Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Alone – Du kannst nicht entkommen

Originaltitel: Alone__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2020__Regie: John Hyams__Darsteller: Jules Willcox, Marc Menchaca, Anthony Heald, Jonathan Rosenthal u.a.
Alone Du kannst nicht entkommen DVD Cover

Eine Fingerübung von John Hyams: “Alone – Du kannst nicht entkommen”

John Hyams hat meiner Meinung nach mit dem fantastischen „Universal Soldier: Day of Reckoning“ B-Movie-Filmgeschichte geschrieben. Auch die zuvor abgefeuerten „Universal Soldier: Regeneration“ und „Dragon Eyes“ waren ein starkes und ein solides Stück Actionware. Doch irgendwie scheint das keiner so recht mitbekommen zu haben. Denn nach diesen denkwürdigen Arbeiten startete der Sohn von Peter Hyams („Das Relikt“) nicht etwa groß durch, nein, er landete bei The Asylum!

Bei neun Episoden der Serie „Z Nation“, bei der er auch als Ausführender Produzent die Geschicke der Show in Händen hielt, führte er Regie und zeigte auf, wie blutig und innovativ The Asylum sein kann, wenn es fähige Leute an Bord holt, die keinen Schrott abliefern wollen. Das ebnete ihm den Weg zu… weiteren TV Serien. Yeah… Dementsprechend horchte ich auf, als es hieß, Hyams habe endlich mal wieder einen Spielfilm in der Pipeline.

Dieser heißt „Alone“ und geriert sich als Mix aus Verfolgungsthriller der Marke „Duell“ oder „Hitcher“ und Survivalthriller. Faktisch ist der Film jedoch ein Remake des schwedischen „Försvunnen“, der in unseren Breiten als „Night Hunt – Die Zeit des Jägers“ vermarktet wurde.

Alles dreht sich um eine junge Dame, die nach einer Familientragödie ein neues Leben beginnen möchte. Sie packt all ihr Hab und Gut in einen Anhänger und fährt los. Auf ihrem Weg hat sie eine unheimliche Begegnung mit einem schwarzen SUV. Einmal überholt und abgehängt, fühlt sich unsere Heldin Jessica sicher. Doch fortan kreuzt sie immer wieder die Wege des unheimlichen Gefährtes und seines Fahrers.

Der gibt sich zu Beginn betont harmlos, macht aber irgendwann Nägel mit Köpfen, entführt Jessica und sperrt sie in seinen Keller. Jessica ergreift die nächstbeste Gelegenheit zur Flucht und versucht durch die Wälder zu entkommen.

Schaut in den Survivalthriller von John Hyams hinein

Was man „Alone“ von Beginn an hoch anrechnet, ist, dass er sich angenehm normal gibt. Die Heldin ist weder besonders hübsch noch besonders hässlich, weder besonders alt noch besonders jung. Was samt und sonders für ihren Verfolger gilt. Wir betrachten hier also nicht die übliche „Waldschrat jagt großbusiges Teen“-Chose – was sehr erfrischend anmutet. Das bewahrt „Alone“ aber nicht davor, diverse Klischees am Wegesrand aufzuklauben und mitzunehmen. Das beliebteste vorneweg: Die Heldin hat natürlich irgendwann die Möglichkeit, den Lump zu killen, rennt aber lieber einfach weg. Von immer zur rechten Zeit nicht funktionierenden Handys ganz zu schweigen.

Zudem zeichnet Hyams Jessica nicht so wirklich hundertprozentig sympathisch. Ab und an wirkt sie gefühlt grundlos überspannt. Sehr oft handelt sie irrational, wenn nicht sogar dumm. Und ich muss zugeben, dass ich mit Hauptdarstellerin Jules Willcox überhaupt nicht warm geworden bin. Ihr Überlebenskampf wirkte teils ungünstig overacted und ließ mich reichlich kalt.

Alone mit Jules Willcox

Kann Jessica ihrem Jäger entkommen?

Dafür fand ich Marc Menchaca („Ozark“) als ihren Verfolger einfach großartig. Der Mime spielt total reduziert das Alltagsmonster hinter allzu menschlichem Antlitz. Seine ruhige Art, die ihn nie die Fassung verlieren lässt, wirkt teils unheimlich bedrohlich. Und John Hyams findet interessante Mittel und Wege, dem Zuschauer die Figur nahe zu bringen. Das macht den Verfolger alsbald interessanter als das Opfer, von dem man erstaunlich wenig erfährt.

Schade ist, dass John Hyams recht lange braucht, bis er das Bedrohungsszenario etabliert hat. Man könnte irgendwann sogar geneigt sein, zu glauben, man sitze einer Finte auf. Doch dem ist – man ist fast geneigt, „leider“ zu sagen – nicht so. Greift die Grundsituation endlich, bekommt Hyams keinen Zug in die Handlung. Sein Film nimmt keine wirkliche Fahrt auf. Infolgedessen hat man viel zu viel Zeit, über das präsentierte Szenario nachzudenken, weshalb Ungereimtheiten erst recht auffallen. Etwa wie zielgerichtet sich Jessica und ihr Verfolger in dem Wald immer wieder über den Weg laufen – wohlgemerkt ohne irgendwelche GPS- oder ähnliche Ortungs-Cheats!

Alone mit Marc Menchaca

Marc Menchaca gibt den Lump in “Alone”.

Erst in Richtung Finale wird „Alone“ das, was ich mir von dem Film erwartet hatte. Die Konfrontation der beiden Antagonisten wird wuchtiger und präziser, wenngleich nicht zwingend logischer. Dafür hat eine Idee um ein Telefonat kurz vor dem eigentlichen Showdown richtig Klasse. Und der Showdown zeigt dann wieder auf, was John Hyams eigentlich am besten kann: Körperlichkeit/Action.

Das wird an farbreduzierten, sehr soliden Bildern gereicht, wobei das Waldsetting und lange Autofahrten durch jenes hindurch im Fokus stehen. Hier und da lockern ein paar Drohnenaufnahmen das optische Geschehen auf. Wenig auffällig verrichtet der Score seinen Dienst unter den Bildern. Für Special-Effects-Orgien ist in „Alone“ derweil kein Platz und wäre sichtlich auch kein Geld da gewesen.

„Alone“ packt nicht zu

Was am Ende bleibt, ist ein Zweipersonenstück, das kaum mehr als eine Fingerübung für John Hyams darstellt. Mit sichtlich schmalem Budget stellte er hier einen kleinen Film auf die Beine, der als Survival-Variante von „Unhinged“ zunächst Interesse zu wecken vermag, letzten Endes aber nicht wirklich abliefert. Die Heldin verfängt nicht, ihre Schauspielerin agiert ab und an sehr unglücklich und irgendwann verliert man als Zuschauer die Bindung zu ihrer Figur. Das kann der Fieswicht ein wenig auffangen, dem Szenario, das irgendwie nie so richtig den Hebel in Richtung Survivalthrill umgelegt bekommt, schadet das aber sehr.

Dem langsam erzählten „Alone“ fehlt es darum an Wucht, an Spannung, an Adrenalineinspritzungen und an wirklich zupackenden Momenten. Erst gegen Ende vermag John Hyams den einen oder anderen gelungenen Moment zu lancieren, aber da ist man längst nicht mehr im Film drin. Schade.

04 von 10

Die deutsche DVD und Blu-ray zum Film erscheint am 25. März 2021 von Koch Media und ist mit einer Freigabe ab 16 ungeschnitten. Die Köche legen den Film auch als Mediabook auf. Dieses kommt dann gemeinsam mit dem schwedischen Original!

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Koch Media__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Ja/Ja

Tagged as: , , , , , , , ,

Wie Viele Actionnerds gibt es?

  • Keine Sorge, du bist mit deiner Vorliebe nicht allein! Uns besuchten bereits 8457685 andere Actionnerds