Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Crank 2: High Voltage

Originaltitel: Crank 2: High Voltage__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2009__ Regie: Mark Neveldine / Brian Taylor__Darsteller: Jason Statham, Amy Smart, Bai Ling, Corey Haim, Glenn Howerton, Dwight Yoakam, Clifton Collins Jr., Efren Ramirez, Holly Weber, Joseph D. Reitman, Chester Bennington, Joseph Julian Soria, David Carradine u.a.
Crank 2: High Voltage

Chev Chelios is back! Und diesmal braucht er Stromstöße zum Überleben.

Jason Statham mutierte kurz vor „Crank 2“ mit seinem filmischen Ausstoß immer mehr zu dem, was man wohl als „Mann für alle testosterongeschwängerten und nach Motorenöl stinkenden Fälle“ bezeichnen könnte. Zwar unterfuhr Film eins – „Death Race“ – trotz aller rockenden Qualitäten seltsamerweise alle Zuschauerschichten, dafür mutierte „Transporter III“ mal eben so zum erfolgreichsten Film der Reihe und untermauerte Jasons Actionheldenstatus. Und Jason wäre nicht der coolest Motherfucker on Earth, wenn er sich auf diesen Lorbeeren ausruhen würde. Nur, wie wollte er das coole Actiondoppelpack noch toppen? Dahingehend habe ich nur drei Worte für euch:

Chev Fucking Chelios!

Genau, Jason liefert uns Teil II zur überkandideltsten Anarchie-Parade der letzten Jahre: „Crank“! Der Film, der dem gesamten Publikum und der Filmwelt symbolisch den Stinkefinger entgegenreckte und auf absolut irre hochtourigem Niveau zu unterhalten verstand. Und „Crank II“ macht aus diesem symbolischen Stinkefinger nun ein Bild für die Ewigkeit, wenn Jason Statham in der letzten Szene von „Crank II“ irre grinsend in den Zuschauerraum blickt, die Hand zur Faust ballt und uns allen seine Fuck-You-Mentalität mittels ausgestreckten Mittelfingers verdeutlicht. Und Fuck You ist auch das Motto von „Crank II“ … durchgehend!

Dabei geht das erste Fuck You an alle, die glaubten, nach Teil I könne es keine zwei geben. Das zweite Fuck You geht an jene, die für eine Neubelebung des Crank-Franchises und 90 Minuten Spaß eine echte Story brauchen. Derartiges gibt es in „Crank II“ nämlich nicht wirklich: Chev hat den Sturz aus dem Helikopter in Teil I überlebt, wird per Schneeschippe vom Asphalt gekratzt und von ein paar chinesischen Lumpenhunden um seine übermenschliche Blutpumpe gebracht. Diese wird mittels künstlichem, batteriebetriebenem Herz ersetzt. Als man ihm auch noch an die Manneskraft will, probt Chev den Aufstand, massiert ein paar Familienjuwelen und bricht auf, sich wiederzuholen, was ihm von Rechts wegen gehört. Kurzum: Chev sucht sein Herz und der Actionfan kennt nun das rudimentäre Gerüst an Handlung, das er fortan braucht, um „Crank II“ zu „verstehen“.

Mehr als dieses Grundgerüst bekommt der geneigte Zuschauer nicht mehr geliefert. Warum auch? Immerhin geht es in „Crank“ nicht um eine fein ziselierte, hochgradig intelligente Geschichte. Neihein! In „Crank“ geht es um irres Tempo, irre Bilder, irre Charaktere, Anarchie, Mittelfinger und einen leicht reizbaren – eben cranken – Typen mittendrin, der bevorzugt seinen Stiernacken ausfährt und alles und jeden niederknüppelt, der seinen Weg kreuzt. Dabei erfreuen vor allem die unzähligen Bezugnahmen auf Teil I, die ein so dichtes Netz weben, dass einem Teil I und II wie ein geschlossener Film vorkommen, zumal „Crank II“ ja direkt an die I anschließt. Und dass dabei nicht nur ein Chev Fucking Chelios unsterblich erscheint, wen juckt’s? Wenn die wiederauferstandenen Toten Spaß bringen, Fuck, dann ist es halt so!

Dabei geht dann Fuck You Numero drei an alle, die irgendwie meinen, dass Political Correctness für unser aller Leben irgendwie wichtig sei. Omas, Frauen, ethnische Minderheiten, Behinderte, in „Crank II“ gibt es nichts, was nicht den Mittelfinger gezeigt bekommt. Warum auch, immerhin hat jeder das Recht verarscht zu werden. Dabei ist „Crank II“ so schnell im Abwatschen aller Befindlichkeiten, dass man sich irgendwann gar nicht mehr traut, zu lachen, einfach weil man sonst Details en masse verpassen würde. Und so könnte man fast meinen, Teil II sei weniger witzig als Teil I … das ist er aber nicht, er ist einfach nur viel zu schnell, um alles auf den ersten Blick verarbeiten zu können!

Und so geht Fuck You Nummer vier dann auch an alle alten Sehgewohnheiten, setzt „Crank II“ doch an dem optisch hochenergetischen ersten Teil an und degradiert ihn fast zu einer stilistischen Fingerübung! Die Kamera taumelt, stolpert, kreist, fliegt, überschlägt sich, übernimmt Chevs Sichtfeld, nur um kurz darauf wieder Beobachter zu sein, liefert grobkörnige Bilder, dann wieder gelackte, vermittelt veränderte Bewusstseinszustände und ist immer in Bewegung. Dazu kommt ein flirrender Schnitt, eine irre Montage, coole Splitscreeneinlagen und auch Google Earth darf wieder nicht fehlen. Also, kommt ihr mit modernen Videoclips nicht mehr klar, schenkt euch den Film!

Fuck You Numero Fünf bekommen alle entgegen geschrien, die meinen, Jason Statham wäre nicht der coolest Motherfucker on our motherfucking Planet. Klar, spielen muss er in „Crank II“ ebenso wenig wie in „Crank I“ oder eben in „Transporter“ oder „Death Race“ oder …. Eigentlich muss Statham nie so wirklich spielen und dennoch funktionieren seine Figuren. Sei es seine Physis, seine Ausstrahlung, sein Stiernacken, der nirgendwo so Fuck You mäßig rüberkommt wie bei ihm, oder sein Charisma. Statham ist immer das, was man sich so unter Statham allgemein vorstellt: Der coolest Motherfucker on our motherfucking Planet! Reicht ja auch! Zumal man Statham anmerkt, dass ihm der Charakter des Chev Chelios verdammt gut gefällt und ihm dessen nonchalante Art – einer Abrissbirne auf zwei Beinen gleich – alles platt zu machen, was bei drei nicht auf den Bäumen ist, sehr entgegen kommt.

Fuck You Nummer sechs müssen sich alle anhören, die meinen, Amy Smart sei nicht unglaublich niedlich, sexy, heiß … just Amy eben. Sie bekommt in der zwei auch ein wenig mehr zu tun als im Vorgänger und wuppt dieses Mehr an Verantwortung mühelos. Auch das Mehr an Nacktheit oder das Mehr an Sexyness oder Heißheit. Sie ist eben Amy. Und verdammt noch mal, sie hat endlich ein Handy! Fuck Yeah!

Das nächste Fuck You dürfen sich alle Sissis dieser Welt abholen, die „Crank II“ wegen zuviel Brutalität kritisieren bzw. eine deutliche Steigerung der Gewalttätigkeit bemerkt haben wollen. Jene Sissis scheinen nämlich ein wenig ausgeblendet zu haben, dass auch in der I Körperteile verlustig gehen und Menschen zerplatzen. Die Anzahl der Shootouts ist auch annähernd gleich geblieben und der große Showdown ist erneut ein alles klärendes, bluttriefendes Zusammentreffen aller an der Filmhandlung beteiligten Parteien, die sich ordentlich auf die Omme geben. Was da wo übertrieben hart sei, man(n) (bzw. der verrohte Autor dieser Zeilen) weiß es nicht. Dabei ist die Action genauso wahnwitzig überzogen, wie es der ganze Film ist, weswegen sie in „Crank I + II“ eben irgendwo mehr an Tom-und-Jerry-Cartoons denn an ernst zu nehmende Gewaltverherrlichung erinnert.

Fuck You Nummer Acht geht dann an alle, die meinen, Actionfilme müssten irgendwie logisch verankert sein. Chev Chelios wirft hier mit Blitzen um sich, kracht durch Autofenster, wird angezündet, angefahren, angeschossen, aufgeschlitzt, K.O. geschlagen und er unterhält sich irgendwann mit einem Kopf, der in einem Futurama-ähnlichen Glasgefäß aufbewahrt wird. Das ist so surreal, so abgedreht, so vollkommen weit weg von der Realität, dass jeder selbst schuld ist, wenn er das ernst nimmt. Von Waffen, die in Analtrakte gerammt werden, ganz zu schweigen. Chev Chelios hat sichtlich Spaß bei dem, was er da so treibt und dem Zuschauer geht es ähnlich.

Crank 2: High Voltage

Chev Chelios mit seinem Lebenselixier…

Und so geht Fuck You Nummer 9 an alle, die meinten, „Crank I“ sei nicht mehr zu toppen. Er ist es. Und „Crank 2: High Voltage“ ist absolut auf dem richtigen Weg dahin. Leider gibt es ein zwei Punkte, wo es doch ein wenig hakt. Zum einen ist Bai Ling in ihren viel zu überspannten Auftritten ein kleines Ärgernis im Film. Man hätte sie sich vielleicht für Teil 4 oder 5 aufheben sollen, wenn Crank sicherlich nichts mehr mit normalen Filmen gemein haben wird und in ganz anderen Filmrealitäten herumcranken wird (Chevie im Weltraum wär’ doch echt mal eine Maßnahme).

Des Weiteren spürt man die unbändige Energie der Macher im Hintergrund, was ja per se nichts Schlechtes ist. Doch gleichzeitig spürt man, dass hier Leute am Werk waren, die sich ab und an ein wenig zu sehr in ihre eigenen Ideen verliebt haben. Diese lassen sie zwar filmische Realität werden, überspannen dabei aber den Bogen. In der Folge sind manche Szenen im Film vom Ansatz her schlichtweg irre, werden aber viel zu lang gezogen und wirken irgendwann zu gewollt abgedreht. Hier sei der Godzilla-artige Kampf im Umspannwerk genannt, der Rückblick in Chev Chelios Vergangenheit, die Pornofilm-Sexszene auf der Pferderennbahn oder die in ihrem ganzen Rhythmus vollkommen misslungene Szene um den Krankenpfleger aus Teil I, der, seit er Chevie schocken musste, unter einem Trauma leidet. Hier wäre für eventuelle Fortsetzungen Mäßigung angesagt.

Was bleibt, ist ein Film, dessen Hauptproblem darin besteht, dass es bereits „Crank I“ gibt. Zwar wirkt dieser nur wie eine Fingerübung für diesen ins Groteske verzerrten, vollkommen abseitigen Actioncomic, aber er kann eben den Originalitätsbonus für sich beanspruchen. Dieser geht dem deutlich überdrehteren, optisch ungemein fiebrigen Nachfolger leider vollkommen ab. Dafür punktet die Fortsetzung mit einem unglaublichen Tempo, harschen Gewaltexplosionen, irren Ideen, coolen Gastauftritten, Titten und Ärschen galore, der fast vollkommenen Reaktivierung des Figuren-Interieurs aus der Eins, Ganzkörpertourette, griffigeren One Linern, einer nackteren Amy Smart, einem übercoolen Jason Statham und einem erneut saftigen Arschtritt für ALLES, was der heilen Welt recht und teuer ist. Das Ergebnis ist ein Film, den niemand zu seinem Lieblingsfilm erklären wird, aber – Fuck Yeah – „Crank II“ ist ein Film, über den man sich im Fast-Food-Tempel seiner Wahl mit seinen Kumpels austauschen wird, nur um sich dabei gegenseitig darin zu überbieten, die jeweils coolste Szene mit eigenen Worten wiederzugeben. Und GENAU so ein Film ist „Crank 2: High Voltage“! Und das ist verfickt noch mal auch gut so!

Macht neun Fuck Yous … äääh:

In diesem Sinne:
freeman


……


Was muss “Crank 2″ bieten, um seine Existenz zu rechtfertigen? Für eine nach einer Kurbel benannte Filmreihe ist das eine einfache Frage: Er muss übersteigern, egal um welchen Preis. Und wenn er dazu auch Menschenrechte mit Füßen tritt, schnittechnische Epilepsie provoziert oder Logik und Realismus aushebelt, irgendwie muss die Schraube weitergedreht werden. Konstanz jedenfalls hieße Stagnation, und Stagnation wäre hier gnadenloses Scheitern.

Quizfrage für die Autoren: Wie übersteigert man Film gewordenes Crack, das seinerzeit selbst schon als Inbegriff der Übersteigerung galt?

A) Comics für Erwachsene heißen “Graphic Novel”? Nicht dieser, Baby!

Der Fall, der Aufprall, Chev Chelios ist tot – sollte man nach Hunderten von Metern Freiflug denken. Dann der Wimpernschlag. “Crank 2″ ist eine unmögliche Filmfortsetzung, die sich aus zugrunde gegangenem Repertoire bedient, erledigten Figuren, die wahlweise längst den Löffel abgegeben, ins Gras gebissen, die ewigen Jagdgründe gesucht oder schlichtweg zu Brei geballert wurden. Natürlich spielte schon “Crank” gerade mit der Unmöglichkeit der Situation und dem Umstand, dass Chev Chelios im Grunde genommen schon in den ersten Minuten von Teil 1 hätte tot sein müssen. Seine Aufräumaktion hatte für die Gegner zuerst was von Kollateralschaden, dann Ungläubigkeit und schließlich unfassbarem Entsetzen. Wider aller Wahrscheinlichkeit schlug sich das zähe Leder zu den Oberbossen hindurch, klemmte sich an einen Heli und zog den Baddie mit ins Verderben, der nicht glauben konnte, was da passierte. Und doch, bei all dem Spott der Stochastik, irgendwo spielte immer ein Hauch des Realistischen mit im Handlungsverlauf; der Gedanke, dass das alles möglich war, so unwahrscheinlich es auch sein mochte, schwang stets mit.

Dem ist nun nicht mehr so. Ein Comic, das ist “Crank 2″ und war “Crank” nicht. Der Realismus-Einwand der blonden Eve, sie habe bei youtube gesehen, dass ein Mann bereits aus Hunderten Metern Höhe gefallen und nicht getötet worden sei, ist bereits eher Medienkritik (derweil übrigens in einem Atemzug weiterhin die “Google Maps”-Technologie verwendet wird) als eine ernsthafte Rechtfertigung für die hanebüchene Ausgangssituation. Spätestens aber, als Chev ein von einer Autobatterie angetriebenes Herzsubstitut eingesetzt wird und später gar ein Kopf durch Schläuche und ein Wasserbad am Leben erhalten wird, so als seien wir bei “Futurama”, mutiert “Crank 2″ zur Science Fiction, die man an dieser Stelle nur herzlich willkommen heißen kann.
Übersteigerungs-Check: die Kurbel dreht sich um 315 Grad

B) Hier ist das Vögelchen – Kamera und Optik

“Crank” war in erster Linie Perspektive. Die Perspektive eines Mannes in einer sehr unwahrscheinlichen Extremsituation nämlich, die so absurd war, dass ihr nur noch mit Sarkasmus begegnet werden konnte. Um Perspektive zu gewinnen, heftete sich die Kamera minutiös an die Fersen der Hauptfigur, und wie sie das machte, war der eigentliche Ertrag von “Crank”. Michael Bay’sche Kamera-Rundumfahrten wurden in Einzelbildfragmente zerhackstückt, der hübsche, flüssige Ablauf ästhetisch verunstaltet. Egoperspektive, Farbfilter-Verfremdungen, das ganze Programm in schwindelerregender Wechselfolge. Die titelgebende Schraube zog an bis zum ultimativen Tunnelblick.

“Crank 2: High Voltage” übernimmt den Stil mitsamt der Echtzeit, variiert ihn um einige interessante Facetten (einmal hüpft Statham aus Vogelperspektive gefilmt mit seiner charakteristischen Glatze immer wieder der Kamera entgegen wie Super Mario auf Pilzen), ohne ihm jedoch einen wirklich neuen Twist zu verpassen. Kein Wunder, reizte “Crank” doch bereits alles aus, was perspektivisch zu holen gewesen ist. Jede Sekunde, in der Chev sich durch bereits bekannte Stilmittel plagt – die Google Map, das klingelnde Telefon mit physikalischem Dopplereffekt, Egoperspektiven, grelle Farbfilter – vergeudet der Film wertvolle Zeit, in der nicht gekurbelt wird.
Übersteigerungs-Check: die Kurbel dreht sich um 15 Grad

Crank 2: High Voltage

Sexy as Hell: Amy Smart!

C) Electric Dragon 80.000V

Erst Gift im Blutkreislauf, jetzt ein künstliches Herz und der permanente Drang nach elektrischer Aufladung – eine Neuerung zweifellos, aber auch eine Steigerung? Kann man so sagen. Zwar rennt Chev immer noch um seinen Verstand wie einst Forrest Gump und ist nach wie vor damit beschäftigt, Stimuli zu finden, diese sorgen aber für noch wahnsinnigere Drehbucheinfälle. Ständig werden “High Voltage”-Warnschilder eingeblendet, deren ironische Wirkung jedes Mal wie ein pulsierendes Ausrufezeichen aufleuchtet. Die Batterieaufladung pendelt methodisch zwischen helleren (das Reiben an fremden Menschen) und tiefschwarzen bis brutalen (Starthilfe per Klemme an Zunge und Bauchnabel), humoristischen Einlagen. In anderer Hinsicht wiederum folgt “Crank 2″ aber lediglich dem banalen “höher, schneller, weiter”-Prinzip eines jeden Sequels, wenn etwa die Sexszene mitten im chinesischen Viertel mit einer noch derberen Sexszene mitten auf der Pferderennbahn vor riesigem Publikum getoppt werden soll.
Übersteigerungs-Check: die Kurbel dreht sich um 120 Grad

D) “Wo ist meine Erdbeertorte”? – Symbole, Metaphern, Bildsprache

Seine eigentlich brillanten Momente besitzt “Crank 2″ aber zweifellos in der Kommunikation mit dem Publikum. Das beginnt bei dem dominanten, nicht mehr so pointierten, aber ultraschnellen Soundtrack. In einer Szene gleich zu Beginn wird eine Melodie gepfiffen, als Chelios sie, beinahe als hätte er sie mit eigenen Ohren gehört, kurz darauf nachpfeift.

Dann der Slang: Weit über das “Homies”-Gesabbel irgendwelcher Mexikaner hinaus nimmt die Ghettosprache wenig subtil erklärende Ausmaße von parodistischer Köstlichkeit an. Chev fragt seinen Gegner (dem er übrigens gerade den Lauf einer in flüssigen Zement getauchten Pumpgun in den Arsch geschoben hat), ob der denn wisse, wo seine Erdbeertorte sei. Wenige Sekunden lässt die Regie dem Zuschauer Zeit, über den nicht Sinn machenden Ausspruch nachzudenken, bis die erste von vielen Texteinblendungen erfolgt: “Erdbeertorte = *Herzsymbol*”. “Crank 2″ hat sein Publikum ab einem gewissen Moment im Griff wie ein Komiker, der sein Publikum längst in kreischende Lachsalven befördert hat und der nicht mehr viel tun muss, um weitere Lachsalven zu provozieren, weil die Leute nicht mehr über die Witze lachen, sondern über sich und das Kreischen selbst.

Nach diesem Prinzip funktioniert der Umgang von “Crank 2″ mit seiner stetigen Entfernung von der Realität durch Symbole und Metaphern, die den Platz des Wirklichen einnehmen und das Geschehen zunehmend surrealer machen. Das führt so weit, dass sich der Film für kurze Momente gar in eine bizarre “Godzilla”-Hommage verliert, ebenso wie in eine Talk Show-Nachstellung inklusive Flashback in die Jugendzeit des guten alten Chev. Zudem wird dem populärsten MacGuffin der Postmoderne, dem Koffer mit dem golden schimmernden Inhalt aus “Pulp Fiction” Tribut gezollt und selbst Jason Stathams “Transporter”-Rolle findet namentlich Erwähnung und führt die Grenzüberschreitung von Fiktion und Wirklichkeit weiter.
Übersteigerungs-Check: die Kurbel dreht sich die vollen 360 Grad.

Zwischenfazit, bevor es mit einem desaströs zugerichteten Chev-Chelios-Supermenschen in den dritten Teil geht:

Unmittelbar vor dem endgültigen Exitus liegt nach den Mechanismen der “Live Fast, Die Young”-Einstellung der absolute Höhepunkt. Wenn noch etwas kommen soll, muss es das Vorherige übertreffen. “Crank 2: High Voltage” ist im Übertreffen des Vorgängers eine zwiespältige Angelegenheit. Seine besten Momente hat die Fortsetzung immer dann, wenn sie sich in Experimenten verliert. Bildflächen mit blinkenden “Fuck you Chev Cheli-Fuckin-os”-Tafeln, seltsame kryogene sprechende Köpfe, brennende Menschen und Gewaltsequenzen von “Ichi the Killer”-Qualität, die dem guten Geschmack ins Gesicht spucken, Texttafeln und comichafte Texturen, hierin weiß der Film zu überraschen, zu erfreuen, zu peinigen.

Problematisch wird es, wenn bedingt durch den Druck der (Echt-)Zeit nicht Besseres gelingt als die “Crank”-Routine zu fahren, indem die Trademarks des Originals einfach übernommen oder allenfalls uninspiriert ausgeweitet werden, zumal plottechnisch diesmal ein greifbarer Gegenspieler auf Augenhöhe fehlt, wie Jose Pablo Cantillo ihn im ersten Teil gab. Angesichts der ungemeinen Unterhaltsamkeit und dem sich schließlich doch durchringenden Gefühl, dass die Kurbel tatsächlich wieder ein Stück weiter angespannt wurde, und sei es nur in Sachen Geschmacklosigkeit, bleibt ein zufriedenes Gefühl zurück. “Crank 3″ müsste dann allerdings in Hinblick auf den körperlichen Verfall Chelios’ gleich mit einem “Robocop”-Remake verknüpft werden, um da noch eins draufzusetzen.

© Sascha Ganser (Vince)


……


Wenn ein Film, dessen markanter Hauptdarsteller am Ende das Zeitliche segnet, erfolgreich läuft, hat man in Hollywood ein Problem. Denn sobald die Kassen ordentlich klingeln, wünschen sich die Studiobosse ebenso lukrative Fortsetzungen. Im besagten Fall stellt das die Drehbuchautoren in der Traumfabrik aber vor eine enorme Herausforderung, denn eine Fortsetzung ohne den markanten Hauptdarsteller kommt für die meisten Major Studios nicht in Frage. Was wäre “Terminator 2” ohne Arnold Schwarzenegger gewesen, was “A better tomorrow 2” ohne Chow Yun-Fat? Oft ist der Erfolg solcher Genre-Filme an den Hauptdarsteller gekoppelt.

Im Falle von James Camerons wegweisendem Sci-Fi-Spektakel war das Wiederauftauchen der totgeglaubten Killermaschine dank der Tatsache, dass Arnies in der Zukunft am Fließband produziert werden, noch kein größeres Problem. Beim inhaltlich schon mit starker Schlagseite wankenden Woo-Sequel griff man auf die altbekannte Zwillingsbruder-Geschichte zurück, um das erneute Auftauchen von Chow Yun Fat zu rechtfertigen.

In der vorliegenden Fortsetzung des 2006er-Adrenalin-Kicks “Crank” schwebten über den Köpfen zahlreicher Filmfans dicke Fragezeichen, als sie von einem geplanten Sequel erfuhren. Bis dahin wurde in Kennerkreisen über ein Prequel gemunkelt, aber eine Fortsetzung machte für niemanden, der das Ende von Teil 1 gesehen hatte, wirklich Sinn, in dem Jason Statham in mehreren hundert Metern Höhe aus einem Hubschrauber fällt und am Boden auf einem Auto aufschlägt und danach nochmal leblos auf den Asphalt geschleudert wird.

An diese Ausgangssituation schließt man in der Fortsetzung nahtlos an. Ein Van kommt angerauscht, ein paar Asiaten ziehen die Leiche des Chev Chelios hinein und rauschen davon. In einer abgefahrenen OP tauscht man das noch immer pumpende Herz gegen eine seltsame Kombination aus Frischhaltefolie und einigen Schlauchanschlüssen aus, die das künstliche Herz darstellen soll, welches die nächsten 96 Minuten Film rechtfertigen wird.

Im Prinzip haben die Drehbuchautoren von “Crank 2” also auf jegliche Überlegungen verzichtet, wie man ein glaubwürdiges Sequel auf die Beine stellen könnte und einfach genauso “crank” weitergemacht, wie sie beim Vorgänger aufgehört haben. So unglaubwürdig die vorliegende Lösung auch ist, einen wirklichen Störfaktor stellt sie nicht dar, denn sobald Jason Statham die Augen öffnet, hat niemand im Kinosaal mehr Zeit zum Nachdenken und der Adrenalinrausch mit epileptischem Schnittgewitter kann in die zweite Runde gehen.

Und zugegeben, das ganze fängt auch durchaus unterhaltsam an. Chev ist mächtig angepisst angesichts seiner neuen, künstlichen Pumpe, die ihn an einen globigen, hässlichen Akkupack an seinem Gürtel fesselt. Er will sein altes Herz zurück und mischt erstmal die Hinterhofklinik inklusive Umland mächtig auf. Wachen werden – wenn sie Glück haben – blutigst über den Haufen geschossen und im Worst Case gibt’s wortwörtlich eine Schrotflinte in den Allerwertesten. Schon die ersten detailliert und rasend schnell bebilderten Filmminuten reichen anderen Genre-Werken als ganzer Showdown. Recht enthusiastisch gestimmt verfolgt man das weitere Treiben der Dampfwalze Jason Statham, die, durch Einsatz von Google Earth immer wieder geografisch hübsch nachgezeichnet, rücksichts- und schmerzlos in den Ghettos von Los Angeles wütet und nach der gewaltgetränkten Einleitung erstmal einen illegalen Puff aufmischt. Herum fliegende Gliedmaßen, Blutfontänen und mehrfach wiederholte Attacken auf das männliche Geschlechtsteil untermauern die Intention der comic-haften Übertreibung des scheinbar unaufhaltsamen, aber dennoch enorm unterhaltsamen Gewalt-Orkans.

Crank 2: High Voltage

Ein Film wie ein Stromstoß… sozusagen…

Doch die Wende erblickt das Licht der Kinoleinwand nun mit zwei knöchel-dünnen Beinen: Bai Ling stößt als anhängliche, ständig in unverständlich-vulgären Wortfetzen artikulierende Chaos-Nutte zu Chev hinzu und leitet die Talfahrt der Action-Orgie auf Crack ein. In dem Moment, wo der Film das Ruder nicht mehr dem physikalisch wie immer enorm einschüchternden Jason Statham allein überlässt, setzt eine unaufhaltsame Kettenreaktion ein, die ihre Wirkung durch jeden weiteren hinzukommenden Filmcharakter exponentiell verstärkt. Denn Bai Ling wird nicht der einzige Sidekick des Films bleiben. Amy Smart’s Figur Eve erinnert mit neuem nuttigen Look nur bedingt an ihre herrlich naive Performance des Vorgängers, schafft es aber zumindest nicht weiter negativ aufzufallen. Efren Ramirez spielt diesmal Venus, den Zwillingsbruder des im ersten Teil verstorbenen Kaylo und ist einer der weiteren Gründe für die zunehmende Zerstörung des so gelungen gestarteten Franchises. Denn in den Momenten, in denen der Film auf Stathams Leinwandpräsenz verzichtet und Nebensträngen von besagten Charakteren Screentime schenkt, funktioniert er nicht mal ansatzweise. Denn weder Efren Ramirez als ständig Headbanging-like herumzuckender Schwuler noch Bai Ling als überdrehte, ständig “Muschi” schreiende Prostituierte sind in irgendeiner Form lustig oder amüsant. Als kurzer Sidekick-Einsatz gehen derartig chaotische Nebencharaktere in Ordnung, als Figuren, die man ohne den herum wütenden Stier Statham ausbauen will, aber eben nicht.

So verliert der Chaos-Trip zunehmend an Fahrt, denn die Nebeneinsätze bremsen den Streifen nicht nur gehörig aus, sondern sorgen auch für zunehmendes Desinteresse. Chev Chelios ist zwar immer noch auf der Suche nach seinem echten Herz, aber jegliche Spannung geht dem Film ironischerweise mit zunehmender Laufzeit ab. Denn das Elektroherz bietet im Vergleich zur Adrenalin-Suche im ersten Teil eher wenig Spielraum für kreative Aufladung und die wird des öfteren so lang breit getreten, bis jegliche Unterhaltung in Langeweile umschlägt. Auch die obligatorische Sex-Szene vor Publikum ist wieder mit von der Partie und ein gutes Beispiel für die Überstrapazierung der Comedy-Sequenzen des Streifens. Nach fast drei Minuten und dem x-ten Stellungswechsel ist die Luft aus der eigentlich politisch herrlich inkorrekten Idee heraus und man wartet darauf, dass Chev endlich den biologischen Abzug betätigt und weiter hetzt….aber sie pimpern…und pimpern….und pimpern….ohne dass es für die männlichen Zuschauer einmal etwas wirklich Spektakuläres zu sehen gäbe.

Die weiblichen Zuschauer hingegen haben in diesem Film gar nichts zu suchen, denn ihr Geschlecht wird dermaßen auf eine Sache herunter reduziert, dass Nicht-Komiker Mario Barth wie ein militanter Frauenrechtler erscheint. Zumindest hat man ein Herz für die Porno-Industrie und integriert eine prominent besetzte Pornodarsteller-Demonstration für bessere Löhne in die lahmende Verfolgungsjagd und schafft somit einen weiteren Bremsblock, der viel zu viel Screentime erhält.

Gleiches gilt für die durchaus gut gedachte Talk-Show-Sequenz und das Godzilla-Pre-Finale. Die Ideenvielfalt des Regie-Duos Mark Neveldine und Brian Taylor ist überwältigend, aber wo sie an anderer Stelle die Schere im gefühlten Nanosekunden-Rhythmus ansetzen, schaffen sie es in skurrilen Einzelsequenzen nicht, das für den Filmfluss wichtige Ende solcher Einschübe zu finden und sorgen so für eine unschöne Start-Stopp-Situation, die einer Fahranfängerin beim Anfahren am Berg ähnelt. Wenn Jason Statham wütet, rockt der Film über alle Maßen, wird im nächsten Moment aber derart abrupt und unnatürlich herunter gebremst, dass ein Großteil des Spaßes, der den Vorgänger so großartig gemacht hat, hier vollkommen verloren geht.

Daran ändert auch der Showdown nichts, der es für meinen Geschmack mit der wohl abgedrehtesten “Frankenstein”-Hommage aller Zeiten dann doch einen Tick zu weit treibt, denn entgegen der atemlosen Einleitung hat sich das Filmtempo mittlerweile auf ein Niveau herunter geholpert, bei dem dem Zuschauer genügend Zeit zum Hinterfragen bleibt und das ist bei der vorliegenden Sorte Film tödlich. Der Showdown ist routiniert und gewohnt blutig inszeniert, lässt aber im Endeffekt vollkommen kalt, denn die Figur Chev Chelios ist nicht mehr von dieser Welt….er kommt genauso ohne sein altes Herz klar, wenn er nur eine halbwegs vernünftige Batterie parat hat. Warum da genau gekämpft und gemetzelt wird, hat am Ende des Films fast seine Bedeutung verloren. Die Action und die damit einhergehende Gewalt verkommen zum kompletten Selbstzweck und gipfeln in einer enttäuschenden, aber durchaus zum Franchise passenden Schlusseinstellung, die die Unlust auf eine weitere Fortsetzung erheblich steigert und einem zusätzlich den sehr vereinzelten Spaß in den vorangegangenen 90 Filmminuten noch weiter versalzt.

Was die audiovisuelle Inszenierung angeht, bleiben Neveldine und Taylor den aus dem Vorgänger bekannten Mustern treu und würzen den stotternden Adrenalin-Rausch mit Reißschwenks, hektischen Zooms, Fast Motion, Slow Motion, Techno-Geholze und, nicht zu vergessen, Google Earth. Der Gewalt-Level wurde – wie mehrfach erwähnt – durchaus aufgestockt, besonders die Ellenbogen- und Brustwarzen-Szene stechen hier heraus, allerdings nicht positiv, denn in diesen wird “Crank 2” zum sinnlosen Torture-Porn. Einen wirklichen Grund für die Gore-Spitzen gibt es nicht, sie verkommen zum reinen Selbstzweck und bremsen den Film daher nur noch weiter aus.

Zusammengefasst hätten sich die “Crank 2: High Voltage”-Regisseure, die auch gleichzeitig für das Drehbuch verantwortlich waren, vielleicht doch etwas intensiver mit der effektiven Wiederbelebung von tot geglaubten Film-Charakteren beschäftigen sollen, denn “Crank 2” ist alles, aber nicht effektiv. Dabei sind die Einzel-Zutaten durchaus in Ordnung und der Ideen-Pool der beiden Newcomer genial absurd und vollkommen abgefahren. Bei der Zubereitung des neuen Cocktails ist ihnen aber definitiv das Endprodukt gehörig entglitten, denn die Fortsetzung hat außer dem Cast und der überzogenen Kompromisslosigkeit nicht mehr viel mit “Crank” gemeinsam. Der Witz bleibt viel zu oft auf der Strecke, das Tempo hakt mit dem Einführen von neuen Figuren an allen Ecken und Enden und wird durch besagten, im Prinzip außer Kontrolle geratenen Ideenreichtum noch zusätzlich ausgebremst. Jeglicher Spaß geht trotz der viel versprechenden Ausgangssituation verloren. Chev Chelios ist in diesem Film ganz offensichtlich nicht mehr Teil von dieser Welt, denn die Regisseure haben den Fokus auf ihren immer noch permanent nach vorne wuchtenden, charismatischen Hauptdarsteller verloren und sind bei “Crank 2” leider nicht mehr in der Lage, den gleichen chaotischen, aber doch spannend-unterhaltsamen Mix zu kreieren, der ihnen mit dem Vorgänger gelungen ist. Zu überfrachtet, zu schlecht, zu unausballanciert…ein klarer Fall fürs “Crank”enhaus. Gute Besserung, Chev Chellios!

© Hannibal

Die deutsche DVD/Blu-ray von „Crank 2: High Voltage“ erschien von Universum Film und ist nur mit einer SPIO/JK Freigabe ungeschnitten!

Noch mehr Kritiken und die Diskussion zum Film:
Crank 2 bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Universum Film__Freigabe: SPIO/JK__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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