Actionfilme, Actionstars und einfach Action satt

American Assassin

„American Assassin“ versucht Vince Flynns Romanhelden Mitch Rapp im Kino zu etablieren. Der wird zum Einzelkämpfer, als seine Freundin bei einem Terroranschlag ermordet wird, und wird von der CIA für eine Spezialeinheit angeworben. Dylan O’Brien spielt Rapp, Michael Keaton seinen Ausbilder Stan Hurley und Scott Adkins den CIA-Rekruten Victor. Gemeinsam müssen sie den Verkauf einer Nuklearwaffe verhindern.

Originaltitel: American Assassin__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2017__Regie: Michael Cuesta__Darsteller: Dylan O’Brien, Michael Keaton, Sanaa Lathan, Shiva Negar, Taylor Kitsch, David Suchet, Navid Negahban, Scott Adkins, Kamil Lemieszewski, Charlotte Vega, Jeff Davis u.a.
American Assassin

In dem Actionthriller „American Assassin“ hat Scott Adkins nur eine Nebenrolle, während Dylan O’Brien den Helden Mitch Rapp spielt

Den nächsten James Bond, Jason Bourne oder Jack Ryan hätte jedes Studio gerne im Angebot, doch nicht jeder Agenten-Actionheld mit Buchvorlage ist ähnliche franchisetauglich wie die genannten. Lionsgate wurde auf der Suche nach Material bei Vince Flynns Mitch-Rapp-Romanen fündig, von denen der Vielschreiber zwischen 1999 und seinem Tod 2013 ganze 13 Stück veröffentlichte; drei weitere wurden danach von einem neuen Autor veröffentlicht.

Für die Verfilmung modernisiert man die Geschichte des Helden, dessen Freundin in den Romanen beim Lockerbie-Bombenattentat umkam. In der Auftaktszene wohnt man dem romantischen Beisammensein eines Mannes, einer Frau und eines Samsung-Handys bei, wenn Mitch Rapp (Dylan O’Brien) seiner Freundin einen Heiratsantrag am Strand von Ibiza macht. Die Idylle wird allerdings gestört, als schwerbewaffnete islamistische Terroristen mit Kalaschnikows ein Massaker unter den Urlaubern anrichten, womit „American Assassin“ Bezug auf aktuelle Terrorereignisse wie das Attentat am Strand von Tunesien nimmt, wobei die Eingangssequenz auf eindringliche, leicht verstörende Weise den unbarmherzigen Schrecken eines solchen Attentats zu vermitteln weiß.

Rapp überlebt das Attentat schwer verletzt, die Holde nicht. Er gibt daraufhin sein Studium auf, trainiert Schießen, Martial Arts und Arabisch und schafft es innerhalb der nächsten 18 Monate sich an jene Terrorzelle heranzuarbeiten, die für das Massaker verantwortlich ist. Als vermeintlicher Rekrut schleicht er sich ein und ist bereit als Märtyrer auf dem Rachepfad zu sterben, als CIA-Einheiten die Terroristen wegputzen und ihn wegzerren: CIA-Vizechefin Irene Kennedy (Sanaa Lathan) ist bereits auf den determinierten jungen Mann aufmerksam geworden, ließ ihn überwachen und will ihn nun rekrutieren. Damit wird der CIA einerseits als tatkräftige Organisation eingeführt, die andrerseits ohne Mitch nie besagte Terrorzelle gefunden hätte, was früh die Uneindeutigkeit des Films in vielen Punkten zeigt.

Mitch nimmt das Angebot schlussendlich an und wird zum Training unter der Fuchtel des harten Hundes Stan Hurley (Michael Keaton) geschickt. Als aufmüpfiger Befehlsverweigerer ist er unbeliebt, seine Leistungen sind dagegen Spitzenklasse. Als waffenfähiges Material aus der ehemaligen Sowjetunion auf dem Schwarzmarkt auftaucht, sind Mitch und die anderen Mitglieder der CIA-Spezialeinheit Orion schneller gefragt als gedacht…

American Assassin

Stan Hurley (Michael Keaton) trainiert Mitch Rapp (Dylan O’Brien)

Bei der Verfilmung dieses Action-Romanhelden griffen die Produzenten auf ein in dem Genre erfahrenes Autorenteam zurück: Edward Zwick und Marshall Herskovitz verantworteten das „Jack Reacher“-Sequel „Never Go Back“, Michael Finch „The November Man“ und „Hitman: Agent 47“, Stephen Schiff mehrere Episoden der Spionageserie „The Americans“. Doch alles, was diese geballte Autoren-Erfahrung zu Papier brachte, ist ein Script nach Schema F, dessen Twists sich mit etwas Genreerfahrung vorhersagen lässt: Wann welche Nebenfigur wohl ausscheidet, ab welchem Zeitpunkt der Held wohl auf sich alleine gestellt sein wird, was genau der Schurke im Sinne führt, all das hat man schon oft woanders und oft besser gesehen. Einzig und allein einmal überrascht der Film, nämlich dann, wenn der vermeintliche Moment für ein Schäferstündchen zwischen Held und Mit-Agentin gekommen ist, die Szene aber anders aufgelöst wird als erwartet.

Als Actionthriller über den gegenwärtigen Terror ist „American Assassin“ dabei ein ideologisch fast schon verwirrter Film, der es irgendwie allen Recht machen will. Es gibt iranische Schurken, türkische Waffenhändler und italienische Mafiosi als deren Verbündete auf der Fieslingsseite, aber auch den amerikanischen Söldner Ghost (Taylor Kitsch), während man gleichzeitig auch noch gute Iraner vorstellt, die wiederum an Aussöhnung mit der westlichen Welt interessiert sind. Hurley ist kein Freund von Rache, aber nur, weil sie den Menschen an klarem Handeln hindert; als bessere Alternative sieht Hurley Patriotismus im Antiterrorkampf, der emotional leere Hüllen wie ihn und Mitch einer Bestimmung zuführt. Insofern kann sich vermutlich jeder Zuschauer je nach Neigung das herauspicken, was ihm gerade an dem Film ge- oder missfällt, um mit dessen (Nicht-)Botschaft übereinzustimmen, aber das ist vielleicht auch egal, denn es geht ja um Genreunterhaltung.

American Assassin

Der Söldner Ghost (Taylor Kitsch) ist ein ebenbürtiger Gegner für Rapp und die andere Mitglieder von Orion

Doch auch hier kommt „American Assassin“ leider auf keinen einheitlichen Ton: Mitch Rapp ist erst ein amoklaufendes Nervenwrack, nach 30 Tagen CIA-Gefangenschaft ein cooler Sprücheklopfer, im Einsatz später wieder der Versehrte des Beginns. Einheitlich ist nur der durchgehende Glaube daran, dass der harte Mann im Feuer geschmiedet wird. Das nimmt an einer Stelle Züge der Selbstparodie an, wenn Hurley bei einem Folter-Verhör so viel Einsatz (und Begeisterung?) zeigt wie sonst kaum im Film.

Mit Michael Keaton („Spider-Man: Homecoming“), der in den letzten Jahren ja fröhlich zwischen Blockbuster-, Mid-Budget- und Independent-Produktionen wechselt, hat man aber einen Darsteller gecastet, der den toughen Mentor mit ganz eigenen Ausbildungsmethoden stark darstellt. Dylan O’Brien („Deepwater Horizon“) ist physisch gut in Form, auch kein schlechter Schauspieler, aber wirkt doch immer etwas zu jungenhaft für die Rolle des Geheimdienstkillers – vor allem dann, wenn Actionstar Scott Adkins („Savage Dog“) als weiterer Rekrut auftritt. Da malt sich immer aus wie der Film wohl aussehen würde, wäre Adkins der Hauptdarsteller und O’Brien der Sidekick, der hin und wieder mal fragt, was blaues Licht macht (oder sowas in der Art). Taylor Kitsch („Lone Survivor“) kann als eiskalter Söldner punkten; Sanaa Lathan („Blade“) als Vorgesetzte, David Suchet („Bank Job“) als CIA-Chef und Shiva Negar („Hemlock Grove“) als Mitagentin setzen Akzente und dazu kommt noch einige undurchsichtige bis fiese Fressen, die als potentielle Widersacher durch den Film tigern.

American Assassin

Victor (Scott Adkins) ist ebenfalls Rekrut bei Orion

Die Wahl des genrefremden Regisseurs Michael Cuesta („Kill the Messenger“) ist vielleicht eine ungewöhnliche, doch fürs Handgemachte stellt man ihm entsprechende Könner zur Seite. Second-Unit-Regie: Vic Armstrong („Double Impact“). Stunt Coordinator: Buster Reeves („The Great Wall“). Kampfchoreograph: Marcus Shakesheff („Wonder Woman“). Kampftraining der Hauptdarsteller: Roger Yuan („Jason Bourne“). Deshalb haben die Kampfszenen auch ordentlich Schmackes, sind in ihrem realistischen Stil an Vorbildern wie Bourne gehalten, setzen jedoch mehr auf Übersicht, was vor allem beim Loft-Fight und dem Hotelüberfall für Highlights sorgt. Einige Shoot-Outs, Verfolgungsjagden und weitere Keilereien bietet die Palette, nur leider sind die Actionszenen oft etwas zu kurz und gerade im Showdown wird es ärgerlich: Denn dort hat man für mehrere knallige Sequenzen einiges an Kosten und Mühen gescheut, was man den CGI-Effekten mehr als unschön ansieht – wenn man schon ein derartig aufwändiges Finale plant, dann sollte man es auch entsprechend finanzieren. Zudem ist das in diesem Zuge stattfindende finale Aufeinandertreffen beiden Ausnahmeagenten dann für einen Showdown etwas zu schnell abgefrühstückt.

Immerhin geht es durchweg ruppig zur Sache, mit blutigen Einschüssen, in Körper gestochenen Messern und überfahrenen Schergen, womit „American Assassin“ als harter Actionthriller alter Schule punkten kann. Noch dazu sorgen Regisseur Michael Cuesta und Kameramann Enrique Chediak („R.E.D. 2“) für gediegene Bilder und stimmungsvolle Aufnahmen, wenn die Reise agentenfilmtypisch um den Globus geht mit Schauplätzen wie London oder Istanbul als Hintergründen für das Hin und Her der Geheimdienstler dient. Damit kann „American Assassin“ optisch auf jeden Fall punkten, nur hätten diese Bilder einen besseren Film drumherum verdient.

Denn das Leinwanddebüt von Mitch Rapp ist ein komplett generischer Gebrauchsactionthriller, streng nach Schema F und dadurch stark vorhersehbar, mit meist gelungenen, aber leider nur recht sparsamen Shoot-Outs und Nahkämpfen, aber auch einem reichlich verhunzten Finale. Wie man Gedanken zur Weltlage und zu Terrorismus in einen spannenden Actionthriller verpacken kann, haben Filme wie „Einsame Entscheidung“ oder die Jack-Ryan-Reihe jedenfalls merklich besser gezeigt.

StudioCanal bringt „American Assassin“ am 12. Oktober 2017 mit einer Freigabe ab 18 Jahren in die deutschen Kinos.

© Nils Bothmann (McClane)

Was hältst du von dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: StudioCanal__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 12.10.2017 in den deutschen Kinos

Tagged as: , , , , , , , , , , ,

Wie Viele Actionnerds gibt es?

  • Keine Sorge, du bist mit deiner Vorliebe nicht allein! Uns besuchten bereits 3211071 andere Actionnerds