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Ghetto Blaster

Originaltitel: Ghetto Blaster__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1989__Regie: Alan Stewart__Darsteller: Richard Hatch, Del Zamora, Richard Jaeckel, R.G. Armstrong, Harry Caesar, Kamar De Los Reyes, Courtney Gebhart, Marco Hernandez, Jack Rubio, Rick Telles u.a.
Ghetto Blaster

Typische Selbstjustizaction von Alan Stewart: „Ghetto Blaster“

Bedrohte Communities, unfähige Behörden und einsame Rächer tummelten sich Ende der 1980er zuhauf in Selbstjustizfilmen, gern auch für den Videomarkt produziert, wie etwa „Ghetto Blaster“.

Hier also geht es um jene Großstadtviertel, in denen die Polizei zu selten, zu ineffektiv und grundsätzlich zu spät ihre Arbeit verrichtet. Eine Latino-Gang mit dem subtilen Namen Hammers bekriegt sich mit anderen Banden, wobei auch schon mal Kinder blutig über den Haufen geballert werden und Vergeltungsaktionen für actionreiche Verfolgungsjagden durch die Gegend genutzt werden, an deren Ende die Unterlegenen ungefähr so viel Chancen auf Gnade haben wie Truthähne zur Thanksgiving-Zeit. Damit ist der Bandenkrieg allerdings nach kurzer Zeit vorbei, denn so dem Helden hier reicht eine Gang als Totschieß- und Prügelmasse.

Bevor Travis (Richard Hatch), seines Zeichens Witwer, liebender Vater und Sohn eines Ehepaars in dem gepiesackten Viertel wohnenden Ehepaares, die Wumme in die Hand nimmt und für Ordnung sorgt, vergeht allerdings eine Zeit, in der erst mal die Eltern aufsucht, deren Haus mit kleinem Vorgarten jetzt gar nicht so nach Ghetto aussieht wie der Titel es dem Zuschauer weißmacht. Daddy betreibt den Kiosk der Gegend, zahlt widerwillig Schutzgeld an die Hammers und man ahnt, was wohl passieren wird.

Es kommt also wie es kommen muss: Im Streit über die Einkommensumverteilung knallen zwei Gangmitglieder den Kleinunternehmer nieder, während Travis, der schon vorher mit einzelnen Hammers Stunk hatte, bald rot sieht und sich ans Aufräumen macht…

Ghetto Blaster

Chato (Kamar de los Reyes) bringt Travis (Richard Hatch) in eine missliche Lage

Bis allerdings aufgeräumt wird, ist schon eine ganze Zeit vergangen, zumal der Held, obwohl die Hammers bereits Travis‘ Papa und einen netten väterlichen Freund mitsamt dessen Katze unter die Grasnarbe gebracht haben, erst einmal gemütlich loslegt und die Gangster mit nonletalen Methoden reizt, darunter geschickt platzierte Mausfallen, an Motorräder gebundenen Seile oder Zerstörung ihrer Vehikel. Einiges davon wird in Montagen dargestellt, die deutlich daran erinnern, dass „Ghetto Blaster“ zur Hochphase des MTV-Zeitalters entstand und sich ästhetisch an ihm orientierte, auch wenn in Sachen Budget hier Schmalhans der Küchenmeister war.

Auch die Action ist insgesamt kleiner skaliert und bietet ein bodenständiges Programm aus Keilereien, Schießereien und Verfolgungsjagden, die meist kurz ausfallen, aber dafür die eine oder andere Härte bieten, gerade in Sachen blutige Einschüsse. Die Inszenierung ist meist solide, selten dynamisch, aber immerhin ordentliche Hausmannskost; nur bei ein, zwei Prügelszenen wird es etwas unübersichtlich, aber das mag vielleicht auch fehlende Kampfkunstkenntnisse des Hauptdarstellers verdecken sollen.

Ghetto Blaster

Jesus (Del Zamora) und seine Gang klären eine Unstimmigkeit

Richard Hatch („Bye Bye Vietnam“) ist dann leider auch nicht unbedingt ein Ausbund Charisma – da mag das Drehbuch seine Militärvergangenheit zwar aussprechen, aber ein richtiger Bad Ass wird aus ihm doch nicht, auch keine Identifikationsfigur. Selbst als Rächer sieht man da nur den erzürnten Durchschnittsbürger. Del Zamora („RoboCop“) overactet sich einen Schuh als Gangleader (natürlich hört der auf den Namen Jesus) und setzt damit immerhin ein paar Akzente, während der Rest der Belegschaft farblos und generisch wie der Film die meiste Zeit über bleibt.

Dabei hat „Ghetto Blaster“ durchaus Punkte, die für ihn sprechen. Etwa dass Chato (Kamar de los Reyes), Jesus‘ rechte Hand, seinen Boss beschwichtigen will und nicht ganz glücklich darüber ist, dass dieser Chatos Schwester als sein Eigentum betrachtet – die dann wiederum dem Helden näher kommt. Dessen Taktiken haben auch einen gewissen Novitätenbonus, denn explodierende Ghettoblaster und Überfälle im Clownskostüm gehören nicht unbedingt zum Alltag im Selbstjustizfilm, auch wenn „Ghetto Blaster“ ansonsten nur dessen bekannte Strukturen bedient, in denen sich die Konflikte zwischen Held und Gang immer weiter hochschaukeln, ein paar Nebenfiguren auf der Strecke bleiben und am Ende halt ein Showdown für klare Verhältnisse sorgt.

Für Freunde des Selbstjustizgenres ist „Ghetto Blaster“ kein Ärgernis, aber auch nicht mehr als ein durchschnittlicher Vertreter seiner Gattung: Okay inszeniert, begrenzt actionreich und mit ein paar netten Einfällen, aber auch streng nach Schema F gestrickt und mit einem eher blassen Hauptdarsteller gestraft.

Bisher ist „Ghetto Blaster“ noch nirgendwo auf DVD erschienen. Sowohl die deutsche Videofassung von VPS als auch die britische VHS und die amerikanische R-Rated-Fassung haben ein paar Schnitte zu verzeichnen, die aber meist nicht allzu umfangreich ausfallen. Ungekürzt ist die französische VHS; die mir bekannte amerikanische Videofassung kann man aber problemlos schauen.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: VPS__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Ja__Blu Ray/DVD: Nein/Nein

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