| Originaltitel: Monster Summer__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2024__Regie: David Henrie__Darsteller: Mel Gibson, Mason Thames, Lorraine Bracco, Patrick Renna, Kevin James, Nora Zehetner, Abby James Witherspoon, Lilah Pate, Gary Weeks, Barbara Goodson u.a. |

Mel Gibson erlebt einen „Monster Summer“.
Noahs Vater war ein Investigativ-Reporter und verstarb viel zu früh. Seitdem lebt der Junge alleine mit seiner Mutter auf Martha’s Vineyard. Auf der touristisch geprägten Insel ist zwar nicht viel los, dennoch will Noah es seinem Vater gleich tun. Er erkundet regelmäßig die Insel, immer in der Hoffnung, eine große Story an Land zu ziehen.
Eines Tages wird sein bester Freund Ben beim Nachtbaden im Meer von etwas attackiert und unter Wasser gezogen. Zwar wird der Junge gerettet, doch fortan starrt er nur noch apathisch vor sich hin. Zudem bemerkt Noah eine deutliche Wesensänderung bei seinem Freund. Als kurz darauf ein weiterer Junge nur noch apathisch vor sich hin starrt, ist sich Noah sicher, dass er etwas Großem auf der Spur ist.
In Gene Carruthers, der auf der Insel als Einzelgänger mit mysteriöser Vergangenheit verschrien ist, findet Noah zumindest einen Erwachsenen, der ihm zu glauben scheint. Gemeinsam stürzen sie sich in den Fall, während sich die Zahl apathischer Kinder sprunghaft erhöht.
Mystery-Grusel mit Mel Gibson
Wenn man derzeit den Namen Mel Gibson auf Postern und DVD-Artworks liest, kann man sich zumeist sicher sein, dass er nur eine Nebenrolle in dem Film innehaben wird. Aktuelle Beispiele sind „Boneyard“ oder „Panama“. Bei „Monster Summer“ ist dem nicht so. Mel Gibson füllt eine der Hauptrollen aus und liefert fantastisch ab. Vor allem in der großartigen Dynamik zwischen seinem Carruthers und dem jungen Noah blitzt immer wieder Gibsons Regie-Debüt „Der Mann ohne Gesicht“ durch.
Hier wie dort ist Gibson ein Außenseiter, der von der Gesellschaft kritisch beäugt wird. Erst ein Jugendlicher holt ihn aus seinem Schneckenhaus heraus. Nach schwierigem Start beginnen sie auf einer Wellenlänge zu surfen, wachsen aneinander, geben einander Halt und vertrauen dem anderen mehr und mehr. So wird Carruthers alsbald zu einer neuen Vaterfigur für Noah. Und auch Noah füllt eine Lücke in Carruthers Leben. Denn freilich hat Carruthers eine eher tragische denn unheimliche Vergangenheit.

Mason Thames zähmt aktuelle Drachen im Kino.
Der Film drumherum erinnert im besten Sinne an klassische Filme für Jugendliche, die Coming-of-Age-Themen mit Abenteuer und mildem Grusel verbinden. „Stand by Me“ oder die „Die Goonies“ seien als große Vorbilder genannt. „Arcadian“ oder „Summer of 84“ als neuere Vertreter. Und freilich schwingt hier auch „Stranger Things“ immer mit.
Das Drehbuch von Bryan Schulz und Cornelius Uliano entwickelt ruhig und konzentriert seine Story. Gibt vor allem der Figur des Noah viel Raum zum Atmen. Mehr und mehr schleichen sich dann fantastische Elemente unter. Falsche Fährten werden gestreut. Und unsere Helden sind sich sicher, dass sie ein Monster jagen. Während Noah jedoch tatsächlich an ein Fabelwesen glaubt, denkt Carruthers lange Zeit logisch und erdverbunden. Sind Monster für ihn doch Menschen wie Kindesentführer, Mörder und ähnliches Gesindel.

Mel Gibson brilliert als Carruthers in „Monster Summer“.
Nach und nach verdichtet Regisseur David Henrie, der bislang eher als Schauspieler tätig war, „Monster Summer“ zum Fantasy-Spukstück. Es mehren sich die erstaunlich effektiv inszenierten Gruseleinlagen und eine in der Realität fußende Auflösung scheint immer unmöglicher. Das mündet in einen spannenden Showdown, der glücklicherweise nicht mit Effekten vollgestopft wirkt, sondern wie der ganze Filme eine angenehme Erdung in sich trägt.
Die darstellerischen Leistungen sind dabei durchweg top. Mel Gibson und Noah-Darsteller Mason Thames („The Black Phone“) ragen dabei deutlich heraus. Vor allem Mel Gibson profitiert zudem von starken Dialogzeilen, die ihm das Drehbuch spendierte und damit einen schön lakonischen Witz im Film verankert. Dagegen wirken die Dialoge der Kids nicht immer authentisch. Dennoch spielen die zahlreichen anderen Kinderdarsteller richtig gut. Und Nora Zehetner („Boneyard“) als Noahs Mutter und Lorraine Bracco („The Union“) als Großkundin der Urlaubsdestination, die Noahs Mutter betreibt, bringen weitere Souveränität ins Spiel. Komiker Kevin James („Becky“) ist in einer kleinen, eher egalen Nebenrolle am Start.

Auch von Noahs (2.v.r.) Freunden werden einige apathisch.
Regisseur Henrie verleiht seinem Film einen sehr erdigen, warmen Anstrich. Er inszeniert ruhig und gediegen und baut seine spannenden Szenen und Gruselmomente ordentlich auf. Jump Scares sind dabei nicht sein Ding. Die ganz großen Spannungsspitzen bleiben zwar aus, dennoch wirkt „Monster Summer“ hinsichtlich des anvisierten Zielpublikums durchaus auch mal sehr düster und gruselig. Sehr stimmungsvoll und passend gerät die Musik und auch der animierte Abspann schaut sehr stilvoll aus.
„Monster Summer“ ist ein sympathisches Gruselmärchen
Man spürt „Monster Summer“ immer mal wieder an, dass er schon deutlich die Bremse reinhauen muss, um nicht zu sehr an seinem eigentlichen Zielpublikum vorbeizuarbeiten. Denn der Film hätte durchaus das reizvolle Potential gehabt, ein ziemlich düsterer Thriller um das Monster im Mensch zu werden. Doch Regie und Drehbuch wollten einen fantasielastigen Grusler für Kids und Jugendliche und das ist auch absolut okay. Zumal man „Monster Summer“ bescheinigen muss, für die anvisiserte Zielgruppe durchaus ein paar effektive Gruselmomente geschaffen zu haben.
Ansonsten verlässt sich der Film vollkommen zurecht auf seine beiden starken Leads Mel Gibson und Mason Thames, die saustark miteinander interagieren. Meine Schwierigkeiten hatte ich eigentlich nur mit dem titelgebenden Monster. Zwar spielt man eine ganze Weile geschickt mit den Klischees um das Wesen, hat sich dann aber für den Showdown für eine wirklich langweilige Inkarnation entschieden. Sowohl die Optik als auch die nicht vorhandenen Fähigkeiten der Figur werden auch in der Zielgruppe für lange Gesichter sorgen. Und so endet der angenehm altmodisch erzählte und unterhaltsame Grusler irgendwie seltsam unbefriedigend.
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Der Grusler für Junge und Junggebliebene erhält von Splendid Film einen Kinorun. Ab dem 19. Juni 2025 könnt ihr den Film uncut und mit einer Freigabe ab 12 genießen.
In diesem Sinne:
freeman
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