Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Fugitive Mind – Der Weg ins Jenseits

Originaltitel: Fugitive Mind__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1999__Regie: Fred Olen Ray__Darsteller: Michael Dudikoff, Heather Langenkamp, Ric Drasin, Michele Greene, David Hedison, Ian Ogilvy, Chick Vennera, Barry Newman, Bob Bragg, Sarah Dalton u.a.
Michael Dudikoff in "Fugitive Mind" Blu-ray-Cover

Michael Dudikoff ist das „Fugitive Mind“… oder so.

Robert Dean arbeitet als Hausmeister für eine dubiose Forschungseinrichtung namens Gencom. Das dabei verdiente Geld nutzt er, um sich und seiner Frau ein ereignisreiches Leben zu ermöglichen. Es könnte eigentlich alles so schön sein, wären da nicht diese furchtbaren Albträume. Jede Nacht fährt Robert aus seinem Schlaf hoch. Das Obskure: Die Träume haben immer denselben Inhalt. Sie zeigen Robert, wie er den aktuellen Senator des Staates ermordet.

Wer schon immer dachte, dass es eine gute Idee sein müsste, Trashpapst Fred Olen Ray („Tödliches Inferno“) eine turbobillige Version von dem Psychothriller „Botschafter der Angst“ (aus dem Jahr 1962 und auf dem Roman „The Manchurian Candidate“ von Richard Condon basierend) drehen zu lassen, der findet in „Fugitive Mind“ sein filmisches El Dorado. Alle anderen sollten sich darauf gefasst machen, dass die auf den Filmstart folgenden 90 Minuten unfassbar anstrengend werden könnten.

Das Hauptproblem ist die furchtbar ungelenke, keinerlei Spannung erzeugende Erzählweise von „Fugitive Mind“. Der Zuschauer hat den Streifen längst durchschaut, da weiß der noch gar nicht, was er sein will. Alles liegt vor dem inneren Auge des Zuschauers offen ausgebreitet da. Und Fred Olen Ray wäre nicht Fred Olen Ray, wenn ihm garantiert nichts einfiele, um einen derartigen Problemherd zu umschiffen.

Schaut in den Film hinein

Michael Dudikoff lässt sich das Hirn waschen

Und so zieht sich die Handlung, bis dem Zuschauer die letzten wachen Glieder eingeschlafen sind. Zudem hat „Fugitive Mind“ den vollkommen falschen Hauptdarsteller. Denn so sehr ich Michael Dudikoff („Soldier Boyz“) mag, so wenig bringt er diesem Film. Er ist darstellerisch gar nicht in der Lage, die Gemütszustände seines Charakters zu transportieren.

Er wirkt immer dann am sichersten, wenn er nicht zu sehen ist. Was umso offensichtlicher wird, wenn „A Nightmare on Elm Street“-Star Heather Langenkamp („The Demolitionist“) im Film auftaucht. Die ist nun sicherlich nicht als schauspielerisches Schwergewicht bekannt, klatscht Dudikoff aber in allen gemeinsamen Szenen gnadenlos an die Wand. Zumindest aber lassen die anderen Nebendarsteller Dudikoff nicht hängen und spielen genauso schlecht wie er.

Dabei müssen sie rotzenhohle Dialoge aufsagen und geraten in Szenen, die vor dummen Einlagen nur so strotzen. Ein paar Beispiele gefällig? In einer Bar hocken Besucher vor einer Dartscheibe wie vor einem Spielautomaten – Spielautomatengeräusche inklusive! In einer Szene setzt unser Held einem Lump einen Lampenschirm auf. Der Lump ist danach für Ewigkeiten ausgeschaltet. Und als ein Whistleblower die Zustände bei Gencom dokumentiert, macht er Fotos von süßen Hasen im Käfig. Wenn das nicht das Ende der Firma bedeutet.

Dazu gesellen sich Dummbrotcops, die mit Genmaterial nichts anfangen können, aber beim Überreichen von Disketten beinahe einen Samenerguss bekommen. Auch sonst wirkt keine einzige der Figuren irgendwie glaubhaft. Nicht einmal die fiesen Wissenschaftler im Film kommen wie fiese Wissenschaftler rüber. Sie versuchen es nicht einmal. Kurzum: Dieser Film ist nun einmal ein Film von Fred Olen Ray. Wirklich lichte Momente hatte er vor allem im Actionbereich selten.

Zumal Fred Olen Ray auch keine Ahnung hat, wie er von der Scheißigkeit seines Filmes ablenken soll. Da hat er einen Actionstar wie Michael Dudikoff an Bord und kommt nicht einmal ansatzweise auf die Idee, dass es helfen könnte, diesen Action machen zu lassen. Entsprechend darf unser Actionheld nur seine bekannten Schwinger verteilen und mal das Bein heben. Das geriet so harmlos, dass der Film gerade einmal einen Stuntman benötigte. So spart man Geld – und langweilt den Zuschauer.

Apropos Geld sparen: „Fugitive Mind“ war billig und sieht genauso aus. Die gebotene Optik ist stinklangweilig geraten. Es gibt nicht eine einzige gelungene Bildkomposition zu verzeichnen. Die „futuristischen“ Elemente werden mittels grün leuchtenden Spritzen und Mumien-Mull zur fast schon genialen Lachnummer. Und wer ein gutes Musikgedächtnis hat, wird merken, dass sich „Fugitive Mind“ einmal quer durch alle Filmsoundtracks der Produktionsschmiede Royal Oaks fräst. Deren bekannteste Komponisten Eric und David Wurst werden in „Fugitive Mind“ von Soundtrack-Maestro Jay Bolton einmal komplett ausgebeutet und wiederholt.

„Fugitive Mind“ ist ein Billig-Remake-Stinker

Für „Fugitive Mind“ hatte Actionheld Michael Dudikoff seine Wohlstandsplauze, die er kurz zuvor noch in „Freedom Strike“ und „Black Thunder“ aufgetragen hatte, deutlich reduziert. Ja, er wirkt regelrecht fit. Blöd ist nur, dass er für diesen Film gar nicht fit sein musste. Denn Fred Olen Ray hatte keine Ahnung, was er mit einem Actionhelden in seinem „Thriller“ anfangen sollte. Entsprechend muss Michael Dudikoff eigentlich nur Dialoge aufsagen und wunderbar verwirrt gucken.

Das Ergebnis ist ein echter Stinker in Michael Dudikoffs Oeuvre. Spannungsfrei, total langweilig, schlecht gespielt, billig aussehend und rundweg dumm und vorhersehbar geschrieben, findet man kaum Unterhaltungswert in dem peinlichen Versuch, „The Manchurian Candidate“ in B-Movie-Gefilde zu übertragen. Fünf Jahre später zeigte dann Jonathan Demme mit seinem „The Manchurian Candidate“ wie eine ordentliche Verfilmung der Romanvorlage auszusehen hat. Freilich hatte der ganz andere Mittel (Denzel Washington!!!) und Wege als Fred Olen Ray – was dessen Vollversagen bei „Fugitive Mind“ in keinster Weise rechtfertigen soll.

02 von 10

Der harmlose Film war in Deutschland mit einer FSK 16 Freigabe immer ungekürzt zu haben. Das Label Madison übernahm die DVD-Erstauswertung und warf ein Billo-Produkt auf den Markt. WMM / Multimedia Ulrich / Filmmode Entertainment Screen Media sattelten Ende September 2024 auf und veröffentlichten den Film auf Blu-ray. Die hat eine selbst gebastelte 16:9-Version an Bord, präsentiert den Film aber auch im originalen 4:3-Bildformat. Ihr könnt den Film auch streamen.

In diesem Sinne:
freeman

Was hältst du von dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label WMM / Multimedia Ulrich / Filmmode Entertainment Screen Media__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

Tagged as: , , , , , , , , , , ,

Wie Viele Actionnerds gibt es?

  • Keine Sorge, du bist mit deiner Vorliebe nicht allein! Uns besuchten bereits 23034318 andere Actionnerds