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Dance to Death

Originaltitel: Tantsy nasmert__Herstellungsland: Russland__Erscheinungsjahr: 2017__Regie: Andrey Volgin__Darsteller: Deni Alasaniya, Agnia Ditkovskite, Nikita Dyuvbanov, Lukerya Ilyashenko, Karina Ivanova, Ola Keyru, Anvar Khalilulaev, Viktor Khorkin, Ulyana Kulikova u.a.
Dance to Death Deutsches DVD Cover

Erst wird eine finstere Zukunftswelt entworfen, dann wird getanzt: “Dance to Death”.

Der russische Streifen „Dance to Death“ beginnt so wuchtig, wie ein Film nur beginnen kann. Er erzählt uns eine Mär von der Erde, die sich irgendwann gegen die wie tollwütig wütende Menschheit wehrte und im Chaos versank. Dargereicht wird die daraus resultierende Zukunft mit einem feinem Shootout, hübschen Special Effects von zu Staub zerfallenden Menschen und flotter Parkour-Action. Der Soundtrack peitscht die bildgewaltige Optik voran, die eine mit viel Liebe zum verfallenen Detail protzende Ausstattung zelebriert und so glaubwürdig eine zerstörte Welt in Szene setzt.

Wir erfahren von Filtern, die die Menschheit atmen lassen, von einem religiös verblendeten System, in dem die Überlebenden leben, und von urplötzlich eintretenden Naturereignissen, bei denen Teilchen freigesetzt werden, die Menschen innerhalb von Sekunden in ihre Einzelteile zersetzen. Und wir bekommen ein angenehm sympathisches Gesicht als Zentrum der Story vorgesetzt. „Dance to Death“ wird doch wohl nicht alles wegrocken, was man so an Dystopien kennt? Nein, denn nach furiosen 15 Minuten verfällt der Film leider ziemlich ins Trashige.

Denn dann beginnt er seine eigentliche Story zu erzählen und die ist doch eine reichlich seltsame Mixtur aus Tanz-Battle-Filmen wie „Step Up“ und dystopischen Märchen wie „Die Tribute von Panem“. In selbiger wird Kostja, der Held der Chose, gemeinsam mit sechs anderen Jugendlichen dazu verdonnert, an einem Ritual teilzunehmen, mit dem die Menschen die Erde besänftigen wollen. Dazu treten sie in immer neuen Konstellationen gegeneinander an und duellieren sich. Tanzend…

„Dance to Death“ Trailer – Schaut in den seltsamen Mix aus Tanzfilm und Dystopie rein:

Es ist ein seltsamer Moment, wenn in der bis dahin bierernst erzählten Dystopie „Dance to Death“ auf einmal losgetanzt wird. Zwar sind die Tänze optisch furios in Szene gesetzt und mit wahrhaft brutal nach vorne peitschenden Sounds unterlegt. Ernst nehmen kann man die ganze Prämisse aber zu keiner Zeit. Zumal man auch nicht wirklich versteht, wie die Tanzduelle beziehungsweise deren Modus Operandi funktionieren. Es wäre beispielsweise echt toll zu wissen, warum die Jugendlichen an bestimmten Stellen Lebensenergie verlieren, zumal ihre Gegner kaum spektakulärere Moves oder dergleichen vollziehen.

Dance to Death Helden

Die Duellanten…

Alles wirkt total willkürlich und wenig nachvollziehbar. Was es freilich vollkommen unmöglich macht, irgendwie in den Duellen mitzufiebern. Dazu kommt, dass abseits des Gehüpfes weiterhin mit allem Ernst weiter erzählt wird. Es geht um Verrat, um Betrügereien, Schiebereien, große Politik. Immer wieder glaubt man infolgedessen, der Film finde vielleicht zurück zu dem starken Einstieg, doch meist wird direkt im Anschluss wieder getanzt. Ohne Regeln. Optisch aber fraglos geil.

In Richtung Showdown wird „Dance to Death“ dann vollkommen redundant. Kostja will immer wieder fliehen. Dabei wird er mal verraten oder stellt sich einfach den Verfolgern. Dann wird der nächste Ausbruch geplant. Anfangs eingerührte Animositäten mit anderen Tänzern verlaufen vollkommen im Nichts. Und dann rollt schon der Showdown. Würden nicht einige Nebendarsteller immer mal rumgeheimnissen, was da gerade auf der Leinwand passiert, man würde vermutlich gar nichts mehr checken. Es folgt ein offen gemeintes Ende und schon fliegt man doch recht enttäuscht aus dem Film.

Dance to Death Zukunftsbild

Die zerstörte Welt von “Dance to Death”.

Denn der hatte das Potential für viel mehr! Optik, Ausstattung, Soundtrack, alles vom Feinsten! „Dance to Death“ sieht richtig wertig aus, wirkt in seiner Darstellung einer dystopischen Welt durchdacht und atmosphärisch schlüssig und hat auch ein paar echt hübsche Ideen, die von durchaus sympathischen Darstellern gut transportiert werden. Die russische Filmindustrie zeigt hier mal wieder beeindruckend, was sie zu leisten im Stande ist. Doch dann wird all das konterkariert von diesem seltsamen Getanze. Das nicht einmal toll choreographiert ist. Ganz im Gegenteil. So mancher Sommerhit hat ausgefeiltere Tanzchoreographien als „Dance to Death“. Mit dem Gehoppse per se könnte man sogar noch gut leben, weil ebenjenes optisch richtig fett in Szene gesetzt ist, aber da das Drumherum einfach nur Rätsel aufgibt, wirkt es wie ein echter Fremdkörper im Film – soll aber eigentlich dessen Zentrum darstellen. Hier wäre man definitiv besser beraten gewesen, der ernsten Herangehensweise an den sonstigen Film eine ebenso geerdete und vor allem direktere Form der Konfrontation entgegenzustellen. Und wenn es eine Art Spiel im „Jugger“-Stil gewesen wäre. An den fühlt man sich nämlich auch häufiger mal erinnert. Alles wäre besser gewesen als das jegliche Atmosphäre abtötende Getanze.

5 von 10

Die deutsche DVD/Blu-ray zum Film erschien am 1. September 2017 von Capelight Pictures und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten. Dabei gibt schon die hohe Freigabe vor, in welche Richtung der Film eigentlich geht.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Capelight Pictures__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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