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Fall Risk

Originaltitel: Fall Risk__ Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2024__ Regie: Alex Martini__ Darsteller: Victoria Pedretti, Caitlin Stasey, Alexandra Essoe, Betsy Brandt, Highdee Kuan, Wagner Moura, Heather Fortin, Camille Marquez, Bella Thorne, …

Fall Risk

Den Kurzfilm kann man sich (in der Originalfassung) hier anschauen!

Mit inhaltlichen Elementen aufwartend, die auf eigenen (unschönen) Erlebnissen beruhen – in erster Linie der Ausgang einer Beziehung, die sie mal hatte, sowie dass bei ihr 2021 Multiple Sklerose diagnostiziert wurde – ihres Zeichens eine bislang ja noch nicht heilbare chronische Autoimmun-Erkrankung des zentralen Nervensystems – handelt es sich bei dem (ohne Abspann) knapp 18-minütigen Kurzfilm-Psychodrama „Fall Risk“ (2024) um das Regie- und Skript-Debüt Alex Martinis, für das sie eine gleichermaßen ansprechende wie talentierte Cast und Crew zu versammeln vermochte, mit mehreren aus deren Reihen sie zuvor bereits mal an den Sets anderer Projekte in Kontakt gekommen war…

So z.B. begleitete Alex Garland sie bei der Entstehung des Werks als Mentor, nachdem sie bei „Civil War“ und seiner Serie „Devs“ als Additional Second Assistant Director fungierte: Eine Position, welche sie auch bei Joshua Caldwell’s „Infamous“ bekleidet hatte – im Zuge dessen sie Bella Thorne kennenlernte, die sich im Vorliegenden dann als Executive Producer einbrachte. Mit Hauptdarstellerin Victoria Pedretti hatte sich ihr Weg beim Dreh der dritten Staffel von „You“ gekreuzt, an der sie als Production Assistant mitwirkte, Wagner Moura war bekanntlich einer der Leads bei „Civil War“ und Pedretti und Alexandra Essoe waren wiederum beide in Mike Flanagan’s „the Haunting of Bly Manor“ zu sehen…

Pedretti spielt Dylan – eine junge Frau in L.A., deren Leben aus der Bahn geworfen wird, als sie erfährt, dass sie MS hat. Fortan die meiste Zeit in einer Klinik verweilen müssend, sichert ihre Freundin Schrägstrich Partnerin Emily (Caitlin Stasey) ihr zu, dass sie das gemeinsam durchstehen werden – und sechs Monate später hat sich daran nichts geändert: Regelmäßig besucht sie Dylan, ist aufmerksam, bringt ihr Essen und Geschenke mit, kommt prima mit ihrer Mutter Anne (Betsy Brandt) sowie dem Personal vor Ort aus – darunter zwei Schwestern und ihre Ärztin Dr. Brenner (Essoe) – kümmert sich also liebevoll um sie; was Dylan (weit über die Zärtlichkeiten hinaus) in dieser belastenden Situation wohltut…

Nur selten verlässt sie das Bett, sieht sich u.a. mit Schmerzen, körperlicher Schwäche und Einschränkungen der Feinmotorik (vorrangig im Bereich einer ihrer Hände) konfrontiert, zeichnet und dichtet – ist in ihrem Einzelzimmer aber oft allein mit ihren Gedanken. Eines Tages meint sie Emily zufällig (flüchtig) durchs Fenster mit jemandem (Thorne) im Hof diskutierend zu erblicken – was jene auf Nachfrage jedoch verneint; zumal sie das Gebäude durch einen anderen Eingang betreten habe, ergänzt sie. Aufgrund einer Neuanpassung ihrer Medikation ohnehin gerade an gewissen Stimmungs-Schwankungen, intensiven Träumen und Grogginess leidend, beginnt Verunsicherung in Dylan zu erkeimen…

Der Titel „Fall Risk“ bezieht sich auf die betreffende Krankenhaus-Patienten-Einstufung (hinsichtlich der Gefahr physischer Stürze) wie auch auf das emotionale Risiko, im Rahmen des Sich-Verliebens bzw. wahrer Liebe verletzt werden zu können. Vertrauen ist dabei ein gewichtiger Faktor. Dylan hatte ihrer Gesundheit weder mit Drogen noch exzessivem Konsum von Dingen wie Alkohol oder Fast-Food geschadet – und trotzdem hat sie dieses einschränkende, marternde Schicksal ereilt. Ihr Zustand sowie das so nun schon länger andauernde (und weiterhin noch nötige) Gebundensein an diese Umgebung – u.a. steril sowie mit kaum Privatsphäre: Kann sie da tatsächlich erwarten, dass Emily zu ihr hält?

Könnte es sein, dass jene unehrlich oder ihr gar untreu ist? Beweise dafür hat sie keine – bloß ein Bauchgefühl. Immer wieder Stunden am Stück frei von Gesellschaft oder Ablenkung vor sich hin grübelnd – dazu noch mit den Nebenwirkungen ihrer Painkiller und Schlafmittel ringend: Sind ihre Befürchtungen berechtigt – oder sollte sie diese sich kontinuierlich in Richtung Paranoia entwickelnden Zweifel eher introspektiv betrachten; kritisch hinterfragen? Es nagt an ihr. Als sie einer Schwester gegenüber „I still don’t know why she puts up with me with all this.“ äußert, erwidert die: „Try not to question a love that always shows up.“ Und dennoch wendet sie sich schließlich zwecks Unterstützung an eine Freundin…

Was, wenn sie sich irrt und Emily Kenntnis dieser Aktion erlangt – also von ihrer Bitte, dass Meredith (Highdee Kuan) mal bei ihr daheim rumfährt – und was, wenn sie Recht hat? Auf der Basis eigener Erlebnisse verfasste Martini eine für diese 18 Minuten schön kompakt gestaltete, verschiedene mehrschichtige Themen und Empfindungen aufweisende Vorlage. Nicht unbedingt schwer ließe sich die erzählte Geschichte zu der eines Feature-Films hin ausbauen – mit einer Erweiterung der zeitlichen Spanne und Backstorys sowie einer tieferen psychologischen Auslotung der Charaktere bzw. der betreffenden psychischen (Eindrücke, Verhalten und Taten beeinflussenden) Komponenten, die nach und nach zutage kommen…

Mit einer Handvoll gern von mir gesehener Stars an Bord, sind die Performances hier durch die Bank weg gut. Victoria Pedretti agiert rundum glaubwürdig als sich mit ihrer Krankheit, ihren Gedanken und Feelings auseinandersetzen müssende Dylan. Generell ist die 1995 geborene Philadelphiarin eine feine, charismatische Vertreterin ihrer Zunft – siehe ihre Kollaborationen mit Mike Flanagan, ihre memorable Nebenrolle in TV’s „Something very bad is going to happen“, sie als Manson Girl Lulu in „Once upon a Time in… Hollywood“ oder in Indies á la „Ponyboi“ oder „the Last Day“. Ergiebig gelingt es ihr, dass sich das Publikum rasch in Dylan’s Situation und aufgewühltes Seelenleben hineinzuversetzen vermag…

Ihren hinreißenden australischen Akzent nicht verbergend, meistert Caitlin Stasey (bekannt aus Streifen wie „Tomorrow, when the War began“, „All Cheerleaders die“ und „Smile“) die Rolle Emilys bestens – obgleich sie von der Beschaffenheit jener her weniger als Pedretti gefordert wurde. Des Weiteren wird Dylan’s Mutter von Betsy Brandt (TV’s „Breaking Bad“) verkörpert, ihre Ärztin von Alexandra Essoe (u.a. „Starry Eyes“ und „the Neighbor“), Meredith von Highdee Kuan („Fear the Night“) sowie ein Herr namens David von Wagner Moura („the Gray Man“) – und das jeweils ohne Veranlassung zur Klage; mit Produzentin Bella Thorne („Saint Clare“) obendrein einen Cameo-Auftritt ableistend…

Mal Zuversicht bestärkend, mal nüchtern-roh, mal erotisch aufgeladen, mal niederschmetternd, mal irritierend, ist „Fall Risk“ ein ordentlich konzipierter und realisierter Short, der unterschiedliche Stimmungen auf Seiten des Betrachters heraufbeschwört. Solide bebildert sowie musikalisch von einem gelungenen Score Charles Mootharts untermalt, der mitunter wie der eines Thrillers klingt, münden die Ereignisse letztlich in einem interessanten, in der Form nicht gerade erahnbaren Schlussakt, der zusätzliche Facetten des Ganzen zum Vorschein bringt sowie von einem Epilog gefolgt wird, bei dem spezielle Aussagen eines im Zentrum stehenden Dialogs für so einige mit Sicherheit durchaus relatable sein dürften…

7 von 10

Stefan Seidl

Fall Risk

(© Double-Sided Films & Hamilton Moving Pictures)

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Copyright des „Fall Risk“ Postermotivs und der Screenshots: Double-Sided Films / Hamilton Moving Pictures__ Freigabe: Not Rated__ DVD/BluRay: nein/nein

 

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