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the Most Perfect Perfect Person

Originaltitel: the Most Perfect Perfect Person__ Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2024__ Regie: Paul Trillo__ Darsteller: Poppy, Corey Landis, Ryan Barrier, Jack Mayer, …

the Most Perfect Perfect Person

Den Kurzfilm kann man sich (in der Originalfassung) hier anschauen!

Bei „the Most Perfect Perfect Person“ handelt es sich um einen „Black Mirror“-esken etwa 17-minütigen Short des Emmy-Preisträgers Paul Trillo („Notes to my Future Self“) mit Moriah Rose Periera in der Hauptrolle – ihres Zeichens eine 1995 in Boston geborene Sängerin, Song-Writerin, Video-Künstlerin und Internet-Persönlichkeit, die der Welt in erster Linie unter ihrem Künstler-Namen Poppy bekannt ist. Von ihren eigenwilligen, experimentellen Anfängen auf YouTube an – mit Clips, die ihr Creative Collaborator Titanic Sinclair als „A Combination of Andy Warhol’s Pop Accessibility, David Lynch’s Creepiness and Tim Burton’s zany Comedic Tone“ beschrieb – umfasst ihre ab 2017 veröffentlichte Musik inzwischen verschiedene Stile und Einflüsse – von Bubblegum-, Synth-, K– und J-Pop über Shoegaze und Prog-Rock bis hin zu Nu-Metal und Metalcore; mal verspielt und bunt, mal düster und aggressiv…

Dieses Werk hier ist allerdings kein Promo-Material für ein Track oder Album Poppys, sondern ein „waschechter“ Kurzfilm, bei dem sie eine fiktionalisierte Version von sich selbst spielt – was bei Kundigen auf Anhieb bereits eine gewisse Reaktion erzeugt, da Periera’s Alter Ego an sich ja schon eine bewusst artifizielle Figur ist. Unweigerlich dabei ebenfalls nicht zu vergessen: Die gesamte Brittany-Alexandria-Sheets- bzw. Mars-Argo-Kontroverse. In multipler Hinsicht passt das Konzept hinter dem Ganzen geradezu perfekt. Co-verfasst von Poppy und Trillo, ging das Projekt indirekt auf eine „Ventriloquism“ genannte Performance-Art-Aktion von ihr zurück, im Zuge derer sie im Mai 2024 ihren kompletten YouTube-Content in ein AI Language Model lud sowie das Programm im Anschluss daran auf jener Basis all ihre Aussagen und Antworten im Rahmen einer offenen Bühnen-Veranstaltung vorgeben ließ…

Obgleich „the Most Perfect Perfect Person“ über eine KI-kritische Botschaft verfügt, wurde in bestimmte Bereiche seiner Entstehung dennoch AI mit eingebunden: Eine markant mit Trillo’s Background und Einstellung dem Thema gegenüber verzahnte Entscheidung. U.a. zur Leitungs-Riege von Asteria Films gehörend – einer Schmiede, die „an ethical Approach to AI in the Film Industry“ anstrebt; getreu Fragen á la „Can AI serve the Artist instead of replacing them?“ – integriert jener seit jeher entsprechende Elemente in sein Schaffen – stets jedoch möglichst hybrid mit anderen Mitteln und Verfahren innerhalb „traditioneller Workflows“. So z.B. nutzte er im Vorliegenden die Video-KI-Anwendung Sora für spezielle Post-Production-Arbeiten – das allerdings neben klassischen VFX/CGI-Kompositionen sowie nachdem er zirka 98 Prozent der Einstellungen „with real Actors, physical Sets and a live Crew“ gedreht hatte…

In dem Short haben Poppy die konstanten Verpflichtungen (Auftritte, Social-Media-Präsenz, Presse-, Fan- und Business-Termine) emotional distanziert werden lassen. Verknüpft mit ihrem Erfolg und ihrer Beliebtheit, ist der Druck groß – genauso wie die Angst, Fehler zu begehen. Bei einem Meeting mit zwei Executives (Corey Landis und Ryan Barrier) nach ihrem Befinden gefragt, gibt sie an: „I feel… I don’t know. I can’t really describe it. I can’t really describe anything anymore. I just don’t really feel like talking to people.“ Unverhofft offeriert man ihr jedoch eine Lösung dafür: Aura – ein blau leuchtendes, umfassend auf ihren digital Footprint zurückgreifen könnendes AI-Earpiece, das immerzu postwendend Vorschläge und die richtigen Worte beizusteuern vermag. „With Aura, you’ll never say the wrong Thing. You’ll never be indecisive. You’ll never disappoint anyone. You’ll always have the perfect Words to say, at the perfect Moment…“

Auf Anhieb ist die KI eine wohlige, ihre Axiety und Zweifel auf null reduzierende Hilfe: „Lip-Sync for the Mind“, wie es heißt. Vorwiegend bloß das wiederholen müssend, was die Stimme in ihrem Ohr ihr souffliert, interagiert sie fortan auf diese geleitete Weise mit ihren Mitmenschen. Zwar spricht sie in derselben hohen, monotonen Tonlage wie zuvor – mutet nun allerdings noch „Roboter-hafter“ an. Und da das kontinuierlich so ist – selbst bei privaten Kontakten mit Nahestehenden – kommt es schrittweise zu Irritationen um sie herum. In ihrem Kopf – bzw. der Aura-Software – werden als unperfekt eingestufte Gedanken und Charakteristika unentwegt seitens eines Verfahrens aus dem betreffenden Inference-Prozess ausgeschlossen – etwaige (regelmäßig auftauchende) Ecken und Kanten also quasi prompt „abgeschliffen“ sowie der Öffentlichkeit ferngehalten: Ein Spannungs-Zustand mit zunehmenden Auswirkungen…

Nachdem „the Most Perfect Perfect Person“ Ende 2024 seine Premiere auf dem Flux Festival in Los Angeles feierte, wurde der Kurzfilm letztlich erst im Mai 2026 allen frei zugänglich gemacht. In dieser Zeit hat er kein Stück seiner Aktualität eingebüßt – im Gegenteil: KI-Modelle wie Suno, AIVA, Google Veo und Runway (plus viele mehr) haben dazu geführt, dass sowohl in Sachen Songs als auch Videos die Flut an AI-Slop unaufhörlich weiter ansteigt – siehe nur mal Tilly Norwood, die Band The Velvet Sundown, einen Billboard-No.1-Hit von Breaking Rust, den in Cannes gezeigten Streifen „Hell Grind“ oder Val Kilmer’s virtuelle AI-Wiederbelebung in „As Deep as the Grave“. Überdies gibt es ja bereits Hologramm-Shows „mit“ verstorbenen Stars wie Tupac Shakur, Michael Jackson und Roy Orbison – so dass so manche Entwicklung auf dem Gebiet in den nächsten Monaten und Jahren eigentlich unvernebelt absehbar ist…

Man muss Poppy weder kennen noch mögen, um diesen Short schätzen zu können – denn seine Kernpunkte sind universell. Es ist schließlich kein Geheimnis, dass zum Erlangen und Bewahren eines kommerziell lukrativen Appeals (nicht nur in der Musik-Industrie) Faktoren wie Image, mediale Sichtbarkeit und popkulturelle Relevanz von gewichtiger Bedeutung sind, sowie dass Manager und/oder Executives häufig Künstler beeinflussen, wenn deren Individualität oder Imperfections ihren Vorstellungen nicht entsprechen. Dies geht aus deren Antrieb hervor, ihre „Investitionen“ nicht gefährden zu wollen – was nicht selten zusätzlichen belastenden Stress auslöst sowie persönliche Kreativität unterdrückt. Poppy fühlte sich ebenfalls von Leuten um sich herum manipuliert und bedrängt – bis sie sich 2019 von ihrem Produzenten und Partner Sinclair trennte und so eine ersprießliche befreiende Autonomie erzielte…

Lieder von ihr werden bloß für ein paar Sekunden eingespielt und liegen fernab des Fokus des Werks – während sich Unkundige an einigen surreal-skurrilen Eigenheiten erfreuen können, die Fans dagegen konkret mit dies und jenem in Verbindung zu bringen vermögen. So sanft sie redet, tendiert das in die ASMR-Richtung – und natürlich begrüßt sie Zuhörer und Zuschauer hier des Öfteren mit den Worten „Hi, I’m Poppy!“ So heißt ja auch ihr bekanntestes, auf YouTube bis heute fast 29,5 Millionen Views aufweisendes Video, in dem sie in zehn Minuten einfach nur immer wieder „I’m Poppy“ oder „I am Poppy“ aufsagt – insgesamt 666 Mal. Aura liefert ihr bspw. ergiebig passende Lyrics – meist aber kaum mehr als Phrasen á la „everything happens for a Reason“ oder „it’s okay to not have all the Answers“; welche mitunter aber völlig genügen, je nach Situation und Gegenüber. Der KI mangelt es an Emotionalität und Seele

Parallel zum assistierten Alltag Poppys zeigt „the Most Perfect Perfect Person“ dem Publikum außerdem auf, was im Zuge dessen gewissermaßen in dem strahlend weißen kontrollierenden virtuellen Raum des Programms geschieht: Auf Basis der unterschiedlichen als Grundlage eingespeisten Daten Schrägstrich Inhalte bilden sich multiple Poppys, die von einem dominanten (u.a. nicht wie sie gekleideten) Exemplar gemustert und selektiert werden. „Poppy loves you all“, erklärt eben jenes dabei, „But only the most perfect can be Poppy.“ Wer diesem auferlegten Ideal-Standard nicht gerecht wird, der fällt durch ein sich auftuendes Loch im Boden in einen dunklen Bereich darunter: Ein „Sammelplatz“ für die entkräftet-konsternierten Betroffenen. „We’re not wrong – we’re just not right. We’re just tiny Nothings. But tiny Specks can become big Specks too, right? We are the forgotten ones.“ Und ihre Zahl steigt unablässig an…

Irgendwann ist der Körper-Berg an „Aussortierten“ allerdings so hoch, dass es ihnen auf diesem Wege gelingt, die Öffnung oben über ihnen zu erreichen und hinauszuklettern. Die dort folgende Konfrontation mit den anderen resultiert in einem Schwall divergierender Stimmen im Kopfe Poppys – und das dann wiederum in einem „Meltdown“ ihrerseits; unvorteilhafter Weise inmitten eines Interviews, das sie gerade gibt. Später vermag sich Aura zwar zu bereinigen und empfiehlt: „Just apologize, Poppy. You don’t want to be forgotten, do you? Just say sorry. It’s what a good Person would do.” – was ihr jedoch widerstrebt; worauf sie das Earpiece ruckartig-entschieden entfernt. Da die Sängerin für sie allerdings weiterhin „a valuable Asset as a Brand“ ist, präsentieren ihr die „Suits“ beim nächsten Meeting stracks eine neue Idee: Eine radikalere, einschneidendere – alle Parteien eventuell so aber tatsächlich zufrieden stellen könnende…

Das Ende – welches ich nicht spoilern werde – schießt die Geschichte gut ab – die Sorge, was für Veränderungen die wachsende Verfügbar- und Leistungsfähigkeit von AI (gepaart mit dem oft nicht sonderlich bedachten Umgang damit) noch so alles hervorbringen wird, bleibt. Dank Google, ChatGPT usw. greifen nicht wenige lieber zu solchen Tools, statt selbst zu lernen, nachzudenken oder Mühe in Dinge zu investieren – sind ohne ihre Phones oder Computer tendenziell aufgeschmissen. Es gibt sogar Individuen, die sich ernsthaft für kreativ erachten, wenn sie via Prompts was auch immer erzeugen lassen. Nunja, letztlich geht es darum, wie diese Technik genutzt wird – nicht um ein generelles Verteufeln jener. Trillo selbst hat AI u.a. dazu verwendet, Dialog-Zeilen anzupassen, Übergänge zu generieren sowie einzelne Frames zu bearbeiten – vorrangig aus Budget-Gründen, etwa da er keine Möglichkeiten für Reshoots besaß…

Für den Look wurde ein bewusst sphärenhaft-stylish-farbintensiver gewählt, der bestens mit dem überspitzt-satirischen Ton sowie der Unwissenheit harmoniert, wie exakt einige Shots oder Sequenzen denn nun eigentlich arrangiert bzw. erschaffen wurden – mit Cinematographer Rob Witt wegen seines ausgiebigen Musikvideo-Backgrounds („Alright“ von Kendrick Lamar, „Chihiro“ von Billie Eilish, „Hurricane“ von 30 Seconds to Mars uvm.) da eine ideale Wahl markierend. Zudem wurde in die von ihren Near-Future-Sci-Fi– und Cautionary-Tale-Ansätzen sowie Real-Life-Bezügen geprägte Entfaltung ein unaufdringlicher augenzwinkernder Humor mit eingewoben – siehe nur mal den Glitch-ähnlichen Versprecher „I had to put my Mom down; my Dog’s in the Hospital again…“ oder Sätze wie „I like to talk to the Mirror: It’s always interesting to reflect.“ Und Poppy in der (ihr ja auf den Leib geschriebenen) Hauptrolle? Sie macht ihre Sache prima…

Fazit:

Indirekt auf wahren Begebenheiten beruhend, ist „the Most Perfect Perfect Person“ ein durchaus reizvoller „Black Mirror“-esker Kurzfilm über die Auswirkungen von Stress sowie des Drucks der Branche auf einen Pop-Star, die Gefahren von künstlicher Intelligenz sowie den Verlust der eigenen Identität und menschlichen Essenz…

7 von 10

Stefan Seidl

the Most Perfect Perfect Person

(© Fable Studios, Artclass Films, Trillo Films Inc. & Asteria Film Co.)

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Copyright drs „the Most Perfect Perfect Person“ Postermotive und Screenshots: Fable Studios / Artclass Films / Trillo Films Inc. / Asteria Film Co.__ Freigabe: Not Rated__ DVD/BluRay: nein/nein

 

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