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Gone

Originaltitel: Gone__Herstellungsland: USA __Erscheinungsjahr: 2012__Regie: Heitor Dhalia__Darsteller: Amanda Seyfried, Daniel Sunjata, Katherine Moennig, Wes Bentley, Michael Paré, Emily Wickersham, Jennifer Carpenter, Nick Searcy, Joel David Moore, …

Gone

Das deutsche Kinoplakat. Hierzulande hat “Splendid/Fox” den Vertrieb übernommen.

Gone

Das (vorläufige) Cover der US-BluRay aus dem Hause “Summit Entertainment”.

 

Der 2012er Thriller „Gone“, seines Zeichens das von Allison Burnett („Unterworld: Awakening“) verfasste US-Debüt des brasilianischen Filmemachers Heitor Dhalia („Adrift“/„Drained“), erzählt die Geschichte einer jungen Dame namens Jill (Amanda Seyfried), welche aktuell gerade (endlich) wieder einen seelischen Zustand zurückerlangt hat, der ihr erneut das Führen eines halbwegs normalen Lebens ermöglicht. Es ist nämlich so, dass sie vor rund einem Jahr nur knapp einem Serienmörder entkommen war, der sie damals verschleppt und in ein Erdloch irgendwo inmitten der weiten Wälder Oregons geworfen hatte. Ihrer Flucht folgend, verlor sie jedoch zunehmend die Unterstützung und den Glauben seitens der Behörden, als keine der in die Wege geleiteten Schritte auch nur einen „handfesten“ Beweis ihrer Ausführungen zutage kehren konnten: Weder der beschriebene Tatort, konkrete Spuren der Entführung noch Überreste anderer (weiblicher) Opfer, von denen sie ebenfalls berichtete, vermochten je gefunden zu werden. Im Angesicht dieser Sachlage, psychischer Probleme in der Vergangenheit (nach dem Tod ihrer Eltern) sowie einem neuerlichen Nervenzusammenbruch, gingen die Verantwortlichen schließlich davon aus, dass sie sich die Story nur ausgedacht bzw. eingebildet hätte – worauf man ihre Einweisung in eine stationäre Therapie-Einrichtung anordnete, aus welcher sie dann erst vor nicht allzu langer Zeit (gefestigter, aber weiterhin verordnete Medikamente einnehmend) in die Obhut ihrer Schwester Molly (Emily Wickersham) entlassen wurde…

Eines Morgens, am Ende einer ausgedehnten Nachtschicht, als Jill von ihrem Job als Kellnerin in ihr gemeinsames Häuschen in einem ruhigen Stadtviertel Portlands zurückkehrt, wird ihr sogleich die Abwesenheit Mollys gewahr, welche auch keinerlei Nachricht (oder so) hinterlassen hat – ein für jene absolut untypisches Verhalten, zumal sie momentan direkt vor einer wichtigen Uni-Prüfung steht. Auf Anhieb ist sich Jill darüber sicher, dass es sich dabei um das Werk des sich ja noch immer auf freiem Fuß befindenden Killers handeln muss, der vermutlich (eigentlich) hinter ihr her gewesen war und Molly nun in seiner Gewalt hat. Nicht bloß weil sie in den Wochen zuvor schon einige Vermisstenfälle in der Gegend eben jenem Täter „zugeschrieben“ hatte – stets jedoch ohne ihre Angaben mit etwaigen Fakten untermauern zu können – reagieren die zuständigen Cops des örtlichen Police Departments (unter ihnen Daniel Sunjata, Katherine Moennig und Michael Paré) auf ihre „Darlegungen“ inzwischen allerdings eher skeptisch und genervt als freundlich und hilfsbereit. Demgemäß rät man ihr, doch erst einmal das unmittelbar vor der Tür stehende Wochenende abzuwarten – Molly würde sich bestimmt nur etwas Abstand von all den „stressigen Belastungen“ gönnen. Enttäuscht und verärgert, da ihr im Prinzip allein der neue Detective im Team (Wes Bentley) „ein offenes Ohr“ schenkt, sieht Jill nunmehr keine andere Wahl, als sich der Angelegenheit selbst aktiv anzunehmen – weshalb sie umgehend (u.a. mit einem .38er-Revolver in der Tasche) den „Wettlauf gegen die Zeit“ antritt, der sowohl über das Leben ihrer Schwester als auch über ihren eigenen „Seelenfrieden“ entscheidet…

„Gone“ besitzt eine reizvolle inhaltliche Ausgangslage, deren unverkennbares Potential in den richtigen Händen (unabhängig so einiger bekannter Charakteristika) durchaus in einem ebenso anregenden wie spannenden Thriller hätte resultieren können. Wie bereits im Falle von „Untraceable“ (2008), bleibt aber auch dieses Skript aus der Feder Burnetts merklich hinter seinen evidenten Möglichkeiten zurück: Durchweg ungenügend wurde im Vorliegenden u.a. der sich bietende Ansatz genutzt, aus speziellen Fragen (wie z.B. nach dem wahren Geisteszustand Jills) Suspense zu generieren – etwa im Sinne einer nachdrücklicheren Beleuchtung der Ursprünge und Auswirkungen ihres (irgendwie) erlittenen Traumas, in welchem Umfang ihre Paranoia eigentlich (tatsächlich) begründet ist oder was sich von all dem nicht eventuell doch nur rein in ihrem Kopf abspielt bzw. ereignet haben könnte. Des Weiteren wäre es interessant gewesen, wenn man die „Betrachtungsperspektiven“ offensiver „verwischt“ hätte – sprich: Ausgeprägtere Selbstzweifel auf Seiten Jills, vor allem im Hinblick auf die „Grenze“ zwischen Realität und trügerischer Einbildung nach dem mysteriösen Verschwinden Mollys, welche ja im Grunde genommen die einzige war, die ihr noch bestärkenden Halt und Zuspruch bot. Da ihr schlichtweg keiner die erhoffte Schrägstrich erwartete Hilfe zuteil werden lässt, ist sie bei ihren Bemühungen nahezu auf sich allein gestellt – schließlich sind die genauen Absichten hinter dem Engagement des einen „kooperativen“ (leicht zwielichtigen) Polizisten keineswegs eindeutig und ist nicht einmal Molly´s Boyfriend Billy (Sebastian Stan) umfassend von ihrer „Entführungs-Theorie“ überzeugt…

Angetrieben von dem Gedanken, dass ihre Schwester wohlmöglich nicht mehr lange zu leben hat, forscht Jill selber nach Anhaltspunkten hinsichtlich der Identität und des Aufenthaltsorts eben jenes (gewähnten) Entführers und Serienkillers. In diesem Rahmen befragt sie mehrere Personen, denen sie immerzu eine „spontane kleine Geschichte“ auftischt, um an die betreffenden Infos zu gelangen: Leider aber sind diese (fast schon pathologisch klingenden) „Notlügen“ derart banaler Natur (ein gestohlenes Fahrrad, ein Opa mit Alzheimer etc.), dass sie einen eher an solche aus Jugendbüchern á la „Nancy Drew“ erinnern sowie in diesem Kontext hier (entsprechend) nur relativ eingeschränkt glaubwürdig anmuten. Zudem erhält Jill die richtigen Auskünfte zum Erreichen des jeweils „nächsten Glieds“ dieser „Spurenkette“ meist auf Anhieb dargebracht: Zeitweise wirkt alles erstaunlich einfach – vielleicht, weil es sich überwiegend bloß in ihrer Vorstellung abspielt? Ähnlich unkreativ (ergo: lahm und durchschaubar) sind die verschiedenen Verdächtigen sowie damit verbundenen (potentiell) falschen Fährten konzipiert worden – man nehme nur mal den eigenwilligen Cop, den Handwerker mit seinem recht rauen Umgangston, seinen unehrlichen Sohn oder den nachts die Gegend im Auge behaltenden Witwer im Haus auf der anderen Straßenseite. Die Hüter des Gesetzes halten sich unterdessen so lange aus der ganzen Angelegenheit heraus, bis sie erfahren, dass Jill eine Waffe bei sich führt und mit dieser gar Leute bedroht – worauf man sie als eine Gefahr sowohl für sich selbst als auch andere einstuft und prompt zur Fahndung ausschreibt. Wie gut für das pfiffige Fräulein, dass sie den gestandenen Beamten (offenbar) so einiges in den Bereichen Cleverness und Ermittlungsgeschick voraus zu haben scheint…

Im Zuge ihrer Verkörperung der Hauptrolle liefert Amanda Seyfried („In Time“/„Jennifer´s Body“) nicht nur eine rundum überzeugende Leistung ab – sie „trägt“ mit dieser das gesamte Werk auch förmlich auf ihren zarten Schultern, denn klar markiert die traumatisierte Jill das Zentrum aller sich entfaltenden Ereignisse. Dass sie emotional instabil ist, verdeutlichen bereits einige kurze Momente unmittelbar zu Beginn des Films (u.a. während ihres Kampfsport-Trainings) überaus treffend – und jene Ambivalenz zieht sich durch den kompletten Verlauf, bis zum Ende hin angrenzend alles eine „kathartische Auflösung“ erfährt. Seyfried verleiht der Figur eine optimale Balance aus entschlossener Stärke und physischer wie psychischer „Zerbrechlichkeit“ – was ihr (seitens des Publikums) den nötigen Grad an Sympathiezuspruch sichert. Dank ihrer guten Darbietung fällt es einem auch leichter, abgegriffene Dialogzeilen wie „I´ll sleep when he´s dead!“ nicht zu gewichtig auf die sprichwörtliche „Waagschale“ zu legen. Umringt wird Amanda von einem anständigen Nebendarsteller-Ensemble, aus deren Reihen jedoch keiner irgendwie groß gefordert wird – und so bringen kompetente Mimen wie Daniel Sunjata (TV´s „Rescue Me“), Katherine Moennig (TV´s „the L Word“), Michael Paré („Streets of Fire“), Jennifer Carpenter (TV´s „Dexter“), Nick Searcy (TV´s „Justified“) und Joel David Moore („Avatar“) ihre jeweilige Screen-Time in oberflächlich gestrickten Parts allesamt gleichermaßen solide wie glanzlos über die Bühne. Lob gebührt indes Emily Wickersham („I am Number Four“), welche Molly innerhalb ihrer wenigen Szenen ein dienliches Maß an „Leben“ einhaucht – wohingegen die Rolle Wes Bentleys („the Hunger Games“) unfassbar plump auf creepy-verdächtig „getrimmt“ wurde…

Fraglos hat Regisseur Dhalia den Streifen durchweg routiniert umgesetzt – jedoch frei einer individuellen Handschrift und ohne die Geschehnisse (in mehr als nur ein paar Augenblicken) mit einem einträglichen Schub „echter Energie“ zu versehen. Unabhängig einer arg konventionellen Musikuntermalung David Buckleys („the Town“) sowie nur selten zu verzeichnender „Spannungsspitzen“ kommt das Tempo (bei einer Netto-Laufzeit von knapp 90 Minuten) dennoch einigermaßen zügig daher – wirklich zu langweilen habe ich mich jedenfalls nie begonnen. Nichtsdestotrotz sind die Schwächen des Drehbuchs derart gravierend, dass einem spätestens mit Einsetzen des Abspanns die unbefriedigende Natur des Gebotenen überdeutlich bewusst wird: Burnett´s Vorlage ist unoriginell, voller Plot-Löcher, Zufälle und Klischees – man nehme nur mal den „unzuverlässigen“ Handy-Empfang oder die aus einem Schrank herausspringende Katze – ebenso wie reich an trivialen Charaktereigenschaften, Unglaubwürdigkeiten und altbekannten „Genre-Bausteinen“. Besonders die Erklärung, warum eine spezielle Figur eine gewisse Zeit lang einfach mal so aus der Handlung verschwindet, ist wahrlich „ein starkes Stück“. Die düstere Basis-Stimmung profitiert ungemein von den atmosphärischen Bildern des Cinematographers Michael Grady („Bug“) und findet letztlich ihren Höhepunkt, als Jill im Schlussakt in den nächtlichen Wäldern Oregons zu einer finalen Konfrontation mit ihren „Dämonen“ aufbricht – bloß enttäuscht dann wiederum der (daraus resultierende) Showdown in gleich mehrerlei Hinsicht, was das „Schicksal“ des Streifens schließlich vollends besiegelt. Ich habe ja beileibe keinen „neuen Klassiker“ oder so erwartet – wohl aber zumindest etwas in der (groben) Richtung bzw. Tradition der zwar ähnlich uninspirierten, dagegen jedoch merklich unterhaltsameren 1997er-Veröffentlichung „Kiss the Girls“. Tja – better luck next time

Fazit:  Amanda Seyfried ist jung, hübsch, talentiert, angesagt und erfolgreich. Gerade in Anbetracht dieses Kontexts dürfte sich ihre Beteiligung an einem 08/15-Thriller á la „Gone“ (unterm Strich) weder förderlich noch schädlich auf ihre aussichtsreich verlaufende Karriere auswirken – zumal sie im Prinzip sogar den einzigen nennenswerten Grund markiert, sich dieses ansonsten weitestgehend unaufregende Werk hier überhaupt anzusehen…

zu verorten nahe der Grenze zur

Hierzulande ist der Streifen seit September 2012 auf DVD und BluRay erhältlich…

Stefan Seidl

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Copyright der Cover und Pics: Splendid/Fox und Summit Entertainment__Infos zur deutschen VÖ: FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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