Wer sich hier einmal verdächtig benimmt, ist auch garantiert ein Lump. Einzig die Identität eines wichtigen Hintermannes auf Seiten der Kunstdiebe ist durchaus nicht zwingend vorhersehbar, wertet das Drehbuch von Kevin Bernhardt nun aber auch nicht sonderlich auf. Der war in erster Linie darauf bedacht, seine Story flott voranzutreiben.

Und genau das setzt der bislang vornehmlich fürs TV gearbeitet habende Regisseur Charles Martin („Skins – Hautnah“) trefflich um. Hält „The Shanghai Job“ immer in Bewegung und sorgt für einige actionreichere Momente. Höhepunkt ist dabei definitiv die Fahrt von Danny und Co. zum Flughafen, bei dem sie zunächst von Motorradfahrern und dann auch von Fahrern anderer Transportvehikel angegriffen werden. Blechschäden und diverse Motorradstunts inklusive.

Im weiteren Verlauf setzt es dann überwiegend Verfolgungsjagden (meist zu Fuß) und diverse Kampfeinlagen, bei denen vor allem Orlando Bloom mit geerdeten, aber effektiven Aktionen gegen Kung-Fu-Chinesen austeilen darf und dabei eine hervorragende Figur macht. Hier und da darf auch mal etwas explodieren, aber richtig aufwändige Actionszenarien bleiben im weiteren Verlauf aus.

The Shanghai Job mit Simon Yam

HK-Kultstar Simon Yam fungiert in “The Shanghai Job” als Sprachrohr für Orlando Bloom.

Leider passt sich Orlando Bloom abseits der Action an seine ungewohnt blonde Haarfarbe an und bleibt doch erstaunlich blass. Der Darsteller, der zuletzt in „Zulu“ und „Unlocked“ unvermutetes Charisma aufblitzen ließ, wirkt ab und an regelrecht verloren und hat irgendwie nie die Souveränität und Coolness am Leib, die man von einer Figur wie Danny erwarten würde. Ab und an beschleicht einen auch das Gefühl, dass bei der vollständig chinesisch finanzierten Produktion die Sprachbarriere (von der man in der komplett synchronisierten deutschen Fassung freilich nichts mitbekommt) ein Problem gewesen sein könnte.

Ein paar herrlich seltsame Momente hat dagegen Simon Yam („Lethal Warrior“) als Mach Ren abbekommen. Er ist Blooms/Dannys Schnittstelle zum chinesischen Cast und hat eine eigenwillige Vorliebe für eine nicht sonderlich menschenfreundliche Behandlung der Gegner Dannys. Als Tough-Cookie JJ hinterlässt Hannah Quinlivan keinerlei Eindruck. Dagegen kommt Lei Wu als nerdiger Drohnenpilot DingDong sehr sympathisch rüber. Schade ist, dass man die Bösewichter weitgehend nicht ernst nehmen kann, da sie allesamt recht harmlos gezeichnet werden. Nur Xing Yu („Kung Fu Killer“) hinterlässt als Martial-Arts-Könner Long Fei bleibenden Eindruck, versauert aber auf der Rechte-Hand-Bank.

The Shanghai Job mit Orlando Bloom in Action

Orlando Bloom machte einen Großteil seiner Stunts selbst.

Optisch setzt Regisseur Martin auf einen glatten Hochglanzlook und schöne Panoramaansichten von Shanghai. Sobald es dunkel wird über der Millionenmetropole, schaltet Martin in den Komplementärfarben-Look und lässt die Stadt in roten, grünen, gelben und blauen Farben erstrahlen. Sehr oft wird Shanghai aus der Drohnensicht präsentiert, was freilich eng mit dem Charakter DingDong zusammenhängt. Erstaunlich ist, dass sobald „The Shanghai Job“ sich durch die Eingeweiden der Stadt schlängelt, diese doch immer wieder seltsam menschenleer wirkt. Zudem kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Produktion trotz eines 30-Millionen-Budgets nur an relativ abgeranzten Ecken der Stadt wirken durfte.

Gegen Ende greift der Streifen das den Film eröffnende Sinnieren von Orlando Blooms Charakter über die Zeit noch einmal auf, was die Gelegenheit für ein Resümee gibt: Für die Zeit des Genusses von „The Shanghai Job“ wird man dank geradliniger und leidlich spannender Story sowie netten Actionsequenzen kurzweilig und temporeich von dem versiert in Szene gesetzten Streifen unterhalten, ohne die dabei verstreichende Zeit als Verschwendung derselben zu begreifen. Sobald man jedoch „The Shanghai Job“ wieder aus dem Player genommen hat, schwindet jedwede Erinnerung an den Film mit jeder Sekunde mehr. Tja ja, die Zeit kann wirklich fies sein…

6 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erscheint am 13. April 2018 von Capelight Pictures und ist mit einer Freigabe ab 12 ungeschnitten. Bis auf den Trailer zum Film haben sich leider keinerlei weiterführende Extras zu „The Shanghai Job“ auf die Datenträger verirrt.

In diesem Sinne:
freeman

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Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Capelight Pictures__Freigabe: FSK 12__Geschnitten: Nein__ Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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