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Fantastic Four

Originaltitel: The Fantastic Four__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2015__ Regie: Josh Trank__Darsteller: Kate Mara, Miles Teller, Toby Kebbell, Michael B. Jordan, Jamie Bell, Jodi Lyn Brockton, Tim Blake Nelson, Chet Hanks, Reg E. Cathey, Aaron V. Williamson u.a.
Fantastic Four

Der erneute Versuch, die eigentlich coolen Superhelden der “Fantastic Four” auf die Leinwand zu wuchten, ging vollkommen in die Hose.

Josh Trank: Hallo Mr. Stan Lee. Mein Name ist Josh Trank und ich wurde auserwählt, einige der von ihnen erschaffenen Superhelden auf die Leinwand loszulassen. Genauer handelt es sich um die „Fantastic Four“. Ich weiß, dass es bereits zwei größere Produktionen zu dem Thema gibt, aber ich habe da einen innovativen neuen Ansatz. Ich gehe zurück zu den Anfängen. Ganz weit zurück. So hole ich ein ganz junges Publikum ab, indem ich ihm Identifikationsfiguren biete. Außerdem ist es mir wichtig, ganz viel ganz anders zu machen. So würde ich gerne den Aspekt aufheben, dass die „Fantastic Four“ als ein Team arbeiten. Wie sie ihre neuen Fähigkeiten erforschen, will ich auch nicht zeigen. Das juckt doch heute keinen mehr. Und die Ironie der Vorgängerfilme will ich ebenso wenig in meinem Film haben wie einen nachvollziehbar handelnden Bösewicht. Sie sehen, alles ganz neu und aufregend! Finden Sie nicht auch?

Stan Lee: Ärm… nein?! Sie können doch meine Ideen nicht so ver…

Josh Trank: *ins Wort fallend* Super Mr. Lee! Vielen Dank für Ihren Segen! Es ist mir nämlich total wichtig, Ihre Fürsprache zu haben, bevor ich das Projekt angehe! *legt auf*

Stan Lee: Hallo? Halloooo? Mist!

Wir dürfen unsere Quelle leider nicht verraten, aber dieses uns heimlich zugespielte Telefonat macht die gesamte Misere des neuesten Marvel-Superhelden-Streifens deutlich: Ein Regisseur, der seine Vorlage nicht verstanden hat, läuft einfach mal komplett Amok. Sowas kann für den Zuschauer eine interessante Erfahrung zur Folge haben, oder einfach total vor den Baum gehen. Bei diesem Film musste leider ein Baum leiden… Mehrere Bäume…

Alles beginnt im zigfach besser gesehenen, stinklangweiligen Coming-of-Age-Duktus: Reed Richards, ein superschlauer Nerd, wird von seiner Umgebung kaum ernst- geschweige denn wahrgenommen. Dennoch hält er unbeirrt an seinem eingeschlagenen Kurs fest. Und der soll in Richtung „Unbegrenzte Möglichkeiten der Teleportation“ gehen. Ab sofort hat man das Gefühl, der Film sollte „Fantastic Teleportation“ heißen, denn genau darum dreht sich ab sofort alles. Nur noch. Eine gefühlte Ewigkeit lang. Dabei will der Film uns vorgaukeln, dass hier schon die Grundlage für den Team-Spirit der „Fantastic Four“ gelegt wird. Denn in Baywatch-artigen Montagen erleben wir nun einige zukünftige „Fantastic-Four“-Mitglieder, wie sie unter radiotauglichem Trallala für den Zuschauer unhörbar miteinander reden und scherzen. Nur worüber? Vermutlich über die armen Schweine, die das Trauerspiel gerade ertragen müssen und dafür auch noch Geld hingeblättert haben.

Josh Trank

Reed Richards… Teleportationsgenie.

Reed ist nun jedenfalls Teil eines Teams, das biologische Materie teleportieren will. Zu dem Team gehört auch der Einzelgänger und Misanthrop Victor Von Doom. Ebenfalls ein gigantischer Teleportationsfreak. Wie gesagt, es geht jetzt sehr oft ums Teleportieren… Während Fans der Ur-„Fantastic-Four“-Comicreihe schon jetzt vermutlich nicht mehr aus dem Kopfkratzen herauskommen, wissen Leser der „Ultimate Fantastic Four“ (ein Reboot der alten Comicserie) Bescheid: Nicht ein Raumflug führt zu den besonderen Fähigkeiten des Teams, sondern eine Teleportation in die „N-Zone“. Als Kenner fragt man sich da schon, warum der Film nicht einfach „Ultimate Fantastic Four“ genannt wurde. Dann hätte einen auch das arg niedrige Alter der Protagonisten nicht mehr gewundert, da dieses in der Neubearbeitung direkt so postuliert wurde. Aber hey, warum denn mit offenen Karten spielen? Oh, was ist das?

Jaaaa, es ist vollbracht! Endlich!

Die Teleportationsmaschine ist fertig. Der Zuschauer irgendwie auch. Wo sind die „Fantastic Four“? Noch mehr Geduld haben? Ach menno! Jetzt wird es seltsam. Das Militär will die Forschungen nun übernehmen. Die Teleportation muss in fähige Hände. Aus Frust saufen sich unsere Helden einen an und beschließen, im Selbstversuch und vor der Beschlagnahme der Technik einen Teleportationssprung durchzuführen. Schnell noch einen Kumpel von Reed – Ben Grimm – anrufen, dazuholen und loslegen.

Nach der Hälfte des Filmes sind die zukünftigen „Fantastic Four“ endlich in der parallelen Dimension, die ihnen ihre Fähigkeiten verleihen wird. Endlich wird es mal actionreicher, denn alles geht schief. Es kracht und scheppert und tadaaaaaa: Die „Fantastic Four“ sind da! Wieder zurück auf der Erde wird Reed zu Mr. Fantastic, Johnny Storm zur Fackel, Ben Grimm zum Ding und Susan Richards durch einen blöden Zufall zur Unsichtbaren. Doom blieb derweil in der fremden Dimension zurück. Nicht ganz freiwillig.

Fantastic Four

Sue Storm, hier noch sichtbar…

Endlich ist der Film da, wo ihn der Zuschauer seit Ewigkeiten haben will! Und was macht Josh Trank? Der setzt eine Schwarzblende. Eine Schrifttafel später fühlt man sich nur noch verarscht: Ein Jahr sei inzwischen vergangen. Wir durften nicht miterleben, wie die jungen Leute ihre Fähigkeiten entdeckten und lernten, damit umzugehen. Johnny arbeitet inzwischen wie Ben fürs Militär und macht Panzer kaputt. Sue hängt in ihren Kraftfeldern, als hätte sie jemand beim Kacken vom Klo weggeholt, und Reed treibt sich in irgendwelchen Wäldern herum, weil er nicht vom Militär gefangen werden will. Zu einem Team kann man so freilich nicht zusammenwachsen. Was aber auch egal ist, da die Chemie der Figuren untereinander eh nicht stimmt. Während die Darsteller sich zumindest noch Mühen, versagt das Drehbuch komplett. Weder haben die Figuren etwas zu sagen noch schaffen sie es, den sich chronisch selbst viel zu ernst nehmenden Kokolores aufzubrechen.

Einen Gegner gibt es auch nicht. Vielleicht ist es ja das Militär? Auf jedem Fall weiß man nun überhaupt nicht mehr, worauf der Film irgendwann hinauswollen könnte. Dann, endlich, kurz bevor der Film komplett zum Erliegen kommt und sich in seinen dramaturgischen Unzulänglichkeiten selbst stranguliert, fällt der eine Begriff, den man schon lange (mindestens 15 Minuten) nicht mehr gehört hat: Teleportation! Jetzt geht es ganz schnell. Reed wieder ins Labor holen, alle an irgendwelche Tastaturen setzen, dann ab in die andere Dimension und *peng* ist Victor von Doom wieder da! Yeah! Ein Gegner.

Der nun für großes, tricktechnisch maues Rambazamba sorgt. Warum er das macht und was er da eigentlich macht, das versteht man vor lauter Geblitze und Gerummse eh nicht mehr. Außerdem soll der Film nun endlich enden, da bleibt keine Zeit für Erklärungen. Irgendwie schaffen es die Helden tatsächlich, einmal ihre Kräfte zu koordinieren und zumindest für einen „Team-Moment“ zu sorgen. Und schon ist alles wieder vorbei. Ein blödes Schlussbild, dem man einfach nur den Mittelfinger entgegenrecken möchte, schickt uns dann in den Abspann, der zum Glück keine Fortsetzung andeutet und auch keine Post-Abspann-Szene auffährt. Vermutlich hat irgendjemand Schlaues bei der federführenden Fox schon geahnt, dass das hier der ganz große Schlag ins Wasser wird. Vermutlich war das derselbe, der auch die definitiv geplante 3D-Konvertierung cancelte…

Fantastic Four

Das Ding, voll böse…

Zuletzt wurden im Übrigen Beschwerden von Josh Trank laut, dass der Film nicht ganz dem entspräche, was er sich darunter vorgestellt habe. Den Final Cut habe er nicht gehabt und die Nachdrehs nicht dirigieren dürfen. Wenn ihm sein Film dementsprechend weggenommen wurde, so ist dies wirklich traurig. Aber seine Aussagen, dass „seine“ Schnittfassung des Filmes so viel besser gewesen wäre, kann man ob des verbliebenen Beweismaterials, das aktuell in den Kinos läuft, nicht so wirklich glauben… Und genau darum geht es hier ja. Und darum schnell zum Fazit.

Anerkannten Kommunikationsregeln folgend beginne ich selbiges mit etwas Positivem, bevor ich noch einmal auf den Film einprügele: „Fantastic Four“ verfügt zumindest über annehmbare Schauspieler und einen durchaus gelungenen Look. Auch die Special Effects rund um das Ding machen etwas her. Der Rest des Filmes ist schlicht und ergreifend beschämend und meines Erachtens der erste Sargnagel für den aktuellen Superhelden-Hype. Noch ein oder zwei solche Vollgurken und Hollywood wird sich andere Vorlagen für seine Gelddruckmaschinen suchen müssen. An „Fantastic Four“ stimmt wirklich gar nichts: Die Figuren sind leblose, charismabefreite und motivlose Hüllen, deren Interaktionen vollkommen unglaubwürdig wirken. Die Geschichte ist vollkommen bescheuert aufgehangen und erzählt und klaut sich munter und ohne Sinn und Verstand durch hinlänglich bekannte Versatzstücke des Genres. Eine Spannungskurve ist nicht vorhanden. Viele Special Effects wirken wie aus The-Asylum-Produktionen geklaut (Highlights: Die fliegende Sue und die Dehnfähigkeiten von Reed). Action kommt zu keinem Zeitpunkt auf und auch das musikalische Hauptthema des Streifens geht einem irgendwann nur noch auf den Sack. Gegen diesen Film wirken sogar die häufig abgestraften Eichinger-Produktionen wie ganz ganz großes Kino. Denn sie brechen mit Witz und Ironie ihre Story und Figuren auf, verfügen über spielfreudige Darsteller und versuchen zumindest, eine halbwegs nachvollziehbare Story zu erzählen. Das wichtigste aber ist: Sie zielen auf einen gewissen Unterhaltungsgrad beim Zuschauer ab. Nichts davon kann man dem neuesten „Fantastic Four“-Streifen auch nur ansatzweise unterstellen… Der ist nicht mehr und nicht weniger als ein „Fantastic SuperGau“.

„Fantastic Four“ ist ab dem 13. August 2015 in den deutschen Kinos zu sehen, ab 12 freigegeben und kommt von Constantin Film.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Constantin Film__Freigabe: FSK 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab dem 13. August 2015 in den deutschen Kinos

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