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Der Tanz des Drachen

Originaltitel: The Last Dragon__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1985__Regie: Michael Schultz__Darsteller: Taimak, Vanity, Christopher Murney, Julius Carry, Faith Prince, Leo O’Brien, Mike Starr, Jim Moody, Glen Eaton, Ernie Reyes Jr., Roger Campbell, Esther Marrow, Ernie Reyes Sr., William H. Macy, Chazz Palminteri u.a.
Der Tanz des Drachen

Irrer Mix aus Blaxploitation, Eastern-Hommage und Eighties-Styling: „Der Tanz des Drachen“

Es gibt Filme, die eigentlich nur in den 1980ern möglich waren, darunter diesen Versuch Blaxploitation-Motive mit dem verstärkten Kampfsporthype in den USA zu verbinden, der mit Filmen wie „Karate Kid“, „Revenge of the Ninja“ und „American Fighter“ zum Veröffentlichungszeitpunkt von „The Last Dragon“ gerade Erfolge feierte.

„The Last Dragon“ ist aber im Geiste eher den klassischen Kung-Fu-Filmen der 1970er im Allgemeinen und dem der Bruce-Lee-Erfolge im Besonderen verhaftet. Deshalb lebt Protagonist Leroy Green (Taimak) zwar im Harlem der Gegenwart, trägt aber ein klassisch-chinesisches Outfit (inklusive Strohhut und traditioneller Klamotten) und besucht, um die Verbundenheit zu verdeutlichen, ein Kino auf, in dem gerade vom Publikum „Enter the Dragon“ abgefeiert wird. Selbst der antijapanische Gestus des Genres, in Bruce Lees „Fist of Fury“ besonders deutlich ausgestellt, wird übertragen, wenn Sho’nuff (Julius Carry), der selbsternannte Shogun von Harlem, mit seiner Posse im Kino aufkreuzt und Stunk macht: Er verpasst sich nicht nur einen japanischen Adelstitel, sondern er und seine Anhänger tragen auch überall Japan-Flaggen.

Doch Leroy, manchmal auch wenig subtil Bruce Leroy genannt, geht dem Kampf aus dem Weg, den der Krawallmacher sucht. Wie im Blaxploitationfilm gibt es aber nicht nur schurkische Gangster in der Community, sondern auch weiße Kapitalistenärsche, die mal einen Tritt in den selbigen Brauch. Hier ist es der Produzent Eddie Arkadian (Christopher Murney), der seine untalentierte Freundin Angela Viracco (Faith Prince) zum Musikstar aufbauen will, obwohl diese nicht singen kann. Angela ist in Sachen Styling und Stimmhöhe als Parodie auf Cindy Lauper angelegt, ihre Musikvideos irgendwo zwischen Hommage an und Parodie auf das angebrochene MTV-Zeitalter angelegt.

Zur Erfüllung seines Plans will Eddie die angesagte VJane und Moderatorin Laura Charles (Vanity) dazu zwingen Angelas Video in ihrer Show zu spielen – notfalls auch mit Gewalt. Doch der zufällig vorbeikommende Leroy verhindert einen Angriff, womit er einen Widersacher mehr hat…

Der Tanz des Drachen

‘Bruce’ Leroy Green (Taimak) hilft Moderatorin Laura Charles (Vanity)

„The Last Dragon“ ist eine Wundertüte der 1980er, grell, bunt und extrem überzuckert, dass einem manchmal etwas schlecht zu werden droht. Doch der Neon-Exzess und der Größenwahn zeichnen diesen Film auch aus, sowohl Genrehommage an die 1970er als auch Zeitgeistfilm der Eighties ist: So ist Lauras Show das Achtzigerjahre-Äquivalent zu „Soul Train“, bei dem Videos gespielt und Tanzwettbewerbe veranstaltet werden, es gibt Musikeinlagen im Stile des Blaxploitationfilms, die aber hier mit plüschiger Popmusik der Achtziger anstelle mit Soul und Funk ausgefüllt werden – vom grellen Eighties-Styling ganz zu schweigen, das der Film aber oft köstlich auf die Spitze treibt. Alles ist knallbunt, selbst das Piranha-Aquarium mit seinem giftgrünen Wasser und den nie gesehenen Raubfischen in der Arkadians Butze ist eher ein Farbtupfer als ein bedrohliches Requisit.

Doch trotz aller Blaxploitation-Anspielungen ist „The Last Dragon“ eine Hommage an den klassischen Kung-Fu-Film, allerdings ähnlich durch amerikanische Grindhouse-Filter und China-Restaurant-Klischees gefiltert wie beim kurz darauf erschienenen „Big Trouble in Little China“. So verfolgt Leroy auf der Suche nach Erleuchtung und Komplettierung seines Trainings die Spur eines Meisters bis zu einer Glückskeksfabrik, schnabuliert morgens Asia-Food, wenn der Rest der Familie sich Schinken und Rührei kredenzt usw. Dass er den Strampler von Bruce Lee aus „Game of Death“ trägt und beim Kämpfen genauso schreit wie der Star ist natürlich Ehrensache, so wie er und seine Schüler die expressive Mimik Lees nachahmen. Denn natürlich gibt es auch Leroy sein Wissen an lernwillige Youngster weiter. Es finden sich zig Lee-Zitate in Wort und Bild, die vor allem Fans verstehen, aber zu Orientierungshilfe gibt es auch immer wieder Schnippsel aus den Originalen zur Einordnung zu sehen, wie in der anfangs erwähnten Kinoszene. Und wie viele asiatische Helden ist Leroy ein keuscher Kämpfer, der erst die richtige Frau treffen muss, ganz im Gegenteil zu seinem oversexten kleinen Bruder mit der großen Klappe, der das harmlose Kiddie-Äquivalent zu den Hustlern und Heroes des Blaxploitationfilms gibt.

Der Tanz des Drachen

Sho’nuff (Julius Carry), der selbsternannte Shogun von Harlem

Natürlich gibt es im Stil der Vorbildgenres auch zwischendurch immer wieder mal was auf die Glocke, brauchbar choreographiert und vom Können des Schauspieldebütanten Taimak zeugend, der mit „The Last Dragon“ wohl zum Actionstar aufgebaut werden sollte, was aber nicht gelang. Die Martial-Arts-Einlagen sind kurzweilig, wenn auch nicht allzu exzessiv und sorgen für nette Action, auf der aber nicht das Hauptaugenmerk des Films liegt. Leider verschenkt man die Schurkenriege, da ein paar illustre angeworbene Schläger (etwa der Wolfsmann) zwar nach Vielfalt aussehen, dann aber kaum oder gar nicht in der Klopperei zum Zuge kommen, in der sie dann dran sind.

Taimak („Book of Swords“) kann sicher ganz gut zulangen und kann immerhin mit naivem Charme als herzensguter Sportler inmitten einer rauen Ghettowelt punkten, doch ein großer Schauspieler wird er dadurch nicht. Auch Sängerin Vanity („Action Jackson“) passt zwar in diesen Plastikfilm wie die Faust aufs Auge, empfiehlt sich aber nicht für Höheres, so wie auch Julius Carrys („Lost World – Die letzte Kolonie“) genüßliches Overacting in jedem weniger schrillen Film fehl am Platze wäre. In Nebenrollen sieht man Klopper-Kiddie Ernie Reyes Jr. („Act of Valor“) in seinen ersten Filmrolle, Mike Starr („Last Boy Scout“) gibt einen glücklosen Bodyguard und Schurkenhelfer und in einer ganz frühen Rolle ist sogar William H. Macy („Blood Father“) zu sehen.

Aber Schauspieler sind auch relativ egal in dieser Stylingbombe, die auch wenig Wert auf einen Plot legt. Leroys Suche nach Kampfkunstmeisterschaft, seine Fehde mit Sho’nuff und die Machenschaften Arkadians laufen erst parallel, dann später notdürftig zusammen, während Subplots wie die Rivalität der Brüder um Lauras Gunst und Leroys obligatorische Romanze mit ihr pflichtschuldig abgehakt werden. Das ist alles nicht im klassischen Sinne spannend oder packend, sondern es treibt einen eher die Lust zu sehen, mit welchem Zitat, welcher Musikeinlage oder welcher grellen Set es gleich weiter geht.

Mit MTV-Optik und schrägen Ideen vollgestopfter Mix aus amerikanischem Martial-Arts-Film, Blaxploitation-Neuauflage und Bruce-Lee-Hommage, stets zwischen liebevoll zitierend und völlig Banane schwankend. Zusammengehalten wird die erzählerisch schwachbrüstige Mixtur dabei in erster Linie vom Style und seinen Genre-Referenzen, aber das macht „The Last Dragon“ dann schon zu einem sehenswerten Unikum.

Knappe:

In Deutschland ist der Film nur auf VHS bei CBS/Fox erschienen und ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben. Die US-DVD kommt von Columbia Tristar, trägt die Freigabe PG-13 und wartet mit einem Audiokommentar neben Filmographien und Produktionsnotizen im Bonusmaterial auf; außerdem erschien der Film dort inzwischen auch auf Blu-Ray.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Columbia Tristar__Freigabe: PG-13__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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