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Ghetto Blaster

Originaltitel: Ghetto Blaster__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1989__Regie: Alan Stewart__Darsteller: Richard Hatch, Del Zamora, Richard Jaeckel, R.G. Armstrong, Harry Caesar, Kamar De Los Reyes, Courtney Gebhart, Marco Hernandez, Jack Rubio, Rick Telles u.a.
Ghetto Blaster DVD Cover Deutsch

Der Ghetto Blaster blastert alles weg!

Travis hat vor einiger Zeit seine große Liebe verloren. Geblieben ist ihm sein Töchterchen, das sich immer mehr anschickt, aus dem Teenager-Alter herauszuwachsen. Eines Tages beschließen beide, die Eltern von Travis zu besuchen. Gesagt, getan.

Früh erklärt ihm seine Mutter, dass sich die Nachbarschaft verändert habe. Sich in Ganghänden befände. Wie zum Beleg begeht just bei der Ankunft von Travis eine Trauergemeinschaft die Beerdigung eines ermordeten Kleinkindes.

Als Travis seinem Vater in dessen Laden hilft, kommt es zur Katastrophe. Vertreter der Hammers, der dominierenden Gang der Hood, erpressen Schutzgeld von Travis Vater, das der nicht hat. Eiskalt nieten die Halunken den alten Mann um. Travis schlagen sie hinterrücks nieder. Travis, der eine Vergangenheit als Einmannarmee hinter feindlichen Linien hat, setzt zu einem brutalen Rachefeldzug an.

Schaut in den Actionfilm mit Richard Hatch hinein

„Ghetto Blaster“ bedient sich eines beliebten Actiontopos: Eine Stadt/ein Viertel wird von einer Gang terrorisiert und ein Held/eine Truppe aus Helden befriedet den Landstrich nachhaltig. Das hat bei den „glorreichen Sieben“ ebenso gut funktioniert wie in „Angel Town“ oder ähnlichen B-Krachern. Warum sollte es bei „Ghetto Blaster“ anders sein?

Der bedient das Thema solide. Baut Helden und Fieswichte auf und gibt beiden ausreichend Raum zum Wirken. Natürlich sind dabei vor allem die Mitglieder der „Hammers“ eine Ansammlung fiesester Latinoklischees, die man heute so gar nicht mehr zelebrieren dürfte. Zumindest einer der Lumpen wird durchaus ein wenig interessanter gezeichnet, was letzten Endes auch einen winzigen, erstaunlicherweise kaum ausgekosteten Twist in der ansonsten nach Schema F ablaufenden Story befeuert.

Überraschungen, sonderliche Charakterentwicklungen oder gute Dialoge sind ansonsten Mangelware in dem mit 82 Minuten sehr straff durchgezogenen, tempomäßig sehr stimmigen Actioner. Der zudem eine nette Grundhärte aufzubieten hat. Den größten Aufreger gibt es direkt zu Beginn, wenn ein kleines Mädchen in Großaufnahme sehr blutig erschossen wird. So etwas bekommt man vor allem im US-Kino dann doch nicht so häufig zu sehen.

Sobald in „Ghetto Blaster“ die Waffen sprechen, wird es allgemein blutig. Bloodpacks platzen, das Kunstblut suppt und so mancher Charakter wird von Kugelsalven gefühlt zerpflückt. Allerdings ist „Ghetto Blaster“, der sichtlich preisgünstig inszeniert wurde, im Abfeuern von Actionszenen eher zögerlich aufgestellt. Konfrontationen ballen sich zu Beginn und gegen Ende des Filmes. Dazwischen sind eher sehr kurze und knappe Actionmomente zu verzeichnen und hier und da rennt mal ein brennender Mensch durchs Bild.

Eine Ausnahme bildet eine längere Montage, die allerdings so gar nicht zum Rest des Tones des Filmes passen will. Denn grundsätzlich gibt sich der Streifen von Alan Stewart („Ghetto Blaster“ war sein zweiter und letzter Film) eher ruppig und rau. In der Montage jedoch wirkt er regelrecht kindisch. Hier erlebt man den Helden der Chose, wie er mit Mausefallen, explodierenden Ghettoblastern und im Clownskostüm die Hammers traktiert. Die infolgedessen mit Halskrausen und Pflastern traurig vor ihrem Anführer stehen. In dieser Sequenz hat mich der Film beinahe verloren.

Zum Glück fängt sich der Film in Richtung Finale wieder und wird deutlich konsequenter. Beim finalen Abräumen spritzt dann wieder ordentlich Blut und dürfen auch ein paar Karren explodieren. Das Setting einer alten Fabrik macht ebenfalls Laune.

Darstellerisch konnte ich mich mit Richard Hatch („Bye Bye Vietnam“) als Helden sehr gut anfreunden. Der Mime kommt sympathisch rüber und kann auch mehr spielen, als so mancher B-Recke. Dafür ist er in der Action nicht immer glaubwürdig. Der Film versucht, uns zu vermitteln, dass Travis Nahkampf-Experte sei. Zu sehen bekommt man davon aber kaum etwas. Vor allem seine Keilereien wirken weitgehend doch sehr grobmotorisch.

In den Nebenrollen agieren mit R.G. Armstrong („Bulletproof – Der Tiger II“) und Richard Jaeckel („Wenn die Hölle losbricht“) zwei vertraute Gesichter auf solidem Niveau. Die restlichen Darsteller müssen diverse Latinoklischees bedienen und sterben. Das klappt ordentlich, spielen kann allerdings keiner von ihnen.

In optischer Hinsicht war Schmalhans Küchenmeister bei „Ghetto Blaster“. Wenn Travis mit seiner Mutter über das Viertel spricht, als sei es eine Gegend für Superreiche, in die sich ein paar Lumpen verirrt haben, schaut man schon reichlich entgeistert auf Bruchbuden, zugemüllte Straßen und wenig einladende Vorgärten. Dementsprechend müssten die Gangs die ganze Nachbarschaft umgebaut haben, wozu sie aber sichtlich nicht mächtig genug sind.

Die schmucklose Kameraarbeit findet ebenfalls keine Mittel und Wege, die billigen Sets aufzuwerten. Peinlich geraten Montage, die sich an die damals aktuelle MTV-Ästhetik mit Reißschwenks und schnellen Schnitten anzubiedern versuchen, aber in Timing und Rhythmus einfach keinerlei Gespür aufweisen.

„Ghetto Blaster“: Billig, aber unterhaltsam

1988 hatte „Colors – Farben der Gewalt“ und 1989 „New Jack City“ aufgezeigt, was für wuchtige Filme rund um das Thema Bandenkriminalität möglich sind. Dahingehend fühlt sich der zwischen beiden Streifen entstandene „Ghetto Blaster“ richtiggehend rührend naiv an. Einzig in Sachen Gewalt vermag er kleinere Ausrufezeichen zu setzen. Doch selbst diese wird durch die zuvor erwähnte kindische Montage und die irgendwie aus der Zeit gefallen wirkenden Story teils kräftig konterkariert.

Sieht man „Ghetto Blaster“ allerdings als reinen No Brainer, wird man von dem Streifen richtig gut unterhalten. Beständig passiert etwas, türmt sich Reaktion auf Aktion und darf der gut gespielte, einigermaßen glaubhaft gezeichnete Held die fies überzeichneten Latinos auslöschen. Das hätte noch mehr Action und Budget vertragen können, kann einen langweiligen Nachmittag aber mühelos verfliegen lassen.

6 von 10

In diesem Sinne:
freeman


…….


Ghetto Blaster

Typische Selbstjustizaction von Alan Stewart: „Ghetto Blaster“

Bedrohte Communities, unfähige Behörden und einsame Rächer tummelten sich Ende der 1980er zuhauf in Selbstjustizfilmen, gern auch für den Videomarkt produziert, wie etwa „Ghetto Blaster“.

Hier also geht es um jene Großstadtviertel, in denen die Polizei zu selten, zu ineffektiv und grundsätzlich zu spät ihre Arbeit verrichtet. Eine Latino-Gang mit dem subtilen Namen Hammers bekriegt sich mit anderen Banden, wobei auch schon mal Kinder blutig über den Haufen geballert werden und Vergeltungsaktionen für actionreiche Verfolgungsjagden durch die Gegend genutzt werden, an deren Ende die Unterlegenen ungefähr so viel Chancen auf Gnade haben wie Truthähne zur Thanksgiving-Zeit. Damit ist der Bandenkrieg allerdings nach kurzer Zeit vorbei, denn so dem Helden hier reicht eine Gang als Totschieß- und Prügelmasse.

Bevor Travis (Richard Hatch), seines Zeichens Witwer, liebender Vater und Sohn eines Ehepaars in dem gepiesackten Viertel wohnenden Ehepaares, die Wumme in die Hand nimmt und für Ordnung sorgt, vergeht allerdings eine Zeit, in der erst mal die Eltern aufsucht, deren Haus mit kleinem Vorgarten jetzt gar nicht so nach Ghetto aussieht wie der Titel es dem Zuschauer weißmacht. Daddy betreibt den Kiosk der Gegend, zahlt widerwillig Schutzgeld an die Hammers und man ahnt, was wohl passieren wird.

Es kommt also wie es kommen muss: Im Streit über die Einkommensumverteilung knallen zwei Gangmitglieder den Kleinunternehmer nieder, während Travis, der schon vorher mit einzelnen Hammers Stunk hatte, bald rot sieht und sich ans Aufräumen macht…

Ghetto Blaster

Chato (Kamar de los Reyes) bringt Travis (Richard Hatch) in eine missliche Lage

Bis allerdings aufgeräumt wird, ist schon eine ganze Zeit vergangen, zumal der Held, obwohl die Hammers bereits Travis‘ Papa und einen netten väterlichen Freund mitsamt dessen Katze unter die Grasnarbe gebracht haben, erst einmal gemütlich loslegt und die Gangster mit nonletalen Methoden reizt, darunter geschickt platzierte Mausfallen, an Motorräder gebundenen Seile oder Zerstörung ihrer Vehikel. Einiges davon wird in Montagen dargestellt, die deutlich daran erinnern, dass „Ghetto Blaster“ zur Hochphase des MTV-Zeitalters entstand und sich ästhetisch an ihm orientierte, auch wenn in Sachen Budget hier Schmalhans der Küchenmeister war.

Auch die Action ist insgesamt kleiner skaliert und bietet ein bodenständiges Programm aus Keilereien, Schießereien und Verfolgungsjagden, die meist kurz ausfallen, aber dafür die eine oder andere Härte bieten, gerade in Sachen blutige Einschüsse. Die Inszenierung ist meist solide, selten dynamisch, aber immerhin ordentliche Hausmannskost; nur bei ein, zwei Prügelszenen wird es etwas unübersichtlich, aber das mag vielleicht auch fehlende Kampfkunstkenntnisse des Hauptdarstellers verdecken sollen.

Ghetto Blaster

Jesus (Del Zamora) und seine Gang klären eine Unstimmigkeit

Richard Hatch („Bye Bye Vietnam“) ist dann leider auch nicht unbedingt ein Ausbund Charisma – da mag das Drehbuch seine Militärvergangenheit zwar aussprechen, aber ein richtiger Bad Ass wird aus ihm doch nicht, auch keine Identifikationsfigur. Selbst als Rächer sieht man da nur den erzürnten Durchschnittsbürger. Del Zamora („RoboCop“) overactet sich einen Schuh als Gangleader (natürlich hört der auf den Namen Jesus) und setzt damit immerhin ein paar Akzente, während der Rest der Belegschaft farblos und generisch wie der Film die meiste Zeit über bleibt.

Dabei hat „Ghetto Blaster“ durchaus Punkte, die für ihn sprechen. Etwa dass Chato (Kamar de los Reyes), Jesus‘ rechte Hand, seinen Boss beschwichtigen will und nicht ganz glücklich darüber ist, dass dieser Chatos Schwester als sein Eigentum betrachtet – die dann wiederum dem Helden näher kommt. Dessen Taktiken haben auch einen gewissen Novitätenbonus, denn explodierende Ghettoblaster und Überfälle im Clownskostüm gehören nicht unbedingt zum Alltag im Selbstjustizfilm, auch wenn „Ghetto Blaster“ ansonsten nur dessen bekannte Strukturen bedient, in denen sich die Konflikte zwischen Held und Gang immer weiter hochschaukeln, ein paar Nebenfiguren auf der Strecke bleiben und am Ende halt ein Showdown für klare Verhältnisse sorgt.

Für Freunde des Selbstjustizgenres ist „Ghetto Blaster“ kein Ärgernis, aber auch nicht mehr als ein durchschnittlicher Vertreter seiner Gattung: Okay inszeniert, begrenzt actionreich und mit ein paar netten Einfällen, aber auch streng nach Schema F gestrickt und mit einem eher blassen Hauptdarsteller gestraft.

Der Streifen war in Deutschland immer geschnitten und trotzdem 25 Jahre indiziert. Selbst in den USA gab es lange nur eine R-Rated-Version, die in zwei Szenen geschnitten war. Mr. Banker Films / Cargo Records holten nun für ihre DVD-Veröffentlichung vom 1. April 2022 die Unrated-Fassung nach Deutschland. Als Master diente eine solide VHS, was ein entsprechendes Bild zur Folge hat.

© Nils Bothmann (McClane)

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