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Frankenstein – Das Experiment

Originaltitel: Frankenstein __ Herstellungsland: USA-Deutschland__ Erscheinungsjahr: 2015__ Regie: Bernard Rose__ Darsteller: Xavier Samuel, Carrie-Anne Moss, Danny Huston, Tony Todd, Jeff Hilliard, Maya Erskine, Mckenna Grace, Carol Anne Watts, …

Das deutsche Covermotiv.

Das deutsche Covermotiv.

Das amerikanische Covermotiv.

Das amerikanische Covermotiv.

Bernard Rose und das Horror-Genre: Von der lobenden Anerkennung, die ich ihm einst für „Paperhouse“ (1988) und „Candyman“ (1992) zollte, ist dank Streifen wie „Snuff-Movie“ (2005) und „SX_Tape“ (2013) zuletzt nichts mehr übrig geblieben. Entsprechend skeptisch hatte ich die Ankündigung vernommen, dass sich der Brite 2015 an eine zeitgenössische Low-Budget-Neuinterpretation des klassischen 1818er Mary Shelley Romans „Frankenstein (or The Modern Prometheus)“ heranwagen würde. Erstmals 1910 von James Searle Dawley in Form eines rund 13-minütigen „Shorts“ adaptiert, folgten seither geradezu unzählige Verfilmungen und Abwandlungen eben jenes bedeutsamen literarischen Stoffes – und das nicht selten um zusätzliche Action- und Fantasy-Elemente ergänzt, wie u.a. im Fall der miesen 2014er „Underworld“-Variante „I, Frankenstein“. Rose indes entschied sich für eine als eher „reduziert, bodenständig und gritty“ zu charakterisierende Herangehensweise, verlegte die Geschehnisse kurzerhand aus dem düsteren Europa des 18. Jahrhunderts ins sonnige Los Angeles der Gegenwart und reicherte das Ganze sowohl mit einer Prise Gesellschaftskritik als auch einer stattlichen Portion Brutalität an…

Doktor Viktor Frankenstein (Danny Huston) und seine Frau Marie (Carrie-Anne Moss) sind Wissenschaftler, die in einer privaten Forschungseinrichtung – verborgen unter ihrer mehrere Meilen außerhalb der zuvor erwähnten Metropole gelegenen Villa – an der Erschaffung eines „künstlichen menschlichen Wesens“ arbeiten. In der Hinsicht scheint ihnen aktuell gerade ein Durchbruch gelungen zu sein: Ihre „Schöpfung“, welche sie Adam genannt haben, konnte nämlich tatsächlich zu Leben erweckt werden – und das in dem Körper eines rund 25- bis 30-jährigen Mannes (Xavier Samuel), dessen „kognitiver Stand“ dem eines Neugeborenen ähnelt. Zügig nimmt jener Marie als seine „Ziehmutter“ an, während seine Lernfähigkeit gewisse Progressionen erkennen lässt – bloß deuten unschöne Hautveränderungen bei ihm schon bald auf Probleme im Bereich der Zellstrukturen hin. Als diesbezüglich eingeleitete (überaus schmerzhafte) Schritte zu keinen Verbesserungen führen und sich die beeinträchtigen Gewebepartien immer weiter ausbreiten, entschließt sich das kleine Team (zu dem neben Viktor und Marie noch zwei Kollegen gehören) letzten Endes dazu, ihn sozusagen „einzuschläfern“…

Aufgebracht, verängstigt, um Selbsterhaltung bemüht sowie ohne die Auswirkungen seiner überproportionalen physischen Kräfte bei seinen Reaktionen und Taten mit berücksichtigen zu können, vermag sich Adam loszureißen und (vorrangig per Ausüben „stumpfer Gewalt“) zuerst an die Oberfläche sowie im Anschluss daran raus ins bewaldet-sumpfige Umland zu fliehen. In Gestalt eines zugelaufenen Hundes gewinnt er einen Begleiter – allerdings wird das Tier infolge eines „Vorfalls“ an einem Badesee von einem nervösen Cop erschossen, wonach Adam u.a. jenem den Schädel einschlägt und sich wenig später auf dem nächsten Polizeirevier in einer Zwangsjacke fixiert wiederfindet. Eine Hass-erfüllte, hier nicht näher offenbarte Ereigniskette resultiert einige Stunden darauf dann darin, dass man ihn mit einer Kugel im Kopf unter einer Freeway-Brücke verscharrt – aber selbst das beschert ihm nicht den Tod. Verunsichert und überfordert mit allem um sich herum, erhält er fortan zumindest etwas Kameradschaft und Orientierung seitens des blinden Obdachlosen Eddie (Tony Todd) geboten – und obgleich sich seine Sprache sowie das Begreifen seiner Umwelt gedeihlich voran entwickelt: Seine Chancen auf eine „unbeschwerte Zukunft“ verbleiben verschwindend gering…

„Frankenstein“ ist ein ungemein „roh“ anmutender Film – was maßgeblich seinen spärlichen Ressourcen sowie Rose´s „ungeschliffener“ Inszenierung zuzurechnen ist. Unabhängig des Titels – welcher sich ja eigentlich auf Viktor bezieht, inzwischen jedoch in verbreiteter Weise (synonym) mit der gesamten Materie an sich in Verbindung gebracht wird – steht Adam im Vorliegenden dominant im Fokus der Betrachtung: Angefangen beim allerersten Mal, dass er seine Augen öffnet, wird die Geschichte strikt aus seiner Perspektive heraus erzählt. Weder aus Leichenteilen zusammengestückelt noch mit Hilfe miteinander kombinierter Apparaturen belebt – sondern stattdessen in einer Art (synthetische Zellen produzierenden) „3D-Drucker-Kammer“ kreiert – begleiten wir ihn dabei, wie er seine Bewegungen kontinuierlich besser zu koordinieren lernt, Baby-ähnliche Laute äußert sowie von Marie (einen unweigerlich an die entsprechende Aufzucht eines Kalbs oder Lamms erinnernd) per Flasche gefüttert wird. Letzteres sorgt für einzelne „amüsante“ Momente – welche allerdings Ausnahmen innerhalb der ansonsten ernst gehaltenen Handlung bleiben. In dieser kalten, von Betonwänden und Neonbeleuchtung geprägten Umgebung wird Marie zu seiner „primären Bezugsperson“…

In dieser Phase agiert Adam rein auf seinen Instinkten basierend – begreift nicht, dass er das „Produkt“ eines aufs Hervorbringen medizinischer Fortschritte abzielenden Experiments ist, kann nicht zwischen richtig und falsch unterscheiden, setzt sich zur Wehr, als man ihm (in erkennbar „unzuträglicher Absicht“) Schmerzen zufügt, und flüchtet schließlich von jenem düsteren Ort aus in die angrenzende Natur, wo er sich mit bis dato unbekannten Eindrücken (á la Tageslicht, Bäume oder das Wasser eines Waldtümpels) konfrontiert sieht. Ein Hund wird sein Gefährte – ihren Hunger stillen sie an gefundenen Tierkadavern. Desorientiert sowie mit einer Vielzahl an neuen Herausforderungen und Empfindungen auf ihn einwirkend – speziell als er bewohntes Gebiet erreicht und auf Menschen trifft, mit denen er nicht wirklich zu interagieren in der Lage ist – versucht er sich in dieser „fremden Welt“ zurechtzufinden. Alternativ- und perspektivlos, hält er sich im weiteren Verlauf überwiegend in ärmlich-heruntergekommenen urbanen Vierteln der Großstadt auf: Meist unter freiem Himmel in irgendwelchen Gassen – und das gemeinsam mit verschiedenen anderen „Ausgestoßenen der Gesellschaft“, welche die damit verbundenen Umstände tagtäglich (auf die eine oder andere Weise) zu meistern versuchen…

Wiederholt wird Adam angefeindet, missverstanden oder erfährt zurückweisende Ablehnung: Marie gibt auf dem Polizei-Revier an, ihn nicht zu kennen, ein Cop entlädt seinen angestauten Zorn an ihm und eine Prostituierte überlegt es sich beim Anblick seines „abstoßenden“ nackten Körpers doch anders, nachdem sie zuvor eigentlich eingewilligt hatte, gegen Bezahlung mit ihm Sex zu haben. Trotz seiner kruden, aufgrund bestimmter „Trigger-Erlebnisse“ urplötzlich in ihm aufsteigenden Emotionen, die er einfach nicht vernünftig zu kontrollieren vermag und aus denen heraus nicht selten ungewollte Gewalt entsprießt, kann man als Zuschauer dennoch in einem soliden Maße mit ihm sympathisieren – schließlich ist die Story „in ihrem Kern“ (im gleich doppelten Sinne „unterhalb ihrer unbehaglichen Oberfläche“) eine durchaus tragische, Mitleid für dieses unglückselige Individuum legitimierende. Adam muss sich seinem eigenen Wesen gewahr bzw. bewusst werden, aus Beobachtungen und Erfahrungen lernen, um sein Überleben kämpfen sowie sich selbst (im Laufe seiner voranschreitenden „Evolution“) mit der Frage auseinandersetzen, ob es für jemanden wie ihn überhaupt einen Platz in diesem (sprich: unserem) „Sozial-Gefüge“ gibt, welchem er gern (in akzeptierter Form) angehören würde…

Dem neuen Kontext angepasst, hat Rose sowohl die Quintessenz des Romans als auch eine Reihe vertrauter Szenen beibehalten – unter ihnen die, in der Adam am Ufer eines Sees einem ihn als „Spielkameraden“ akzeptierenden jungen Mädchen (Mckenna Grace aus „Amityville: the Awakening“) begegnet, oder als er kurz darauf von einem wütenden „Mob“ angegriffen wird. Der Blinde, mit dem er sich anfreundet, ist in diesem Fall ein obdachloser Straßenmusiker, der ihn „unter seine Fittiche nimmt“ sowie ironischerweise „Monster“ nennt – was von ihm aber keineswegs irgendwie bösartig gemeint ist. Tony Todd, der Rose ja den wohl besten Part seiner Karriere zu verdanken hat – nämlich den des „Candymans“ (damals in den Neunzigern) – portraitiert ihn ordentlich, allerdings genauso „unsubtil“ wie im Prinzip arg vieles an dem Streifen. Eddie spendiert Adam sogar „Zeit“ mit einer „anschaffen gehenden“ Dame (Maya Erskine aus TV´s „Betas“), die er bereits des längeren kennt und ihm daher den zugehörigen Gefallen gewährt: Ein „Arrangement“, welches letztlich jedoch erneut in gravierende, wiederum unbeabsichtigte sowie auf Adam´s Unvermögen, seine Kräfte richtig einschätzen zu können, zurückzuführende Konsequenzen resultiert…

Sporadisch werden einige (ins Philosophische tendierende) „innere Monologe“ Adams dargereicht, die im Gegensatz zu seinem rudimentären Sprachvermögen relativ komplexer und poetischer Natur sind sowie (mit leichten Abwandlungen) Shelley´s Vorlage entnommen wurden: Nicht unbedingt schlüssig, diese stilistische Einbindung – es sei denn, man legt es so aus, dass er zu diesen Gedanken zwar fähig ist, sie aber bloß nicht verbalisieren kann – doch sind die betreffenden Zeilen klangvoll anzuhören und „funktionieren“ in der angedachten Hinsicht prima. Als einen großen Pluspunkt des Werks entpuppt sich Hauptdarsteller Xavier Samuel: Der Genre-erfahrene Australier – siehe u.a „Road Train“, „the Loved Ones“ und „Bait 3D“ – verleiht Adam mit seinen Gesichtsausdrücken und Manierismen eine überzeugende, sich von kindlich-verletzlich über aufgeregt, verängstigt und verdrossen bis hin zu „von lodernder Wut getrieben“ erstreckende Präsenz und emotionale Bandbreite. Während Marie ihm zumindest eingangs Zuneigung bietet, behandelt Viktor ihn dagegen rein wie ein „Forschungsobjekt“ bzw. „Mittel zum Zweck“. Carrie-Anne Moss („the Matrix“) und Danny Huston („the Warrior´s Way“) mimen das Wissenschaftler-Paar jeweils ohne Veranlassung zur Klage…

Vom Drehbuch her hätte ich mir vor allem eine substanziellere Ausarbeitung der Rolle Maries gewünscht – ebenso wie höherwertigere Dialoge hier und da plus eine bessere Ausgestaltung eines sich um einen aggressiven Cop rankenden Plot-Strangs, der u.a. dazu genutzt wurde, einen (eher banalen) „Kommentar“ zum Thema „Polizei-Brutalität in L.A.“ ins Geschehen mit einzuflechten. Überdies ist es unglaubwürdig, dass Adam immer wieder ausgerechnet diesem einen Beamten (Jeff Hilliard aus „My Father, die“) über den Weg läuft. Optisch weist der Film einen gängigen „B-Movie-Indie-Look“ auf, der Score Halli Cautherys („the East“) geht in Ordnung, das Tempo ist (bis auf kleinere Passagen) vorwiegend straff, die Make-up-Kreationen der sich unschön zersetzenden Haut Adams sind echt ansehnlich geraten und in Sachen Gewalt wurde sich nicht unbedingt „in Zurückhaltung geübt“ (zertrümmerte Schädel, Kopfschüsse, tiefe Schnitte mit einer Knochensäge etc. pp.). Als eher „unvorteilhaft ausgewählt“ empfand ich indes gewisse bei so manchen Schlägen eingespielte „Sounds“ – worüber hinaus man im Rahmen des „vordergründig theatralischen“ Finales den gebotenen Flammen ihre künstlich-kostengünstige CGI-Beschaffenheit doch recht deutlich ansieht…

Fazit:  Trotz verschiedener Modernisierungen und Veränderungen blieb Regisseur und Skript-Autor Bernard Rose Mary Shelley´s Literatur-Klassiker „Frankenstein“ bei der Realisierung seiner gleichnamigen Neuinterpretation erfreulich treu. Das Ergebnis ist ein ambitionierter, annehmbarer, nicht uninteressanter sowie zum Teil (im positiven Sinne) durchaus „unbehaglich“ beizuwohnender Low-Budget-Streifen, der allerdings sowohl inhaltlich als auch handwerklich auffällig „uneben“ daherkommt…

Während der Film u.a. in Großbritannien und den USA bereits seit einigen Monaten erhältlich ist, erscheint er hierzulande Ende Mai 2016 auf DVD und BluRay – und das ungeschnitten mit einer “FSK-18”-Freigabe aus dem Hause “EuroVideo”…

Stefan SeidlFrankenstein

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Frankenstein

Copyright des Covermotive und der Pics: Bad Badger / Eclectic Pictures / Summerstorm Entertainment / Alchemy (US) / EuroVideo Medien GmbH (D)__ Infos zur deutschen VÖ:__ Freigabe: FSK-18__ Geschnitten: nein__ DVD/BluRay: ja/ja

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Categorised in: Sonstige Highlights, the Horror Pit

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