| Originaltitel: They Will Kill You__Herstellungsland: USA/Südafrika__Erscheinungsjahr: 2026__Regie: Kirill Sokolov__Darsteller: Zazie Beetz, Patricia Arquette, Heather Graham, Tom Felton, Myha’la, Paterson Joseph, Armando Rivera, Darron Meyer, Chris van Rensburg, Gabe Gabriel u.a. |
Mit „Why Don’t You Just Die!“ und „No Looking Back“ hatte der russische Regisseur und Drehbuchautor Kirill Sokolov in seiner Heimat zwei blutig-schwarzhumorige Filme mit sprechenden internationalen Verleihtiteln vorgelegt, sodass es fast schon folgerichtig erscheint, dass sein englischsprachiges Debüt den Namen „They Will Kill You“ trägt.
Bevor man allerdings erfährt, wer „die“ sind und wen sie töten wollen, beginnt das Ganze mit einer kurzen Sequenz, welche die Hauptfigur Asia Reaves (Zazie Beetz) vorstellt. Gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Maria ist sie auf der Flucht vor dem prügelnden Vater, jedoch werden die beiden von ihm gestellt. Asia schießt den Vater nieder, flieht vor der ankommenden Polizei und muss die kleine Schwester zurücklassen. Der Vater ist nur verletzt, nicht tot, die gemeinsame Zukunft mit Maria in New York vorerst Essig. Das muss über weite Strecken erstmal als Charakterzeichnung reichen, die Protagonistin ist also eine Heldin mit Trauma und Schuldgefühlen.
Zehn Jahre später: Als neues Zimmermädchen betritt die Heldin das geheimnisvolle Virgil-Gebäude in New York, dessen Pentagramme und Teufelsfresken an der Fassade dem Publikum allerdings wenig subtil andeuten, was hinter diesen Mauern vor sich geht. In der Lobby trifft Asia nicht nur Dienstpersonalchefin Lilith (Patricia Arquette), sondern auch Hotelbesitzerin Sharon (Heather Graham). Dass gleich mehrere moderne Sicherheitsriegel die Tür des Gebäudes aus den 1920ern versperren und Neuankömmlinge ihre Handys abgeben müssen, verstärkt den merkwürdigen Eindruck des Gebäudes nur, aber die Horrorelemente kommen hier auch nicht auf leisen Füßen, denn mit klassischem Grusel hat Sokolov nichts am Hut.
So wird die Heldin auch schon in der ersten Nacht nach ihrer Ankunft von Kultisten in Schweinemasken in ihrem Zimmer aufgesucht, die sie opfern wollen. Womit sie nicht gerechnet haben: Dass Asia vorbereitet ist und sowohl Schrotflinte als auch Machete dabei hat. Allerdings findet die wehrhafte Fighterin bald ihrerseits Unerwartetes über die Virgil-Bewohner heraus…
Schaut euch den Trailer zu „They Will Kill You“ an
„They Will Kill You“ ist einer dieser Kultfilm-Versuche mit Ansage, dessen Vorbilder ziemlich offensichtlich sind. Bei der Art, auf welche die klingenschwingende Heldin und manche Begegnungen inszeniert sind, muss man unweigerlich an „Kill Bill“ und Quentin Tarantino denken, beim unerwartet wehrhaften Ritual-Opfer im Kampf gegen teuflische Sektierer an „Ready or Not“, die Action schwimmt im „John Wick“-Fahrwasser, plus Splatter und Body-Horror-Elemente für die Horror-Aficionados.
Bei manchen inszenatorischen Beats scheint Sokolov regelrecht Pausen für den erwarteten Szenenapplaus zu lassen, während die Dialogzeilen der Heldin oft nur aus derben Schimpfwortarien bestehen. Mit Realismus hat das wenig am Hut, denn nicht nur die Schurken sind dank eines satanischen Pakts reichlich zäh, auch die Heldin steckt Schraubenzieherstiche in den Rücken und aufgeschlitzte Hände mit einer Nonchalance weg, dass der Protagonist der „Sisu“-Filme stolz auf sie wäre. Das Horrorgenre ist dabei eher die Folie, anhand derer viele Bilder und Einfälle inszeniert sind, wesentlich mehr steht jedoch die splattrige Action im Vordergrund.

Asia Reaves (Zazie Beetz) weiß sich mit Machete, Flinte und Axt zu be- und andere zu enthaupten
Und die bietet im Gegensatz zu einem „Ready or Not“ auch richtig fetzige Schauwerte, wenn sich die Heldin mit Händen, Füßen, Machete, Schrotflinte und Feuerwehraxt gegen Schurken zur Wehr setzt. Nicht nur Fight Choreographer Russ McCaroll („The Rats: A Witcher Tale“) und Stunt Coordinator Kerry Gregg („Mr. No Pain“) erbringen dabei tolle Leistungen, sondern auch Kameramann Isaac Bauman („The Queen Mary“), dessen extrem dynamische Arbeit „They Will Kill You“ nicht nur, aber vor allem in den Fights ordentlich Pfiff gibt. Auf die seit den „John Wick“- und „Tyler Rake“-Filmen angesagten Plansequenzen verzichten Sokolov und sein Team zwar, lassen aber dennoch lange Aufnahmen stehen, um die einfallsreichen Choreographien möglichst klar sichtbar zu machen.
Neben kleineren Scharmützeln gibt es aber nur drei größere Kampfszenen, von denen die erste noch die am pfiffigsten choreographierte ist, wenn Asia den Sektierern einen Strich durch die Entführungspläne macht. Im zweiten großen Set Piece kämpft sie mit einer brennenden Axt in einem verdunkelten Ballsaal gegen ihre Gegner, das dritte schließlich ist der Showdown, der einen wahrlich bizarren Endgegner für sie parat hält. Angesichts der Tatsache, wie zügig „They Will Kill You“ zur Sache kommt, hätte allerdings noch ein bis zwei weitere große Fights geben können.
Es ist nicht das einzige Mal, das Sokolov, der zusammen mit Alex Litvak („Die drei Musketiere“) auch das Drehbuch schrieb, Potential liegen lässt. Da wird beispielsweise erwähnt, dass jede Etage des Virgil nach einer Sünde gestaltet ist, doch anstatt diese Idee auszugestalten ist sie einfach nur für ein, zwei Wegwerfgags bezüglich des „Fuck Floor“ parat. Andere Einfälle funktionieren merklich besser, etwa ein Auge mit Eigenleben, das die Heldin verfolgt und sich sogar durch Luftschächte katapultieren kann. Dabei erweist sich „They Will Kill You“ als ein Film, der primär in Bildern denkt, vor allem schicke Einstellungen und visuelle Gags zu bieten hat, die oft durch den präzisen Schnitt von Luke Doolan („Sting“) ihr Timing besitzen. Die Maskenbildern und FX-Techniker sorgen dann für Splattergags mit abgetrennten Körperteilen, spritzenden Blutfontänen und kreativen Tötungs- bzw. Verstümmelungsmethoden, die selten aus dem Rechenknecht kommen, sondern meist mit altbewährter Handarbeit ordentlich suppen.

Lilith (Patricia Arquette) führt nicht nur die Dienstmädchen an
Schwerer tut der Film sich allerdings immer dann, wenn nicht gerade gekämpft oder gemetzelt wird. Während der teilweise ähnlich gelagerte „The Raid“ trotz aller Reduktion immer noch ein gewisses Maß an Spannung und Charakterzeichnung aufbrachte, da versandet dies in „They Will Kill You“ mehr oder weniger komplett. Die Beziehung der beiden Schwestern wird untersucht und mit ein paar Hintergrundinfos ausgestattet, ist am Ende des Tages aber so rudimentär, dass sie keine große Tiefe besitzt.
Da haben die Schwierigkeiten zwischen Lilith und ihrem Ehemann fast mehr Nachhall, obwohl beide nur Nebenfiguren sind. Die restlichen Bösewichte sind flache Abziehbilder mit flacher Motivation (andere töten, um selber unsterblich zu werden) und ohne weitere Charaktereigenschaften. Die Regeln des ganzen okkulten Zinnobers werden auch kaum erklärt und bisweilen beliebig ausgelegt vom Drehbuch, vor allem im Schlussakt. Mit ein paar Plottwists, vor allem zur mittlerweile erwachsenen Maria (Myha’la), versucht Sokolov zwar noch für Überraschungen und Spannung zu sorgen, die jedoch eher verpuffen, denn dafür bleibt das Ganze viel sehr zu sehr an der Oberfläche und zeigt zu wenig Interesse am eigenen Plot.
Dafür erweist sich Zazie Beetz („Bullet Train“) als kompetente, glaubwürdige Actionheldin, die vornehmlich in T-Shirt und Turnbuchse durch die Gegner pflügt, aber auch menschliche Seiten zeigt, wenn sie schreit und blutet. Für alle anderen ist „They Will Kill You“ dann weniger ein Aushängeschild. Patricia Arquette („Fast Food Nation“) als Personalchefin kann immerhin noch auftrumpfen, ihr Filmehemann Paterson Joseph („Timeless“) kleinere Akzente setzen. Myha’la („Bodies Bodies Bodies“) hingegen bleibt unscheinbar, Heather Graham („Last Rampage“) und Tom Felton („Message from the King“) auf Seiten der Kultisten sind zwar bekannte Gesichter, die aber kaum mehr an Profil gewinnen können als ihre Sektierer-Kollegen, die sowieso nur Metzelmasse sind.

Hotelbesitzerin Sharon (Heather Graham) greift selbst ins blutige Treiben ein
„They Will Kill You“ will in erster Linie schwarzhumorigen, leicht splattrigen Action-Horror bieten, mit stärkerem Fokus auf dem Actionpart. Und in seinen Kernkompetenzen liefert das Gebotene durchaus ab, mit feschen Choreographien, dynamischer Kameraarbeit, meist handgemachten Effekten und einigen pointierten Gags. Doch mit gerade einmal drei größeren Set Pieces gibt es zwischendurch immer auch mal wieder Leerlaufpassagen, in denen man die Drehbuchmängel merkt. „They Will Kill You“ ist unter ähnlich gelagerten Filmen besser als „Ready or Not“, aber schwächer als „The Princess“. Nicht ganz der große Kultfilm, den Sokolov anscheinend abliefern wollte, aber immer noch ganz nettes Genre-Entertainment.
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Warner bringt „They Will Kill You” am 26. März 2026 in die deutschen Kinos, ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben.
© Nils Bothmann (McClane)
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| Copyright aller Filmbilder/Label: Warner Bros.__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 26.3.2026 in den deutschen Kinos |





