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V/H/S/85

Originaltitel: V/H/S/85__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2023__Regie: David Bruckner, Scott Derrickson, Natasha Kermani, Mike P. Nelson, Gigi Saul Guerrero__Darsteller: Freddy Rodríguez, James Ransone, Jordan Belfi, Dani Deetté, Chelsey Grant, Alex Galick, Justen Jones, Marcio Moreno, Ari Gallegos, Forrest Hartl, Felipe de Lara u.a.
Das DVD Cover von "V/H/S/85"

Die Stories von „V/H/S/85“ stammen direkt aus den tiefsten 80ern.

Die „V/H/S“-Horror-Anthologie bietet einen idealen Spielplatz für Kreative aus der ganzen Welt, die ihre ganz eigenen Horrorgeschichten erzählen wollen. „S-VHS“ (2013) und „V/H/S/Beyond“ (2024) unterstreichen das eindrücklich. 2023 besann man sich in der Reihe mit „V/H/S/85“ auf die achtziger Jahre als optischen und erzählerischen Rahmen, nachdem „V/H/S/94“ (2021) und „V/H/S/99“ (2022) dem Folgejahrzehnt gehuldigt hatten.

Die Rahmenhandlung von „V/H/S/85“: „Total Copy“

„V/H/S/85“ versucht den Anschein zu erwecken, eine bereits mehrfach überspielte VHS zu sein. Entsprechend bekommen wir Bilder von Monstertrucks und anderen 80s-Großthemen geboten. Irgendwann jedoch kristallisiert sich eine Show im Duktus von TV-Sendungen wie „X-Factor“ heraus, in der angeblich wahre Gruselstorys auf ihren Wahrheitsgehalt hin abgeklopft werden. Hier dreht sich alles um ein Wesen, das von Wissenschaftlern schlicht als Rory bezeichnet wird. Eine außerweltliche Kreatur, die alles um sich herum zu imitieren vermag. Während der leitende Wissenschaftler sich in immer abstruseren Theorien über Rory verliert, treibt seine Mitarbeiter die pure Angst um. Und dass nicht grundlos, wie sich zeigt, als Rory frei kommt.

David Bruckner („Hellraiser – Das Schloss zur Hölle“) inszenierte die mehrfach von den anderen Storys unterbrochene Horrorgeschichte. Dem Erzählfluss seiner Geschichte tut das nicht wirklich gut. Dazu gesellen sich Segmente, die einfach reichlich inhaltsleer daherkommen. Denn letztlich arbeitet Bruckner auf eine wirklich witzige Schlusspointe hin, hat aber auf dem Weg dahin nicht wirklich viel zu erzählen. Als Kitt zwischen den anderen Storys funktioniert das Ergebnis okay, die Highlights liefern aber andere Macher.

„No Wake“ und „Ambrosia“

Die Fragmente „No Wake“ und „Ambrosia“ bilden im Grunde eine Einheit, werden von „V/H/S/85“ aber zerteilt gereicht. „No Wake“ eröffnet den eigentlichen Episoden-Reiden, „Ambrosia“ ist Story Nummer vier.

In „No Wake“ sind wir dabei, wie sieben junge Leute zu einem versteckt liegenden See reisen. Schilder verkünden, dass in dem See das Schwimmen absolut verboten sei. Da unsere Helden aber nur Wasserski fahren wollen, kann von Schwimmen ja keine Rede sein. Wenig später legen sie auch schon los. Plötzlich bricht eine junge Dame, die gerade erste Erfolge beim Wasserskifahren feierte, ungelenk zusammen. Als die anderen sie aus dem Wasser fischen wollen, treibt sie in einer gewaltigen Blutlache. Da wird das Boot vom Land aus unter Feuer genommen. Die jungen Leute werden brutal zerfetzt, doch wenig später kommt plötzlich wieder Leben in die toten Körper.

Es ist ein krasser Moment, wenn die jungen Leute in ihrem Boot zusammengeballert werden. Man hört nur die Schüsse und dann wie die Kugeln heransirren und wirklich derbe Wunden reißen. Körper und Schädel werden durchschlagen und ein Unterkiefer zerfetzt. Das sitzt und haut rein. Wenn die jungen Leute dann wieder aufwachen, wird es mysteriös. Wie sie selbst fesstellen, können sie normal reden und denken – selbst wenn ihnen das Hirn zerballert wurde. Zombies sind sie also nicht. Doch was dann? Die Episode transportiert viel schwarzen Humor, derbe Splatter-Momente und wird schön flott erzählt. Dass sie recht offen endet, ist nicht schlimm, denn die später folgende Episode „Ambrosia“ knüpft direkt an „No Wake“ an.

In „Ambrosia“, die wie „No Wake“ von dem Regisseur Mike P. Nelson („Wrong Turn: The Foundation“) stammt, erfahren wir, wer die jungen Leute unter Feuer genommen hat. Und dass diese Person einer Familie entstammt, die mit Wonne Menschen killt. Doch diesmal sind sie an die Falschen geraten.

„Ambrosia“ führt die in „No Wake“ begonnene Story fort und führt sie zu einem insgesamt runden Ende. Erklärt dabei aber nicht wirklich viel. Was nun mit den jungen Untoten Phase ist, man weiß es nicht. Nelson ging es auch bei der Folgestory nur darum, den schwarzhumorigen Duktus beizubehalten. Und das klappt richtig gut. Wenn dann die zunächst so harmlos nett erscheinende Killerfamilie das Feuer auf zig Cops eröffnet, fliegen die Blauen Bohnen, dass es nur so scheppert. Im Ergebnis sind die beiden Episoden sehr unterhaltsam und machen wirklich Laune. Auch wenn viele Fragen offenbleiben.

„God of Death“

Luis und Lucia arbeiten für einen mexikanischen Fernsehsender und sind hier für eine boulevardeske Nachrichtenshow verantwortlich. Bei der aktuellen Ausgabe wackelt aber aufgrund eines Erdbebens plötzlich das gesamte Studio. Nur Luis überlebt das Chaos. Ein Rettungstrupp befreit ihn und will ihn aus dem Gebäude herausbringen. Nachbeben, eine zunehmend unheimlicher werdende Stimmung und seltsame Geräusche machen die Flucht aus dem Gebäude jedoch zu einem wahren Horrortrip.

„God of Death“ von Regisseurin Gigi Saul Guerrero („México Bárbaro“) ist das Highlight von „V/H/S/85“. Die Episode, die mal eben mit einem Erdbeben einsteigt, versteht es, sich trotzdem immer weiter zu steigern. Zieht in Sachen Spannung und Atmosphäre immer mehr an und zelebriert in dem Keller des Sendergebäudes eine Art Vorhölle mit Titten und Gesplatter. Alles, wie von der „V/H/S“-Reihe gewohnt, mit Sinn für extreme Derbheiten und weitgehend handgemacht in Szene gesetzt. Diese Episode würde ich gerne etwas ausgefeilter mal als Langfilm sehen.

„TKNOGD“

Auf die beste Episode folgt direkt die schlechteste. Zum Runterkommen, vermute ich. Erzählt wird von Performance-Künstlerin Ada Lovelace, die in einem Theater den Technogod beschwören und ihm die Meinung geigen will. Denn Technik sei nicht gut für die Menschheit. Irgendwann hat der Technogod tatsächlich genug und er erscheint.

Mit verheerenden Folgen für Ada. Der Zuschauer ist derweil froh, dass das Geseier von Ada endlich ein Ende hat. Zumal nie so wirklich klar wird, was genau sie nun beklagt und wo sie damit hin will. Ein wenig vorgegaukelte Virtual Reality hier, starres Bühnenbild und langweiliges Gekeife da. Pain in the Ass in Filmform. Spaß macht zumindest das dumpfe Finish, wenn eine Zuschauerin angesichts von Splatter-Szenarios fragt, ob es der Schauspielerin gut gehe und manche angesichts des Gesehenen sogar klatschen. Wir Menschen sind halt doch einfach zufriedenzustellen. Bei „TKNOGD“ von Regisseurin Natasha Kermani klappt das allerdings nicht.

„Dreamkill“

Detective Wayne Johnson (Freddy Rodriguez aus „Code Name: Geronimo“) wird zu einem Tatort gerufen. Und er ist verblüfft. Der scheinbare Tathergang und das finale Gemetzel ähneln einem Video, das er vor einer Woche zugeschickt bekommen hat, wie ein Ei dem anderen. Wenig später erhält er eine weitere VHS-Kassette, dessen Inhalt sich nur drei Tage später in einem weiteren barbarischen Mord spiegelt. Was geht hier nur vor sich? Lösung verspricht sich Wayne von dem jungen Gunther. Der Teenager wurde ertappt, als er ein weiteres Video für Wayne in den Postkasten geworfen hatte. Und er behauptet, auf den Kassetten seien seine Träume zu sehen.

„Dreamkill“ kommt von Regisseur Scott Derrickson („Doctor Strange“), der eine verstiegene, aber durchaus interessante Story erzählt. Schade ist, dass er das Element um die voraussehenden Videos nicht so faszinierend in die Handlung eingebunden bekommt, wie sie es auf dem Papier eigentlich zu sein scheinen. Seine Story fängt sich erst, wenn Gunther auftaucht und dem Ganzen einen noch fantastischeren Drall gibt. Ab jetzt funktioniert die frappierend blutige und mit derben Kills aufwartende Episode richtig toll, präsentiert einen unvermuteten Täter und mündet in einen wirklich deftigen Shootout (inklusive abgeschossenen Körperteilen).

„V/H/S/85“ bietet mehr Hits als Misses

Interessant ist, dass „V/H/S/85“, dem kolportierten Entstehungsjahr folgend, weitgehend im Look einer arg abgenudelten VHS-Kassette daherkommt. Freilich auch im entsprechenden 4:3-Format. Außer, und diese Ausnahme wird leider nicht erklärt, die Episode „Dreamkill“ von Scott Derrickson. Die kommt seltsamerweise im 16:9 Look und sieht doch arg digital aus. Das wirkt insgesamt seltsam inkonsequent. Hier hätten die Macher auf einen einheitlichen Look achten sollen, zumal dieser hier prächtig passt. Insgesamt wird es auch nicht mit Bildfehlern und -aussetzern, Laufrollenschäden und ähnlichen beliebten Elementen übertrieben.

In Sachen inhaltliche Qualitäten gibt es derweil eine ordentliche Achterbahnfahrt zu verzeichnen. Es gibt eine absolute Kracher-Episode („God of Death“), eine angenehm mysteriös verstiegene („Dreamkill“), zwei unterhaltsame („No Wake“ + „Ambrosia) und eine egale, zumindest in ihrer Schlusspointe herrlich schräg zündende Rahmenhandlung. Leider gibt es mit „TKNOGD“ aber auch einen absoluten Komplettausfall zu verzeichnen, der so gar nicht funktioniert und die Stimmung ordentlich runterzieht.

Wo die Anthologie wie gewohnt liefert, ist der Bereich Gewalt. „V/H/S/85“ hat ein paar derbe, überzeugend umgesetzte Bilder zu bieten, bei denen von brechenden Knochen über zerschnittene Augen bis hin zu sichtbaren Gedärmen, zerschossenen Körpern und ähnlichen Nicklichkeiten eine breite Palette geboten wird. Die Schauspieler schlagen sich durch die Bank ordentlich, die Settings funktionieren, der lancierte dunkle Humor verfängt und man wird im Großen und Ganzen von dem Gebotenen ordentlich unterhalten.

06 von 10

Die Anthologie hat von LEONINE Studios eine starke Synchronisation abbekommen und wurde lange Zeit nicht auf DVD und Blu-ray ausgewertet. Einzig im TV lief „V/H/S/85“ einmal auf Tele 5. Seit einiger Zeit könnt ihr die Horror-Episodensammlung bei verschiedenen VoD-Diensten streamen. Und ab dem 27. März 2026 erscheint die Kurzfilmsammlung auch auf physischen Datenträgern von LEONINE Studios. Freigegeben ab 18 und ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: LEONINE Studios__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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