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Forced to Fight

Originaltitel: Body Rock__Herstellungsland: Kanada__Erscheinungsjahr: 2011__Regie: Jonas Quastel__Darsteller: Peter Weller, Gary Daniels, Philip Granger, Alexandra Weaver, Arkie Reece, Dorin Zaharia, Corbin Thomas, Brian Flaherty, Vladimir Comorovschi u.a.
Forced to Fight

Gary Daniels ist “Forced to Fight”!

Shane lebt als Automechaniker mit seiner ihn liebenden Frau und einem aufgeweckten Sohnemann ein zufriedenes Leben. Alles könnte perfekt sein, wäre da nicht Shanes Bruder Scotty. Der kämpft in brutalen Underground Fights für den zwielichtigen Fightpromoter Danny G. Der hat nicht einmal Skrupel davor, die Fights zu manipulieren. Doch Scotty geht aus einem Fight, bei dem er zu Boden gehen sollte, als Sieger hervor und verhöhnt Danny. Ein großer Fehler. Kurze Zeit später findet Shane seinen Bruder brutal zusammengeschlagen auf und wird von Danny verpflichtet, die Schulden Scottys abzuarbeiten. Shane, ehemaliger Martial Arts Meister, soll neun Fights gewinnen und auch dann gehorchen, wenn Danny verlangt, dass er zu Boden gehen soll. Shane willigt widerwillig ein und gerät schnell an seine Grenzen, denn der Kampfsport hat sich seit seinem Ausstieg verändert …

„Forced to Fight“ ist ein Kampfsportstreifen, der offensichtlich von der Idee beseelt ist, aus dem Gros der stumpfen Kickerstreifen herauszuragen. Dazu lanciert er einige interessante Handlungselemente, die man so aus dem Genre nicht gewohnt ist. So versucht „Forced to Fight“ tief in den Charakter von Gary Daniels’ („Hunt to Kill“) Shane einzutauchen. Der wandelt sich vor unseren Augen vom fairen Sportsmann zur ziemlich übel hinlangenden Kampfmaschine, vom liebenden Familienvater zum arroganten, unfairen und die Familie vernachlässigenden Drecksack und vom Gewinner zum Verlierer, der irgendwann an den Manipulationen Dannys zu zerbrechen droht. Eine interessante Reise, die leider daran krankt, dass die Wandlungen Shanes ein wenig zu holprig daherkommen und die Dramaturgie im Umfeld dieser Entwicklungen etwas sprunghaft wirkt, was durch das schwache Spiel einiger Nebendarsteller noch verschärft wird.

Forced to Fight

Peter Weller “bittet” Gary Daniels in den Ring.

Ebenfalls interessant ist der Ansatz, mit Shane einen Oldschool-Kicker auf eine neue Kampfsportwelt treffen zu lassen, in der alles erlaubt scheint und in der die Stile ineinander fließen, bis man ihre Inspirationsquellen irgendwann gar nicht mehr erkennt. Dieses Eintauchen von Shane in die Welt des MMA erlaubt es „Forced to Fight“ eine allseits beliebte Trainingssequenz zu implementierten, ohne uns vormachen zu müssen, Gary Daniels’ Figur wisse nichts vom Kampfsport. Eine nette Idee und irgendwie ist dieser Ansatz auch symptomatisch für Stars wie Daniels, die aus einer Zeit kommen, in der man elegant kickte und die Helden mehr strahlten als zehn Atomkraftwerke. Und wie Shane in der Welt des Kampfsports muss sich Daniels nun ebenfalls in einem Genre zurechtfinden, das seine Regeln neu definiert und „alte“ Leute wie ihn eigentlich gar nicht mehr zu brauchen scheint. Doch Shane macht vor, wie es klappen kann: Man passt sich an, man verbindet das beste beider Welten und setzt sich so durch. Und so sehen wir nun einen Gary Daniels, der neben seinen gewohnt coolen Spinning- und eingesprungenen Kicks einige Grappling und Ground and Pound Moves vorführt, wie sie für die MMA so charakteristisch sind.

Forced to Fight

Gary Daniels langt in “Forced to Fight” gut hin und steckt ordentlich ein.

Erstaunlicherweise etabliert „Forced to Fight“ für Daniels keinen übermächtigen Angstgegner. Im Gegenteil: Neben Daniels lässt der Streifen so gut wie keinen anderen Fighter glänzen. Mehr noch: Es gibt nur einen einzigen Fight, der ohne Gary Daniels auskommt! Der hat dementsprechend in „Forced to Fight“ irre viel zu tun, wobei die Fights allesamt aber etwas sehr kurz ausfallen und nicht nach der üblichen Dramaturgie a la „Leon“ oder „Bloodsport“ funktionieren. So kommt in den Fights leider keine rechte Spannung auf. Zwar darf Daniels nicht jeden Kampf gewinnen, da die Niederlagen aber allesamt folgenlos verpuffen, nimmt man sie allenfalls schulterzuckend zur Kenntnis. Und freilich fehlt dann gegen Ende der alles abschließende, befriedigende Superkick, in dem Daniels sich alle Wut vom gestählten Körper kloppen darf. Schade, hier verschenkt „Forced to Fight“ viel Potential.

Ebenfalls ein echter Hemmschuh ist das schmale Budget des Streifens. „Forced to Fight“ wurde im Ostblock (genauer Rumänien) gedreht. Hier suchte man sich dann die langweiligsten Schauplätze, die man finden konnte, damit der Regisseur darin eine behäbige, wirklich megaöde TV Optik stemmen konnte. Und wieso man für diese Schauplätze in den Osten musste, erschließt sich auch zu keiner Sekunde. Sets von dieser „Schönheit“ dürften auch in den USA nicht mehr als einen Appel und ein Ei kosten. Zumindest in der Fightaction versucht der Regisseur etwas Glanz in die Bude zu bringen. Er arbeitet viel mit Totalen, verwackelt die Action nicht und steht sichtlich auf die Froschperspektive, die dem Film ein paar wirklich coole Einsstellungen beschert. Und wenn „Forced to Fight“ dann auch noch in gekonnt eingebaute Zeitlupensequenzen schaltet, gelingen ein paar schöne Studien der Bewegungsabläufe der Fighter.

Forced to Fight

Peter Weller verdeutlicht mittels Argumentationsverstärker seinen Standpunkt.

Das „Forced to Fight“ nichts kosten durfte, sieht man auch in der Action. So gibt es keinen echten Ring, was zulasten der Dynamik der Fights geht, denn aus den Seilen schnellende und in die Seile geworfene Kontrahenten bleiben so natürlich aus. Auch die Tatsache, dass Filmblut sichtlich erst nach Szenenwechseln aufgebracht wird – sprich, ein Fight wird beendet und der Verlierer liegt blütenrein am Boden, um nach einem Schnitt über und über mit Blut besudelt zu sein – zeigt auf, dass Schmalhans hier Küchenmeister war. Dafür kann man sich in der Inszenierung der eigentlichen Action nicht sonderlich beschweren. Daniels und Co. machen ordentlich Druck, die Kamera steht immer richtig und enttarnt die Kicks nicht als Luftlöcher verursachende Bewegungen und der Score müht sich redlich – wirkt aber leider arg monoton.

Darstellerisch wirkt Gary Daniels in einigen Momenten ein wenig unglücklich. Als gingen ihm die Wandlungen seines Charakters auch ein wenig zu schnell. Gerade wenn er dann in den arroganten Modus schaltet, riskiert er extrem, die Sympathien des Zuschauers zu verlieren. Denn wenn Daniels auf arrogant macht, kommt er auch wirklich volle Pulle so rüber. Das macht den Mittelteil von „Forced to Fight“ durchaus ein wenig anstrengend, denn hier fehlt dann ein Sympathieträger, mit dem auf dem heimischen Sofa durch dick und dünn gehen will. In der Action ist Daniels dann deutlich sicherer unterwegs. Im Vergleich zu mancher Supportcastleistung ist Daniels Wirken aber fast oscarreif, denn hier findet man einige Knallchargen, die mit ihren Rollen sichtlich überfordert sind. Highlight ist wohl die Darstellerin von Shanes Ehefrau. Sichtlich mehr Spaß hatte Peter Weller in seiner Rolle als Danny G. Er spielt zwar nicht mit demselben Verve auf wie zuletzt in „Dragon Eyes“, entwirft mit coolen Sprüchen und souveränem Auftreten aber einen ziemlich coolen Bösewicht, der gegen Ende ganz schön unvermittelt aufdreht.

Forced to Fight

Bäm…Mungo!

Was bleibt, ist ein Film, der wirklich versucht, Wege aus dem Standardeinerlei im Martial Arts Genre zu finden. Er versucht einen glaubhaften Charakter zu entwerfen und ihm durch die verschiedensten Befindlichkeiten zu folgen. Leider fehlt den Machern das Gespür für Zwischentöne, was die Wandlungen Shanes immer sehr abrupt wirken lässt. Durchgehend eine nette Idee ist der Ansatz, Gary Daniels Figur des ehrenhaften Fighters von anno dazumal auf eine neue Art des Kampfsportes treffen zu lassen, in der er sich erst einmal zurechtfinden muss. Ein weiterer Pluspunkt ist die hohe Schlagzahl in Sachen Martial Arts Szenen, die durchgehend nette Choreographien und einen sehr agilen Gary Daniels präsentieren. Leider fehlt den Actionszenen immer die letzte Konsequenz. Peter Weller ist derweil eine einzige Bereicherung für „Forced to Fight“, während andere Schauspieler wohl eher unter irgendeiner rumänischen Brücke hervorgekramt wurden. Optisch ist der Streifen leider eine mausgraue und stinklangweilige Angelegenheit, was durch nicht zum Rest des Filmes passende Stock Footage Aufnahmen von New York nur unterstrichen wird. Der Grund für die meisten Probleme des Filmes ist mehr als offensichtlich: Das liebe Geld war extrem knapp. Doch selbst mit mehr Geld hätte man sich einige wichtige Tugenden wie mehr Spannung nicht kaufen können. So bleibt „Forced to Fight“ auf einem höchst durchschnittlichen Niveau hängen, ist als Gary Daniels Show aber durchaus eine unterhaltsame Angelegenheit.

Die DVD / Blu-ray von „Forced to Fight“ erscheint am 16. Januar 2014 ungeschnitten von MIG/Eurovideo und ist mit einer FSK 18 Freigabe versehen.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: MIG/Eurovideo__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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