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Superfly (1972)

Originaltitel: Super Fly__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1972__Regie: Gordon Parks Jr.__Darsteller: Ron O’Neal, Carl Lee, Sheila Frazier, Julius Harris, Charles McGregor, Nate Adams, Polly Niles, Yvonne Delaine, Henry Shapiro, James G. Richardson, Make Bray, Al Kiggins, Bob Bonds, Fred Rolaf u.a.

Superfly Banner

Superfly

Das Cover von „Superfly“ in der „Black Cinema Collection #22“.

Pretty Fly for a Harlem Guy. Während die Kamera von der Ecke 125th Street in ein trostloses Elendsviertel voller Dreck und Müll abbiegt, wo höchstens noch die Neonreklame einer abgeranzten Spelunke leuchtet, ist Ron O’Neal in seiner Paraderolle als Drogendealer Youngblood Priest im Kontrast ein echter Hingucker. Das Schnupfwerkzeug in Form eines Ankh-Symbols an der Halskette stets einsatzbereit, die maßgeschneiderten Outfits wie ein Leck-mich-Statement an das Umfeld, das geglättete, wallende Haupthaar mit buschigem Horseshoe-Schnurrbart ein Ausdruck von Individualität und Emanzipationswillen. Hier wird der Erfolg noch nach außen getragen. Und doch entgeht dem Betrachter ein Detail nicht: Es ist dieser Blick. Priest brennt Löcher in die Wand, als er gedankenverloren in seinem Bett hockt und die hüllenlose, weiße Geliebte neben ihm keines Blickes würdigt. Der Dopester, er kann sich seines Daseins nicht erfreuen.

Vielleicht liegt es an der Gesamtsituation, die die Konstellation Black vs. Black mit sich führt. Der Sozialdarwinismus schwarzer, urbaner Subkulturen ist auch gerade durch Filme wie „Superfly“ zur charakteristischen Wohnzimmertapete eines ganzen Subgenres geworden. Für den Blaxploitationfilm ist das hektische Gewusel sich gegenseitig kannibalisierender Dealer mindestens so repräsentativ wie die staubige Prärie für den Western. Erdacht und realisiert von weißen Produzenten im Dienste der kommerziellen Unterhaltung, aber inszeniert, gespielt und musikalisch untermalt von Afroamerikanern, hat erst die Zeit dafür gesorgt, dass man diese Filme rückblickend wirklich als schwarzes Kino begreifen kann, indem man das Handwerkliche, das unmittelbare Wirken vor und hinter der Kamera als ausschlaggebenden künstlerischen Faktor betrachtet. Solange man nämlich nur die Maschinerie im Hintergrund vor Augen hat, könnte man in der Zurschaustellung des Elends einer Bevölkerungsschicht zu Unterhaltungszwecken genauso gut etwas Zoologisches sehen.

Superfly

Nicht gerade das Einsatzrevier großer Geschäftsmänner.

Dabei ist gerade „Superfly“ in seinem Kern ein rebellischer Akt gegen das Establishment. Geführt wird er nicht unbedingt von einem Protagonisten, der von der Superheldenaura der Jim Browns und Tamara Dobsons da draußen gesegnet ist, sondern von jemandem, der durch und durch ein Produkt seines Milieus ist und sich trotzdem gegen selbiges auflehnt.

Wenn Priest also zum Gegenschlag ansetzt, dann hat er sich immer auch selbst im Visier. Die Hauptfigur ist so eng mit dem Kreislauf verwoben, der zerschlagen werden soll, dass er sich nicht daraus befreien kann, ohne zumindest einen Teil von sich selbst zu zerstören. Mit dem klischierten Abziehbild des bunten Vogels, der als Dandy durch die Gassen zieht, hat er nur sehr oberflächlich etwas gemein. Die Komponente des tragischen Flamingos, die selbst einem Comedy-Artefakt wie Rudy Ray Moores „Dolemite“ (1975) hinter all der Kung-Fu-Extravaganza irgendwo noch anhaftet, ist bei Priest besonders augenscheinlich, was dem Filmtitel letztlich einen Twist verleiht, der über das Credo „Fine Feathers Make Fine Birds“ hinausgeht.

Entsprechend tief taucht Regisseur Gordon Parks Jr., Sohn des „Shaft“-Regisseurs Gordon Parks, in den Lifestyle seiner Hauptfigur ein, weil er weiß, dass er auf diese Weise durch die Oberfläche zum Kern vorstoßen kann. Stilistisch macht sich das durch experimentelle Einschübe bemerkbar, die man dem Erzählfluss gegenüber als feindlich gesonnen bezeichnen könnte. Minutenlang verfängt sich die Kamera etwa in in den hypnotisierenden Verwirbelungen von schwarzer Haut und weißem Schaum beim Liebesspiel zwischen Ron O’Neal und Sheila Frazier in der Badewanne, ohne zunächst den sonst in solchen Momenten üblichen Schnitt zu bemühen; beim Live-Auftritt von Soundtrack-Komponist Curtis Mayfield wird Parks gar zum Musikvideo-Regisseur.

Er vergisst sozusagen kurz seinen Filmauftrag und hört einfach als Bargast der sanften Stimme und all den darin verborgenen Facetten zu, in dem vollen Bewusstsein, dass Mayfield nicht einfach die Coolness besingt, sondern die dahinterliegenden Abgründe. Er übernimmt also für den Moment das Erzählen der Story. Mayfields zugrundeliegendes Konzeptalbum wurde entsprechend zu einem Klassiker seiner Richtung, gerade „Pusherman“ hallt in etlichen nachfolgenden Filmen, Serien und sonstigen Medienbeiträgen immer noch nach.

Superfly

Das Audiokommentar-Gespann Naumann / Klaese nennt es die „Weiße Raufaser-Hölle“.

Zusätzlich bricht eine mehr als drei Minuten lange Collage aus Standbildern im Stil eines Fotocomics die Erzählkonventionen, um ins intensive letzte Drittel überzuleiten. Statische Bilder, dazu nur die Vorstellungskraft des Betrachters, mit der die Brücken geschlagen werden sollen. Viel bewegt sich nicht, und doch wird durch den Zoom auf das Detail indirekt so viel erzählt, dass nach gerade einmal 90 Minuten das gesamte Milieu seziert auf dem Schneidetisch liegt.

Dabei hangelt sich der Plot lediglich am klassischen Fallbeispiel eines Coups entlang, der exemplarische Funktion für grundlegende kriminelle Strukturen einnimmt. Spannung flammt vor allem zum Ende hin auf, als die Stilistik des Heist-Genres auf Montage und klimaktischen Aufbau abfärbt, die für die Blaxploitation-Welle ohnehin ein wichtiger Einfluss war, wovon unter anderem auch Barry Pollacks „Cool Breeze“ aus dem gleichen Jahr ein Liedchen zu singen wusste.

Aus dem Verwirrspiel des Verrats und der Hinterlist geht schließlich ein finaler Twist hervor, der nicht einfach nur destruktives Potenzial in sich trägt, sondern darüber hinaus das ambivalente Verhältnis der Hauptfigur zu seiner eigenen Position in einem fremdgesteuerten Spiel auf den Punkt bringt – nicht ganz ohne dieses besondere Gefühl einer durchdringenden Befriedigung auszulösen, wenn die selbstherrliche Oberschaft zumindest einen Augenblick lang irritiert auf den kurzzeitigen Verlust der Kontrolle blickt. Für solche Augenblicke werden Filme letztlich gemacht.

Superfly

Da zahlen sich die Kung-Fu-Stunden endlich mal aus.

Auch deswegen gehen die Stärken von „Superfly“ weit darüber hinaus, einfach einen Superhelden mit auffälligem Kostüm erschaffen zu haben, dessen Superkraft im weißen Schnee liegt. Seine zerrissene Haltung zum eigenen Dasein ist es, die ihn so durchdringend erscheinen lässt. Ron O’Neal ist im Vergleich mit Charismabolzen wie Richard Roundtree oder Fred Williamson im Grunde eine recht unscheinbare Gestalt, die unter ihrer exzentrischen Garderobe recht freudlos wirkt. Es ist aber gerade dieser Kontrast, der seinen Youngblood Priest so kraftvoll geraten lässt, dass er längst zu einer der prägenden Ikonen geworden ist, die man automatisch mit einer filmischen Bewegung verbindet, die hiermit auf den Siedepunkt gebracht wird.

08 von 10

Informationen zur Veröffentlichung von „Superfly“

Black Cinema Collection #22

Wäre Wicked Visions Black Cinema Collection nach der Bedeutung der Filme für das schwarze Powerkino der 70er Jahre aufgebaut, so wäre uns „Superfly“ längst in der allerersten Box über den Weg gelaufen. Nun ist er an 22. Stelle in der Reihe gelandet, womit bewiesen wäre, dass auch die dritte Staffel immer noch gut dafür ist, ganz große Fische aus dem Hut zu ziehen.

Nun ist es nicht so, dass „Superfly“ in Deutschland noch nicht ausgewertet worden wäre. Was seine großen Blaxploitation-Klassiker angeht, war Warner in den 2000ern nicht ganz untätig und veröffentlichte neben der Shaft-Trilogie eben auch dieses Kleinod auf DVD, auch wenn man von einem Remaster wohl absah und keinerlei Extras an Bord waren. Beides hat sich inzwischen geändert.

Das Bild

Ausschlaggebend war die 2018 über die Warner Archive Collection erschienene US-Blu-ray-Premiere, die ein 2K-Remaster im Gepäck hatte, das womöglich auch deswegen in Auftrag gegeben wurde, weil zu jener Zeit auch ein Remake über Columbia / Sony produziert wurde. Dazu wurde ein Interpositiv vom originalen Kameranegativ gezogen, von Schmutz befreit und einer Farbkorrektur unterzogen. Die Wicked-Vision-Disc, deren Spine unter anderem auch das Warner-Logo ziert, dürfte dieses Master nutzen. An den Produktionsumständen ändert das freilich nichts; Der Look von „Superfly“ ist immer noch der einer abgerockten 16mm-Kopie.

Konturen wirken weich, das Schwarz in Innenräumen verschluckt oft derart viele Details, dass in vereinzelten Close-Ups nur noch grundlegende Formen zu sehen sind. Die Restaurationsbemühungen erkennt man vor allem daran, dass das Bild tatsächlich relativ frei von Verschmutzungen ist und Farbakzente frisch und kernig wirken. Dazu ist zu sagen, dass gerade dieser Look einen gehörigen Teil des Charismas dieses Films ausmacht. Wenn die Kamera aus dem fahrenden Auto heraus in Harlems Straßen filmt, ist das wie eine Zeitreise in eine völlig andere Dimension. Man sollte sich also keineswegs hochauflösende Wunder erwarten, sondern vielmehr eine Restauration, die darauf ausgelegt ist, die native körnige Struktur ganz und gar freizulegen. Der Unterschied zur ebenfalls beiliegenden DVD-Version ist übrigens relativ groß und macht sich vor allem in einem Zugewinn an Schärfe und einer präziseren Abbildung von Strukturen bemerkbar.

Alternative HD-Restauration

Wer mit dem Bild ein wenig experimentieren möchte, kann übrigens einen Abstecher ins Bonus-Menü der Blu-ray machen. Dort findet man nämlich eine „alternative HD-Restaurierung“, deren Quelle allerdings ungenannt bleibt. Diese Fassung wirkt ein wenig „grindhousiger“, d.h. weniger gefiltert. Viele Schmutzpartikel bleiben dem Bild erhalten, davon abgesehen sind die Verbesserungen aber auch hier offensichtlich. Schön ist es, dass die Wahl des Bildes von den Ton- und Untertiteloptionen unabhängig bleibt, da diese auf beiden Fassungen vollständig identisch sind.

Der Ton

Die Audio-Optionen stehen in Deutsch und Englisch jeweils als DTS-HD Master Audio Monospur über zwei Kanäle zur Verfügung… und sind angesichts der Wichtigkeit der Musik von besonderer Relevanz. Curtis Mayfields Anhängerschaft kann sich über einige prominent platzierte und ausführliche Passagen freuen, die ganz und gar dem Soundtrack gewidmet sind. Jede Bassline, jedes Gitarrenriff, jeder Percussion-Hit ist ein Treffer. Original und Synchro nehmen sich in diesen Momenten gar nicht so viel. Bei den Dialogen wird es im Deutschen allerdings mitunter abenteuerlich: Man versuchte, den Slang aus dem O-Ton mit entsprechenden deutschen Akzenten zu versetzen und das formelle Hochdeutsch ein wenig zu verschleppen. Das Ergebnis ist allerdings das Gegenteil von authentisch, zumal die Dialoge auch noch sehr auffällig in den Vordergrund gemischt sind. Zum Glück gibt es deutsche oder auch englische Untertitel, die man bei Bedarf zur englischen Spur schalten kann.

Schaut in den Trailer von „Superfly“

Die Audiokommentare

Während das Backcover nur einen Audiokommentar aufführt, sind in Wirklichkeit sogar zwei an Bord. Nicht verschwiegen wurde der englischsprachige Kommentar mit Filmhistoriker Dr. Todd Boyd, der vermutlich 2018 für die US-Blu-ray aufgenommen wurde. Boyd hält einen PhD in Kommunikationswissenschaften und ist entsprechend stark an den sozialen Wechselwirkungen und kulturellen Aspekten des Films interessiert, die er mit der Sprachfärbung eines Insiders aufarbeitet. Er kommentiert sehr deskriptiv und manchmal auch dezent oberflächlich, bis er das Geschehen auf der Leinwand dann doch schlüssig kontextualisiert; so wird unter anderem das Zusammenspiel von Blaxploitation, Vietnamkrieg und sexueller Revolution einfach und einleuchtend umrissen. Für Boyd scheint übrigens kein Zweifel daran zu bestehen, dass „Superfly“ der wichtigste aller Blaxploitationfilme sei; eine Frage, über die er seit langer Zeit mit John Singleton streitet, dem Regisseur des „Shaft“-Remakes „Shaft – Noch Fragen?“ (2000).

Dass der Kommentar mit Dr. Gerd Naumann und Christopher Klaese nicht auf dem Backcover geführt wird, kann eigentlich fast nur damit erklärt werden, dass die Beiden eh zur Grundausstattung der Reihe gehören und fast schon eine Selbstverständlichkeit sind. Als solche sollte man sie aber nicht nehmen, vielmehr sind sie Pflichtprogramm. Auch „Superfly“ wird nach allen Regeln der Kunst in seine Bestandteile analysiert, mit anderen rauen Großstadtthrillern wie „Straße zum Jenseits“ oder „French Connection“ verglichen.

Aus ihren Umschreibungen lässt sich höchster Respekt ablesen für einen Film, den sie offenbar zur Speerspitze des Black Cinema zählen würden, ohne dies dem Zuhörer allerdings penetrant auf die Nase zu binden. Schön auch, dass hier mal zwischen schnöden Unterhaltungswert und Filmqualität unterschieden wird, merkt Naumann doch nicht zu Unrecht an, dass es sich nicht gerade um tolles Entertainment handelt, sondern um eine eher unbequeme Seherfahrung, die aber nichtsdestotrotz ihre ganze Klasse ausspielt. Bei einem Rewatch mit den beiden Herren ist jedenfalls keine Sekunde verschwendet.

Die Extras: Blu-ray und DVD

Abgesehen davon, dass die alternative HD-Restaurierung aus offensichtlichen Gründen nur auf der Blu-ray enthalten ist, haben es auch die restlichen Extras nicht vollständig auf die DVD geschafft. Wenn man mal von den Audiokommentaren und dem Trailer zum Film absieht, haben sich nur zwei Features ins Bonus-Abteil der DVD verirrt: Da wäre zum einen das ca. 25 Minuten lange „One Last Deal – Eine Retrospektive“, das wie die meisten anderen Extras dieser Edition aus dem Jahr 2004 stammt.

Dabei handelt es sich um eine vollwertige Dokumentation, in der ein Dutzend Interviewpartner zur Sprache kommt, darunter Dr. Todd Boyd aus dem Audiokommentar, aber auch Produzent Sig Shore oder Schauspielerin Sheila Frazier, ebenso wie Julius Harris oder John Amos. Wie der Titel schon verrät, handelt es sich um einen Rückblick auf die Entstehungszeit des Films und das Vermächtnis, das sich seither entwickelt hat. Kapitelweise geht es dabei mal um die Kostüme, mal um die Musik oder einfach die gesellschaftliche Zusammensetzung im New York der 60er und 70er Jahre. Dazu gibt’s lässigen Soul und Filmausschnitte auf die Ohren und Augen. Fly, kann man da nur als Fazit ziehen.

Extras

Links: Titeleinblendung der Mini-Dokumentation „One Last Deal“ aus dem Jahr 2004. Rechts: Ron O’Neal bei einem Interview zur Entstehungszeit des Films.

In „Ron O’Neal über die Entstehung von Superfly“ (6 Min.) zeigt Schauspieler Ron O’Neal in einem Gespräch über die Entstehung von Superfly, wie der Titel schon spoilert; wichtig zu erwähnen ist dabei, dass es sich um ein Original-Interview aus der Entstehungszeit handelt. Der Darsteller erläutert die Motivation seiner Figur und macht sich Gedanken zur Bedeutung des Filmtitels; zwischendurch werden Filmausschnitte eingespielt.

Die Extras: Blu-ray

All das ist auch auf der Blu-ray enthalten, die darüber hinaus aber noch weitere Extras geparkt hat. Dazu gehört ein Audio-Interview mit Soundtrack-Composer Curtis Mayfield (7 Min.), der seine Herangehensweise ans Schreiben von Musik erläutert und sich Gedanken darüber macht, welchen Einfluss sein Wirken auf andere gehabt haben könnte und wann er seine persönlichen Ziele als erfüllt betrachtet. Weil abgesehen von einem Standbild-Portrait Mayfields keinerlei Bildmaterial eingeblendet wird und im Hintergrund auch keine Musik läuft, lauscht man der zarten, brüchigen Stimme mit besonderer Aufmerksamkeit.

Welche Bedeutung das Kostümdesign für die Wirkung des Films hatte, lässt sich anhand des Features „Behind the Threads“ (4 Min.) erahnen. Darin präsentiert Nebendarsteller Nate Adams, der im Film einen Dealer spielte, einige in der Produktion verwendete Kleidungsstücke, die er als Andenken an die gute alte Zeit aufbewahrt hat, auch wenn seine Frau ihm wohl bereits nahegelegt hat, die alten Fummel nach dreißig Jahren endlich mal wegzuwerfen. Gut, dass er es nicht getan hat, denn an dieser Stelle erfüllen sie nicht nur für den Besitzer einen nostalgischen Zweck.

Einen ähnlichen Zweck erfüllt „Behind the Hog“ (6 Min.) mit dem Auto-Liebhaber Les Dunham, der in seiner Werkstatt schon allerhand Automobilklassiker modifiziert hat, darunter auch für den 1973er James Bond „Leben und sterben lassen“. In diesem Video präsentiert er voller Stolz eine seiner Arbeiten, die wahrlich schick geraten ist. Dabei bedauert er den Trend weg vom Chrom hin zur Lackierung, hofft aber auf ein Chrom-Comeback, wenn auch in einem anderen Stil. Er sei jedenfalls bereit.

Neben dem Trailer findet man außerdem noch einen Radio-Spot mit diesem leicht schmierigen Off-Sprecher, der schon Pam Grier in den Trailern zu deren Filmen gerne mit Wortspielen verbal ausgezogen hat, die immer ein bisschen „corny“ wirken. Etwas mehr Klasse verströmen die beiden Spots mit Curtis Mayfield. Der reimt zwar auch, müht sich dabei aber um etwas mehr Niveau.

Das Booklet

Wer noch mehr Beschäftigung nach Abgrasen aller Disc-Inhalte braucht, kann danach einen Blick in das 32-seitige Booklet werfen – eine Reihenfolge, die auch Autor Christoph N. Kellerbach vorschlägt, da er zu spoilern gedenkt. In der Einführung zieht er munter Parallelen zwischen den frühen Jahren Ron O’Neals und seiner Rolle Priest, was die persönlichen Lebensziele angeht. Dazu arbeitet er die Beziehung zwischen ihm uns seinem Vater auf, dem genau wie seinem größeren Bruder nur ein kurzes Leben vergönnt war. Dieser Sachverhalt liefert einen perfekte Übergang zu Gordon Parks Jr., der ja ebenfalls starb, bevor er sein Potenzial als Regisseur ausgeschöpft hatte, und dessen Vater ebenfalls eine Nennung wert ist, da es sich bei ihm schließlich um den Regisseur des ultimativen Blaxploitation-Klassikers „Shaft“ handelt.

Weiter geht es mit der Finanzierung, dem von Darsteller-Biografien geschmückten Casting-Prozess bis hin zu den Dreharbeiten, in denen sich Filmhandlung und reales Gang-Treiben teilweise überschnitten, was dann letztlich auch für die Produktionsprozesse galt, als sich ein bekannte lokaler Zuhälter in die Geschäfte einklinkte und die Produktion damit letztlich rettete. Ohne ein Wort zur Musik kann man einen Rückblick auf „Superfly“ natürlich nicht abschließen, daher geht es im nächsten Abschnitt um Curtis Mayfields wegweisenden Soundtrack. Spektakulär lesen sich die Anmerkungen zur Veröffentlichung: Knapp zwei Monate nach Kinostart waren die Besucherzahlen derart in die Höhe geschossen, dass nur „Mach’s noch einmal, Sam“ mit Woody Allen und „Der Pate“ noch mehr eingespielt hatten. Kein Wunder, dass die entsprechenden Kontroversen bei einer solchen Aufmerksamkeit und solch ambivalenter Themen nicht lange auf sich warten ließen. Den gewaltigen Einfluss des Films auf die Nachwelt sollte das nicht mehr verhindern; im Gegenteil.

Die Verpackung

Gerade bei einem Titel wie diesem macht aber auch die Verpackung die Musik. Dass die „Super Fly“ geraten ist, steht diesmal sogar hochoffiziell auf dem Frontcover. Genutzt wurde auch diesmal natürlich wieder ein gezeichnetes Originalartwork, auf dem Ron O’Neal mit Knarre und Geldbündel im Zuhälter-Outfit posiert, hinter ihm ein Cadillac Fleetwood Eldorado, dessen Kühlergrill perspektivisch an die Low-Angle-Shots angelehnt ist, die im Film gerne genutzt werden, wenn sich die Autos als imposante Maschinen der Kamera nähern und dem Betrachter suggerieren, gleich unter den Reifen zu landen.

Der Hintergrund ist wie bei vielen vorangegangenen Editionen komplett weiß gehalten, so dass der Fokus ganz und gar auf das weich gezeichnete Motiv und seine kreideartigen Schraffuren gerichtet bleibt. Der Rahmen und das „Black Cinema Collection #22“-Banner bleiben unauffällig, damit das Posing des Covers seinen Effekt nicht verfehlt. Und so irritiert das Poster mit einer gewissen Oberflächlichkeit, die sich bei Filmsichtung nicht bestätigen möchte: „Superfly“ ist eben weit mehr als nur „Super Fly“.

Die Black Cinema Collection bei den Actionfreunden:

01: Slaughter [1972]
02: Zehn Stunden Zeit für Virgil Tibbs [1970]
03: Strasse zum Jenseits [1972]
04: Ghetto Busters [1988]
05: Die Organisation [1971]
06: Foxy Brown [1974]
07: Car Wash [1976]
08: Coffy [1973]
09: Visum für die Hölle [1972]
10: Black Caesar – Der Pate von Harlem [1973]
11: Cotton Comes to Harlem [1970]
12: Riot – Ausbruch der Verdammten [1969]
13: Hit! [1973]
14: Vampira [1974]
15: Sugar Hill [1974]
16: Hell Up In Harlem [1973]
17: Friday Foster [1975]
18: In the Heat of the Night [1967]
19: Cooley High [1975]
20: Hammer [1972]
21: Sheba Baby [1975]
22: Superfly [1972]

Sascha Ganser (Vince)

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