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Black Caesar – Der Pate von Harlem

Originaltitel: Black Caesar__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1973__Regie: Larry Cohen__Darsteller: Fred Williamson, Gloria Hendry, Art Lund, D’Urville Martin, Julius Harris, Minnie Gentry, Philip Roye, William Wellman Jr., James Dixon, Val Avery, Patrick McAllister, Don Pedro Colley u.a.

Black Caesar - Der Pate von Harlem Banner

Black Caesar - Der Pate von Harlem

“Black Caesar – Der Pate von Harlem” erscheint als finaler Titel in der “Black Cinema Collection”.

Perhaps the toughest of the gangster films, „Public Enemy“ and „Little Caesar“ had a great effect on public opinion. They brought home violently the evils associated with prohibition and suggested the necessity of a nation-wide house cleaning. Tom Powers in „Public Enemy“ and Rico in „Little Caesar“ are not two men, nor are they merely characters – they are a problem that sooner or later we, the public, must solve.

Soweit die Einführung zum Gangsterfilm-Klassiker „Der kleine Cäsar“ (1931). Solche Worte sind leichtfertig geformt, doch kaum jemand, der Edward G. Robinson in seiner Paraderolle wüten sah, wird dazu in der Lage gewesen sein, den Charakter völlig zu ignorieren und sich ganz auf das gesellschaftliche Problem dahinter zu konzentrieren. Zu prägnant, zu eindringlich war jede seiner Gesten auf dem Weg an die Spitze des Kartells und wieder hinab. Mit „Little Caesar“ hatte Robinson nicht nur seiner eigenen Filmografie, sondern einem ganzen Genre einen Meilenstein gesetzt.

Einen Charakter von vergleichbarem Format wieder entstehen zu lassen, muss auch die Motivation hinter dem Projekt „Black Caesar“ gewesen sein. Ursprünglich nämlich geplant als maßgeschneidertes Vehikel für Sammy Davis Jr., sollte das Erbe Robinsons und Cagneys auf eine neue Zeit, eine neue Stadt und ein neues Milieu übertragen werden. Die Hauptrolle übernahm letztlich Fred Williamson, genau wie der parallel zum Blaxploitation-Star aufsteigende Jim Brown ein Ex-Footballer, der eher physische Präsenz denn schauspielerischen Glanz in den Film bringt… und prompt kann man es glasklar sehen, das gesellschaftliche Problem hinter dem Charakter.

Denn die pulsierenden Straßen New Yorks, die Clubs, Restaurants und Einkaufsstraßen in Manhattan verleihen diesem Film noch mehr Körper als es Williamson tut. Immer wieder ergeben sich in der hochlebendigen Kulisse kurze Momente der Eskalation wie aus einem Epos der Großmeister, und man spürt selbst unter der Fuchtel des kleinen Larry Cohen, dass hier gerade die Zeit anbricht, in der Scorsese mit „Hexenkessel“ die New-Hollywood-Ära des Gangsterfilms einleiten würde. Chicago, auf dem Papier die Heimatstadt aller Gangster, konnte in „Der kleine Cäsar“ nicht einmal ansatzweise so viel Präsenz zeigen, wurden seine Straßen und Gebäude doch in den kalifornischen Burbank Studios lediglich imitiert. Auch für „Black Caesar“ entstanden zwar einige Innenaufnahmen in Kalifornien, die Schlüsselmomente wurden aber auf den echten Straßen von Harlem gedreht, dort, wo die Creme der Schuhputzer im Sonnenlicht funkelt.

Als Schuhputzer wird auch die Hauptfigur Tommy Gibbs als Jugendlicher mit metaphorischer Wucht in die Handlung geworfen, hier noch verkörpert von Omer Jeffrey. Möchte man wirklich von einem Remake ausgehen, so muss es sich um eines der freien Sorte handeln, denn der ausholende Rahmen der Neuauflage beißt sich mit dem Ansatz des 75 Minuten langen Originals, das völlig unvermittelt in einem Imbiss irgendwo im Nirgendwo begann und sich auch im späteren Verlauf aufs Wesentliche konzentrierte. Nicht mehr die Spontanität des instinktgetriebenen Protagonisten steuert in der Neuauflage die Handlung, sondern das Narrativ der dritten Person, das keinen Off-Kommentator braucht, um deutlich spürbar zu sein. Der Erzählrahmen weiß mehr über die Figur als sie selbst, folglich reisen wir in die Vergangenheit, um ihre Beweggründe aufzuarbeiten.

Dabei ist das Ende der Geschichte zumindest im kathartischen Sinne von vornherein offensichtlich, nicht anders als beim „kleinen Cäsar“, dessen Schicksal bereits besiegelt war, als nach einer halben Minute Laufzeit das Matthäusevangelium zitiert wurde mit den Worten „for all they that take the sword shall perish with the sword“. Es geht aber nicht um das Ende, sondern um den Anfang, den Blick in die Wiege der Kriminalität, um ihrer Entstehung beizuwohnen. In den Momenten des 50er-Jahre-Prologs, als sich der junge Gibbs nicht der Rolle des schwarzen Prügelknaben fügt, sondern selbst eine Faszination für das Böse offenbart, das ihm angetan wird, beginnt der Film zu wirken: Mit einfachen, hocheffizienten Mitteln hebt Cohen seinen Protagonisten aus der dunklen Masse namenloser schwarzer Opfer hervor und hat in der Folge die ganze Aufmerksamkeit seines Publikums sicher, insbesondere des schwarzen Publikums, das sich an dieser Stelle vermutlich bereits eine Revolution ausmalt, die lang und tief nachwirken soll.

Schaut in den Trailer

Allerdings läuft „Black Caesar“ am Ende eben auch nur knappe 90 Minuten. Dem Vorgriff auf Epen wie „Es war einmal in Amerika“ oder wie der „Pate“-Trilogie wird nicht stattgegeben, vielmehr gebärt sich das Drehbuch wie ein kleiner Mann mit viel zu großem Hunger. Gibbs wird in diversen Kontexten gezeigt, die sein Darsteller alle mit der gleichen stoischen Art bewältigt. Als lernbegieriger Schützling der Mafia, als skrupelloser Mafiaboss schließlich, aber nebenbei auch als fürsorglicher Sohn einer Mutter (Minnie Gentry), als entfremdeter Sohn eines Vaters (Julius Harris), als gewalttätiger Mann einer Ehefrau (Gloria Hendry), in einer erkalteten Freundschaft mit einem alten Jugendfreund (Philip Roye) und der besonderen Würze wegen in einer Erzfeindschaft mit einem schmierigen Polizisten (Art Lund), der ihn schon in der Jugend drangsaliert hat.

Aus diesen Begegnungen entstehen dramatische Konflikte, deren Inszenierung in einigen Fällen zu wahren Höhepunkten sowohl des Mafiafilms als auch des schwarzen Kinos führt; so etwa die Machtübernahme im italienischen Restaurant, gefilmt aus der wohl einzigen Richtung, aus der man die Gefahr nicht kommen sah, den intim um das Opfer kreiselnden Anschlag mitten auf einer belebten Kreuzung oder die finale Konfrontation mit dem Polizisten, die wiederum die Schuhcreme aus dem Prolog als Farbe verwendet, um ein Symbol zu malen, unter dem nicht bloß einem Schwarzen aus Harlem die Kontrolle über den Mob gegeben wird, sondern das schwarze Kino im gleichen Zug nach der Vormacht im Filmgeschäft greift.

Einzig gelingt es Cohen nicht, diese isolierten Glanzmomente, die es im Einzelnen mit den raffiniertesten Kunstgriffen der größten Regisseure des Genres aufnehmen können, zu einem homogenen Gesamtwerk zu verbinden. Hier bleibt er zu sehr Repräsentant der B-Filmkultur, als dass er zu den späteren Großtaten Scorseses, De Palmas, Leones oder Coppolas aufschließen könnte. Auch gerade Robinsons Cäsar-Variante mit Miniaturkomplex gibt im Vergleich ein wesentlich zielstrebigeres Bild ab als sein afroamerikanisches Pendant; der „schwarze Cäsar“ scheint von den Möglichkeiten und Risiken, die ihm das New York der 60er und 70er Jahre bietet, oftmals gehemmt zu sein, wenn er nicht sogar vor ihnen erstarrt. Der Erzählfluss gerät dadurch des Öfteren ins Stocken. Tatsächlich hätte eine weitere Stunde Laufzeit mit überlegt geschriebenen Brückensequenzen als Ergänzung dazu beitragen können, den unermüdlichen Treppenlauf des Tommy Gibbs mit weiteren Zwischenstufen zu erleichtern.

Dass es trotzdem nie langweilig oder gar redundant wird, verdankt „Black Caesar“ neben der starken Inszenierung auch Nebenkategorien wie dem hervorragenden Cast (insbesondere Art Lund als scheußliches Polizeirelikt aus einer alten Weltordnung), der extravaganten Ausstattung, den gelungenen Kostümen, die gerade Williamson unheimlich schmeicheln, und nicht zuletzt dem elektrifizierenden Funk-Soundtrack von James Brown, dessen Organ die Lebens- und Leidensgeschichte von Tommy Gibbs mit unnachahmlichem Ausdruck begleitet… und der auch ein wenig der Ziellosigkeit entgegensteuert, mit der sich Aufstieg und Fall in diesem Fall vollziehen.

Der Soul von James Brown, die Coolness von Fred Williamson und der Ethos vom Aufstieg und Fall eines Gangsters; kein Wunder, dass „Black Caesar“ letztlich auch die afroamerikanische Kultur maßgeblich beeinflusst hat, bis hin zum zeitgenössischen Hip Hop. Larry Cohen gelingt hier nicht etwa eines der großen vergessenen Meisterwerke des Mafia-Films, aber als furchtlose Mischung aus edlem Gangster-Epos und reißerischer Exploitation im Spannungsfeld italo- und afroamerikanischer Grabenkämpfe ist dem ewigen B-Filmer trotz aller dramaturgischen Mängel in gewisser Weise etwas Besonderes geglückt.

07 von 10

Informationen zur Veröffentlichung von “Black Caesar – Der Pate von Harlem”

Black Cinema Collection #10

Es ist vollbracht. Mit „Black Caesar“ schließt sich die letzte Lücke in der zehnteiligen „Black Cinema Collection“, die in ihrer vollständigen Form nun ein schillerndes Sammlerstück geworden ist, das darüber hinaus auch noch reich an filmhistorischem Wert ist. Viel hat man in den rund eineinhalb Jahren seit Release der Sammlerbox mit dem ersten Titel „Slaughter“ im Dezember 2020 über die Nische erfahren dürfen, die Anfang bis Mitte der Siebziger ebenso heftig glühte wie sie kurze Zeit danach erlosch. Eine Geschichte über den Aufstieg und Fall eines Gangsters ist da vielleicht gerade der richtige Absacker, um das Zehn-Gänge-Menü angemessen zu Ende bringen zu können.

Das Artwork

Wie bei fast allen Titeln der bisherigen Reihe griff man für das Cover-Artwork wieder auf eines der Originalmotive zurück. Die gemalte Collage besteht aus Action, Sex und Gewalt, Hauptdarsteller Fred Williamson, dessen Name über seinem Kopf steht, scheint das Treiben aus dem Hintergrund mit seinem Revolver zu kontrollieren, eben gerade so, wie er es auch im Film zu tun pflegt. Etwaige Hintergründe wurden ausgeschnitten, durch die hohen Anteile von Weiß wirkt das Motiv nun minimalistisch und edel. Außerdem ergibt sich dadurch Platz für den ausladenden Kompletttitel „Black Caesar – Der Pate von Harlem“ im unteren Bereich. Oben verläuft wie üblich der schwarze Rand mit dem Schriftzug „Black Cinema Collection #10. Auf der Rückseite des Scanavo Case findet man eine Inhaltsangabe, die Film Credits sowie Informationen zur Ausstattung und zu den technischen Spezifikationen, ferner einen Screenshot aus dem Film.

Black Cinema Collection

Nach eineinhalb Jahren ist der “Black Cinema Collection”-Sammelschuber endlich gefüllt.

Das Booklet

Dass das Gesamtgewicht der Hülle beachtliche Werte erreicht, liegt einmal mehr an den reichhaltigen Beigaben. Abgesehen von der Blu-ray und der (nicht ganz, aber fast) inhaltsgleichen DVD stößt man auf das letzte von insgesamt zehn Booklets, diesmal mit einem Umfang von 28 Seiten. Nimmt man alle Booklets der Box zusammen, kommt man auf eine Gesamtzahl von 292 Seiten, was durchaus schon einem ganzen Buch entspricht.

Dass es diesmal einen Epilog zu schreiben gilt, macht Christoph N. Kellerbach gleich auf der ersten Seite klar. Als Einleitung wählt er nämlich einen One-Pager mit der Überschrift „Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, vielen Dank, dass Sie die „Black Cinema Collection“ begleitet haben!“. Knapp fasst er darin noch einmal zusammen, was genau der filmhistorische Auftrag dieser Box war, um am Ende zu bestätigen: Ja, es kommt eine zweite Staffel! In diesem Fall hat sich das unwägbare Risiko, einen solchen Nischenbereich ausgerechnet auf den skeptischen deutschen Markt zu bringen, also offensichtlich ausgezahlt, und es wird prompt belohnt. Da kann man der Käuferschaft dann auch mal ein Stück weit gratulieren, dass sie Geschmack bewiesen hat.

Weiter geht’s mit dem als Zeitungs-Titelseite aufgemachten deutschen Poster ganzseitig in Farbe, bevor Ingo Strecker mit seinem Text „Gangster und Guerillataktik“ übernimmt. Sein „geheimnisvoller Filmclub Buio Omega“ hat schließlich eine Menge dazu beigetragen, die notwendigen Recherchen zum Film zu betreiben, da ergibt es auch Sinn, den Autoren zum Wort kommen zu lassen. Fast wie ein Drehbuch zu einem autobiografischen Film liest sich der Text, der geschmeidig vom Lebenslauf des Regisseurs Larry Cohen zu jenem von Hauptdarsteller Fred Williamson übergeht und dann zurück zur Entstehung von „Little Caesar“. Vermeintlich unbedeutende Details aus dem Leben der Personen, etwa Cohens Haus mit Pool in Beverly Hills, nehmen später im Text eine wichtige Bedeutung ein, so dass man das Gefühl bekommt, hier wurden nicht einfach ohne Sinn und Verstand Fakten angehäuft, sondern alles, was erwähnt wird, hat seinen Grund. Selbiges gilt auch für das Namedropping; während einige Kollegen ihre Texte mit ganzen Ketten von Filmbezügen schmücken, holt Strecker sie immer nur dann aus dem Kasten, wenn sie den Inhalt unterstreichen. Trotz des eher konventionellen Aufbaus also ein fundiert geschriebener Essay und ein würdiger Abschluss für die Reihe, der auf weiteren sieben Seiten noch mit etlichen Aushangfotos verziert wird.

Bild und Ton

Was den Hauptfilm angeht, sieht dieser wunderbar erdig, rau und doch messerscharf aus. Abgesehen von einigen stilistischen Unschärfen etwa durch Weichzeichner und ähnliche Mittel bietet „Black Caesar“ ein angenehm filmisches Bild, das nicht nur den stilbewussten Protagonisten ideal präsentiert, sondern den gesamten Großraum New York, vom Häuschen mit Vorgarten bis zum Zentrum von Harlem. Die abwechslungsreichen Schauplätze sorgen für viele Details und bisweilen auch unterschiedliche Herausforderungen für die Kamera, die aber allesamt bewältigt werden, obgleich zu sagen ist, dass es sich anders als noch bei „Visum für die Hölle“ um einen recht hellen Film mit vielen natürlichen Lichtquellen handelt.

Lobenswert ist auch, dass man neben der gelungenen englischen Tonspur im Deutschen die Wahl hat zwischen der Kino- und VHS-Synchronisation. Während Letztere durchaus bekannte Stimmen an Bord hat und die Aufnahmen auch weniger verrauscht klingen, wirkt die Kinospur doch authentischer und weniger steril. Es ist letztlich Geschmacks- und womöglich auch Gewohnheitssache, niemand jedenfalls kann sich beschweren, zu kurz zu kommen. Alle drei Spuren kommen im DTS-HD-Zweikanal-Monoton und geben kaum Grund zur Klage. Gerade James Browns Soundtrack kommt mit voller Kraft zur Geltung, auch wenn der kristallklar abgemischte Opening Track im Hauptmenü deutlich macht, wie viel klarer der reine Soundtrack isoliert vom Film klingt. Aber den möchte man sich ohnehin im Anschluss gleich separat für die Musikanlage zulegen.

Die Audiokommentare

Audiokommentare gibt es diesmal gleich zwei, denn neben der obligatorischen Paarung Dr. Gerd Naumann und Christopher Klaese konnte für diesen Film auch ein alter Solo-Kommentar von Larry Cohen aufgetrieben werden, der vermutlich 2001 für den Release der amerikanischen DVD von Soul Cinema entstand. Er dient auch als eine der Quellen für den Text von Ingo Strecker, und so wie Strecker vor allem die Guerilla-Taktik des Regisseurs in den Vordergrund stellte, so präsentiert er sich dann auch selbst, wenn er durch die Berichte über den Dreh seine Just-Do-It-Mentalität durchscheinen lässt, die im Film für einige erinnerungswürdige Momente besorgt. Das Budget soll 450.000 Dollar betragen haben, aber es ist erstaunlich, wie viele Kosten Cohen durch Improvisation zu vermeiden wusste, von Gratis-Cameos alter Freunde bis zu aufwändigen Außendrehs ohne Genehmigung. Wer sich für solche Geschichten interessiert, dürfte in dem Kommentar bestens aufgehoben sein. Optionale deutsche Untertitel helfen übrigens beim Verständnis.

Die filmanalytische Perspektive kommt dann von Naumann und Klaese, die zum zweiten Mal in Folge nach „Visum für die Hölle“ die These zum Aufhänger machen, dieser oft als Blaxploitation eingestufte Film sei keine waschechte Blaxploitation. Am Ende führt sie das zum Dilemma, eine Definition von „Blaxploitation“ liefern zu müssen, was gar nicht so einfach ist; schließlich werde eben „Scarface“ auch nicht „Cubanploitation“ genannt. Der Gangsterfilm-Rahmen liefert den Beiden aber eine mehr als solide Grundlage, die Argumentation auf den Weg zu bringen, denn im Vergleich mit „Slaughter“, „Shaft“ und „Foxy Brown“ ergeben sich eklatante Unterschiede, die in der Diskussion deutlich ausgearbeitet werden.

Back to Black - The Brilliance of Blaxploitation

Die Blaxploitation-Featurette „Back to Black – The Brilliance of Blaxploitation“ basiert auf Interviews mit Fred Williamson, Austin Stoker, Rosanne Katon und Howard S. Berger.

Die Featurettes

Die Audiokommentare haben es sowohl auf die Blu-ray als auch auf die DVD geschafft, bei den übrigen Extras sind aber abgesehen vom deutschen Trailer und dem Originaltrailer nur die beiden Kern-Dokumentationen auf beiden Medien gelandet. „Back to Black – The Brilliance of Blaxploitation“ (25 Min.) ist nicht direkt auf „Black Caesar“ zugeschnitten, stützt sich im Kern aber auf eine Interview-Sitzung mit Fred Williamson, der im Allgemeinen über einige der Key Player der Bewegung spricht, die unter den Begriff Blaxploitation gefasst wurde – einem Begriff, der seiner Auffassung nach keine echte Bedeutung hat. Ergänzt werden seine Auftritte um die Schauspieler Austin Stoker und Rosanne Katon, ferner um den Filmemacher Howard S. Berger. Pam Grier oder Richard Roundtree werden etwa zum Thema, wenn es um die Definition von Blaxploitation-Stars geht, oder Melvin van Peebles, wenn es um die Ursprünge der Welle geht. Neue Fakten bekommt man nach zehn gut mit Bonusmaterial gefüllten „Black Cinema“-Veröffentlichungen nicht mehr geboten, aber wenn Katon davon spricht, wie befreiend es war, in diesen Filmen gemeinsam mit anderen schwarzen Darstellern spielen zu können, während sie in anderen Produktionen stets die einzige Dunkelhäutige am Set war, dann wird deutlich, dass diese ursprünglich aus kommerziellem Kalkül entstandenen Werke für die afroamerikanischen Darsteller ebenso wie für das Publikum eine ganz eigene Dynamik und Relevanz hatten.

In „Genrevariationen und Social Consciousness“ (17 Min.) beehrt uns Prof. Dr. Andreas Rauscher zum zehnten und (vorerst?) letzten Mal mit seinen brillanten, messerscharfen Analysen zum Thema Blaxploitation. In der damaligen Featurette zu „Straße zum Jenseits“, die sich hauptsächlich um den markanten Soundtrack des Films drehte, scheint er aber nicht genug zu Wort gekommen zu sein, denn eigentlich kommt „Straße zum Jenseits“ auch diesmal wesentlich öfter zur Sprache als „Black Caesar“, der erst im letzten Drittel genauer seziert wird. Das New Black Cinema mit Beiträgen wie „New Jack City“ oder „Boyz in the Hood“ wird neben Noir-Vertretern der 40er wie „Rattennest“, „Laura“, „The Big Sleep“ oder „Die Killer“ besonders oft zitiert und so eine Brücke über die Zeit geschlagen für den Gangsterfilm, dessen Motive von Aufstieg und Fall, von Grenzen und deren Überschreitung sich immer weiter vererbt haben. Das ist ganz klar auch ein Kernmotiv von „Black Caesar“, deswegen ist das Thema wieder ideal getroffen. So lässt es sich verschmerzen, dass man eigentlich gerne noch mehr über die speziellen Eigenschaften von Larry Cohens Werk erfahren hätte, wie sie auch unabhängig von „Straße zum Jenseits“ Bestand haben.

Genrevariationen und Social Consciousness

Doc Rauscher spricht sich ein letztes Mal in einen Rausch.

Alternative Schnittfassungen, Vorspänne und Enden

Alle anderen Extras sind ausschließlich auf der Blu-ray enthalten. Viele von ihnen haben mit den unterschiedlichen Schnittfassungen zu tun, die seit dem Kinostart rotieren. Beim Start der Disc klären Texttafeln ausführlich über die Hintergründe auf, die man ansonsten aber auch im Booklet oder im Audiokommentar mit Cohen nachlesen bzw- nachhören kann. So habe es beim Testpublikum extrem negative Reaktionen auf das Filmende gegeben. Um den kommerziellen Erfolg nicht zu gefährden, habe Cohen selbst seinen Produzenten Samuel Z. Arkoff darum gebeten, das Ende in einer Himmelfahrtsaktion noch umzuschneiden, bevor die Kopien in Amerikas Kinos gelandet wären. Das Ergebnis war ein hastig wirkendes, abruptes Ende, das sich auf dem europäischen Markt allerdings nicht durchgesetzt hat; hier galt immer das Originalende als bekannte Version. Auf der Blu-ray sind nun diverse Fassungen der letzten Filmminuten zu finden, darunter das alternative Ende von MGM in der DVD-Version sowie mit HD-Master, ein rekonstruiertes Ende der US-Kinoversion, das mangels Zugriff auf die Originalnegative auf Grundlage der Beschreibungen von Cohen erstellt wurde, ja sogar die Original-Drehbuchseiten werden noch einmal im Rhythmus des Films als Alternativversion eingeblendet. Der Hauptfilm kann dank Seamless Branching außerdem wahlweise mit dem Originalende oder mit dem alternativen MGM-Ende abgespielt werden.

Zusätzlich gibt es für Nostalgiker deutscher Kino- und Heimkinogeschichte auch noch den deutschen Kinovorspann mit eingedeutschten Credits sowie den VHS-Vorspann mit Einblendung des Alternativtitels „Die Ratte von Harlem“. Ferner bekommt man die komplette deutsche Kinofassung noch einmal in Open Matte als Bonus oben drauf, abgespielt werden kann sie sowohl mit der Kinosynchronisation als auch mit dem Originalton.

Werbematerial

Warum nicht zumindest der einminütige Radio-Spot, die elfminütige Bildergalerie mit Postern, Stills und Covermotiven sowie der von Larry Cohen selbst präsentierte „Trailer From Hell“ auf der DVD enthalten sind, bleibt unklar. Insbesondere Letzterer macht wieder eine Menge Spaß, wie man sich denken kann, wenn Cohens Schlussworte lauten: „Me doing the stunts first – that’s called directing“.

Also dann, Deckel drauf auf eine wunderbar ausgestattete letzte Ausgabe der ersten Staffel der „Black Cinema Collection“. Man stecke sie in den nun endlich komplett gefüllten Schuber und erfreue sich an diesem liebevoll zusammengestellten Stück Filmgeschichte. Man sollte ob der tollen Filme in der Box und der reichhaltigen Zusatzinhalte eigentlich pappsatt sein, aber stattdessen verweilt man mit wässrigem Mund in Wartestellung auf die nächste Box. Wenn das mal kein Kompliment ist.

Sascha Ganser (Vince)

Bildergalerie

Black Caesar - Der Pate von Harlem

Jeder fängt mal klein an.

Black Caesar - Der Pate von Harlem

In italienischen Restaurants fliegen womöglich nicht nur Fleischbällchen, sondern auch hin und wieder ein paar Kugeln.

Black Caesar - Der Pate von Harlem

Mama denkt ja gar nicht daran, ihren Job aufzugeben, nur weil ihr Gangstersohn ihr nun ein eigenes Apartment kaufen kann.

Black Caesar - Der Pate von Harlem

Fred Williamson: Hammerhart und cool wie ein Eiszapfen.

Black Caesar - Der Pate von Harlem

Wenn die Frau nicht will, kann er allerdings ziemlich uncool werden.

Black Caesar - Der Pate von Harlem

Ei ei ei, was ein feiner kleiner Scheißer.

Black Caesar - Der Pate von Harlem

Ein verletzter Schwarzer mitten auf einer New Yorker Kreuzung. Die Passanten sind alles in allem eher neugierig als hilfsbereit.

Black Caesar - Der Pate von Harlem

So schließt sich der Kreis.

Sascha Ganser (Vince)

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