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FX – Tödliche Tricks

Originaltitel: F/X: Murder by Illusion__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1986__Regie: Robert Mandel__Darsteller: Bryan Brown, Brian Dennehy, Diane Venora, Cliff De Young, Mason Adams, Jerry Orbach, Joe Grifasi, Martha Gehman, Roscoe Orman, Trey Wilson, Tom Noonan, Paul D’Amato, Angela Bassett u.a.
FX - Tödliche Tricks

Gepflegter Thrill mit ein paar Actioneinlagen: „F/X“

Obwohl „F/X“ gern als Actionreißer vermarktet wird (etwa durch Veröffentlichung in der Reihe Action Cult Uncut von 20th Century Fox), so ist Robert Mandels 1986er Film doch eher ein Thriller mit ein paar handfesteren Krawalleinlagen.

Eine der ersten sieht man direkt zu Beginn und die scheint einem blutigen Gangsterfilm zu entstammen, wenn ein knatschiger Mafiakiller ein Restaurant aufsucht und dort ein Massaker mit hohem Munitionsverbrauch anrichtet – was sich als Film-im-Film-Sequenz entpuppt, sobald Squibs bei Einschüssen nicht zünden und man den Effektspezialisten Rollie Tyler (Bryan Brown) deswegen ans Set ruft. Ein netter Gag, aber zum Metafilm wird „F/X“ trotz kleinerer Einblicke in die Funktionsweise von Spezialeffekten und ein paar Verweisen (in Rollies Apartment hängen Poster von „Woodoo“ und „Fade to Black“) dann doch nicht.

Weil Rollie der Beste seines Fachs ist (wie könnte es im Genre anders sein?), will das FBI ihn für einen Spezialauftrag: Er soll den Tod eines Kronzeugen vortäuschen und selbst den Attentäter spielen. Rollie weiß schon, warum er zögert, doch angesichts der Offerte, dass man sich dann an die Konkurrenz wende, sagt er doch zu. Sowohl Rollie als auch Leo McCarthy (Brian Dennehy) zeichnen sich durch eine gewaltige Hybris aus, die passend in die dekadenten 1980er passt, wobei der Film einem immerhin hin und wieder den Spaß bietet die beiden, die sich für die heißesten Typen ever halten, auch mal straucheln zu sehen.

Für Rollie kommt dieser Zeitpunkt erstmals, als nach dem inszenierten Attentat echte Polizisten ihn verhaften wollen, seine Auftraggeber versuchen ihn zu ermorden und der Kronzeuge anscheinend wirklich tot ist. Verzweifelt versucht Rollie seinen Namen rein zu waschen und die Wahrheit zu ergründen…

FX - Tödliche Tricks

Rollie Tyler (Bryan Brown) mit Assistentin Andy (Martha Gehman)

Am besten ist „F/X“ immer dann, wenn Rollie und der Film mit ihm in die Trickkiste greifen, denn dann ist einfallsreiche Action angesagt. Der Effektspezialist ist eben kein ausgebildeter Polizist, Soldat, Agent oder dergleichen, sondern muss sich allein auf die Kenntnisse seines Spezialgebiets verlassen, was dann für kreative Anwendung bzw. Zwecktentfremdung seiner Gadgets sorgt, die vor allem im Finale reichlich zum Einsatz kommen. Die eine oder andere reguläre Actionszene müssen er und der ermittelnde Polizist McCarthy auch bestreiten, man denke an den knackig-harten Kampf Rollies gegen einen Auftragsmörder, die allesamt bodenständig und gelungen daherkommen, im Vergleich zu manch anderem Genrevertreter der Ära aber schon relativ klein wirken. So sorgen vor allem die tödlichen Tricks, von denen der deutsche Untertitel spricht, für ein Alleinstellungsmerkmal.

Ansonsten gibt sich „F/X“ trotz einiger Härten und Schicksalsschläge für die Hauptfiguren eher humorvoll, etwa wenn eine hervorschnellende Monsterattrappe in Rollies Apartment als Running Gag zum Einsatz kommt oder der Effektmensch sich Scherze mit seinen Mitmenschen erlaubt (das allerdings zumeist bevor es dann eng für ihn wird). Was dann auch ein wenig zum Problem des Films wird, denn die Fallhöhe scheint nie so wirklich hoch für den von sich selbst überzeugten und den noch mehr von sich selbst überzeugten Rollie zu sein, die Verluste auf dem Weg zum Happy End vergessen beide jedenfalls überraschend schnell, sobald man alle Bösewichter erledigt und dabei noch eine Belohnung für sich selbst eingesackt hat.

FX - Tödliche Tricks

Leo McCarthy (Brian Dennehy) ermittelt in dem Fall

Ansonsten kann „F/X“ durchaus Spannungsmomente kreieren, da er lange Zeit offen lässt, ob der Zeuge nun lebt oder tot ist und was eigentlich genau hinter dem Coup steckt, für den Regierungsbeamte ein doppeltes Spiel treiben. Sobald Rollie (und damit auch der Zuschauer) klarer sieht, lässt „F/X“ leider nach, zumal Regisseur Robert Mandel eher ein solider Routinier denn ein großer Könner des Hochspannungsfilm ist. So flacht die Spannungskurve gegen Ende dann ab, da hilft der einfallsreiche Showdown mit allen Trickfinessen dann auch nicht mehr so viel.

Der australische Schauspieler Bryan Brown („Cocktail“) macht sich gut in der Rolle des australischen Effektspezialisten, wenngleich der Film ihm nicht allzu viel abverlangt, von markigem Auftreten und gelegentlicher Darstellung seelischer Pein (die später aber wieder vergessen ist) mal abgesehen. Brian Dennehy („Rambo“) darf daneben den gutmütigen, aber gleichzeitig knallharten Bullen launig geben, muss aber nicht mehr als eine gute Routine-Performance aufs Parkett legen. Unter den Nebendarstellern fallen noch am ehesten Jerry Orbach („Universal Soldier“) als zu schützender Kronzeuge und Martha Gehman („Vater der Braut“) als Rollies Assistentin auf, der Rest vom Fest, darunter Diane Venora („Stiletto“) und Cliff De Young („Begierde“), spielt dann Steigbügelhalter für das gut aufgelegte, aber nicht zu sehr geforderte Hauptdarstellerpaar.

Insofern bietet „F/X“ netten Thrill mit schicken Effekteinlagen in doppeltem Sinne, die dann auch das Alleinstellungsmerkmal des Films ausmachen. Dass die Spannungskurve abflacht und die Actionszenen nicht übermäßig spektakulär sind, muss man freilich verschmerzen, insofern ist Robert Mandels Actionthriller kein großer, aber ein grundsolider Vertreter seines Genres.

Die deutsche DVD von MGM/20th Century Fox ist mit FSK 16 ungekürzt und wird aktuell im Rahmen der Action Cult Uncut Reihe neu aufgelegt.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: 20th Century Fox__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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