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Bye Bye Vietnam

Originaltitel: Angel Hill: l’ultima missione__Herstellungsland: Italien, USA__Erscheinungsjahr: 1988__Regie: Ignazio Dolce__Darsteller: Richard Hatch, Donald Pleasence, Vassili Karis, David Light, Milene Thy-Sanh, Anthony Sawyer, Mike Monty, Larry Melwin, Paul Persse, Robert J. Collins u.a.
Bye Bye Vietnam VHS Cover

Die Italiener verarbeiten ihr Vietnam-Trauma in “Bye Bye Vietnam”.

Chet Casto hat bei seinen Einsätzen bereits mehr als genug von seinen Kameraden und Freunden sterben sehen. Dazu kommt, dass seine Einsätze immer undurchsichtiger werden. Wofür er und seine Männer im Dschungel Vietnams den Kopf hinhalten, ist längst nicht mehr klar. Als sein aktuellster Einsatz mal wieder einigen seiner Männer das Leben kostet, reicht es Costa und er nimmt seinen wohlverdienten Fronturlaub. Hier will er seine Geliebte Mei Ling begatten und neue Energie für den sinnlosen Krieg tanken.

Doch Mei Ling macht sich nach dem Beischlaf für immer aus dem Staub. Kurz darauf steht die Militärpolizei in Castos Schlafzimmer und sucht nach der holden Schönheit. Eine Spionin sei sie gewesen. Costa klinkt aus und haut die Polizisten um. Um seine Weste wieder reinzuwaschen, schickt ihn sein Vorgesetzter auf eine neuerliche Himmelfahrtsmission. Mit einer Handvoll Rookies und einigen Knastvögeln soll er eine für den Vietcong-Nachschub wichtige Brücke sprengen.

Bei dem Einsatz geht zwar lange Zeit alles gut, doch irgendwann kommt natürlich der Punkt, an dem alles aus dem Ruder läuft. Und auf einmal steht auch noch Mei Ling wieder vor Costa!

Schaut in den Vietnam-Actioner hinein

Der Vietnamkrieg und seine filmischen amerikanischen Aufarbeitungen, vor allem die actionreicheren Varianten, wurden zur Blaupause für unzählige italienische Actioner. „Bye Bye Vietnam“ ist ein typischer Vertreter dieser Gattung Film und präsentiert eine Menge Action, gereicht an einer funktionalen Man-on-a-mission-Story, wie man sie schon zigfach im Genre gesehen hat. Eine Brücke gilt es diesmal zu sprengen. Das Drumherum bedient sich aus dem Klischeesetzkasten des Genres.

Zig fiese Vietcongs huschen mit Kalaschnikows durchs Unterholz, bauen unterirdische Gänge und Verstecke und schlagen fies verschlagen aus dem Hinterhalt zu. Strohhut? Ehrensache. Dieser permanenten Gefahr stellt sich eine winzige Gruppe amerikanischer Helden entgegen. Die sind immer schlecht gelaunt, werden stetig von den eigenen Leuten hintergangen und sind darum vor allem auf den eigenen Vorteil aus. Heldentaten? Werden beinahe beiläufig erledigt.

Der wesentlichste Unterschied zu den amerikanischen Nam-Exploitationern ist die nihilistische Weltsicht aller Figuren. Egal wie dreckig die Amis den Vietnamkrieg zeichneten, die Italiener zeichneten ihn immer noch dreckiger. Bei „Bye Bye Vietnam“ funktionieren all die angehäuften Klischees ganz gut. Bambus-Aufspießfallen, Sprengfallen und diverse andere Vietnam-Film-Standards gibt es da als Kirsche auf die Torte oben drauf.

Und wann immer die Story zu lahmen beginnt, wird in den Actionmodus geschaltet. Und das geschieht sehr oft. Dabei platzen Bloodpacks, rotiert der Bodycount und explodieren an allen Ecken und Enden irgendwelche Sprengsätze. Die aufwändigsten Actionszenen entlehnte man aus „Jäger der Apokalypse“, ohne dass dies rechten Sinn machen oder stören würde. Knallt’s halt noch mehr.

Die bei der Action dahingerafften Figuren sind einem vollkommen Latte. Spielen können sie auch nicht. Einzig Richard Hatch („Battlestar Galactica“) macht als Costa einen ordentlichen Job und wirkt in den Dialogszenen nicht gar so verloren. Der bekannteste Name im Cast ist Donald Pleasence („Die Klapperschlange“), der in seiner Rolle als Vorgesetzter Costas aber kaum zum Wirken kommt. Optisch bietet der Film solides Mittelmaß. Er arbeitet mit eher gedeckten Farben, was den Dschungel nicht zum Wirken kommen lässt, dafür aber den grundsätzlich rauen Ton verstärkt. Die Musik ist nervend eintönig und wenig begeisternd geraten.

„Bye Bye Vietnam“ bietet annehmbare Vietnam-Action

„Bye Bye Vietnam“ ist definitiv kein Film, den man gesehen haben muss. Die generische Story ist so egal wie sie funktional ist. Die Darsteller sind bis auf Hatch und Pleasence ein Totalausfall, müssen aber eh nur sterben. Dialoge und Charakterentwicklungen sind weit entfernt von einer Oscar-Nominierung. Dafür werden die hinlänglich bekannten Klischees routiniert abgespult. Für Vietnam-Exploitationfilm-Fans bedeutet dies einigermaßen solide Unterhaltung, die mit ordentlich Dauerfeuer und einigen netten Actionszenen abgeschmeckt wird. Kann man gucken, muss man aber nicht.

04 von 10

Eine deutsche Veröffentlichung gibt es nur auf VHS von Marketing. Die war trotz FSK 18 Freigabe ordentlich geschnitten. 2014 kam sie runter vom Index, seitdem hat sich kein Label um den Film bemüht. Im deutschen TV läuft der Film hin und wieder auf Tele 5, da meist um etwa acht Minuten gekürzt.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Marketing__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Ja__ Blu-ray/DVD: Nein/Nein, nur auf VHS

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