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A Bittersweet Life

Originaltitel: Dalkomhan Insaeng__Herstellungsland: Südkorea/USA__Erscheinungsjahr: 2005__Regie: Kim Ji-woon__Darsteller: Lee Byung-Hun, Shin Min-A, Kim Young-Cheol, Kim Roi-Ha, Hwang Jeong-Min, Eric Moon, Oh Dal-Su, Kim Han, Oh Kwang-Rok, Jeong Yu-Mi u.a.
A Bittersweet Life Mediabook

Mit “A Bittersweet Life” zeigten die Südkoreaner schon vor 15 Jahren, wie stylische Action auszusehen hat.

Sun Woo ist Rausschmeißer, Bodyguard und quasi ein Mädchen für alles in der Gangsterwelt. Sein Boss Kang vertraut ihm und gibt ihm einen sehr heiklen sowie intimen Auftrag. Sun Woo soll die Geliebte von Kang beschatten, da dieser für ein paar Tage verreisen will. Falls Sun Woo in dieser Zeit herausfindet, dass die Geliebte des Chefs selbigen betrügt, hat er den Auftrag, die Geliebte und ihren Stecher auszuschalten.

Es kommt, wie es kommen muss: Tatsächlich hat die Perle einen anderen Typen und Sun Woo findet das natürlich heraus. Aber anstatt sie umzulegen und weiterhin dem Boss treu zu sein, lässt er das Mädchen nebst Affäre am Leben und verlangt, dass die beiden sich nie wieder sehen.

Irgendwie kommt der Boss allerdings dahinter, dass Sun Woo ihn hintergangen hat und lässt ihn erst einmal richtig fertigmachen. Das reicht von Schlägen über Folter bis hin zum lebendigen Begraben. Aber Sun Woo übersteht all das irgendwie und ihm gelingt die Flucht. Was nun folgt, ist die Standard-Revenge-Story. Sun Woo rächt sich an alles und jedem.

Schaut in den stylischen Actioner aus Südkorea hinein

Klingt nicht sonderlich interessant und irgendwie schon 1000mal gesehen? Stimmt, aber durch die Over-the-Top-Inszenierung und die wirklich genialen Darsteller sticht „A Bittersweet Life“ aus der Masse von Revenge-Filmen hervor. Die erste Hälfte des Films kommt etwas ruhiger daher, da sich der Film die Zeit nimmt, die einzelnen Charaktere zu beleuchten und sie in das Konstrukt der Story einzugliedern.

Recht schnell wird klar, dass es in der Welt von „A Bittersweet Life“ kaum Gute gibt. Selbst der tragische Held ist kein strahlender Ritter, sondern ein eiskalter Gangster, der jedoch zumindest ein paar Moralvorstellungen besitzt. Nicht wie der Rest der Protagonisten, die alle herrlich böse und gemein daherkommen.

A Bittersweet Life Folter

In der Welt von Sun Woo geht es alles andere als friedlich zu.

Ich muss gestehen, in der ersten halben Stunde langweilte ich mich ein bisschen, da der Film bis auf ein paar Martial-Arts-Einlagen wenig zu bieten hatte – auch weil die Story ja nicht wirklich innovativ ist. Allerdings beginnt mit der versuchten Tötung Sun Woos ein stylisches Abenteuer unseres Antihelden, welches mit einer wüsten Schlägerei beginnt und mit einem bluttriefenden Showdown endet.

A Bittersweet Life mit Lee Byung-Hun

Lee Byung-hun mutierte über die Jahre zu Südkoreas Superstar, der auch in amerikanischen Produktionen mitwirkte.

Zwischendurch gibt es immer mal ein paar lustige Szenen, zum Beispiel, wenn Sun Woo Waffen kaufen will und mit den Russen aneinandergerät. Jedoch bleibt der Grundtenor immer recht ernst und teilweise bleibt einem das Lachen im Halse stecken, da aus einer komischen Situation plötzlich tödlicher Ernst wird.

Sein furioses Finale findet „A Bittersweet Life“ in einem Shootout, der nicht von schlechten Eltern ist. Allerdings gibt es vorher auch schon einiges an krassen Szenen zu sehen. Etwa wenn einem der halbe Schädel weg geschossen wird oder einem die Hand mittels einer schweren Eisenzange zermalmt wird. Garantiert kein Film für Warmduscher oder Pantoffelhelden – die hohe KJ-Freigabe ist absolut berechtigt. Ein wirklich gelungenes Drama, welches gekonnt Action- und Drama-Elemente vereint und so Actionfans wie auch Fans ruhiger Momente begeistern wird.

Die Schauspieler sind alle überzeugend. Vorneweg der Hauptdarsteller Lee Byung-hun („Ashfall“),der gekonnt den Spagat zwischen eiskaltem Gangster und gepeinigtem Opfer schafft. Er lässt den Film nicht durch dämliches Overacting ins Komödiantische abrutschen, sondern spielt immer der Situation angemessen. Die anderen Darsteller können auch vollends überzeugen, jedoch wird der Gangsterboss Kang erst zum Ende hin richtig kalt und böse, was am Anfang etwas fehlt.

A Bittersweet Life Sun Woo räumt auf

Sun Woo räumt auf!

Der Soundtrack ist wirklich gelungen, da jede Szene absolut stimmig untermalt wirkt und vor allem in der zweiten Hälfte und beim Showdown die Wahl des Themas absolut cool und treffend ist. Zu den guten Schauspielern und dem coolen Soundtrack gesellt sich noch die wahrlich geniale Optik. „A Bittersweet Life“ ist geprägt von einer satten Hochglanzoptik, die in diesem Film absolut zur düsteren Stimmung beiträgt. Vor allem beim Showdown häufen sich wilde Kamerafahrten und coole Einstellungen, die einfach auf der ganzen Linie überzeugen. Auch wenn man manchmal das Gefühl hat, dass hier mehr Wert auf Style als auf Substanz gelegt wurde.

Action und Drama gehen in „A Bittersweet Life“ gekonnt zusammen

„A Bittersweet Life“ steht angeblich im Schatten von „Oldboy“, was ich jedoch absolut nicht nachvollziehen kann, da sich meiner Meinung nach kaum Parallelen ziehen lassen zwischen den beiden Filmen. Klar, beide handeln vom Motiv Rache, damit hat es sich aber auch schon. „A Bittersweet Life“ ist ein Film, der einem weder einen Schlag in die Magengrube versetzt noch einen bitteren Beigeschmack hat. Das Ende des Films kommt nicht überraschend daher und auch sonst ist alles sehr straight und zielgenau inszeniert.

Ja, es gibt die einen oder anderen Momente, die einen schlucken lassen, aber im Grunde geht es um einen gepeinigten Mann, der Tragisches durchmacht und die damit verbundenen Erinnerungen nicht auslöschen kann. Jedoch kann er seine Peiniger auslöschen und damit den Schmerz lindern.

Der Film ist auf jeden Fall ein Highlight und sollte von jedem Mal angesehen werden, damit jeder sich sein Urteil selbst bilden kann. Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Für mich liefert „A Bittersweet Life“ auf jeden Fall mal wieder den Beweis, dass Korea Hollywood überholt hat, was stilvolle und gut inszenierte Actionfilme angeht. Nur aufgrund kleinerer Längen bleibt dem Film eine höhere Wertung verwehrt.

08 von 10

Vielleicht noch kurz etwas zur Synchronisation. Mir hat die deutsche Synchro sehr gut gefallen, die Stimmen passen sehr gut und wirken nicht irgendwie billig. In Deutschland erschien der Film zunächst als Verleih-DVD, die die südkoreanische Kinofassung enthielt. Die Kaufversion von Splendid Film lieferte dann den Director’s Cut des Filmes in einer stylischen Tin mit Prägedruck. Am 25. September 2020 veröffentlichte Splendid Film ein Mediabook, das „A Bittersweet Life“ sowohl in der Kino- als auch in der Director’s-Cut-Fassung auf Blu-ray enthält. Die etwas kürzere, aber härtere Kinofassung gibt es damit weltweit erstmals als HD-Version zu bestaunen. Das Mediabook enthält zudem „The Good, The Bad, The Weird“ von Regisseur Kim Jee-Woon, der neben „A Bittersweet Life“ auch „The Last Stand“ aus der Hüfte geschossen hat, als Bonusdreingabe auf Blu-ray.

© Joker6686

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Copyright aller Filmbilder/Label: Splendid Film Home Entertainment__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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