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Geheimcode Wildgänse

Originaltitel: Code Name: Wild Geese__Herstellungsland: Deutschland, Italien__Erscheinungsjahr: 1984__Regie: Antonio Margheriti__Darsteller: Lewis Collins, Lee Van Cleef, Ernest Borgnine, Klaus Kinski, Manfred Lehmann, Mimsy Farmer, Thomas Danneberg, Frank Glaubrecht, Hartmut Neugebauer, Wolfgang Pampel u.a.
Geheimcode Wildgänse

Krachige Söldneraction in “Geheimcode Wildgänse”

Nach den ersten filmischen Aufarbeitungen des Vietnamkrieges durch US-Filmemacher sprangen vor allem die Italiener früh auf den rollenden Filmzug auf und stemmten einen Nam-Exploitationer nach dem anderen. Klaus Baumgartner, Kameramann und ständiger Geschäftspartner der Produzenten-Legende Erwin C. Dietrich, beobachtete diese Entwicklung genau und ging nach dem Erfolg des britischen Söldernfilmes „Die Wildgänse kommen“ auf Dietrich zu, um ihn davon zu überzeugen, dass man derartige Unterhaltungsfilme rund um das Thema “Abenteuerspielplatz Krieg” so und noch besser auch drauf habe. Dietrich, bis dahin eher bekannt für bumsfidele Sexkomödien der Abteilung „Robin Hood und seine lüsternen Mädchen“ oder „Die bumsfidelen Mädchen vom Birkenhof“ sagte überraschend zu, kratzte ausreichend Geld zusammen und vertraute dem Italiener Antonio Margheriti, der unter dem Pseudonym Anthony M. Dawson schon die Nam-Heuler „Jäger der Apokalypse“ und „Im Wendekreis des Söldners“ gestemmt hatte, die Regie über „Geheimcode Wildgänse“ an.

Dieser lief so gut, dass „Kommando Leopard“ folgte. „Der Commander“ beendete die Söldner-Trilogie von Erwin C. Dietrich. Für alle drei Streifen engagierte man fast immer die gleichen Darsteller, drehte größtenteils auf den Philippinen an den immer gleichen Drehorten und so manch aufwändigerer Special Effect tauchte in allen drei Filmen immer und immer wieder auf. Dementsprechend ist man direkt geneigt zu behaupten, dass man tatsächlich nur einen der drei Filme kennen muss, die anderen sind sowohl in der Handlung als auch in Sachen Optik und Schauspielensemble doch SEHR ähnlich ausgefallen. Wer sich dennoch alle drei Filme zu Gemüte führen möchte, hat dazu aktuell die Gelegenheit, denn Ascot-Elite bemühte sich geradezu rührend um diese drei Söldnerstreifen und bescherte ihnen in der Cinema Treasures Reihe absolut würdige Heimkinoveröffentlichungen.

Bild- und Tontechnisch gab man alles, um ein gutes Produkt abzuliefern. Das für „Geheimcode Wildgänse“ und „Kommando Leopard“ genutzte, stark körnige Filmmaterial verhindert aber vor allem einen gelungenen HD-Look und führt zu teilweise extrem starken Bildrauschen – bei ansonsten ordentlicher Bildqualität. Doch in Sachen Extras ließ man sich nicht lumpen! Audiokommentare, komplett anhörbare Soundtracks, Foto-Slideshows und manch exklusiv erstelltes Extra lohnen alleine schon die Anschaffung. Dabei finden sich die Highlights vornehmlich auf den Blu-rays der Filme. Grandios ist etwa, wenn Schauspieler Manfred Lehmann, Kameramann Klaus Baumgartner und Arne Elsholtz, der Dialogbuchschreiber der deutschen Synchronisationen aller drei Söldnerstreifen, in einem Kino sitzen und grandiose Anekdoten zu den Dreharbeiten aller drei Filme vom Stapel lassen. Auch die noch nie veröffentlichten Einzel-Interviews mit Manfred Lehmann und Thomas Danneberg sind ein Fundus an tollen Hintergrundinformationen. Das schon auf „Im Wendekreis des Söldners“ enthaltene Special zum Wirken von Regisseur Antonio Margheriti rundet etwa die Extras von „Der Commander“ ab, während nur „Kommando Leopard“ mit einem schrägen, in breitestem Schweizer Dialekt daherkommenden Making Of aufwartet. Echt grandios und eine tolle Würdigung der auch aus heutiger Sicht solide inszenierten Action-Abenteuer-Streifen…

Und damit zum ersten Film der „Söldner-Trilogie“. Dieser beginnt mit einem Einsatz der Söldnertruppe rund um Commander Wesley. Wir erleben das Team, wie es sich einem feindlichen Lager nähert, Minen umgeht und in Stellung robbt. Plötzlich geht alles ganz schnell. Man beginnt die Gegner umzunieten und gigantische Explosionen zerfetzen die Szenerie. Da schreit einer der Mannen von Wesley laut auf. Die ganze Szenerie entpuppt sich als Übung, die freilich sofort abgebrochen wird. Der Verletzte wird abtransportiert und unter seinen Kameraden macht sich Unmut breit. Sie mögen den Schinder Wesley nicht. Glauben, dass er Unmenschliches von ihnen verlange. Ein Motiv, dass Margheriti in seinem Streifen „Im Wendekreis des Söldners“ als Storyaufhänger nutzte, hier aber schnell wieder fallen lässt. Denn Wesleys Leuten ist nur zu bewusst, dass ihr Anführer dennoch die coolste Sau von allen ist.

Genau darum wird er auch von der DEA engagiert. Diese wollen, dass er das Drogendepot eines gierigen Generals im Goldenen Dreieck vernichten soll. Da Wesley einst seinen Sohn an die Drogen verloren hat, sagt er schnell zu und zieht mit seinen Leuten los. Gemeinsam macht man das Depot dem Erdboden gleich, findet aber Hinweise, dass es ein zweites, noch größeres Depot in der Nähe zu geben scheint. Man beschließt, auch dieses Drogenlager zu vernichten, ohne zu ahnen, dass man sich diesmal auf ein verlustreiches Himmelfahrtskommando begibt…

„Geheimcode Wildgänse“ bringt seine Handlung ziemlich zügig voran. So zügig, dass man als Zuschauer durchaus auch mal das Gefühl hat, man habe wichtige Szenen verpasst. So wird beispielsweise zu Beginn nie erwähnt, was nun eigentlich die Aufgabe für die „Wildgänse“ sein soll. Tatsächlich unterhalten sich Wesley und seine Auftraggeber beständig über alles Mögliche, nur nicht über das Vernichten von Drogenlagern! Natürlich erschließt sich dem Zuschauer die Handlung über die Taten der Söldner, eigenartig ist dieses Procedere allerdings schon. Ist der Film dann einmal am Rollen, wird dieses „Problem“ zur Makulatur, denn ab sofort folgt Aktion auf Reaktion und rodet man sich bodycountintensiv durch den asiatischen Dschungel. Blöderweise halst man sich dabei auch eine sehr nervige Reporterin auf, bei der weder Film noch Zuschauer wissen, was sie mit der Figur anfangen sollen. In einer einzigen Szene versucht das Drehbuch, über ihre Figur den Obersöldner Wesley aufzubrechen. Davon abgesehen ist die Dame nur am Schreien, Keifen und Nerven und das Schlimmste: Die Söldner werden die Ische auch nicht wieder los!

Kurzum: Mimsy Farmer ist eine einzige Katastrophe für den Film. Ansonsten fällt der Cast sehr solide aus. Lewis Collins („Die Profis“) bringt einen hübschen Mix aus physischer Präsenz und Charisma mit, so dass man ihm den sturköpfigen Chef einer Gruppe anderer Sturköpfe gerne abnimmt. Mit Manfred Lehmann, Thomas Danneberg und Frank Glaubrecht versammelte man deutsche Darsteller vor der Kamera, die schon damals vor allem für ihre Synchronarbeiten bekannt waren und hier den harten Max rauskehren durften. Vor allem Manfred Lehmann (Bruce Willis’ Organ) machten seine Rollen in den drei Söldnerfilmen sichtlich viel Spaß, während Danneberg schon eher sehr introvertiert rüber kommt, dank seiner markigen Stimme (Sly und Arnie!) aber einiges reißen kann. Als Stars von Weltrang konnte man Ernest Borgnine („R.E.D.“) und Lee Van Cleef („Die Klapperschlange“) verpflichten. Während Borgnine als DEA-Agent eher den Sesselfurzer gibt, ist Van Cleef beständig mitten in der Action. Und glaubt man den Berichten in den Extras zum Film, war er dabei immer dauerbreit. 50-60 Dosen kalten Bieres sollten ihm beständig zur Verfügung stehen und im Film soll man verschiedenste Möglichkeiten ausprobiert haben, den Druckbetankten halbwegs in der Senkrechten zu halten. Als Zuschauer bekommt man von einem derartigen Dauerpegel nichts mit. Van Cleef wirkt trotz fortgeschrittenen Alters so sympathisch und präsent wie eh und je. Was Van Cleef und Borgnine am Set gemein hatten, war ihr Intimfeind. Dieser hörte auf den Namen Kinski, Klaus Kinski. Und der darf wie gewohnt durch die Kulissen toben und den wild krakeelenden Bösewicht geben. Denn der eigentlich vom Film lancierte General, der hinter allem stehen soll, wird in genau zwei Szenen kurz gezeigt und spielt den Rest des Filmes wirklich überhaupt gar keine Rolle. Für mich ein weiterer Beleg, dass hier vor allem in der Handlung ein wenig zu sportlich gestrafft wurde (siehe meine Anmerkungen zum eigentlichen Handlungsantrieb).

Und damit zur Action im Film. Die wird im Gegensatz zur Handlung breit ausgespielt und beginnt nach der einleitenden Big Bang Szene mit einem haarsträubenden Miniaturtrick rund um eine Autoverfolgungsjagd, die in ihrer finalen Überdrehtheit jedem Bond-Film Konkurrenz machen würde. Im Dschungel geht es dann mit einem Mix aus Miniaturtricks (eigentlich jede größere Explosion) und handfesten Ballereien weiter. In flotter Schlagzahl wird ein Lager der Bäddies gesäubert, das Depot in die Luft gejagt, eine Brücke gesprengt und ins zweite Drogendepot eingerückt. Zwischendurch explodieren Miniaturhubschrauber, Strohhütten und Sandsackstellungen. Die Bäddies sterben mal blutig und mal unblutig und auch die eine oder andere schräge Idee findet ihren Weg in den Film. Da werden die Strohhütten der Bösewichter schon einmal von oben gestürmt, indem man durchs Dach der Buden bricht, oder man klemmt einen Flammenwerfer an einen Hubschrauber und entfacht wahre Feuersbrünste. Der gefährliche Schauplatz Krieg wird also wieder mal zum Spielplatz großer Jungs, die sich ordentlich austoben.

Margheriti serviert den Film in hübsch atmosphärischen Bildern aus dem philippinischen Dschungel und treibt auch das eine oder andere sehr schöne Setpiece auf. Vor allem in den dynamischeren Szenen des Filmes merkt man auch, dass der Italiener mit einem ordentlichen Budget hantieren und mit verschiedenen Einstellungen und Perspektiven experimentieren konnte. Der Soundtrack aus Yamaha Keyboards (wird so tatsächlich im Vorspann angekündigt) ist gefällig, hätte aber mehr zackige Themen vertragen können. Gerade das Leitthema ist schon arg seicht geraten.

Was bleibt, ist solide B-Actionware, die mit hohem Tempo voranprischt und eine Actionszene an die nächste reiht. Diese sind gerüttelt spektakulär ausgefallen, eine Abneigung gegen Modelltricks darf man allerdings nicht haben. Diese sind nämlich zahlreich vertreten und auch eindeutig als ebensolche auszumachen. Den absoluten Abschuss stellt dahingehend eine Szene im Showdown dar, bei der ein Hubschrauber, eine Stahltür und ein Armeetransporter eine Hauptrolle spielen. Auch ist ziemlich offensichtlich, dass alles, was teurer war als eine Strohhütte, nicht gesprengt werden durfte, weshalb die Feuerbälle bei den entsprechenden “Explosionen” deutlich sichtbar weit vor den Objekten aufsteigen. Derartige Unzulänglichkeiten trüben den Spaß an diesem flotten Abenteuer aber nur unwesentlich. Die Darsteller sind mit Spaß bei der Sache, die Dialoge sind komplett sinnbefreit und der eine oder andere machomäßig dumme Spruch mischt sich unverhohlen unter. Voll und ganz zum Amüsement des Zuschauers.

Die deutsche DVD/Blu-ray kommt von Ascot-Elite und ist mit einer FSK 16 erstmals uncut. Zu den interessanten Extras dieser Veröffentlichung (etwa ein Audiokommentar) habe ich bereits eingangs etwas gesagt, möchte hier aber nicht unterschlagen, dass die Blu-ray zusätzlich noch ein Interview mit dem Derwisch Klaus Kinski bereithält.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Ascot Elite__FSK Freigabe: 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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