Actionfilme, Actionstars und einfach Action satt

Call of Heroes

Originaltitel: Ngai Sing__Herstellungsland: Hongkong__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Benny Chan__Darsteller: Lau Ching-Wan, Louis Koo, Eddie Peng, Yuan Quan, Jiang Shuying, Liu Kai-Chi, Jacky Wu, Philip Keung, Sammy Hung, Berg Ng Ting-Yip, Sammo Hung u.a.
Call of Heroes

Regie Benny Chan, Actionregie Sammo Hung: „Call of Heroes“ startet unter guten Voraussetzungen

Nachdem Benny Chans voriger Film, „The White Storm“, es bisher noch nicht nach Deutschland geschafft hat, im Gegensatz zu den meisten anderen Arbeiten des Regisseurs und Jackie-Chan-Weggefährten, war „Call of Heroes“ eine halbwegs zeitige Premiere auf dem Heimkinomarkt vergönnt.

Man schreibt das Jahr 1914 in China, in dem Warlords den Frieden bedrohen und die Bevölkerung terrorisieren, weshalb Flüchtlinge wie die Lehrerin Bai Ling (Jiang Shuying) und ihre Schüler Schutz in von der Armee bewachten Städten suchen. Auf der Reise dahin machen sie in einem Wirtshaus Station, in dem auch der Drifter Ma Feng (Eddie Peng) gerade zu Mittag speist. Als sich einige Rüpel daneben benehmen, nimmt es Ma Feng mit der ganzen Horde auf, wobei die Wirthausschlägerei Motiv sowohl im Western auch im Martial-Arts-Film eine Standardsituation ist und „Call of Heroes“ damit bereits früh die Synthese zweier Genres verkündet.

Ziel der Reise für Bai Ling und ihre Schützlinge ist das Städtchen Pucheng. Doch die dort stationierten Soldaten ziehen in die Schlacht, weshalb Pucheng allein von dem Gesetzeshüter Yang Kenan (Lau Ching-Wan) und seinen Leuten beschützt wird. Doch der Ort ist ein Pulverfass, da die Reichen ihre Vorstellungen von Recht und Ordnung gegenüber dem Gesetzeshüter durchdrücken wollen, während die Bewohner eigentlich keine Flüchtlinge aufnehmen wollen. Eine brandaktuelle Problematik, die aber durch einen Appell Yang Kenans gelöst, der schon etwas pathetisch ist, aber auch das ist ja durchaus ein Standard des Hongkong-Actionfilms.

Nachdem Cao Shaolun (Louis Koo), der Sohn eines Warlords, in der Stadt drei Menschen ermordet und ins Gefängnis gesteckt wird, stellt der Verbrecher ein Ultimatum: Entweder man lässt ihn frei oder die Truppen seines Vaters nehmen die Stadt mit Gewalt ein. Doch Yang Kenan, Ma Feng und andere tapferer Krieger wollen das nicht zulassen und bereiten sich auf den Ansturm der zahlenmäßig überlegenen Angreifer vor…

Call of Heroes

Rumtreiber Ma Feng (Eddie Peng) greift für die gute Sache zu den Schwertern

Die kleine tapfere Gruppe im Angesicht des Ansturms einer Feindeshorde, damit liegt „Call of Heroes“ im Trend, denn bereits „The Last Stand“ und das Remake von „Die glorreichen Sieben“ nahmen in letzter Zeit jenes Konstrukt auf, das vor allem durch den japanischen Samuraifilm „Die sieben Samurai“ und dessen US-Aufarbeitung, „Die glorreichen Sieben“ von 1960, populär gemacht wurde. Wobei Benny Chan das Ganze etwas anders angeht: Brachten die beiden US-Filme der letzten Jahre die meiste Zeit über ihre Figuren für das finale Aufräumen in Stellung, so gibt es in „Call of Heroes“ mehr über den Film verteilte Action, etwa wenn eine von den Geschäftsleuten engagierte Schutztruppe Rambazamba macht oder die Truppen von Cao Shaoluns Vater bereits Befreiungsversuche vor der großen Endschlacht wagen.

Besagtes Finale fällt im Gegenzug dann etwas weniger exzessiv aus als bei der Konkurrenz: Zwischendrin gibt es zwar immer wieder Bilder von Massenkämpfen, hauptsächlich konzentriert sich der Showdown jedoch auf zwei Einzelmatches, in denen Ma Feng und Yang Kenan jeweils einen Hauptgegner in langem Kampfgetümmel zu Boden bringen dürfen. Hongkong-Genreveteran Sammo Hung („Zu – Warriors from the Magic Mountain“), der auch einen Gastauftritt als General hat, zeichnet für die Actionregie verantwortlich und sorgt für stark choreographierte Kampfszenen, in denen neben Fäusten und Füßen auch zahlreiche Waffen wie Schwerter oder Peitschen zum Einsatz kommen. Die wenigen Drahtseiltricks, welche die Action manchmal bietet, hätte der Film eigentlich nicht gebraucht und sie schmälern den Wert der sonst so starken Kampfkunst minimal, dafür gibt es diverse sehenswerte Fights, bei denen vor allem der Kampf auf der Brücke hervorzuheben wäre, bei dem die Helden sich gegen diverse Widersacher zur Wehr setzen müssen, während mit Stacheln versehene Gitter die Brücke nach beiden Seiten hin abschirmen und zur potentiellen Todesfalle machen.

Call of Heroes

Gesetzeshüter Yang Kenan (Lau Ching-Wan) bringt einem Flegel Manieren bei

Zwischen den Kampfszenen ist „Call of Heroes“ allerdings ein eher ruhiger Film, der sich auf keine Hauptfigur ganz eindeutig konzentriert. Man erfährt mehr von Yang Kenan und seinem Ehrverständnis, mehr von Ma Feng und dessen Vergangenheit, die sein Können ebenso erklärt wie seine Verbindung zu einem der Gegenspieler, mehr von den Ränkespielen und Machenschaften, die Cao Shaolun und seine Truppen auszeichnen. Man erfährt vom Schicksal der Flüchtlinge und den Zuständen, vor denen Bai Ling und die ihren flohen, man verhandelt – wie in diversen Western der Marke „Rio Bravo“ – die Auswirkung von Angst über die Bevölkerung und den Eigennutz diverser Bürger, die für ihre Sicherheit andere ans Messer liefern wollen. In diese Figurengewirr ist es dann nicht immer einfach den Film durchweg rund am Laufen zu halten, denn all diese Aspekte sind sicher interessant und stellenweise durchaus mit Hintersinn in den Film integriert, aber es lässt „Call of Heroes“ bisweilen etwas ziellos wirken.

Glücklicherweise kann der Film sich auf Cast und Crew verlassen, die durch starke Leistungen gegen die manchmal etwas unklare erzählerische Linie steuern. Eddie Peng („The Great Wall“) als ursprünglich eigennütziger Rumtreiberheld, der von mancher Figur mit dem Monkey King der chinesischen Folklore in Verbindung gebracht wird, und Lau Ching-Wan („Out of Inferno“) als selbstloser Gesetzeshüter, der Prinzipien über das eigene Glück stellt, spielen sich als gegensätzliches Heldenduo die Bälle zu, während Louis Koo („Lethal Warrior“) einen wahrhaft hassenswerten Schurken abgibt. Jacky Wu alias Wu Jing („Wolf Warrior“) mischt noch mit, ist aber vor allem kämpferisch gefordert, aber das macht er sehr gut. Nicht zuletzt, weil Benny Chan seine Darsteller so überzeugend führt und, in Verbindung mit Kameramann Chor Keung Chan („Detective Dee und das Geheimnis der Phantomflammen“), immer wieder für schicke Bilder sorgt, etwa Panoramaaufnahmen der Landschaften um Pucheng oder aus einem Blickwinkel von oben herab aufgenommene Überblicksaufnahmen der Stadt, manchmal sogar im Kampfgeschehen. Im Hintergrund tönt ein gelungener Soundtrack, der im Abspann sogar erfreulich rockig wird.

Insofern mag es „Call of Heroes“ manchmal an Geradlinigkeit mangeln und wirklich Neues in Sachen Belagerungsfilm bietet Benny Chans Werk auch nicht, doch abgesehen davon handelt es sich hierbei um einen erfreulich facettenreichen und gut gespielten Vertreter seiner Gattung, der ebenso schicker wie abwechslungsreicher Nahkampfaction zu überzeugen weiß.

Hierzulande hat Splendid „Call of Heroes“ auf Blu-Ray und DVD veröffentlicht, ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben. Das Bonusmaterial umfasst ein Musikvideo, Trailer und diverse Featurettes zu Einzelaspekten des Films.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Splendid__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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