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Trigger Warning

Originaltitel: Trigger Warning__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2024__Regie: Mouly Surya__Darsteller: Jessica Alba, Mark Webber, Anthony Michael Hall, Alejandro De Hoyos, Tone Bell, Jake Weary, Gabriel Basso, Kaiwi Lyman, Nadiv Molcho, Peter Monro, Stephanie Jones, James Cady, Jerry G. Angelo, David DeLao, Hari Dhillon u.a.
Trigger Warning

In dem Netflix-Action “Trigger Warning” nimmt Jessica Alba Rache an den Mördern ihres Vaters

Es ist ein bekanntes Rezept in Hollywood: Man holt vielversprechende Talente aus dem Ausland und/oder dem Indie-Bereich und gibt ihnen den ersten größeren Auftrag, doch diese müssen dann höllisch aufpassen, was sie denn bekommen. Die indonesische Regisseurin Mouly Surya, bekannt geworden durch „Marlina – Die Mörderin in vier Akten“, bekam mit „Trigger Warning“ beispielsweise nur typische Stangenware für Netflix.

Nun geht es auch in „Trigger Warning“ um eine Frau mit Killerinstinkt, doch Parker (Jessica Alba) ist in Staatsdiensten unterwegs. Als Soldatin ist sie Teil eines Teams, das terroristische Radaubrüder über den Jordan schickt, wie man in den Auftaktszene sehen kann. Dabei lernt man auch, dass sie Expertin im Messerkampf ist, einen Ehrenkodex besitzt, der sie davon abhält Gefangene zu exekutieren, und mit dem Technikexperten Spider (Tone Bell) zusammenarbeitet.

Als Parker einen Anruf von ihrer alten Flamme, dem Sheriff Jesse Swann (Mark Webber) erhält, kehrt sie jedoch in ihr Heimatkaff zurück. Ihr Vater Harry (Alejandro do Hoyos) ist tödlich verunglückt. Daheim hat sich nicht viel geändert: Jesses Vater (Anthony Michael Hall) ist immer noch Senator und betreibt seine Kampagne zur Wiederwahl, Jesses Bruder Elvis (Jake Weary) ist immer noch ein Nichtsnutz, der gerne Stress macht. Das Setting im ruralen Amerika ruft Western-Assoziationen hervor und im Grunde genommen ist „Trigger Warning“ eine Westerngeschichte: Der Revolverheld kehrt von seinen Abenteuern in die Heimat zurück und muss feststellen, dass dort nicht alles mit rechten Dingen zugeht, nur dass es dieses Mal eine Revolverheldin ist. Doch es ist ein Western-Setting, das auch immer mal wieder für kontemporäre Actionstoffe genutzt wurde.

Parker will eigentlich nur schnell die Beerdigung hinter sich bringen – bis sie den Unfallort besucht. Dort fallen ihr Sprengspuren auf, die sie an der offiziellen Version der Geschichte zweifeln lassen. Schon bald stößt sie auf eine Verschwörung und Spuren, die zu Elvis deuten…

Schaut euch den Trailer zu „Trigger Warning“ an

In gewisser Weise ist „Trigger Warning“ ein Stoff der alten Schule: Die westernartige Geschichte, die klassische Actionlauflänge von rund 100 Minuten, die Plotelemente, welche einen an Genrestücke aus den 1980ern und 1990ern denken lassen. So ahnt man vom Feeling des Films schon, sobald die Wiederwahlkampagne von Senator Swann das erste Mal im Radio angekündigt wird, dass dieser seine Finger mit in den dreckigen Geschichten haben muss, und tatsächlich entpuppt sich das Ganze als das Westernszenario, in dem eine reiche Sippe sich für die Herren der Stadt hält und Gesetze bricht. Die einzig spannende Frage ist, ob Parkers Gschpusi Jesse ebenfalls involviert ist oder doch seinem Eid als Gesetzeshüter folgt. Der Rest aus der Feder von John Brancato („Surrogates“), Josh Olson („Tödliche Tarnung“) und Halley Wegryn Gross („Westworld“) ist totaler Standard, dessen Hintergründe nach einem Drittel fast komplett aufgedeckt werden, sodass sich der Streit zwischen aufrechter Soldatin und fiesen Verschwörern aufschaukeln könnte.

Trigger Warning

Zwar mit Machete, aber nicht in “Machete”: Jessica Alba als Parker

Dummerweise läuft „Trigger Warning“ mit komplett angezogener Handbremse. Vielleicht hatte man Surya engagiert, weil man glaubte, dass sie diesem Portrait einer Frau auf Rachefeldzug noch etwas Tiefe abgewinnen kann. Doch das mündet in erster Linie in Sequenzen, in denen Parker ihren Schmerz mit Trinken, Rauchen und einem Wiederaufflammen der Liebschaft mit Jesse betäubt, was den Film allerdings ausbremst. Ähnlich sieht es mit dem Rückblenden zum verstorbenen Daddy aus, die noch mal Parkers Herkunft auspolstern und ihren Werdegang erklären sollen, aber reichlich unnötig sind. Dafür kriegen die Schurken nicht genug Profil: Ein arroganter Berufssohn hier, ein einheimischer Terrorist mit Brutalo-Attitüde da, reine Pappkameraden, die noch nicht einmal hassenswert genug gezeichnet werden, dass ihr späteres Ableben große Partystimmung verursachen würde. Hinzu kommt eine Riege von Helferlein-Nebenfiguren, die aber auch seltsam egal bleibt.

So kommt „Trigger Warning“ in erster Linie dann in Schwung, wenn man Fight Coordinator Eric Brown („Day Shift“) ranlässt. Es gibt zwar auch einige Schusswechsel und ein, zwei Explosionen, doch meistens geht Parker in den Nahkampf, wo sie ihre Gegner mittels Messer und Machete filetiert. Das ist schick choreographiert, meist übersichtlich gefilmt und so gemacht, dass man jemanden von Parkers Statur auch zutraut als Sieger aus den Konfrontationen hervorzugehen. Der angestrebte Realismus hat allerdings Nachteile im Schauwerte-Department, denn die meisten Fights sind sehr kurz, da Parker ihre Gegner schnell erledigt und auch teilweise von hinten erdolcht. Am einfallsreichsten ist sogar frühe Szene, in der sie ein paar halbstarke Räuber in einem Baumarkt stellt und der Kampf mit den dortigen Gerätschaften ausgetragen wird. Die wenigen CGI-Effekte (LKW, Barbrand) sind eher mittelprächtig, doch das Meiste an „Trigger Warning“ ist handgemacht.

Trigger Warning

Senator Swann (Anthony Michael Hall) sieht nicht so aus als würde er Gutes im Schilde führen

Jessica Alba („L.A.‘s Finest“) bringt die nötige Fitness für die Hauptrolle mit, schauspielerisch sieht es allerdings eher mau aus. Da mag ihre Rächerin noch so viel weglitern und noch so oft gequält in die Kamera schauen, so wirklich tiefgründig oder mitreißend ist das nicht. Anthony Michael Hall („Dead in Tombstone“) als machtbewusster Sentor, dem man die Umtriebigkeit an der Nasenspitze ansieht, zieht sich noch halbwegs okay aus der Affäre, der Rest spielt ähnlich egal wie Alba, sei es nun Mark Webber („Green Room“) als Sheriff, Tone Bell („The United States vs. Billie Holiday“) als kompetenter Helfer oder Kaiwi Lyman („Sympathy for the Devil“) als Terrorist.

So bleibt „Trigger Warning“ Stangenware mit ein paar netten Fights, die nichts so komplett falsch macht, aber in kaum einer Beziehung irgendwie aufregend ist. Eine von A bis Z vorhersehbare Geschichte, egale Schauspielleistungen und eine behauptete, aber nie erreichte Tiefe machen das Ganze dann zu einem Langweiler. Einem recht sauber produzierten Langweiler, aber das ist doch nur ein schwacher Trost.

Als Netflix-Produktion ist „Trigger Warning“ nur bei dem Streamingdienst zu sehen. Die FSK hat ihn bisher nicht geprüft, Netflix empfiehlt ihn ab 16 Jahren.

© Nils Bothmann (McClane)

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