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Bastille Day

Kurz vor dem titelgebenden Nationalfeiertag wird es in Frankreich brenzlig: Eine Bombe explodiert und tötet vier Menschen, nachdem ein Taschendieb eine Aktivistin beklaut und deren explosiven Rucksack in einem Mülleimer platziert. Nun ist er ein wichtiger Zeuge, hinter dem bald nicht nur der ruppige CIA-Agent Sean Briar (Idris Elba), sondern auch die Hintermänner der verhinderten Bombenlegerin her sind.

Originaltitel: Bastille Day__Herstellungsland: USA/Frankreich/Großbritannien__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: James Watkins__Darsteller: Idris Elba, Richard Madden, Kelly Reilly, Charlotte Le Bon, Anatol Yusef, Alexander Cooper, Laura Hydari, José Garcia, Daniel Westwood, Eriq Ebouaney, Jorge Leon Martinez, Tony Paul West u.a.
Bastille Day

In dem Actionthriller „Bastille Day“ muss Idris Elba einen Terroranschlag am französischen Nationalfeiertag verhindern

„Bastille Day“ war als Actionthriller der alten Schule geplant, wurde aber von realen Ereignissen eingeholt, vor allem in Frankreich: Kurz vor dem titelgebenden Feiertag wurde er dort 2016 veröffentlicht, aber nach wenigen Tagen aus dem Verleih genommen, aus Pietät den Opfern des Anschlags von Nizza gegenüber.

Terror ist nämlich eines der Hauptthemen des Films, in dessen Dunstkreis Taschendieb Michael Mason (Richard Madden) unfreiwillig verstrickt wird. Der ist ein Meister seines Faches und beklaut die Studentin Zoe Naville (Charlotte Le Bon), ohne zu ahnen, dass der Teddy in ihrem Rucksack eine Bombe enthält. Den wiederum wollte Zoe zuvor für einen Anschlag ohne Opfer im Hauptquartier einer Rechtsaußenpartei deponieren, brach die Aktion aber ab, da sich noch Reinigungskräfte im Gebäude befanden. Als Michael wiederum den Rucksack entsorgt, geht die Bombe kurz darauf hoch und fordert vier Todesopfer.

An der Stelle kommt CIA-Agent Sean Briar (Idris Elba) ins Spiel, der den Fall untersucht. Es herrscht höchste Alarmstufe, da mit dem titelgebenden Bastille Day ein französischer Nationalfeiertag ansteht und man natürlich besondere Angst vor Anschlägen hat. Briar ist der Mann fürs Grobe und mit wenig Skrupeln behaftet, wie der Film bald klarstellt. Das gilt allerdings auch für die Verantwortlichen hinter Zoes Bombenattentat, die eine flattrige Mitwissern nicht gebrauchen können und nach der Flüchtigen suchen.

Dabei orten sie Zoes Handy, das wiederum Michael bei sich hat und machen Jagd auf den Dieb. Den wiederum hat Briar schon eingesackt und zu seinem unfreiwilligen Partner in den Ermittlungen gemacht. So laufen sie bald den ersten Killern über den Weg…

Bastille Day

Die Wumme im Anschlag und einen Spruch auf den Lippen: CIA-Agent Sean Briar (Idris Elba)

Viele Fragen in „Bastille Day“ drehen sich um das Sein und den Schein. Klar ist, dass Zoe nicht nur für einen harmlosen Anschlag angeheuert wurde und dass die Hintermänner Größeres vorhaben, gehen diese doch ohne großes Wimpernzucken über Leichen. Doch welche Ziele verfolgen sie? Wie wollen sie die aufgeheizte Stimmung in Frankreich manipulieren? Die Antworten auf diese Fragen liefert „Bastille Day“ schon enttäuschend früh und enttäuschend eindeutig für den Zuschauer und beraubt sich damit teilweise seiner Wucht, da es bald nur noch um die gegenseitigen Verfolgungsjagden geht, bei denen Briar und Mason mal in der Offensive, meist aber in der Defensive sind.

Doch auch in der Defensive weiß Briar sich zu behaupten und teilt in der Machart von Bourne und „Taken“, die hier ein wenig inhaltlich, vor allem aber stilistisch Pate standen, ordentlich Watschen aus. Das liefert gelungene Nahkampfeinlagen, die manchmal allerdings etwas zu kurz ausfallen – gerade Briars Gegner beim entsprechenden Fight im Finale streicht enttäuschend schnell die Segel. Abgerundet wird das Ganze mit Verfolgungsjagden, wahlweise mit Vehikeln oder in der Tradition von Belmondo und Co. zu Fuß über die Pariser Dächer und Schusswechseln, in denen eher der Realismus denn der große Munitionsverbrauch regiert. Das hat den Charme der alten Schule und verliert trotz der bewährten Taktik des Mittendrin-statt-nur-dabei nie die Übersicht, produziert aber leider keine allzu nachhaltigen Momente; in erster Linie ragen die Dachhatz sowie die eine oder andere Nahkampfeinlage heraus.

Bastille Day

Taschendieb Michael Mason (Richard Madden) flieht lieber als den Kampf zu suchen

Ein großer Pluspunkt (nicht nur) der Action ist Hauptdarsteller Idris Elba („Pacific Rim“), der Briar als harte Kampfsau mit der Effizienz und dem Feingefühl eines Bulldozers anlegt. Erfrischend ruppig und wenig regelkonform ist das ein unterhaltsamer Rücksturz zu den Großstadtbullen und Actionhelden der 1970er und 1980er, denen „Bastille Day“ Tribut zollt. Richard Madden („Game of Thrones“) kann da als Schlitzohr zwar nicht mithalten, behauptet sich aber trotzdem gut an Elbas Seite, während Kelly Reilly („Sherlock Holmes“) als Vorgesetzte Briars ebenfalls Akzente setzt. Charlotte Le Bon („Anthropoid“) ist okay in der wenig geforderten weiblichen Hauptrolle, doch bei den Bösewichtern sieht es dagegen düster aus: Wenig einprägsame Hackfressen, die auf Autopilot agieren und trotz aller Kaltschnäuzigkeit schon kurz nach Filmende vergessen sind. Gerade bei einer so starken Heldenfigur wäre da ein besseres Gegengewicht nötig gewesen.

Ansonsten bleibt die Hetzjagd vor allem durch das hohe Tempo spannend, thematisiert das gesellschaftliche wie politische Klima in Frankreich immerhin am Rande, wenn auch nicht besonders tiefgründig. Das läuft alles nach bekannten Mustern ab, wobei sich derjenige als Verräter entpuppt, der in derartigen Filmen immer der Verräter ist, und die Buddy-Komik zwischen Briar und Mason setzt auf mal mehr, mal weniger gelungene Oneliner. Hin und wieder sorgt die Konfrontation von friedfertigem Langfinger und hartem Actiontypen zwar für Schmunzler, mancher Spruch ist aber auch etwas verunfallt. Denn wenn Briar seinem Compagnon nach überstandenen Abenteuern ein begrenzt ironisches „I should have shot you when I had the chance“ reindrückt, dann wirkt das doch eher irritierend als amüsierend.

So ist „Bastille Day“ einerseits ein angenehm bodenständiger Actionthriller der alten Schule, der Reißern früherer Dekaden Tribut zollt und gleichzeitig aktuelle Themenkomplexe zumindest ansatzweise thematisiert und dabei teilweise von der Realität eingeholt wurde. Das Tempo ist hoch, Idris Elba famos, doch es gibt leider unschöne Seiten: Blasse Schurken, ein nicht ausgenutztes Spannungspotential, da man zu früh zu viel über die Täter erfährt, und nur begrenzt gelungene Buddy-Komik sorgen dafür, dass „Bastille Day“ dann leider doch nicht ganz der Old-School-Knaller ist, der er hätte sein können.

„Bastille Day“ startete am 23. Juni 2016 in den deutschen Kinos und ist ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben. Am 27. Oktober bringt der deutsche Verleih Studiocanal den Film hierzulande auf Blu-Ray und DVD heraus.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Studiocanal__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja (ab 27.10.2016)

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