| Originaltitel: Frog Dreaming__Herstellungsland: Australien__Erscheinungsjahr: 1986__Regie: Brian Trenchard-Smith__Darsteller: Henry Thomas, Tony Barry, Rachel Friend, Tamsin West, Dempsey Knight, John Ewart, Chris Gregory, Mark Knight, Dennis Miller, Katy Manning, Laurie Dobson, Jay Mannering, Tim Hughes, Howard Eynon, David Ravenswood, Peter Cummins, Amanda Fernbach u.a. |


„Der Geisterjäger“ erscheint unter dem Originaltitel „Frog Dreaming“ in einer „Limited Special Edition“.
Verwunschene Waldgebiete in Victoria statt überfüllter Straßen in New York, mechanische Vorrichtungen statt Protonenpacks, Bunyips statt Marshmallowmännern. „Der Geisterjäger“? Eine technisch sicherlich zutreffende Lokalisierung, das kann man wohl nicht anders sagen; schließlich versteckt Henry Thomas nicht länger Außerirdische in seinem Kinderzimmer, sondern macht in gewisser Weise tatsächlich aktiv Jagd auf Geister. Da ist man von deutschen Titeln schon heftiger aufs Glatteis geführt worden. Wie diese Jagd allerdings vonstatten geht, hat nicht das Geringste mit einer gewissen erfolgreichen US-Fantasykomödie von 1984 zu tun.
Nicht nur bei der deutschen Vermarktung, die es mit Blick auf die Poster Art vielleicht sogar zusätzlich auf die „John Sinclair – Geisterjäger“-Zielgruppe abgesehen haben könnte, klammerte man sich an bewährte Kassenschlager. Vielerorts stand zum Beispiel „The Go-Kids“ auf dem Kinoaushang, womit eine Ähnlichkeit zum Jugendabenteuer „Die Goonies“ (1985) erzwungen werden sollte. „The Quest“ (amerikanischer Titel) hat fast schon etwas von einem Barbarenfilm, bei „Il mistero del lago scuro“ („Das Geheimnis des dunklen Sees“, italienischer Titel) muss man zumindest hierzulande womöglich an den Karl-May-Western „Der Schatz im Silbersee“ denken.
Dass am Ende nicht einmal fünf Prozent des Budgets wieder eingespielt werden konnten, wird unter anderem wohl auch darauf zurückzuführen gewesen sein, dass man sich bei Miramax nicht auf eine homogene Vermarktungsstrategie einigen konnte. Dabei verfügt die australische Produktion durchaus über eine gefestigte Identität, die vom wohlklingenden Originaltitel „Frog Dreaming“ im Grunde bereits perfekt getroffen wird. Er beschreibt eine spirituelle Qualität, die dieses aus Kinderaugen erlebte Abenteuer in einen verschwommenen Wachtraum verwandelt, der naturwissenschaftlichen Forscherdrang und abergläubischen Mystizismus zu einem dichten Teppich verwebt.

Mit BMX-Rennen kennt sich Regisseur Brian Trenchard-Smith bekanntermaßen aus.
Darin steckt natürlich auch ganz klar die Handschrift von Brian Trenchard-Smith. Dessen Box-Office-Erfolg „BMX Bandits“ (1983) war stilprägend für eine Welle von Jugendfilmen, in denen Kinder den Zugang zu unerforschten Welten abseits elterlicher Kontrolle erlangten, indem sie vom Zweirad bis zum Raumschiff („Der Flug des Navigators“, 1986) alle möglichen Transportmittel nutzten. Das ist auch eines der Kernthemen in Trenchard-Smiths vorliegendem Folgewerk, spielt Henry Thomas darin doch einen amerikanischen Waisen im fernen Australien, der zwar ein enges Verhältnis zu seinem Ziehvater pflegt, aber dennoch einen unbeherrschbaren Drang verspürt, seinen eigenen Weg zu finden.
Um die außergewöhnliche Persönlichkeit des Protagonisten bereits früh an einem praktischen Beispiel zu illustrieren, inszeniert der Regisseur einen Abschnitt, wie man ihn aus der Ferne bereits kommen sehen musste. Sein Kinderstar unterzieht darin den selbst entwickelten Prototyp eines Schienenfahrrads einem Praxistest vor Publikum. Der Fahrtwind rauscht dem Zuschauer an den Ohren vorbei wie die Speeder Bikes auf dem Waldmond von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ (1983). Die komplette Sequenz ist mit Blick auf die Paarung von Regisseur und Hauptdarsteller quasi eine selbsterfüllende Prophezeiung: Sie knüpft nicht nur an das vorausgehende Werk des Regisseurs an, sondern atmet mit jeder Faser den Geist Steven Spielbergs, unter dessen Regie Henry Thomas in „E.T. – Der Außerirdische“ (1982) bereits am Steuer eines Fahrrads gesessen. Mit der hier gebotenen Reprise wird die Welt erneut zu einer gigantischen Murmel in den Händen eines Kindes.

Jetzt wird’s esoterisch.
Um einen Frühentwickler wie den Waisen Cody darzustellen, brauchte es wahrscheinlich auch genau einen solchen Darsteller. Thomas kann manchmal altklug wirken, wenn sich Mimik und Gestik Erwachsener in seinen unausgebildeten Zügen reflektieren; wenn er vor einer Gruppe Männer und Frauen selbstbewusst einen Witz reißt und darauf unmittelbar selbst mit einer „Ach hör mir doch auf“-Handbewegung das Lachen seines Publikums kommentiert, wirkt er wie eine Karikatur von ihnen. Gerade dadurch gelingt überhaupt erst die Illusion, man habe es mit einer ausgereiften Persönlichkeit zu tun, die ihrer körperlichen Entwicklung bereits weit voraus ist. Der offene, von gegenseitigem Respekt geprägte Umgang zwischen ihm und seinem Ziehvater (Tony Barry) trägt einiges dazu bei und umschifft sämtliche Schablonen. Eine erfrischende Variation bekannter Generationenkonflikte, auch wenn diese an anderer Stelle später wieder Oberhand gewinnen, als die Erwachsenen einmal mehr unter Beweis stellen, dass sie blind sind für alles, was abseits des rational Erklärbaren liegt.
Das Tempo der Erzählung wirkt getragen, es steht im radikalen Kontrast zum Rhythmus heutiger Filme dieser Gattung, gerade dann, wenn man das Zielpublikum berücksichtigt. Diesem traut die Filmindustrie längst nicht mehr die innere Ruhe zu, die man braucht, um sich auf eine Erkundung des inneren Selbst einfühlen zu können, die eher einer Wanderung zu Fuß als einer Achterbahn gleicht. Nur so wird man überhaupt auf die Kulisse aufmerksam, zu der nicht nur der Froschsee gehört, der bereits im Prolog als schwarzes Loch der gesamten Handlung installiert wird, sondern zum Beispiel auch eine Turbine, die wie ein Relikt einer antiken Zivilisation vom Grün des Waldes einfach absorbiert wurde und seither zum Landschaftsbild gehört.
Gemeinsam mit den mechanischen Konstruktionen, die über die Hauptfigur in den Film gelangen, wird so unterschwellig eine gewisse Steampunk-Ästhetik im Produktionsdesign eingenistet, zu der nicht zuletzt auch das „Donkegin“-Monster gehört, dessen Ursprung im Schlussakt als Höhepunkt gelüftet wird. Der Fund einer Leiche, ein weiterer Stand-by-Me-Moment, gerät nebenbei zu einer mystischen Lektion über den Lauf des Lebens, die eher am Rande abgearbeitet wird, und die surrealen Passagen um den Aborigine Charlie Pride (Dempsey Knight) wagen schließlich endgültig den Sprung in einen Wahrnehmungszustand jenseits des Vorstellbaren, der von Mythen genährt wird, die fest in der australischen Kultur verankert sind.

Auch die Sniper-Elite braucht den Nachwuchs.
Manchmal droht sich „Frog Dreams“ aka „Der Geisterjäger“ in der Esoterik zu verlieren, deren Erkundung er sich Schritt für Schritt vornimmt. In der Essenz kommt er letztlich auch kaum über den kindlichen „Sense of Wonder“ hinaus. Der Schnitt, das kann man insbesondere in der Eröffnung und im Epilog erkennen, betreibt relativ viel Aufwand, um relativ träge Entwicklungen zu dokumentieren. Große Augen und sich aufbäumende Phänomene stehen sich im permanenten Wechsel gegenüber; am Ende steht ein anerkennendes Nicken und die Erkenntnis, dass es immer Neues zu lernen gibt, wenn man die Augen offen hält. So machten sie früher einmal altmodische Abenteuerfilme, mit denen sich 90 Minuten anfühlten wie ein ganzer Tag oder sogar ein ganzer Sommer. Heute machen sie Abenteuerfilme so nicht mehr.
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Informationen zur Veröffentlichung von „Der Geisterjäger“
Limited Special Edition
Es ist bereits fast 10 Jahre her, dass „Der Geisterjäger“ über Umbrella Entertainment in 4K remastered wurde. 2018 veröffentlichte das australische Label die restaurierte Fassung auf einer Blu-ray, die keinerlei Regionalcode-Beschränkungen unterlag. 2020 versorgte dann Kino Lorber den nordamerikanischen Markt mit einer Code-A-Scheibe, die auf das gleiche Master zugriff.
In all der Zeit versauerte der deutsche Markt weiter und musste sich mit den hoffnungslos veralteten Videokassetten begnügen oder auf die nächste TV-Ausstrahlung hoffen. 2018 erschien zwar eine DVD, bei der es sich aber um ein Bootleg handeln soll.
Wicked Vision brachte den Abenteuerstreifen nun unter dem Originaltitel „Frog Dreaming“ auch offiziell auf den deutschen Markt. Das Format überrascht allerdings: Die sogenannte „Limited Special Edition“-Blu-ray passt in keine der zahlreichen laufenden Reihen, sondern ist eher als eine Art Sonderauflage zu betrachten, die in der Präsentation ein paar Überraschungen bietet.
Die Verpackung
Als Verpackungsform wurde ein Scanavo Case gewählt, also eine eher klassische Plastikhülle mit breitem Spine, die in diesem Fall außerdem noch von einem O-Ring-Pappschuber umschlossen wird. Das gibt Raum für reichlich Artwork. Wie in der Hauptkritik angeklungen, ist „Der Geisterjäger“ ein Film der tausend Namen. Diese Edition nutzt alle Möglichkeiten, um zumindest drei davon unterzubringen. Auf dem Pappschuber sehen wir in einem eierschalenweißen Rahmen Henry Thomas auf seinem Bike, der frontal auf den Betrachter zusteuert, während rechts von ihm ein Frosch zur Seite hüpft und links sein Aborigine-Fährmann in eine alternative Realität den Weg beleuchtet – ebenso wie die gleißende Lichtquelle, die Thomas‘ Silhouette zum Leuchten bringt.
Abgesehen vom rot-grünen, aus dem Rahmen ragenden Titel „Frog Dreaming“ und „A Film By Brian Trenchard-Smith“-Zusatz darunter gibt es oben noch etwas Text, darunter die Namen von Henry Thomas und Tony Barry sowie die Tagline „An Adventure for the Hero in all of Us“. Wer bereits die „BMX-Bandits“ in seiner Sammlung hat, könnte dazu verführt werden, diese Ausgabe gleich daneben zu stellen. Das Layout führt die Kombination aus Froschgrün, Ketchuprot und Eierschale über den Spine bis auf den Rücken fort, wo neben Inhaltsangabe, historischer Einordnung, Credits, Feature-Spezifikationen und Logos auf ein Streifen mit Screenshots untergebracht ist. Das Material ist matt glänzend und somit nicht anfällig für Fingerabdrücke. Das FSK-Logo klebt lediglich auf der Außenfolie.

Mit der praktischen Schuber-Wendecover-Lösung hat man einen Großteil der vielen Alternativtitel abgedeckt.
Für das Hauptcover des Scanavo Case wurde das deutsche Poster ausgewählt. Auch dieses steckt in einem Rahmen, der diesmal schwarz gefärbt ist und in ein orangerotes Höllengemälde übergeht, das mit all den Totenköpfen, Fledermäusen und spitzen Felslandschaften eher an klassische Gruselfilme erinnert und so falsche Erwartungen weckt, auch wenn das Kindertrio in der Mitte einen Hinweis gibt, dass es hier wohl nicht allzu derb wird. Die John-Sinclair-Vibes sind darüber hinaus schon durch die Titel-Typografie sehr prägnant. Die Backcover-Texte samt Layout bekommt man hier noch einmal in alternativen Farben (Schwarz auf Orange) geliefert.
Und dann hätten wir auf dem Wendecover als dritte Variante noch das von den Farben Lila, Blau und Weiß dominierte „The Quest“-US-Motiv. Auf dem ist Henry Thomas zwar nicht so gut zu erkennen wie auf den anderen beiden, aber seine Ausrüstung deutet schon den Einfallsreichtum seiner Figur an. Im Hintergrund wird allerdings bereits das Filmmonster gespoilert.
Wäre dies eine Mediabook-Veröffentlichung geworden, hätte man vermutlich je eins dieser Motive auf die Vorderseite gedruckt. So bekommt man nun alle drei Motive in einem. Da die Backcover-Credits gleich dreimal eine Seite einnehmen, wäre theoretisch sogar Platz für zwei weitere Motive gewesen, aber hier hat man sich dann doch für die konservative Variante entschieden.
Das Booklet
Zumindest ein weiterer Alternativtitel, nämlich „The Go-Kids“, steht auf dem beiliegenden Booklet, das ansonsten jedoch das exakt gleiche Motiv wie das deutsche Poster präsentiert. Der Druck der Blu-ray hingegen zeigt einen Ausschnitt von einem weiteren, ansonsten ungenutzten Motiv, hier wieder mit dem deutschen Titel.
Das Booklet fühlt sich dick und schwer an. Tatsächlich besteht es diesmal aus 28 Seiten, allerdings liegt das auch daran, dass der enthaltene Text von Stuart Taylor Cameron, der abzüglich Screenshot-Einschüben Netto ca. 10 Seiten lang ist, gleich doppelt abgedruckt ist – einmal auf Deutsch, einmal auf Englisch. Camerons Quellenlager ist mit zwei Referenzen eher mager, der Text, der sich hauptsächlich auf die Konzeption der zugrundeliegenden Idee und den Zugang der Beteiligten stützt, ist durchgehend mit Zitaten des Regisseurs, des Hauptdarstellers oder des Drehbuchautoren geschmückt. Die deutsche Übersetzung klingt an einigen Stellen allerdings etwas klobig und repetitiv, flüssiger liest sich der englische Text, der offensichtlich speziell für diese Edition geschrieben wurde, da Wicked Vision und der deutsche Markt wiederholt erwähnt werden.
Das Bild
Bezüglich des Bildtransfers berichten die meisten englischsprachigen Quellen von einer 4K-Restauration, während Wicked Vision selbst teilweise von 2K schreibt, es dürfte sich aber wohl ziemlich sicher um das Master von Umbrella handeln, das anschließend von LSP-Medien noch einmal nachbearbeitet wurde. Und über das Ergebnis kann man sich nicht beklagen. Es handelt sich um jene Art erdiger, griffiger Optik, wie man sie sich von einem Film der 80er Jahre erhofft. Bei den Farben dominieren sandige Töne im Beige- und Khaki-Spektrum, was teilweise an der australischen Landschaft liegt (die auch sattes Grün hinzuaddiert), teilweise aber sicher auch am ausgewählten Color Grading. Korn wird vor allem in Close Ups gut sichtbar, in Panoramaeinstellungen wird es auch mal weicher. Trotzdem sind Details schon aufgrund der gut aufgelösten Farben sehr gut sichtbar.
Der Ton
Unter den Tonoptionen befindet sich der englische Originalton und die deutsche Synchronisation, beide in DTS-HD Master Audio 2.0. Letztere irritiert hauptsächlich durch die deutsche Stimme auf Henry Thomas, die extrem kindlich wirkt, in der Betonung von Silben oft einen recht merkwürdigen Kurs fährt und insgesamt auch nicht immer ganz professionell wirkt. Sie hat für sich genommen ihren Charme, nimmt aber viel von dem selbstständigen, unabhängigen Charakter weg, den Thomas spielt. In einer Nebenrolle fällt vor allem Homer-Simpson-Stimme Norbert Gastell auf. Die Audioqualität ist mehr als solide: atmosphärischer Einsatz von Musik, gut verständliche Stimmen, viele Hintergrundgeräusche, keinerlei Störgeräusche im Hintergrund. Nur bei der Räumlichkeit hapert es ein wenig.
Das ist bei der englischen Tonspur anders, denn da verteilt sich der Klang spürbar über die Kanäle und nimmt den Zuschauer quasi in die Klammer. Davon abgesehen sind die Eigenschaften ähnlich wie bei der deutschen Fassung. Mit seiner eigenen Stimme kann der Hauptdarsteller die Eigenschaften seiner Rolle allerdings deutlich besser hervorheben, auch wenn er im Original etwas unauffälliger wirken mag.
Der Audiokommentar
Mark Hartley, der Regisseur der 2008er Ozploitation-Dokumentation „Not Quite Hollywood“, eröffnet die Gesprächsrunde mit Regisseur Brian Trenchard-Smith, Editor Brian Kavanagh und Kostümdesignerin Aphrodite Kondos, die alternativ zu den normalen Tonspuren als Audiokommentar über dem Film abgespielt werden kann. Die Fachgebiete der Teilnehmer geben der Diskussion dabei die Richtung vor. Insbesondere dramaturgisch wird der Film sehr sorgfältig aufgeschlüsselt, aber auch die produktionstechnische und handwerkliche Seite wird nicht außer Acht gelassen. Der Redefluss ist organisch, die Stimmung locker und nüchtern. Deutsche Untertitel sind natürlich an Bord; die Tonspuren für den Hauptfilm sind sogar englisch und deutsch untertitelt.
Die Extras
Mit Blubberblasen-Vor- und Abspann und allem Pipapo produzierte Umbrella Entertainment 2018 die halbstündige Featurette „The Depths of a Legend“, in der Hauptdarsteller Henry Thomas von seinem damaligen Regisseur Brian Trenchard-Smith in einem hübschen, typisch amerikanischen Craftsman Bungalow mit sommerlichem Garten interviewt wird. Die ungewöhnliche Konstellation führt dazu, dass man auch mal den prominenten Interviewer zumindest sekundenweise im Bild sieht. Alleine die Schuss-Gegenschuss-Montage macht die Unterhaltung schon etwas lebendiger. Das ist auch nötig, weil Thomas recht zögerlich spricht und oft lange nach den richtigen Wörtern sucht. Dabei macht er nichtsdestotrotz einen sympathischen, weil bescheiden wirkenden Eindruck.
Trenchard-Smiths Fragen konzentrieren sich zunächst darauf, in Erfahrung zu bringen, welche Eindrücke Thomas damals als Kind vom Set mitgenommen hat, wie er die Zusammenarbeit mit seinen Co-Stars erlebt hat oder auch das Drehen in einem fernen Land, das er, wie bereits im Booklet zu lesen war, als großes Abenteuer empfunden habe. Nach und nach geht es mehr darum, wie sich der Schauspieler seitdem entwickelt hat und welche Lehren er aus den Erlebnissen in jungen Jahren gezogen hat.
Für das Regiehandwerk bekundet Thomas derweil höchsten Respekt, auch weil er selbst niemals dazu in der Lage wäre, als Regisseur einen guten Job zu machen – die eigene Ungeduld würde ihm in die Parade fahren. Er schließt dann in eigener Sache, indem er auf Nachfrage sein neuestes Projekt vorstellt, eine geplante Fantasy-Trilogie namens „Oesteria and the War of Goblinkind“, deren erstes Buch „The Window and the Mirror“ damals kurz vor der Veröffentlichung stand. Offenbar sind weitere Teile seitdem aber nicht veröffentlicht worden.
Für „The Go Kids“ (17 Min.) hat Umbrella noch weitere Ehemalige zum Interview aufgetrieben, und zwar Tamsin Downes (Jane) und Rachel Friend (Wendy), die beiden Begleiterinnen des Hauptdarstellers auf seinem Abenteuer. Gleich zu Anfang wird ein Aspekt herausgestellt, dessen man sich als Außenstehender gar nicht so gewahr wird, aber die Tatsache, dass Henry Thomas wenige Jahre zuvor im Spielberg-Hit „E.T.“ mitgespielt hat, ist natürlich auch an diesen beiden Mädchen nicht spurlos vorbeigegangen, auch wenn sie relativierend darauf hinweisen, dass man in jungen Jahren mit derartiger Prominenz noch etwas lockerer umgeht, zumal Thomas auch damals sehr bodenständig gewesen sein und sich überhaupt nicht wie ein Star verhalten haben soll.
Im Weiteren geht es dann noch um einen Halloween-Scherz des Amerikaners in einem Land, das mit Halloween damals noch gar nichts zu tun hatte, darum, dass sich die Dreharbeiten nie wie Arbeit angefühlt haben, um das erstmalige Wiedersehen des Films nach vielen Jahrzehnten und die Feststellung, dass ein Film australischer eigentlich gar nicht sein könnte.
„The Dream Quest“ (6 Min.) ist eine unkommentierte, lediglich mit Musik untermalte Location Tour, in der etliche der im Film gezeigten Schauplätze aus dem australischen Victoria wieder besucht werden, darunter das Moorooduc-Quarry-Reservat, in dem auch der Teich angesiedelt ist, die Kleinstadt Woods Point, von der Tamsin Downes sagte, es sei ihre erste gewesen, bei der man vom Ortseingang aus das Ortsende sehen konnte, sowie die Menzies Creek Railway Station und ein paar Ecken in Emerald. Die gleitenden Kameraeinstellungen erinnern dabei ein wenig an Naturdokumentationen.
Mark Hartleys Dokumentation „Not Quite Hollywood“ ist Quelle der „erweiterten Interviews“, in denen nacheinander Everett DeRoche, Henry Thomas und Brian Trenchard-Smith ausgiebig zur Sprache kommen. Insgesamt 32 Minuten bleiben Zeit, um die Produktion, seine Rezeption und Schlussfolgerungen für das Filmemachen an sich aus Perspektive des Autoren, Produzenten, Hauptdarstellers und Regisseurs aufzuarbeiten. Auch dieses Feature wurde offensichtlich für den Booklet-Text angezapft, wiederholen sich doch einige Informationen bzw. werden hier in der Originalquelle präsentiert. Die Interviews werden als großzügige Zusammenschnitte in langen Einstellungen ohne Musik präsentiert.
Einen „Schwertkampf-Unterricht mit Henry Thomas“ (8 Min.) hatte man wahrscheinlich nicht auf dem Wettschein für die Extras. Nach dem gemeinsamen Interview im Haus hatten Thomas und Trenchard-Smith bei dem schönen Wetter aber anscheinend so richtig Bock auf ein bisschen Action im Garten, also schlüpfen sie in ihre Fecht-Monturen (Letzterer sogar mit einem Druck seines Namens plus „USA“ auf dem Rücken) und liefern sich im Beisein der Kamera ein Duell auf Leben und Tod, bei dem irgendwann auch ein Hund als desinteressierter Zuschauer vorbeispaziert. Bevor es soweit ist, stellt Thomas eine Vollkörperrüstung nach Vorbild englischer Modelle des 15. Jahrhunderts vor, die offenbar nach seinen Körpermaßen angefertigt wurde, sowie eine kleine Kollektion von Schwertern und Degen. Ob er sich das Fachwissen für seinen Roman, ein Filmprojekt oder einfach aus privatem Interesse heraus angeeignet hat, wird nicht so ganz klar. Sein ehemaliger Regisseur hat jedenfalls eine Menge Spaß dabei, mit den Spießwerkzeugen herumzufuchteln.
Schließlich folgt noch der englische Trailer, der mit „You loved him in E.T.“ gleich die große Keule herausholt, sowie eine 7-minütige Bildergalerie mit Concept Art, Postern und Covern etlicher Heimkinoveröffentlichungen unter den verschiedensten Titeln, Hinter-den-Kulissen-Fotos (meistens sechs auf einer Seite gleichzeitig), Story Outlines und Skriptauszüge und Fragebögen mitsamt der Antworten, die vermutlich an Teilnehmer eines Testpublikums ausgegeben wurden. Dazu kommen noch Zeitungsausschnitte.
Fazit
Es muss eben nicht immer Mediabook sein, um eine hochwertige Ausstattung – innerlich wie äußerlich – erwarten zu können. „Der Geisterjäger“ aka „Frog Dreaming“ aka „The Quest“ ist ein gutes Beispiel dafür, dass eine Solo-Veröffentlichung im Scanavo Case auch eine Menge hermachen kann. Die Titel- und Cover-Vielfalt wurde mit Schuber und Wendecover sinnvoll gelöst, ein Booklet ist dabei, technisch wird der Hauptfilm sehr gut präsentiert und reichlich Extras sind auch noch dabei. Wer im hauseigenen Shop zu den ersten 500 Bestellern gehörte, bekam auch noch ein Art-Card-Set dazu. Das kann gerne Schule machen.
Sascha Ganser (Vince)
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