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Ready or Not 2

In „Ready or Not 2“ wird erneut Jagd auf Samara Weaving gemacht, erneut unter der Regie von Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillet. Direkt im Anschluss an die Geschehnisse des Erstlings entführen weitere satanische Finstermänner, die mit den Schurken des ersten Teils im Bunde waren, die Heldin und veranstalten eine Menschenjagd auf sie. In diesem Horror-Comedy-Sequel ist nicht nur der Rahmen größer, sondern auch Filmschwester Kathryn Newton wird mit gejagt.

Originaltitel: Ready or Not 2: Here I Come__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2026__Regie: Matt Bettinelli-Olpin, Tyler Gillett__Darsteller: Samara Weaving, Kathryn Newton, Sarah Michelle Gellar, Shawn Hatosy, Elijah Wood, Nestor Carbonell, Kevin Durand, David Cronenberg, Olivia Cheng, Maia Jae, Dan Beirne, Varun Saranga u.a.
Ready or Not 2

In „Ready or Not 2“ wird Samara Weaving dieses Mal gemeinsam mit Schwester Kathryn Newton gejagt

Obwohl „Ready or Not“ anno 2019 ein Kassenerfolg war, zum kleinen Kultfilm unter Horrorfans wurde und sowohl Leading Lady Samara Weaving als auch das Regieduo Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett als Genregrößen festigte, dauerte es sieben Jahre, bis „Ready or Not 2“ an den Start ging. Mit „Scream 5“ und „Scream VI“ durfte das Regie-Gespann sich in der Zwischenzeit an einer populären Slasher-Reihe austoben, drehte außerdem noch „Abigail“ ab.

Im Film ist von den sieben Jahren nichts zu merken, stattdessen schließt „Ready or Not 2“ direkt an den Erstling an. Grace MacCaullay (Samara Weaving) hat das mörderische Versteckspiel mit der frisch angeheirateten Le-Domas-Verwandtschaft überlebt, während der Clan dabei vollends draufging. Nach der frisch angesteckten Zigarette folgen allerdings die Ohnmacht und die Fahrt ins Krankenhaus, wo man sich um die verletzte Braut kümmert. Im Spital kreuzt dann auch Grace‘ entfremdete Schwester Faith (Kathryn Newton) auf, von der man im Original nichts hörte, was man dem Sequel allerdings insofern durchgehen lassen kann, als dass man im Erstling eh nichts über Grace erfuhr, außer dass sie Waisenkind ist. Faith ist in erster Linie da, weil Grace trotz einer zehnjährigen Sendepause keinen neuen Notfallkontakt eingetragen hat, was das Wiedersehen nicht gerade einfach macht.

Da die Le-Domas-Familie nun tutti completti hinüber ist, müssen die Autoren Guy Busick („Final Destination 6: Bloodlines“) und R. Christopher Murphy („Castle Rock“) – die auch schon den Vorgänger schrieben – nun in die Gimmickkiste greifen und eine Mythologie erfinden, gegen welche die „John Wick“-Sequels mit ihren immer größeren Unterweltkreisen und -regeln quasi bescheiden aussehen. Die Le Domas‘ jedenfalls waren nur eine von sechs Familien in einem hohen Rat, die ebenfalls Mr. Le Bail huldigen. Dieser Geheimorden hat nichts Geringes im Sinn als die Lenkung der Weltgeschehnisse, was man schon daran sieht, dass Patriarch Chester Danforth (David Cronenberg) mit einem einzigen Telefonat den Waffenstillstand in einem umkämpften Kriegsgebiet anordnen kann. Warum sich die Le-Domas-Familie dann mit Reichtum durch Brettspiele begnügte, was die Rolle der nicht-leitenden Clans in dem Gefüge ist – das sind alles Fragen, die man dem Drehbuch besser nicht stellt, denn sonderlich viel Überlegungen hat das Schreiberduo sicherlich nicht darein investiert.

Die eigenwilligen und kaum erklärten Regeln des Konzils besagen jedenfalls, dass die Auslöschung der Le Domas‘ einen Mechanismus in Gang setzt, dass ein neuer Vorstand bestimmt werden muss (obwohl diese Rolle bisher Chester Danforth zufiel). Angeleitet von einem mysteriösen Anwalt (Elijah Wood) wird der Posten mit einer Menschenjagd bestimmt, deren auserwähltes Opfer Grace ist. Faith wird gleich mit eingesackt und muss ebenfalls als Beute herhalten…

Schaut euch den Trailer zu „Ready or Not 2“ an

Da rascheln die Drehbuchseiten, da knarzt es im Getriebe, wenn das Script einfach eine neue Menschenjagd anzetteln will, mit mehr Budget und größerer Skala. Es wird sogar ein Grund herbeigeschrieben, warum Grace erneut ihr blutgetränktes Brautkleid anziehen muss. Busick und Murphy wiederholen dabei auch den einen oder anderen Fehler des Erstlings, sind beispielsweise weiterhin der irrigen Annahme erlegen, dass irgendwelche komischen Mumbojumbo-Rituale doch ein viel tolleres Finale als große Konfrontationen sind. Auch die Körperplatz-Thematik kommt mal wieder inflationär zum Einsatz, hier sogar über den Film verteilt, denn Mr. Le Bail (der hier wenig überraschend als Form von Satan enthüllt wird) bestraft jeden, der gegen die Regeln des Spiels verstößt. So darf man nicht vor dem offiziellen Start mit der Jagd beginnen oder andere Jäger töten, sonst endet man als verspritzte rote Sauce. Weitere Regeln besagen, dass für jeden getöteten Jäger ein neues Familienmitglied einspringen muss und dass man nur Waffen aus der Zeit verwenden darf, in der die Familie den ursprünglichen Pakt mit Mr. Le Bail schloss. Ersteres soll die Jagd spannender und wendungsreicher machen, letzteres garantiert ein weitreichenderes Waffenarsenal, weshalb Ignacio El Caído (Nestor Carbonell) mit dem Scharfschützengewehr auf die MacCaullays anlegt, während Wan Chen Xing (Olivia Cheng) das Samuraischwert schwingt. Manche Regeln (vor allem gegen Ende) scheinen allein der Drehbuchmechanik geschuldet und wirken dementsprechend aus dem Hut gezogen.

Was Busick und Murphy sowie das Radio-Silence-Regiegespann im zweiten Anlauf dagegen wesentlich besser verstanden haben, das sind die Schauwerte. Grace tritt wesentlich wehrhafter auf, fügt ihrem Repertoire den Gegenangriff hinzu, während sie sich im Erstling vor allem auf Weglaufen und Verstecken beschränkte. Letzteres tut sie auch hier, doch es kommt öfter zur Konfrontation. Manche Verfolger haben immer noch Probleme mit dem Handling ihrer Waffen, sind aber insgesamt nicht ganz so große Vollidioten wie viele der Le-Domas-Familienmitglieder. Das sorgt dann für einige Konfrontationen mit bloßen Händen, Nahkampfwaffen und Schießprügeln. Im Vergleich zum etwa zeitgleich gestarteten „They Will Kill You“ sind die Auseinandersetzungen wesentlich weniger gut choreographiert, merklich bodenständiger und kürzer, dafür aber besser über den Film verteilt, sodass Grace und Faith sich in hübscher Regelmäßigkeit mit ihren Verfolgern auseinandersetzen müssen. Da werden Schurken auch mal via Industriewaschmaschine gekillt oder mit der Pumpgun über den Haufen geballert, was für einige ruppige Einlagen und Effekte sorgt.

Die Einbindung von Faith ist ein weiterer Pluspunkt, denn über ihre Schwester gewinnt Grace als Hauptfigur wesentlich mehr Profil. Die Entfremdung der beiden Geschwister basiert auf einer früheren Entscheidung Grace‘, die beide unterschiedlich wahrgenommen haben, über die Interaktion der beiden wird Grace zur wesentlich runderen, nahbareren Protagonistin. Außerdem bilden die beiden einen hübschen Kontrast zu ihren Verfolgern: Während die zerrütteten Schwestern ihre Konflikte offen austragen und zu echter Versöhnung kommen, verstecken die wohlhabenden Antagonisten ihre Zwistigkeiten hinter einer förmlichen Fassade und sind reichlich exzentrisch. Es gibt die Karrieristen, die Maulhelden, die Nichtsnutze und die wahrhaft abgründigen Typen, die sich bei der Menschenjagd und ähnlichen Gewalttaten so richtig ausleben können.

Manche der Schurken sind eher bedrohlich, manche eher Witzfiguren. Humoristisch ist „Ready or Not 2“ – wie schon der Vorgänger – eher grobmaschig gestrickt, so auch bei der Darstellung der reichen Elite, die zu Teilen nur aus lebensunfähigen Nepo-Babys besteht, die außer Videospielen oder dem nächsten Drink nichts im Sinn hat. Andrerseits sorgt diese komödiantische Überzeichnung auch dafür, dass die Mär von einer Satan-verehrenden Elite, welche heimlich die Geschicke der Welt steuert, keine verschwörungstheoretische Schlagseite bekommt, sondern solche Mythen eher karikiert. Mit den Danforths aus den USA sowie weiteren Familien aus dem indischen, lateinamerikanischen und asiatischen Kulturraum ist hier immerhin ein wahrhaft globales Schurkensammelsurium vertreten. Die Trefferquote der Witze ist okay, manche Running Gags wie explodierenden Regelbrecher laufen sich etwas tot, andere Situationen treffen mit ihrem Timing voll ins Schwarze (etwa wenn sich eine Jägerin im Auto der Beute nähert). Weniger ausgefeilt ist dagegen das Produktionsdesign: Zwar macht auch das Danforth-Anwesen als Spielwiese durchaus etwas her, das Szenenbild ist allerdings weniger detailreich als jenes aus dem Vorgänger, das mit Jagd- und Brettspielmotiven aufwartete.

Umso exquisiter ist die Besetzung, die gerade auf der Schurkenseite. So wird Ursula Danforth von Sarah Michelle Gellar („Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“) gegeben, Buffy herself, in ihrer ersten großen Kinorolle seit mehr als 15 Jahren. Ihren Zwillingsbruder Titus spielt Shawn Hatosy („The Faculty“) und gemeinsam geben sie charismatische Hauptantagonisten ab. Prominente Namen und Gesichter in kleineren Rollen sind Elijah Wood („The Toxic Avenger“) als Anwalt des Teufels, Body-Horror-Regielegende David Cronenberg („Die Brut“) als Danforth-Patriarch und Kevin Durand („Clown in a Cornfield“), der mal wieder den Schlagetot gibt. Weitere Akzente auf Verfolgerseite setzen Olivia Cheng („Deadly Class“), Nestor Carbonell („The Rip“), Maia Jae („AKA“) und Varun Saranga („Wynonna Earp“). Auf der Heldinnenseite darf sich Samara Weaving („Eenie Meanie“) als toughe Überlebenskünstlerin mit Kippenfaible profilieren, während sie mit Kathryn Newton („Ant-Man and the Wasp: Quantumania“) eine tolle Spielpartnerin an ihrer Seite hat, denn das Duo gibt den MacCaullay-Schwestern erst so richtig Leben.

„Ready or Not 2“ mag etwas schwächer als die „They Will Kill You“-Konkurrenz sein, übertrifft dafür den Vorgänger. Sicher muss das Drehbuch einige Kokolores-Verrenkungen machen, um die Regeln für die erneute Menschenjagd aufzustellen, das Finale ist eher eine Anti-Klimax und der Humor ist eher grobstollig. Dafür gibt es mehr Schauwerte in Form von Menschenjagd-Action, die Schurkenriege ist illustrer und bedrohlicher, während das Schwestern-Duo wesentlich rundere Hauptfiguren abgibt als Grace‘ Solo-Auftritt im Vorgänger. Eine solide Horrorkomödie mit Action-Anteil, recht zackig, recht blutig und recht vergnüglich, auch wenn gegen Ende die Puste ausgeht.

Walt Disney hat „Ready or Not 2” am 9. April 2026 in die deutschen Kinos gebracht, ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Walt Disney__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, seit 9.4.2026 in den deutschen Kinos

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