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Geostorm

Regisseur und Drehbuchautor Dean Devlin auf den Spuren seines Weggefährten Roland Emmerich. In „Geostorm“ bekämpft die Menschheit Naturkatastrophen via Satellitennetzwerk. Als dieses verrückt spielt, untersucht Ingenieur Gerard Butler den Vorfall im Weltall. Bald muss er sich jedoch nicht nur mit extremen Wetterereignissen, sondern auch mit Saboteuren in diesem Mix aus Katastrophenfilm und Politthriller herumschlagen.

Originaltitel: Geostorm__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2017__Regie: Dean Devlin__Darsteller: Gerard Butler, Daniel Wu, Jim Sturgess, Alexandra Maria Lara, Eugenio Derbez, Ed Harris, Andy Garcia, Abbie Cornish, Robert Sheehan, Talitha Eliana Bateman, Mare Winningham, Jeremy Ray Taylor, Zazie Beetz, Richard Schiff u.a.
Geostorm

Gerard Butler gegen Verschwörer und Naturkatastrophen in “Geostorm” von Dean Devlin

Dean Devlin startete seine Karriere als Produzent und Drehbuchautor von Roland-Emmerich-Filmen, weshalb es kaum verwundert, dass er sein Kinoregiedebüt „Geostorm“ auf den Spuren seines Weggefährten gab.

Das Ganze erscheint bisweilen wie die 2.0-Version von „The Day after Tomorrow“ zu sein, doch wo der 2004 das prophetische Spektakel zum Klimawandel war, da ist „Geostorm“ der nachgereichte Debattenbeitrag. Die Prämisse: Nachdem extreme Wetterphänomene das Leben auf der Erde zunehmend verunmöglichen, spucken die großen Nationen gemeinsam in die Hände und bauen ein gigantisches Satellitennetzwerk nebst Kontrollraumstation, mit dem sie das Wetter kontrollieren. Die Meisterleistung der Ingenieurskunst verdanken sie vor allem Jake Lawson (Gerard Butler), der nicht nur wie die Actionheldenversion eines Wissenschaftlers aussieht, sondern sich genauso verhält, wenn er sich hemdsärmelig nichts von irgendwelchen Anzugträgern aus Washington vorschreiben lassen will und das bei Hearings vor dem Kongress auch zum Ausdruck bringt.

Der Lohn dafür ist erwartbar: Jake gilt als untragbar, man überträgt die Leitung an seinen Bruder Max (Jim Sturgess). Das sorgt für innerfamiliären Knatsch, weshalb die Brüder einige Jahre nicht mehr sprechen – bis das Wetterkontrollprogramm außer Kontrolle gerät und sich eine Katastrophe anbahnt. Also will die federführende US-Regierung den besten Mann hochschicken, ehe es zu einem weltvernichtenden Geostorm kommt. Es folgt Katastrophenfilmroutine: Jake bringt seine Verachtung für den Bruder und die Anzugheinis zum Ausdruck, grummelt herum, fügt sich dann aber doch, weil er eine Tochter hat, die mitsamt der Welt kaputt gehen würde, wenn er nicht den Karren aus dem Dreck zieht.

Also düst Jake zur Raumstation hoch, wo ein internationales Team unter der Leitung der Deutschen Ute Fassbinder (Alexandra Maria Lara) die Stellung hält, während Max sein Kontakt in Washington bleibt. Während die extremen Wetterphänomene zunehmen, finden beide Lawsons Anzeichen darauf, dass eventuell Sabotage hinter dem Versagen der Wettersatelliten stecken könnte…

Die Vorbilder von „Geostorm“ sind klar zu erkennen: Die Ausgangslage bietet sich für einen bildgewaltigen Querschnitt des Katastrophenkinos an, wie ihn Vorbild Emmerich schon in „The Day after Tomorrow“ und „2012“ bot, die Gefahren durch Weltraumschrott bei der Mission erinnern an „Gravity“ (und ermöglichen wieder Kaputtmachszenarien), während der Plot von den Thrillern der 1970er inspiriert scheint. Hinter der drohenden Katastrophe scheinen menschliche Interessen zu stecken, mögliche Zeugen erleiden Unfälle oder gehen bei Katastrophen drauf, die eventuell aus dem Weltall orchestriert werden. Mit dem Präsidenten Andrew Palma (Andy Garcia) und Secret-Service-Boss Leonard Dekkom (Ed Harris) springen zwei typische Drahtzieherfiguren des geopolitischen Thrillerkinos durch die Rabatte, weshalb man sich in erster Linie fragt, ob einer oder gar beide hinter der Verschwörung stecken könnten und was ein Washingtoner Powerplayer von den globalen Katastrophen haben könnte.

Geostorm

Ingenieur Jake Lawson (Gerard Butler) muss die Welt retten

Die sind natürlich das Pfund, mit dem „Geostorm“ zu wuchern weiß. Vor allem die Umkehrung der Wetterverhältnisse sorgt für Schauwerte, etwa wenn riesige Flutwellen durch eine Sandwüste rollen oder der verschneite rote Platz in Moskau von einer Hitzewelle getroffen wird. Manches zeugt von kreativen Ideen, etwa wenn bei einer Kältewelle die gefrorenen Vögel auf fliehende Menschen herabfallen, manchmal kombiniert man das mit anderen Actionformen, etwa wenn im Finale eine Autoverfolgungsjagd plus Schießerei inmitten einer zusammenbrechenden Metropole stattfindet. Allerdings fällt dabei die schwankende Qualität der Effekte ins Auge, zumal manche Stellvertreterfigur, die da vor dem gerade aktuellen Wetterphänomen flieht, gar nicht oder nur für diese Szene eingeführt wurde, was manchem Überlebenskampf die Dramatik nimmt.

Zwischen den Spektakelszenen ist dann allerdings eher Langeweile angesagt. Die Thrillerhandlung kommt nie so wirklich in Gang, die Motivation der Verschwörer ist 08/15 und nie von Interesse, die Aufdeckung der Identität eines Saboteurs passiert so unmotiviert und nebenher, dass jeder angedachte Knalleffekt sofort verfliegt. So wirkt der tendentiell interessante Politthrillerplot wie verschämtes Füllmaterial zwischen den Katastrophenszenen. Ein weiteres Problem: Den Status als Bester seiner Zunft will man Butler nie so recht abnehmen, was allerdings auch sehr am Drehbuch liegt. Denn es benötigt nicht unbedingt brillante Ingenieurskunst, um auf Lösungen wie jene zu kommen, dass man Satelliten mit Fehlfunktion einfach durch die Aussendung anderer Satelliten an die gleiche Position abschießt. Als Debattenbeitrag zum Klimawandel hat „Geostorm“ dann letztendlich auch wenig mehr zu sagen, dass man gegen die globale Erwärmung gegensteuern muss und dass dafür am besten alle Nationen der Erde zusammenarbeiten. Dass es in der Natur des Genres liegt, dass man einerseits vor schlimmen Katastrophen warnt, diese andrerseits für bildgewaltiges Spektakel nutzt, ist dagegen eine Janusköpfigkeit, mit der auch andere Vertreter zu kämpfen haben.

Geostorm

Secret-Service-Agentin Sarah Wilson (Abbie Cornish) leistet auf der Erde Schützenhilfe

Die Figuren stammen dabei aus dem Setzbaukasten. Max unterhält eine Liebesbeziehung mit der Secret-Service-Agentin Sarah Wilson (Abbie Cornish), die aufgrund der Natur ihrer Arbeit geheim bleiben muss. Immerhin verkehrt das Ganze klassische Geschlechterrollen, wenn sie im Kampf gegen fiese Verschwörer eher für die Action zuständig ist. Jake findet dagegen im All in Ute eine verwandte Seele, ohne dass der Film groß etwas aus dieser Beziehung machen würde. Für den chinesischen Markt springt auch noch Cheng Long (Daniel Wu) in einer egalen Rolle als Unterstützer und Helfer des Heldenduos herum. Und im Finale will man den Kuchen gleichzeitig behalten und aufessen: Da opfern sich Figuren in einem Moment, der direkt aus dem „Armageddon“-Showdown abgepaust scheint, nur um dann doch eine Überlebenschance aus heiterem Himmel zu finden.

Immerhin: Den Ingenieur mag man Gerard Butler („Copshop“) zwar nie so wirklich abkaufen, das kernige Raubein mit Aversion gegen Autoritäten und Klugscheißer dagegen schon, weshalb er in der Hauptrolle Laune macht. Okay ist Jim Sturgess („Stonehearst Asylum“), auch wenn dieser kaum Ähnlichkeit mit seinem Filmbruder hat, stark auch Abbie Cornish („Die Vorsehung – Solace“) als toughe Agentin. Solide zieht sich Alexandra Maria Lara („The King’s Man“) aus der Affäre, starken Support gibt es von Andy Garcia („Swing Vote“) und Ed Harris („Run All Night“). Egal dagegen die Nebenrollen, da helfen auch bekannte Gesichter wie Daniel Wu („Tomb Raider“), Mare Winningham („Hatfields & McCoys“), Zazie Beetz („Deadpool 2“) und Richard Schiff („Shock and Awe“) nichts. Allenfalls Robert Sheehan („Moonwalkers“) als meckriger britischer Space-Station-Ingenieur setzt noch ein paar Akzente.

„Geostorm“ ist eine Big-Budget-Katastrophensause mit hehren Zielen und lauer Umsetzung: Das Klimawandelthema ist kaum mehr als ein Aufhänger für ein Spektakel mit durchwachsenen Effekten, der an sich reizvolle Politthrillerplot hinter dem Krawumm bleibt unterentwickelt. Dank des launigen Gerard Butler und einiger krachender Actionszenen kann man phasenweise Spaß mit „Geostorm“ haben, aber das Vorbild Emmmerich konnte Ähnliches in der Regel schmissiger umsetzen.

Warner hat „Geostorm“ in Deutschland auf DVD und Blu-Ray veröffentlicht, ungekürzt ab 12 Jahren freigegeben. Die DVD hat eine Featurette als Bonusmaterial, die Blu-Ray drei.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Warner__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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