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U.S. Seals II

Originaltitel: U.S. Seals II__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2001__ Regie: Isaac Florentine__Darsteller: Michael Worth, Damian Chapa, Karen Kim, Marshall R. Teague u.a.
Kommando U.S. Seals

Isaac Florentine inszenierte die grandiose Action-Gaudi “Kommando U.S. Seals” aka “U.S. Seals II”

Der Söldner- bzw. Himmelfahrtskommando-Film wurde einst mit „Das dreckige Dutzend“ begründet und in den 80ern und 90ern ebenfalls gerne genutzt, um einen wild zusammengewürfelten Haufen eine schier unlösbare Aufgabe erledigen zu lassen. Dabei hatten die Filme nahezu immer das gleiche Muster: Ein erster Einsatz geht gründlich schief, was die Hauptfigur dazu bewegt, den Dienst zu quittieren. Dann kommt plötzlich eine Bedrohung auf, die nur unser Held managen kann. Also wird er wieder geholt und bekommt alle Freiheiten, die er braucht.

Er darf sich sein Team selber zusammenstellen und auch hohen Tieren ans Bein pissen: He’s the Man. Tja, und dann wird gerockt. Die bekanntesten Vertreter dürften dahingehend wohl „Delta Force 1 und 2“, „Men of War“, „Soldier Boyz“, „Navy Seals“, „S.E.A.L.S.“ usw. sein. Insbesondere in den späten 90ern überschwemmten derartige Filme den Markt und auch um die Jahrtausendwende schossen die Filme dieses Genres wie Pilze aus dem Boden.

Einer der gelungensten Beiträge heißt „U.S. Seals II“ – bzw. in unseren Breiten „Kommando U.S. Seals“ – und kommt von der Filmschmiede Nu Image. Die ist bekannt dafür, Filme von arg schwankender Qualität auszustoßen. Hier haben wir es jedoch mit einer kleinen Perle zu tun: Caseys Truppe besteht aus den Besten der Besten. Doch sein Partner und Freund Ratliff hatte schon immer leicht psychopathische Züge. Eines Tages tötet er einfach so die Tochter des Kampfsportmeisters, der die Seals-Gruppe trainiert. Dieser begeht daraufhin Selbstmord, Casey kündigt bei der Einheit und Ratliff rutscht endgültig auf die böse Seite.

Er klaut mal eben zwei russische Stealth-Raketen!!!, entführt eine Wissenschaftlerin, die ihm ein paar Atomsprengköpfe bastelt, und verfrachtet alles auf eine einsame Insel. Und hier kommt der besondere Kniff des Filmes: Diese Insel ist zu weiten Teilen methanverseucht (warum auch immer…), was heißt, Schusswaffen sind hier per se verboten.

Casey, der ja noch eine Rechnung mit Ratliff offen hat, wird gerufen und freilich erhört er das zu Kreuze kriechende Militär. Er stellt sich ein Team nach seinem Gutdünken zusammen, lädt die Schwester der getöteten Kampfsportmeistertochter auch noch ein und bläst zum lustigen Halali auf der Methan-Insel. Hier geht’s dann lustig zur Sache mit Schwertern, Macheten, Säure-Gotcha-Munition und diversen Hieb- und Stichwaffen, die im Normalfall keine Funken werfen…

Was für eine riesige Gaudi! Der Film nimmt sich zu keiner Sekunde ernst, was man schon dem Sound-Desgin anmerkt, welches jede Bewegung, manchmal auch Augenaufschläge, mit zackigen Geräuschen untermalt. Auch die Geschichte macht eines vollkommen klar: Wir haben es hier mit einem Actioncomic zu tun. Die Stuntmen fuhren mehr als nur ein paar Überstunden und fallen so hart und häufig wie selten von Häusern oder ähnlichem. Die Kämpfe sind mehr als ansprechend im Hongkong-Style mit relativ seltenem Wirework-Einsatz inszeniert und insbesondere wenn die Schwerter zum Einsatz kommen, wird es auch nett blutig. Vor allem der Finishing-Move für den Endgegner splattert schon sehr genial.

Isaac Florentine („Ninja – Pfad der Rache“) glänzt wie gewohnt mit dynamischen Kamerafahrten und einem unnachahmlichen Gespür für Action und Tempo. Selbst schwache CGIs kann er mit ausgefallenen Perspektiven teils sehr effektiv kaschieren. Als Hauptdarsteller hat er sich Michael Worth („Karate Tiger 7“) ausgesucht, der seine Sache sehr gut macht und vor allem richtig kicken kann! Seinen Gegner gibt Damian Chapa, dem geneigten Van-Damme-Fan vor allem ein Begriff durch seine Rolle als Ken Masters in „Street Fighter“.

Insgesamt ist dieser Streifen in der ungeschnittenen Fassung eine einzige Wohltat (Vorsicht vor der arg zusammengestückelten FSK-18-Best-Entertainment-Scheibe! Empfohlen sei die ungeprüfte, ebenfalls von Best Entertainment stammende DVD, die den Film in annehmbarer Bild und Tonqualität präsentiert!). Bei „U.S. Seals II“ sitzt jeder Actionfan mit einem permanentem Grinsen vor der Glotze. Spätestens wenn am Ende die gefallenen Helden noch einmal vor einer wehenden US Flagge präsentiert werden, liegt man lachend unterm Tisch. Diesen Film kann man jedem Actionfreak einfach nur ans Herz legen.

In diesem Sinne:
freeman


……


Dass Fortsetzungen dem Original nicht zwangsläufig unterlegen sein müssen, sondern es auch um Welten übertreffen können, beweist unter anderem das Sequel zur fürchterlichen Nu-Image-Gurke „U.S. Seals“, die C-Spezi Yossi Wein 1999 als grausam billig dahin geschluderten, Stock-Footage-verseuchten und darstellerisch katastrophalen Lowest-Budget-Dilettantenstadl verbrochen hatte. Am exakt anderen Ende der Genre-Qualitätsskala lässt sich das zwei Jahre später folgende Sequel einordnen: Für den Regieposten engagierte man Isaac Florentine, der zuvor mit den spaßigen Endzeitkrachern „Cold Harvest“ und „Fight of the Dragon“ bereits bemerkenswerte B-Actionhighlights geschaffen hatte und dank „Special Forces USA“ und „Undisputed II“ heute als der Genremeister schlechthin gefeiert wird. Seinem inszenatorischen Ausnahmetalent sei dank ist „U.S. Seals II“ trotz deutlicher Schwächen eine überaus spaßige, comichafte Actionarcade für Genre-Fans geworden.

Die vom ehemaligen „Eis am Stiel“-Regisseur und heutigen Nu Image – Produzenten Boaz Davidson, der Anfang der 90er mit „Astrocop“ und „American Cyborg: Steel Warrior“ selbst feine B-Action-Regiearbeiten abgeliefert hatte, erdachte Story klappert zwar nur die Standard-Ingredienzien eines jeden einfallslosen Special-Forces-Flicks ab, hat damit aber immer noch mehr zu bieten als der von quasi nichtexistenter Handlung gebeutelte Vorgänger:

Ein ehemaliges SEAL-Mitglied kidnappt eine Atomwissenschaftlerin, um sich aus waffenfähigem Plutonium tödliche Raketen basteln zu lassen, verlangt gleichzeitig eine Milliarde Lösegeld und verschanzt sich auf einer abgelegenen Insel, auf der dank Methan-haltiger Luft keine Schusswaffen gebraucht werden dürfen. Das US-Militär reaktiviert seinen besten Mann Casey (Michael Worth) aus dem Ruhestand, der mit dem Schurken noch eine persönliche Rechnung offen hat. Casey stellt ein bunt gemixtes Spezialistenteam aus SEAL-Kollegen, Zivilisten und Gefängnisinsassen zusammen, um in die Höhle des Löwen vorzudringen und die Katastrophe abzuwenden…

Schlicht und bar jeglicher neuer Ideen präsentiert sich die Story von „U.S. Seals II“, kommt jedoch zum einen teilweise beinahe als liebevolle Parodie des eigenen Genres daher, indem Standardelemente zu herrlich überzeichnetem Einsatz kommen, und verlässt sich zum anderen in der Hauptsache auf seine souveränen Actionszenen. Hat die erste Hälfte abgesehen vom bereits in typischer Florentine-Manier glänzenden Auftakt-Shootout diesbezüglich noch nicht allzu viel zu bieten, gibt es angekommen auf des Badguys Insel kein Halten mehr:

In Ermangelung der Möglichkeit, Schusswaffen zu gebrauchen, greift unser bunt gemischtes Heldenteam auf Samurai-Schwerter und sonstiges archaisches Gerät zurück, sieht sich mit Horden kampfkundiger Gegner konfrontiert und darf sich für den Rest des Films nach allen Regeln der Kunst spektakulär battlen, prügeln, aufschlitzen und um die Ecke bringen.

Florentines charakteristischer, vom Hongkong-Kino inspirierter Inszenierungsstil macht die toll choreografierte Martial-Arts-Arcade einmal mehr zum Hingucker, indem die zahlreichen Fights durch dynamische Kameraperspektiven und comichafte Übertreibungen aufgewertet werden: Getroffene Gegner fliegen mit Salti durch die Lüfte, unsere Helden absolvieren abenteuerlich akrobatische Jumps und sämtliche Bewegungen werden von jeglichen Realitätscharakter final aushebelnden Swoosh-Geräuschen untermalt. Durch das hauptsächliche Hantieren mit Samurai-Schwertern und sonstigem spitzen Gerät ist hier auch der Härtegrad vergleichsweise hoch und kulminiert in einer hübsch übertrieben aufgezogenen Finish-Splattereinlage.

Abseits der Actionszenen offenbart „U.S. Seals II“ dagegen seine Schwächen, indem er, wie es bereits bei „Cold Harvest“ der Fall war, nur bedingt zu fesseln weiß: Trotz einiger unterhaltsamer Over-The-Top-Momente dümpelt die Handlung allzu belanglos und altbekannt vor sich hin, sind die Dialoge zu dümmlich und hölzern und kann der Streifen weder optisch noch bezüglich der Settings sein niedriges Budget verhehlen. „U.S. Seals II“ sieht durchgehend billig aus, doch glücklicherweise ist Florentine der richtige Mann, um dem Billiglook Charme zu verleihen und aus den limitierten Möglichkeiten ein Optimum an Spaß und Action zu extrahieren.

Dem Cast geht zwar ein zugkräftiges Gesicht der Marke Dolph Lundgren oder Gary Daniels ab, doch SEAL-Chef Michael Worth, zuvor unter anderem als Hauptdarsteller in Teil 7 und 8 der imaginären „Karate Tiger“-Reihe zu sehen, macht eine solide Figur, kann darüber hinaus ansprechend kicken und hat ein recht sympathisches Ensemble von Co-Fightern zur Seite. Damian Chapa als Badguy bleibt dagegen eher blass.

Fazit: Das Sequel zum grottigen Nu-Image-Unfall „U.S. Seals“ erweist sich dank eines gewohnt stylish und comichaft inszenierenden Isaac Florentine als überaus spaßiger Special-Forces-Klopper, der seine niedrig budgetierte B-Herkunft zwar nie verhehlen kann und abseits der Actionszenen mit seinem schwachen Drehbuch zu kämpfen hat, durch feine, ausführliche und auch harte Martial-Arts-Fights beinahe am laufenden Band aber bestens bei Laune zu halten weiß. Für B-Action-Fans kann nur eine Empfehlung ausgesprochen werden.

© Ed Hunter

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