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Death Wish 2 – Der Mann ohne Gnade

Originaltitel: Death Wish II__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1982__Regie: Michael Winner__Darsteller: Charles Bronson, Jill Ireland, Vincent Gardenia, J.D. Cannon, Anthony Franciosa, Ben Frank, Robin Sherwood, Silvana Gallardo, Robert F. Lyons u.a.
Death Wish 2 - Der Mann ohne Gnade Blu-ray Cover

Charles Bronson sieht rot in “Death Wish 2”.

Der umstrittene und vieldiskutierte „Death Wish“ aka „Ein Mann sieht rot“ hatte Charles Bronson im Jahr 1974 den lange ersehnten Durchbruch in Amerika gebracht. Fortan konnte er sich aussuchen, welche Rollen er für welche Produzenten spielen wollte. 1982 gingen Menahem Golan und Yoram Globus von Cannon Films auf ihn zu und boten ihm an, ihn zu einem Exklusivstar des Studios machen zu wollen.

Bronson unterschrieb, hatte aber keine große Lust, in seiner bis dato zwiespältigsten Rolle auf die Leinwand zurückzukehren. Nachdem Globus/Golan ihn mit viel Kohle zu seinem ersten Sequel „überredet“ hatten, wurde „Death Wish 2“ zugleich die erste gemeinsame Zusammenarbeit.

Als Regisseur konnte erneut Michael Winner gewonnen werden, der schon „Ein Mann sieht rot“ in Szene gesetzt hatte. Der überarbeitete das vorliegende Drehbuch kräftig. Dabei kippte er alles in den Lokus, was den ersten Teil zumindest eine gewisse Ambivalenz in Sachen Selbstjustiz beschert hatte und drehte den Stoff komplett in Richtung grelles Gewaltspektakel. Ganz im Sinne von Cannon Films.

Architekt Paul Kersey hat nach den blutigen Ereignissen in New York der Stadt den Rücken gekehrt und ist gen Los Angeles gezogen. Hier arbeitet er wieder als Architekt und findet in Geri eine neue große Liebe. Eines Tages besucht er mit Geri und seiner aufgrund einer Vergewaltigung traumatisierten Tochter Carol einen Freizeitpark. Hier wird ihm sein Geldbeutel gestohlen. Paul verfolgt einen der Diebe und kann ihn stellen. Dabei demütigt er den Kerl, lässt ihn aber ungeschoren davonkommen.

Ein Fehler, denn aufgrund der Papiere in dem Geldbeutel tauchen der Gedemütigte und seine fiesen Freunde bei Kersey auf. Sie vergewaltigen und töten Pauls neue Haushaltshilfe aufs Bestialischste. Als Paul und Carol nichtsahnend den Ort des Geschehens erreichen, wird Paul niedergeschlagen und Carol entführt. Im Unterschlupf der Lumpen wird Carol erneut vergewaltigt, woraufhin sie den Freitod wählt.

Als Paul Kersey vom Tod seiner Tochter erfährt, schaltet er sofort in den Rache-Modus. Im Gegensatz zu den Ereignissen in New York weiß er diesmal aber ganz genau, wen er richten muss.

Schaut in den Actionthriller mit Charles Bronson hinein

„Death Wish 2“ ist ein durch und durch grober Gewaltcomic, der mehr als einmal die Grenze des guten Geschmacks überschreitet. Insbesondere die gefühlt zahllosen, lang und breit ausgekosteten Vergewaltigungen verkommen zum reinen, abscheulichen Selbstzweck, um einerseits exploitativ ausgeschlachtet zu werden und andererseits den Zuschauer ganz platt zu manipulieren. Denn die zu Karikaturen von Menschen verzerrten, in gruseligsten 80s-Klamotten steckenden Vergewaltiger haben ja eigentlich nichts anderes verdient, als eine liebevolle Bronson’sche Vergeltungsbehandlung.

Psychologisch hinterfragt wird hier gar nichts. Die Fieswichte in „Death Wish 2“ haben keinerlei Motive für ihr Tun und sie machen im Filmverlauf auch keinerlei Wandlung durch. Einer mutiert ganz im Gegenteil sogar noch zu einer Art alles umhauenden „Übermensch“ – natürlich angetrieben durch Drogen. Derweil wird unverhohlen und vollkommen übertrieben die Selbstjustiz als Mittel der Wahl abgefeiert – und kein Stück hinterfragt.

Bei all diesen „Vorzügen“ kommt die deutlich aufgebohrte Brutalität des Filmes kaum nach. Interessanterweise darf Kersey seinen Bodycount im Vergleich zum Vorläufer nur um ein Opfer erhöhen – im dritten Teil dann dreht auch der Killcount frei. Allerdings werden Kerseys Opfer in „Death Wish 2“ deutlich blutiger aus dem Leben gerissen als im Vorgänger. Kopf- und Körpertreffer dürfen dementsprechend gewaltig suppen und so manch zynischer Spruch untermalt Kerseys blutiges Treiben.

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Inhaltlich ist „Death Wish 2“ ein unverhohlenes Remake des ersten Teils – mit nur kleinen Unterschieden. Interessant sind nur zwei Aspekte: Zum einen, wie Paul Kersey diesmal in die Welt seiner Opfer eintaucht und sein Doppelleben als Architekt und Rächer sozusagen noch exzessiver und für ihn gefährlicher auslebt. Zum anderen taucht ein aus „Death Wish“ bekannter Cop aus New York auf und verfolgt Kersey in Los Angeles. Was im Film durchaus für zusätzliche Spannung sorgt.

Der Rest der Handlung besteht aus dem aus Teil 1 bekannten Abräumen. Wurde in „Death Wish“ noch hauptsächlich darüber gestritten, ob Selbstjustiz okay ist, wird in Teil 2 über Kerseys Freundin Geri gefragt, ob Verbrecher rehabilitiert werden können. Kerseys Antwort darauf fällt sehr eindeutig aus.

Darstellerisch ist Charles Bronson („Death Wish 4“) hier vollkommen in seinem Duktus drin, bar jeden Minenspiels durch den Film zu treiben und einen dennoch irgendwie in den Streifen zu ziehen. Nur seine Reaktion auf den Tod seiner Tochter ist so emotionslos geraten, dass man sich schwer tut, Carols Ableben als Handlungsauslöser für Kersey zu begreifen. Jill Ireland („Nevada Pass“) darf hier an der Seite ihres Ehemannes den Love Interest von Kersey geben und bleibt wie gewohnt ein bisschen arg blass und steif. Bronson verlangte im Übrigen von den Produzenten, dass seine Ehefrau in keinster Weise irgendwie Opfer von Gewalt werden dürfe. Sie bleibt damit als so ziemlich einzige Frau im Cast verschont.

Die Darsteller der Bösewichter overacten sich derweil um Kopf und Kragen. Wie es heißt, waren sie allesamt sehr frei in der Anlage ihrer Rolle und der Gestaltung ihrer Kostüme. Und das nutzten sie durchgehend reichlich aus. Wie in Teil eins mit Jeff Goldblum gibt es auch im zweiten Teil einen prominenten Darsteller unter den Vergewaltigern: Ein blutjunger Laurence Fishburne („Standoff“).

In optischer Hinsicht wird solide Kost geboten. Im Sinne der Cannon-Studios ist der Film sehr knallig in seiner Farbgebung und zelebriert die 80er und ihren schlechten Geschmack bis zum Erbrechen. Interessant ist, dass der ursprüngliche gedachte Kameramann Thomas Del Ruth mitten in den Dreharbeiten hinschmiss und durch Richard H. Kline ersetzt wurde. Del Ruth hatte schlichtweg die Nase voll von den widerwärtigen Vergewaltigungsszenen.

Die Musik zum Film zerrt in einigen Momenten gewaltig an den Nerven, stammt von Led Zeppelins Jimmy Page und erhielt eine Nominierung für die Goldene Himbeere als schlechteste Filmmusik. Das sagt hier tatsächlich eine Menge aus.

„Death Wish 2“ könnte fragwürdiger kaum sein

Bei Produktionskosten von zwei Millionen Dollar spielte der Film 16 Millionen US-Dollar ein. Viel wichtiger: Der Film explodierte förmlich in den Videotheken. Ein dritter Teil war so schnell beschlossene Sache. Dieser geriet ebenfalls zu einer ziemlich unreflektierten Gewaltorgie, gab sich aber bei weitem nicht mehr so misogyn und menschenfeindlich wie „Death Wish 2“ und steht eher im Geiste der Schießbuden-Actioner der Cannon-Studios.

Die frauenfeindlichen und extrem zynischen Aspekte von „Death Wish 2“ machen es reichlich schwer, ihn vernünftig zu bewerten. Denn blendet man die bedenklichen Momente des Filmes aus, wegen denen der Film bis heute indiziert ist, dann hat man einen sehr düsteren, in seiner Atmosphäre drückenden Actionthriller, der durchweg auch nett Spannung aufzubieten hat und technisch tadellos daherkommt. Allerdings gehören die zahllosen sexuellen Gewaltakte auch zum Film und diese werden so selbstzweckhaft eingesetzt, dass einfach ein Geschmäckle bleiben muss.

5 von 10

Der Film lief ungekürzt in den deutschen Kinos. Auch auf VHS erschien er ungeschnitten und das sogar in der Unrated-Fassung. Die erste Veröffentlichung auf DVD erfolgte durch MGM, enthielt aber nur die R-Rated-Fassung. Nachdem NSM die Recht von MGM erworben hatte, bemühte sich das Label um die Veröffentlichung der Unrated-Fassung. Diese gibt es in Mediabook- und Amaray-Form, als DVD und Blu-ray mit einer harten SPIO/JK Einstufung (ist dementsprechend strafrechtlich unbedenklich).

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: NSM__Freigabe: SPIO/JK__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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