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The Wild Boys

Originaltitel: Les Garçons Sauvages__Herstellungsland: Frankreich__Erscheinungsjahr: 2017__Regie: Bertrand Mandico__Darsteller: Christophe Bier, Pauline Lorillard, Sam Louwyck, Elina Löwensohn, Vimala Pons, Nathalie Richard, Diane Rouxel, Anaël Snoek, Mathilde Warnier u.a.

BannerThe Wild Boys Poster

To be born is to be wrecked on an island
– J.M. Barrie, 1913

Im ersten Moment registriert das Auge nicht das Bild, sondern den Rahmen. Wie durch ein Bullauge von einem retro-futuristischen U-Boot, das einem Abenteuerfilm aus den 50er Jahren als Kulisse gedient haben könnte, formt sich der Ausschnitt auf ein exotisches Inselparadies, und man glaubt beinahe, jeden Moment könnte die Gischt ans Fenster spritzen. Es dauert aber nicht lange, bis man sich an die starre Aussicht gewöhnt hat. Dann klärt sich der Blick für die unermessliche Fülle, die hinter dieser flachen Glasscheibe wartet, dem einzigen Trennkörper des Betrachters vom Betrachtungsgegenstand. Auf der anderen Seite erstreckt sich ein Phantasma aus verschlungenen Körpern, Pflanzen und Säften aller Art, das sich mäandernd, hybridisierend und symbolisierend von einem Ur- in einen Zielzustand zu verwandeln scheint.

Kurzfilm-Regisseur Bertrand Mandico hat Gründe dafür, dass man seinen in Super 16mm gedrehten ersten Langfilm erleben soll wie durch die Fensterscheiben einer Isolationsglocke. Das Ziel ist zwar, die Illusion möglichst lebendig wirken zu lassen, dennoch ist sie nicht dazu gedacht, dass man sie eigenhändig durchstreift, als sei man selbst Teil der Handlung; schließlich geht es hier nicht um Virtualität, sondern um eine märchenhafte Illustration.

Lose basierend auf der postapokalyptischen Zukunftsdystopie „The Wild Boys – A Book of the Dead“ von William S. Burroughs, frönt Mandico seinen erotischen Phantastereien lieber in der Vergangenheit, genauer gesagt der bourgeoisen Ordnung des frühen 20. Jahrhunderts. Im auslösenden ersten Akt geht es um den mutwilligen Verstoß gegen die vorherrschenden ethischen und moralischen Prinzipien durch eine junge Gruppe männlicher Wilder aus gutem Hause, die dem schädlichen Bann des Okkulten verfallen sind. Im Sinne einer aufgeklärten Zivilisation, in der ungehemmter Wildwuchs nicht geduldet werden kann, erfordert die Tat der Bande Sanktionen; wenn schon nicht durch das (diesmal machtlose) Gesetz, dann zumindest durch die Eltern. Die schicken ihren verkommenen Nachwuchs im zweiten Akt auf eine Seefahrt mit einem autoritären Kapitän (Sam Louwyck), der ihnen auf engem Raum Zucht und Ordnung beibringen soll, bevor am Ende der Reise eine Insel wartet…

Sexuelle Rituale, in denen Lust und Gewalt ebenso wie Unschuld und Verdorbenheit untrennbar miteinander verknüpft sind, noch dazu unter Beteiligung durchgehend androgyn wirkender Darsteller, lassen „The Wild Boys“ zu einem entflammten Phoenix des queeren Kinos geraten. Der kultivierte Status Quo auf dem Festland ist nur die Startbahn auf dem Weg in eine Odyssee, auf der Architektur und Mode in die Ferne gleiten, während sich die Farne öffnen und das Glitzern von Sand, Meer und triefenden Ölen freigeben.

Die Insel, im Film beschrieben als Auster, die Perlen ausbrütet, fungiert in der Fiktion seit jeher als Mikrokosmos, auf dem Experimente geführt, Ursprünge erkundet und tief verborgene Wahrheiten aufgedeckt werden können. Mandico bewegt sich bei ihrer Erkundung in tiefen Traditionen und ist sich dessen spürbar bewusst; die völlig formlose Bildsprache lässt Referenzen an 100 Jahre Film entstehen und im gleichen Moment wieder zerfallen, um Raum zu schaffen für neue Referenzen. Ganz generell zeigen sich die Schatten der Stummfilm-Ästhetik. Dann gibt es Rückprojektionen wie aus der Ära Hitchcocks zu bestaunen. Dargestellte Gesichter und Gegenstände aus dem projizierten Hintergrund erscheinen dabei oftmals überdimensional groß und erzeugen so einen surrealistischen Effekt. Low Key und High Key spülen sich gegenseitig hinfort wie die Gezeiten. Das Filmkorn wächst bisweilen zu Hagel an und zerfällt dann wieder zu feinem Granulat. Ein Gesicht wird per Überblendung auf eine Felswand projiziert oder per Maske auf ein Tier. Vor allem jedoch erblüht die Schwarzweiß-Basis in den besonders traumartigen, umwälzenden Momenten zu einer Palette aus verwitterten Inseltraum-Farben wie von einer ausgeblichenen Postkarte, als würden Lovecrafts „Farben aus dem Weltall“ ihren Einfluss auf das Irdische geltend machen. Powells / Pressburgers „Irrtum im Jenseits“, Premingers „Bonjour Tristesse“ oder die von Mandico selbst als Einfluss angeführten „Pinku Eiga“-Werke des japanischen Regisseurs Kōji Wakamatsu hinterlassen hier ihre Spuren.

Schaut in den Trailer zu “The Wild Boys”

Der Soundtrack unterstreicht die tausend Gesichter des Films und seiner Gestalten zusätzlich. Eigenproduktionen vermischen sich mit Experimentalmusik und New Wave der 70er (Nina Hagen). Der fremdartige Einsatz klassischer Stücke (Tchaikovskys „Danse de la Fée Dragée“, Offenbachs „Barcarolle“ aus „Hoffmanns Erzählungen“) erinnert an die Vorgehensweise eines Stanley Kubrick.

Man könnte der Unermesslichkeit der hervorgebrachten filmhistorischen Bezüge eine fehlende Linie vorwerfen, aber eigentlich frönt Mandico lediglich seinem Credo, dass Filme (anders als die zu Beginn gezeigte bourgeoise Kultur) keine Regeln benötigen, um sinnerfüllt zu existieren. Dass sich der reichhaltige Rückgriff auf alte Filmtechniken unterschiedlicher Jahrzehnte so flüssig zu einer neuen Vision zusammensetzt, die schillert und fasziniert, gibt ihm wohl Recht.

Nachdem der in harten Kontrasten gedrehte Festland-Akt Kubricks „Clockwork Orange“ aufleben lässt, laufen die filmhistorischen Bezüge kontinuierlich weiter rückwärts in der Zeit. Jules-Verne-Adaptionen aller Couleur, Geschichten aus 1001 Nacht, Seefahrt- und Piraten-Abenteuer spiegeln sich während der Überfahrt auf dem Meeresspiegel, nur eben mit diesem perversen Twist, der sich zwischen den Jugendlichen und ihrem Kapitän ergibt. Unentschlossenes, Form- und Dehnbares trifft in diesem Abschnitt auf den gegerbten, tätowierten Felsen, den der Bootsführer seinen Körper nennt. Es entsteht Bewunderung und Abhängigkeit, Faszination und Besessenheit. Spätestens jetzt gibt Mandico völlig seiner Affinität für Metaphern nach, erst recht, als der Hund des Kapitäns in der Nacht als Dämon mit glühenden Augen über die Gesichter der schlafenden Jungs streicht und dabei die bestialische Seite des Männlichen verkörpert.

Doch erst die Insel wird zum absoluten Quell immer neuer Mutationen des Metaphorischen, die dann auch regelmäßig von den Reisenden in entsprechende Worte verkleidet werden. Girlanden kräuseln sich verspielt und Sträucher zittern, als würden sie von menschlicher Koordination gesteuert; die „Triffids“ lassen grüßen, doch auch Bavas „Planet der Vampire“ zeigt sich zwischen den Steinformationen. Angesichts der Anwesenheit eines Kapitäns und der außerirdischen Anmutung der vorhandenen Flora möchte man auch immer wieder an die erste „Star Trek“-Serie denken. Was sich Kirk und Spock jedoch nicht zu träumen gewagt hätten: Auf dieser Welt öffnen Sträucher ihre Schenkel, haarige, stinkende Früchte füllen die Mägen und die Milch fließt im Paradies aus fleischigen Wülsten, die bequem auf Kopfhöhe von Bäumen wachsen. In dieser Phase gehen die metaphorischen Gäule womöglich ein wenig mit dem Regisseur durch; auch thematisiert er den Ansatz einer „Feminisierung der Gesellschaft“ als antike Utopie im folgenden etwas zu offensiv. Inhaltlich wird der höchste Ausdruck vielmehr in jenen Momenten erreicht, in denen sich die Bildnisse ihre vielfältige Interpretierbarkeit bewahren. Niemand, der einen Blick auf das mit Haaren verklebte Segel des Kapitäns geworfen hat, wird diese Abstrusität wohl jemals vergessen können.

Trotz der zahllosen Versuchungen, die das Formelle einem Kunst- und Experimentalfilmer wie Mandico stets bietet, weiß dieser genau, dass er sich einfach nur auf seine Darsteller verlassen muss, wenn er am Ende mehr vorbringen möchte als eine verkopfte Collage aus surrealen Plastiken, die mit der Realität durch metaphorische Schleimfäden verbunden sind. Lorillard, Pons, Rouxel, Snoek und Warnier bilden gemeinsam den wichtigsten Spezialeffekt des Films. Ihre Transformation gehorcht zwar den Naturgesetzen der Fluidität, von der Mandico so besessen ist, ironischerweise verleiht sie dem 110-minütigen Werk aber auch seine feste Form. Die Darsteller sind es, die verhindern, dass der Spielfilm in viele kleine Kurzfilme zerfällt, die alle ihre eigene Stimmung verfolgen.

„The Wild Boys“ stellt Forderungen an ein maximal offenes Publikum: Wenn die Seefahrt beginnt, wird wohl selbst unter den aufgeschlossenen Cineasten jeder Zweite am Festland zurückbleiben. Dabei ist es eigentlich ein weicher, ein süßlich schmeckender Film; kein völlig unverständlicher Arthouse-Alptraum, eher ein märchenhaftes Mosaik. Kein Hardcore-Porno, wie ihn sich Burroughs vorstellte, sondern höchstens eine erotisch kribbelnde Irritation. Der bisweilen zum Plakativen neigende Einsatz von Metaphern gehört zu dem Gefühl der Irritation sicherlich dazu, doch in der Verflüssigung aller Regelwerke bleibt genug Essenzielles übrig, das von der Insel mitgenommen werden kann.

8 von 10

Informationen zur Veröffentlichung von “The Wild Boys”

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Drop Out 035

In seinem cinephilen Heimatland Frankreich wurde der gewagte Avantgarde-Film aus dem Jahr 2017 natürlich längst veröffentlicht. Im Dezember des vergangenen Jahres erschien dort über den Distributoren UFO ein Blu-ray/DVD-Set im Digipak mit 60-seitigem Booklet als Collector’s Edition. Freigegeben ist der Film dort übrigens allem Anschein nach ab 12 Jahren, was gemessen am kontroversen Inhalt und den teilweise recht grafischen Bildern ziemlich erstaunlich ist.

Seit geraumer Zeit bemüht sich das Kölner Label Bildstörung darum, das Juwel unserer südwestlichen Nachbarn auch in Deutschland einem möglichst breiten Publikum vorzuführen. Am 23. Mai 2019 feierte „The Wild Boys“ deutsche Premiere in ausgewählten Kinos, nun steht mit dem „Drop Out 035“ endlich der Heimkino-Release an.

Die Verpackung

Nach dem anfangs Motive eines funkelnden Totenkopfes (der im Film vermutlich den Dämonen symbolisiert, den die „Wild Boys“ anbeten) als mögliches Artwork im Internet kursierten, ist es nun ein helleres Motiv geworden, das vor allem der im Film genutzten Farbcodierung gerecht wird. Zu sehen sind die vier maskierten Köpfe der „schlimmen Jungs“ in Schwarzweiß mit grauer Schattierung; Farbe zeigt sich nur in den Aquarell-Wolken des Hintergrundes, der von mittelblau bis türkisgrün und lila bis dunkelgelb ausgewählte Spektren abbildet. Weiße Funkelsterne glitzern rund um die Köpfe. In der unteren rechten Ecke steht in wilder, roter Schraffur nicht etwa der Originaltitel „Les Garçons Sauvages“, sondern der – dank Burroughs – naheliegende internationale Titel „The Wild Boys“. Wie hätte man diesen Titel auch ins Deutsche übersetzen sollen, ohne sich zum Affen zu machen…

The Wild Boys Blu-ray

Die DVD- und Blu-ray-Ausgabe als “Drop Out 035” von Bildstörung.

Wenn die Edition im Laden ausliegt, blickt man wie gewohnt auf einen Papierumschlag, der außer einer (im Fall der Blu-ray) blauen Banderole am oberen und unteren Rand das FSK-Logo (hierzulande eine angemessene FSK16) und einen „Blu-ray Disc“ Button zeigt. Auf dem eigentlichen Pappschuber sind diese Elemente nicht mehr zugegen, so dass das Artwork besser zur Geltung kommt. Lediglich die Banderole ist auch darauf noch als Design-Element zu sehen, allerdings nicht mehr blau, sondern passend zum Artwork weiß mit roten Linien und roter Schrift.
Auf dem Backcover finden wir mittig einen farbigen Screenshot, der von vier schwarz-weißen Screenshots flankiert wird. Dazu kommt eine Inhaltsangabe, drei Zitate (Film Comment, The New York Times, Birth. Movies. Death), die technischen Daten und ein Ausblick auf das enthaltene Bonusmaterial, zu dem wir später noch kommen.

Im Pappschuber steckt selbstverständlich wieder eine Amaray in DVD-Größe (egal ob man sich für die Blu-ray- oder DVD-Edition entschieden hat). Dessen Artwork zeigt den Kapitän und die Jugendlichen durch das Bullauge des Schiffs. Das ist nicht nur ein netter Wink in Bezug auf das gewählte Filmformat, es sorgt auch für eine gewisse Kontinuität innerhalb der DropOut-Reihe; schließlich wurden für die Amaray von „The Friendly Beast“ sehr ähnliche Portraits der Darsteller ausgewählt (nur eben dort mit dem Bullauge einer Restaurant-Tür).

Das Booklet

Im Inneren der Amaray finden wir zunächst ein 16-seitiges Begleitheft, auf dessen Cover uns dann doch noch der Totenschädel anfunkelt. Filmkritiker Olaf Möller, den wir schon von einigen Bildstörung-Veröffentlichungen kennen (dann aber meist eher aus dem Bonusmaterial), eröffnet das Booklet mit dem 5-seitigen Text „Ungewiss ist die Zukunft der Geschlechter“. Womit man hier definitiv nicht rechnen sollte, ist die typische filmhistorische Kontextualisierung anhand von Produktionsinformationen, die man oft zu lesen bekommt, wenn der Film selbst nicht Genug Substanz für die Analyse hergibt. Möller schreibt so wie er spricht: Intellektuell, verkopft, verschnörkelt und dreimal um die eigene Achse gedreht – was vielleicht nicht immer ganz zu der eigentlich recht klaren Metaphorik des Films passt. Und doch gewinnt Möller dem Film durchaus eine Menge Subtext ab, der eine interessante neue Perspektive auf den Film wirft, den man natürlich möglichst vorher gesehen haben sollte.

Der Regisseur selbst wird dann ab Seite 7 von Léo Soesanto noch zum Interview gebeten und gibt etwas einfachere Antworten, wenn er über die Vorlage, die Herausforderungen bei der Produktion, seine Regieanweisungen, seine Präferenzen und seine Einflüsse spricht. Viele Antworten eignen sich als Schlüssel zur Dekodierung der oftmals wirklich seltsamen Bilder, die er in seinem Film erzeugt.

Bild und Ton

Auf der rechten Seite der Amaray sind zwei Discs versetzt übereinander eingeklammert. Der Hauptfilm kann die erste Disc, bei der es sich je nach Edition um eine Blu-ray oder DVD handelt, komplett für sich alleine verbuchen. Zur Auswahl stehen nur der Filmstart, die Kapitelauswahl und die Einstellungen. Bei letzteren geht es allerdings eigentlich nur darum, ob man deutsche Untertitel zuschalten möchte oder nicht – eine Synchronisation oder einen Audiokommentar hat die Disc nicht zu bieten.

Bertrand Mandico

Regisseur und Drehbuchautor Bertrand Mandico.

Bei der Tonspur handelt es sich um eine Mischung aus Französisch und Englisch in 5.1 DTS-HD Master Audio. Während des Drehs wurde der Ton zwar aufgenommen, allerdings wurden sämtliche Dialoge in der Postproduktion von den Darstellern noch einmal neu eingesprochen. Dadurch klingen die Stimmen sehr klar und frontal. Wenn man hört, wie die Darsteller die männlichen Tonlagen langsam ins Feminine gleiten lassen, bekommt man ohnehin Zweifel, was eine deutsche Synchronisation angeht; diese hätte schon hochprofessionell umgesetzt werden müssen, um auch nur annähernd Sinn zu ergeben. Sehr dominant ist auch der Soundtrack – wann immer er angespielt wird, übertüncht er mit seinem hallenden Klang alles andere.

Das mit Super 16mm gedrehte Bild liegt in 1,66:1 vor, hat aber nicht nur links und rechts Balken, sondern auch oben und unten. Die Ecken sind außerdem abgerundet, so dass die beabsichtigte Illusion erzeugt wird, man schaue durch ein Fenster. Ein anfangs gewöhnungsbedürftiger Effekt, der sich aber sehr schnell auszahlt, indem er maßgeblich zur Atmosphäre beiträgt.

Das muss natürlich auch für den Wechsel zwischen Schwarzweiß- und Farbsequenzen gelten, die anfangs vielleicht noch willkürlich wirken, mit der Zeit aber eine Bedeutung bekommen. Es ist schwer, die Eigenschaften des Bildes generell zu beschreiben, weil es immer wieder eine andere Gestalt annimmt – mal sehr körnig, dann stark überbelichtet; mal dunkel oder blass, dann sehr kontrastreich und scharf. Gerade die Schwarzweiß-Passagen imitieren viele Stationen der frühen Filmgeschichte. Wenn Farbe hinzu kommt, wirkt diese stets ein wenig andersweltlich und erinnert noch am ehesten an das Technicolor der Science-Fiction- und Abenteuerstreifen aus den 50ern.

Kurzum: Gerade audiovisuell ist „The Wild Boys“ ein Erlebnis für sich.

Das Bonusmaterial

Das Zusatzmaterial ist komplett auf einer Bonus-DVD untergebracht. Hier finden wir natürlich zunächst einmal einen Trailer. Das wäre das einzige Extra, das man sich vielleicht auch gut auf der Film-Disc hätte vorstellen können. Weiterhin finden wir eine etwa viertelstündige „Behind-The-Scenes“-Featurette, die auch auf der französischen Edition bereits zu finden war. Darstellerin Elina Löwensohn hat während der Drehpausen die Kamera laufen lassen und Eindrücke von der Insel gesammelt. In den ersten Minuten erklärt sie die sehr distanzierten Weitwinkelaufnahmen damit, dass sie zu schüchtern gewesen sei, mit der Kamera frontal auf ihre Kollegen zuzugehen. Das (mit dem finalen Musikstück des Films unterlegte) Ergebnis drückt dadurch auch etwas Künstlerisches aus, weil es eben intimer und zurückgezogener wirkt als eine typische B-Roll, die beiläufig mitfilmt, was gerade passiert.

Die „Deleted Scenes“ belaufen sich auf etwas mehr als eine Viertelstunde. Hier handelt es sich um einen dialogfreien, mit Musik untermalten Zusammenschnitt verworfener Sequenzen, die sich durchaus lohnen, haben sie doch diverse zusätzliche obskure Momente rund um den Kapitän und seine Jungs zu bieten.

Da Bertrand Mandico so ein fleißiger Regisseur von Kurzfilmen ist, bekommen wir satte vier Stück von ihnen auf der DVD gereicht – jeweils natürlich in Originalsprache mit optionalen deutschen Untertiteln. Auf Seite 2 dieser Besprechung werden wir jeden der Beiträge kurz vorstellen.

Schade, dass es ausgerechnet diesmal nicht mit einer Soundtrack-CD geklappt hat, denn bei dieser Zusammenstellung hätte sich das doppelt gelohnt. Aber auch ohne CD ist die Veröffentlichung von „The Wild Boys“ eine wahre Perle geworden. Eine pauschale Empfehlung kann aufgrund des speziellen Inhalts nicht gegeben werden, aber wer sich nach Genuss des Trailers interessiert nach vorne beugt, sollte den Drop Out 035 unbedingt im Auge behalten.

Sascha Ganser (Vince)

Bildergalerie von “The Wild Boys”

Masken

Die Jungs proben den Aufstand im Namen eines dämonischen Götzen.

Sam Louwyck

Ein Schiffskapitän (Sam Louwyck) soll die verzogenen Bengel wieder auf den richtigen Pfad führen.

Seefahrt

Das Leben auf hoher See ist rau und hart.

Insel

Einmal auf der Insel angekommen, dreht der Wind.

Diamanten

Bei diesen Klunkern wird selbst Thanos neidisch.

Elina Löwensohn

Ein Mandico-Film ohne Elina Löwensohn? Unvorstellbar.

Schleim

Zu viel in der Nase gebohrt?

androgyn

Die androgynen Darsteller wirken so zart, dass ihnen die Milch sprichwörtlich das Gesicht runterläuft.

The Wild Boys

Die Farbpalette der nicht-schwarzweißen Passagen scheint wie aus einem irrealen Märchen extrahiert.

Sascha Ganser (Vince)

Lest auf Seite 2 Kurzbesprechungen zu den Kurzfilmen:

Depressive Cop

Any Virgin Left Alive?

Our Lady of Hormones

Prehistoric Cabaret

 

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Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

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