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The Lego Ninjago Movie

Originaltitel: The LEGO Ninjago Movie__Herstellungsland: Dänemark, USA__Erscheinungsjahr: 2017__Regie: Charlie Bean, Paul Fisher, Bob Logan__Darsteller: Jackie Chan, Dave Franco, Ali Wong, Justin Theroux, Olivia Munn, Michael Peña u.a.
The Lego Ninjago Movie DVD Cover

Jackie Chan ist in “The Lego Ninjago Movie” als Schauspieler und Sprecher an Bord.

Lego hatte schon immer einen ausgeprägten Sinn fürs Marketing. Früh gehörten multimediale Vertriebsansätze zur Erfolgsformel. Man kaufte zum Beispiel Rechte an berühmten Franchises und lieferte etwa Star-Wars-, Harry-Potter- und Marvel-Superhelden-Bausets. Neben derartigen Sondersets stemmten die Lego-Macher Videogames und Trickserien, nur um 2014 mit „The Lego Movie“ den längsten Werbeclip der Welt auf die große Leinwand zu wuchten. Und das mit unvermutet großem Erfolg.

Ein Batman-Spin-Off folgte, ein zweiter Teil zum „Lego Movie“ war ausgemachte Sache. Vorher, 2017, erschien das „The Lego Ninjago Movie“. Dieses basierte auf einer prominenten Bauset-Sparte der dänischen Spielzeughersteller, die ihrerseits auf der 2011 gestarteten, erfolgreichen TV-Serie „LEGO Ninjago – Masters Of Spinjitzu“ basierte. In dieser bekämpfen sechs Ninjas das Böse.

Lloyd ist einer dieser Ninjas. Und Lloyd hat gleich mehrere Geheimnisse. Zum einen soll freilich niemand wissen, dass er einer der Ninjas ist, die die Insel Ninjago tagein tagaus vor dem fiesen Lumpen Garmadon und dessen Handlangern beschützen. Zum anderen ist Lloyd der Sohn des fiesen Fieswichtes! Obendrein wünscht sich Lloyd sehnlichst Beachtung von seinem Vater und ganz nebenbei wäre er nur zu gerne ein normaler Teenager mit einer funktionierenden Familie.

Doch Garmadon interessiert sich null für seinen Sohn und so verwundert es wenig, dass er Lloyds Geburtstag mal wieder verpasst. Stattdessen attackiert er erneut Ninjago. Um dem Angriff Einhalt zu gebieten, fasst Lloyd einen verheerenden Entschluss. Er aktiviert „Die ultimative Waffe“ – die sich weniger gegen Garmadon dafür umso mehr gegen Ninjago richtet. Um das Ende der Insel abzuwenden, muss Lloyd mit seinen Ninjafreunden „Die ultimativ ultimative Waffe“ auftreiben. Ein wichtiger Puzzlestein in diesem Plan: Garmadon!

Schaut in den überlangen Werbespot mit Jackie Chan hinein

Freilich ist die Geschichte so gestrickt, dass Lloyd und sein Vater viele gemeinsame Momente bekommen und den Wert der Familie entdecken dürfen. Und natürlich stecken sowohl in dem Teenager Lloyd als auch in dem Bösewicht Garmadon unvermutete Seiten, die es herauszukitzeln und zu stärken gilt. Man kennt das: Kinderfilme sollen immer auch Werte transportieren. Diese Sendungsmaschine läuft durchaus gut. Die eigentliche Handlung allerdings weniger.

Ich muss an dieser Stelle vorweg schicken, dass ich den grundsätzlichen Look der Lego-Filme liebe. Zudem bin ich ein großer Fan der Metawitzchen, die in den Lego-Vehikeln gezündet werden. Allgemein würde ich den dänischen Klötzchenherstellern einen äußerst gesunden Sinn für Humor attestieren wollen. Aber all zu oft flüchten sich vor allem die Macher der Kinofilme in eine überbordende Hektik.

Ständig wird man mit kleinen und kleinsten Details bombardiert. Der Bildschirm erinnert an ein einziges Wimmelbild, weil gefühlt jeder Millimeter mit Lego-Männchen (und -Weibchen) zugestellt wird. Vor allem in der Action geht vor explodierenden und wegfliegenden Bauklötzchen jedweder Überblick alsbald verloren und beständig scheint der Grundsatz zu lauten, dass Mehr eben immer Mehr ist.

Und darunter leidet auch „The Lego Ninjago Movie“. Bevor die Handlung auch nur ansatzweise anrollt, plautzen zwei große Actioneinlagen über den Zuschauer hinweg. Da die Ninja-Helden beständig in Mechas unterwegs sind, fühlt man sich häufiger an Michael Bays „Transformers“ erinnert, nur dass hier aufgrund der Art der Inszenierung viel mangelnde Übersicht zu dem Zuviel an visuellen Informationen hinzukommt. Läuft die Handlung dann endlich, wirkt der Film überfrachtet. Es wirkt, als wolle sich „The Lego Ninjago Movie“ in Metawitzchen zum Thema Martial-Arts-Filme üben, trifft dabei aber nicht den richtigen Ton. Wirkt teils, als wüsste er gar nicht, was er da zu persiflieren oder zu ironisieren versucht. Auch weil die farblosen Helden arg hektisch von einem Schauplatz zum nächsten hetzen. Hektik, Hektik, Hektik.

Nur die Familienzusammenführung macht zu diesem Zeitpunkt noch Laune, weil das Drehbuch hier tatsächlich die richtigen Knöpfe drückt und sich ab und an auch mal Zeit für die Charaktere nimmt. Auch der in diesem Film leider reichlich untergeordnet wirkende Humor hilft dem Film über diverse unrunde Momente hinweg. *nom, nom, nom* verkündende und als Waffen abgeschossene Haie, eine Katze im Godzilla-Modus und die megaeklige Umkehrung der Amputation eines Lego-Figuren-Ärmchens sind großartige Lacher, von denen „The Lego Ninjago Movie“ sehr gerne viel mehr hätte auffahren dürfen.

Über die hinter dem Film stehende Technik kann man sich in keinster Weise beschweren. Im Prinzip ist jede einzelne Szene eine Massenszene, bei der man sich gar nicht vorstellen will, wie viel Arbeit da jeweils reinfließen musste, um diese Mengen an Details umzusetzen. Das ungewöhnliche, zwischen Südsee-Urlaubsfeeling, Asia-Mystik und Vulkaninsel angesiedelte Setting sorgt für toll anzusehende, vor Farben förmlich berstende Settings. Die Kamerafahrten sind durchweg der Hit, die Lego-Werbung auf jedem einzelnen Baustein nur irre und die Umsetzung von Wasser, Rauch und anderen Partikeleffekten höchst gelungen. Die Musik hingegen ist insgesamt reichlich belanglos geraten.

„The Lego Ninjago Movie“ gerät zu überspannt

Gerahmt wird „The Lego Ninjago Movie“ wie das „Lego Movie“ von einer ultrakurzen Realfilm-Rahmenhandlung. In dieser agiert Jackie Chan („The Foreigner“) als Hauptdarsteller. Der asiatische Actionstar spricht im animierten Filmteil zudem Master Wu – Lehrmeister der Teen-Ninjas. Diese Rahmenhandlung ist für den Film selbst reichlich obsolet, ist sie doch nur da, um zum einen den Problemaufriss und später eine Zusammenfassung der transportierten Werte zu liefern. Warum auch immer man das braucht. Zumindest ist Chan in seinem kurzen Auftritt gewohnt sympathisch unterwegs und transportieren die kurzen Realfilmteile mehr Martial-Arts-Flair als der gesamte Film.

Der ist in seiner Grundanlage einfach viel zu hektisch und überspannt geraten. Was schade ist, da „The Lego Ninjago Movie“ immer dann punktet, wenn er sich mal Zeit nimmt. Zeit für seine Figuren, seine Gags und einige bessere Elemente seiner insgesamt leider arg beliebigen Geschichte. Zumindest ist der Film ein einziges Fest für die Augen. Was man hier auf die Netzhaut gebrannt bekommt, mag einen zwar ziemlich schnell überfordern und durchaus auch mal nerven, genial anzusehen ist es aber trotzdem.

05 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film kommt von Warner Home Video und ist mit einer FSK 6 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

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Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Warner Home Video__Freigabe: FSK 6__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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