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Apex

Originaltitel: Apex__Herstellungsland: Kanada / Australien / USA / Island__Erscheinungsjahr: 2026__Regie: Baltasar Kormákur__Darsteller: Charlize Theron, Taron Egerton, Eric Bana, Caitlin Stasey, Bessie Holland, Zachary Garred, Matt Whelan, Rob Carlton, Aaron Pedersen, Duncan Fellows, Julia Ohannessian, Niam Hogan, Willow Seager u.a.
Cover von "Apex" mit Charlize Theron

Das Netflix-Release-Poster von „Apex“.

Nach dem tödlichen Unfall ihres Partners während einer Bergbesteigung sucht Sasha (Charlize Theron) in der australischen Wildnis Abstand. Was als einsame Kajaktour beginnt, verwandelt sich in einen albtraumhaften Überlebenskampf. Zwischen endlosen Schluchten und reißenden Flüssen muss Sasha nicht nur der Natur trotzen, sondern auch einem Einheimischen, der sie offenbar zu seiner Beute auserkoren hat…

Der Berg verzeiht keine Fehler

Wer brav seine „Cliffhanger“-, „Vertical Limit“- und „Fall“-Hausaufgaben gemacht hat, weiß sofort: Bei Thrillern, die mit einer Kletterpartie an einem Berghang beginnen, ist Drama vorprogrammiert. Charlize Theron („Mad Max: Fury Road“) bestreitet ihre erneut ziemlich sportliche Hauptrolle in „Apex“ daher nicht bloß mit einem Rucksack voller Ausrüstung, sondern obendrein mit einem zusätzlichen Rucksack voller Selbstvorwürfe. Damit wäre dann auch gleich besiegelt, dass es einmal mehr die gute alte Hollywood-Katharsis zu durchleben gilt, durch welche die Protagonistin gezwungen ist, das entstandene Trauma noch einmal durchzustehen, um reinen Tisch mit sich selbst zu machen. Den Rest kann man sich im Grunde ausmalen, ohne als Zuschauer dabei gewesen zu sein.

Trotz des einigermaßen vorhersehbaren Schema-F-Verlaufs der Kerngeschichte überrascht es doch, wie tief die wunderschönen Pfade des australischen Watarrka-Nationalparks in menschliche Abgründe führen. Was als Bergsteigerdrama beginnt, verwandelt sich zunächst in einen adrenalinschwangeren Abenteuer-Psychothriller der Marke „Am Wilden Fluss“ (1994), um zu guter Letzt noch tiefer hinab bis zum dunkelsten Grund zu sinken, wo ansonsten nur mythologisierter Horror um Sawney Bean und ähnliche Legenden brütet.

Per Kajak in die tiefsten menschlichen Abgründe

Die Natur fungiert in diesem Kontext erneut als die ungreifbare, unsterbliche Schönheit, die zu den dunklen Geheimnissen im Inneren der Erde einen satten Kontrast ergibt. Schon die schwindelerregenden Aufnahmen aus einem Hängezelt an der norwegischen Trollwand hinab in die Tiefe rauben in manchen Einstellungen den Atem; hat es die Handlung jedoch einmal nach Australien verschlagen, werden die Abbildungen der Steinwände und reißenden Stromschnellen in unmöglichsten Winkeln noch virtuoser, furioser, transzendentaler. Lediglich vereinzelte CGI-Shots zur Kompensation besonders gefährlicher bis unmöglicher Stunts reißen immer mal wieder aus der Illusion. Gedreht wurde jedoch an Originalschauplätzen, und das macht sich anhand betörender Naturaufnahmen bemerkbar, wie man sie eben nicht alle Tage abseits von Dokumentationen zu sehen bekommt.

In diesem sehenswerten Rahmen überzeugt „Apex“ auch mit seiner ruckhaften Dynamik, die tatsächlich ein wenig den Wegen des Flusswassers nachempfunden ist, welches mal sanft abfließt, mal zirkuliert oder abrupt gegen Widerstände schlägt, dabei aber immer in Bewegung ist. Wohlweislich verzichtet man auf Subplots und unnötige Nebenfiguren, die zweifellos den Ablauf abgebremst hätten. Im Grunde absolviert man als Zuschauer die Marschroute durchgehend im Windschatten Therons und spürt irgendwann fast selbst das Brennen am Körper, wenn die Hauptdarstellerin mal wieder gegen ein Hindernis geschleudert oder in lebensgefährlichen Situationen bis zur Schmerzgrenze strapaziert wird. Gerade im Schlussakt, als sich der Prolog – quod erat demonstrandum – in luftigen Höhen wiederholt, steht der Nervenkitzel in der Luft, auch weil die Kamera die Höhenunterschiede so effektiv heraushebt. Einen Thriller darf sich dieser Streifen jedenfalls mit Fug und Recht nennen.

Schaut in den Trailer

Das Spiel mit dem Misstrauen gegenüber Fremden hingegen entpuppt sich als reiner Vorwand. Es wird eine Weile gespielt, weil man das von einem Film dieser Art eben erwartet. Die Konstellation rund um eine unabhängige Frau, die in der Wildnis auf einheimische Männer stößt, führt automatisch die Reflexe des Suspense-Kinos mit sich, die hier zunächst pflichtschuldig abgehakt werden. Letztlich hätte man sich die halbgaren Verweise auf das Rape-and-Revenge-Subgenre besser ganz gespart, aber zum Glück kommt das Skript noch rechtzeitig selbst auf diesen Trichter und konzentriert sich fortan ausschließlich auf den Gefahren-Mittelpunkt. Das ist auch nötig, weil die Besetzungsliste ziemlich kurz ausfällt. Sie ist zwar immerhin mit drei Stars gespickt, danach wird es allerdings ziemlich dünn.

Eric Bana („Erlöse uns von dem Bösen“), der gerade erst in seiner eigenen Serie in einem Nationalpark unterwegs war („Untamed“, 2025), erscheint als gebürtiger Australier auf dem Papier wie die logische Wahl für das Setting, bekommt aber nicht genug Screentime, um den Film zu prägen. Es ist wohl nicht zu viel damit verraten, dass es vielmehr Taron Egerton („Carry-On“) ist, der sich neben Charlize Theron zum männlichen Hauptdarsteller mausert. Völlig kahlgeschoren und mit etlichen kleinen Ticks ausgestattet, gewinnt er im Laufe der Handlung eine beachtliche Physis, die frappierend an James McAvoy erinnert, der wie auf Steroiden durch M. Night Shyamalans Superhelden-Thriller „Split“ (2016) bzw. „Glass“ (2019) wütete. Gemeinsam arbeiten sich Theron und Egerton durch etliche Sequenzen, in denen Jagdstrategien ausgetestet werden, aber auch Kooperation vonnöten ist, nicht zuletzt eben in der packenden Steilhangsequenz, die als letzte Hürde wartet.

Abgesehen von der ständig lauernden Gefahr des stummen Todes in einem grünen Grab ist es die dynamische Wechselwirkung zwischen diesen beiden Figuren, mit der die Spannung aufrecht erhalten wird, die das relativ starre Handlungsgerüst nicht bieten kann. Regisseur Baltasar Kormákur folgt in dieser Hinsicht eher der reißerischen Linie seines Löwen-Horrorthrillers „Beast – Jäger ohne Gnade“ (2022), weniger dem semidokumentarischen Anspruch aus „Everest“ (2015), wobei das Gesamtergebnis am ehesten eine Mischung dieser beiden Survival-Filme ist, mit all ihren Stärken und Schwächen.

Trotz Schema F: „Apex“ bietet soliden Outdoor-Nervenkitzel

Mit einer Story wie dieser, angereichert mit reflexartigen Backwood-Tropes und angetrieben von Motiven rund um Selbstvergebung gewinnt man heute eben keinen Blumentopf mehr. Hier reißen es wahrlich die Bilder und das Zusammenspiel der beiden zentralen Figuren raus. „Apex“ sieht über weite Strecken verdammt gut aus, profitiert enorm von seinen Originalschauplätzen und vermag den Betrachter direkt in die Perspektive der Protagonistin zu versetzen, um das Ausgeliefertsein gegenüber der überwältigenden Natur zu vermitteln. Charlize Theron ist längst genug Actionheldin, um eine physisch derart herausfordernde Rolle spielend zu meistern, während Taron Egerton als unberechenbarer Einheimischer dafür sorgt, dass zumindest ein paar kleine Überraschungen in den vorgefertigten Ablauf eingearbeitet werden. Das ist nicht genug, um endlich mal wieder von einem echten Highlight unter den Streaming-Premieren zu sprechen, das auch längerfristig in aller Munde bleiben wird, aber für den wöchentlichen Adrenalinkick lohnt sich der Australien-Trip allemal.

6 von 10

Informationen zur Veröffentlichung

„Apex“ ist seit dem 24. April 2026 exklusiv bei Netflix zu sehen. Ins Kino kam der Film nicht. Auch über eine mögliche Auswertung auf Blu-ray oder DVD ist nichts bekannt.

Sascha Ganser (Vince)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Netflix__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein (Deutschland)__Blu Ray/DVD: Nein/Nein

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