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Das Blut der Priester

Originaltitel: The Reverend__Herstellungsland: Großbritannien__Erscheinungsjahr: 2011__Regie: Neil Jones__Darsteller: Rutger Hauer, Tamer Hassan, Doug Bradley, Simon Phillips, Emily Booth, Shane Richie, Dominic Burns, Edmund Kingsley, Giovanni Lombardo Radice, Mads Koudal u.a.
Das Blut der Priester

Rutger Hauer als Teufel in “Das Blut der Priester”

Ein junger Reverend tritt in einer kleinen Gemeinde seinen neuen Job an. Der junge Mann hofft, sich schnell integrieren zu können und ist überzeugt, mit seiner ersten flammenden Rede sein gläubiges Publikum überzeugt zu haben. Relativ zufrieden, will er seine kleine Kirche dicht machen, als es plötzlich klopft und eine junge, verstört wirkende Frau vor ihm steht. Er bittet sie herein und versucht, ihren kryptischen Worten zu folgen. Da wirft sie sich ihm an den Hals und beisst beherzt hinein. Der überrumpelte Reverend greift sich ein Holzkreuz und sticht es der jungen Frau in die Brust, die daraufhin plötzlich in Flammen steht und spurlos verschwindet.

Als der Reverend Tage später in seiner neuen Wohnung erwacht, ist die Wunde verschwunden und er glaubt schon an eine Art Traum. Doch da ist dieser seltsame Durst nach Blut, der ihn plötzlich zu beherrschen scheint und dem er irgendwann nachgibt. Erst tötet er einen Schäferhund, später einen Zuhälter und kurz darauf einen Schlägertypen, der des Reverends neue Freundin, eine Prostituierte, verwackelt hat. “Nur die fiesen Typen!”, so nimmt es sich der Reverend vor, als er für sich selbst akzeptiert hat, ein Vampir geworden zu sein. Und in der kleinen Stadt warten erstaunlich viele fiese Typen auf eine Spezialbehandlung durch den Reverend. Ein besonderes Auge hat er dabei auf den inoffiziellen Herrscher der Stadt geworfen: Einen miesen Grundbesitzer namens Harold Hicks, der in finsterste Machenschaften verstrickt zu sein scheint.

Das Blut der Priester

Sie beißt einmal herzhaft in den Reverend…

“The Reverend” bzw. „Das Blut der Priester“ basiert auf der Graphic Novel „The Reverend“ und beginnt wie seine Vorlage mit einem Gespräch zwischen Gott und dem Teufel. Der Teufel meldet dabei das dringende Bedürfnis an, einen angeblich absolut gottesfürchtigen Menschen verführen zu wollen. Gott gewährt ihm diese Bitte und erlaubt ihm, einen besonders reinen Reverend zu prüfen. Dieser sieht sich bald selbst als Hiob, der trotz zahlloser Prüfungen durch Gott niemals den Glauben in ihn verlor. Der kleine, aber feine Unterschied: Nicht Gott prüft ihn, sondern der Teufel und der macht den Reverend mal eben zum Vampir. Doch dieser hadert niemals mit seinem Schicksal und fügt sich viel zu flott in seine neue „Rolle“. Zumindest redet er sich beständig ein, Gutes zu tun. Immerhin richtet er ja nur Verbrecher und mieses Gesocks!

Ein Kirchlicher, der als Vampir diverse Lumpen killt. Das ist doch mal ein netter Ansatz. Leider klingt das ganze Handlungskonstrukt deutlich interessanter, als es letztlich ausfällt. Das größte Problem ist, dass „Das Blut der Priester“ durchweg ohne echte Höhepunkte auskommen muss. Die Handlung plätschert vor sich hin. Die Figuren sind rundweg uninteressant. Außer derbstem Gefluche haben sie auch nichts Intelligentes zu sagen. Zudem nimmt sich die Chose viel zu ernst! So stolpert der Reverend in teils abstrus mies konstruierte Situationen hinein und der Film denkt gar nicht daran, diese durch etwas Ironie oder Humor wieder zu erden. Leider spielen im weiteren Film die höheren Mächte auch keine Rolle mehr. Gerade von einem Duell um den Reverend zwischen Gott und Teufel hätte der Film definitiv noch etwas zehren können. Stattdessen outet sich die Kirche als Club verkappter Unrechtsbekämpfer, die einen Typen wie den Reverend einfach von Stadt zu Stadt schicken würden, um dort „Gutes“ zu tun. Dieser Zynismus ist im Grunde das einzig erfrischende Element an „Das Blut der Priester“.

Das Blut der Priester

…der daraufhin zum Vampir wird und…

Ganz ordentlich ist die Besetzung. Stuart Brennan macht als Reverend einen guten Job. Er könnte sicherlich viel mehr reißen, doch dann hätte man seine Figur auch grundsätzlich interessanter gestalten müssen. Man hätte ihm mehr Szenen mit der Hure mit Herz (Emily Booth) gewünscht, da die Chemie zwischen den beiden Figuren definitiv stimmt. Auch wird das Verführungspotential der Prostituierten nur unzureichend ausgespielt. Den Fiesling vom Dienst gibt Tamer Hassan („Kick-Ass“) und flucht sich ordentlich einen zurecht. Allgemein wird in dem Film unfassbar viel geflucht, vermutlich will man den Reverend so auch prüfen und ihn zu einem Shitstorm verleiten. Egal. Als Verführer Numero Uno, sprich als Teufel, hat Rutger Hauer („Die Jugger“) einen kurzen, unaufgeregten, aber durchaus netten Auftritt abbekommen. Mehr als drei Minuten Screentime sind dabei aber nicht für ihn abgefallen. Was freilich sehr schade ist. Auf der Gegenseite, der göttlichen, agiert im Übrigen unter anderen „Hellraiser“ Ikone Doug Bradley („Wrong Turn 5“), dessen Auftritte aber ähnlich kurz ausfallen wie jener von Rutger Hauer.

Das Blut der Priester

…in seiner kleinen, verkommenen Gemeinde aufräumt.

Handwerklich ist der Film ähnlich unspektakulär geraten, wie seine ganze Geschichte. Die Bilder sind allenthalben ok und unaufgeregt. Zumindest die trostlose Atmosphäre des Städtchens, in dem der Reverend wirkt, kommt ganz gut rüber. Optisches Highlight ist im Grunde der Vorspann, der einige tiefe Einblicke in die zugrundeliegende Graphic Novel erlaubt und damit einige der nachfolgenden Minuten bereits vorwegnimmt. Die Schnittfrequenz ist derweil genauso gemütlich wie der ganze Film und die Musik ist vollkommen belanglose Hintergrunduntermalung. Zumindest sind die Bluteffekte sehr herzhaft geraten. Wenn hier zugebissen wird, fließt das Blut in Strömen. Gegen Ende, wenn der Reverend mit dem Grundbesitzer abrechnet und dessen Schergen killt, kommen auch ein paar platzende Bloodpacks hinzu. Und auch die Feuereffekte, die das Ableben jedes Opfers des Reverends begleiten, sind sauber umgesetzt.

Und das trifft eben auf den gesamten Film zu. Er ist eigentlich ganz potent in Szene gesetzt, aber er plätschert einfach ziellos, unpointiert und höhepunktlos dahin und will einfach keinen richtigen Rhythmus finden. Weder will man das Hadern des Reverends in den Mittelpunkt stellen noch dessen Verwandlung oder seinen Kampf gegen das Verbrechen. Auch die Beziehung zur Hure mit Herz, die obendrein einen Gothic-Filmclub leitet (wer kommt auf sowas?), will man nicht fokussieren. Und am Ende scheint auch die grundsätzliche Idee der Prüfung des Glaubens eines Menschen keine Rolle mehr zu spielen. Blöderweise ist die stattdessen abgefeierte zynische Schlusspointe das eigentlich Beste am Film. Schade drum, auch und vor allem hinsichtlich des Potentiales, das man mit Genre-Ikonen wie Rutger Hauer und Doug Bradley vor Ort hatte.

Die deutsche DVD / Blu-ray kommt am 9. Januar 2014 von Sunfilm und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Tiberius Film/Sunfilm__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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