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Helden USA 2

Originaltitel: Not Another Mistake__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1988__Regie: Anthony Maharaj__Darsteller: Richard Norton, Wren T. Brown, Michael Meyer, Don Pemrick, Glenn Ruehland u.a.
Helden USA 2 DVD Cover

Schon ein amtlicher Titel: “Helden USA 2”

„Helden USA 2“ ist mal wieder ein maximal irreführender Titel. Denn eine „Helden USA“-Reihe hat es per se nie gegeben. Also außer in den deutschen Videotheken. Eigentlich heißt „Helden USA 2“ „Not Another Mistake“ und ist kaum mehr als billige Vietnam-Dschungel-Action. Die zudem mit „Dilettanten USA 2“ einen weitaus treffenderen Titel hätte haben können. Doch ich greife vor. Zur Handlung:

Straker ist ein Vietnam-Veteran und Suff-Kopp, der sich tagtäglich amtlich zulötet und am Boden finsterer Spelunken herumliegt oder durch die Kotze anderer Besucher robbt. Trotzdem ist er der erste Mann, an den ein paar hochrangige Militärs denken, als es darum geht, in Vietnam verloren gegangene Kameraden zu finden. Von der Aufgabe sofort angefixt, ist Straker innerhalb eines Fingerschnippens trocken und bereit, die größten Höllenhunde der amerikanischen Armee hinter feindliche Linien zu führen.

Eingeführt als Supersoldaten, die während eines simplen Trainings durch Feuer laufen, entpuppen sich die „Höllenhunde“ im Einsatz als formvollendete Vollidioten, die unentwegt in billige Sprengfallen und Hinterhalte latschen und angesichts von Leichen ein heldenhaftes „Igittigitt“ ertönen lassen. Das Geile: Die superharten Army-Checker haben all ihre Munition schon verschossen, da sind sie noch nicht mal in Vietnam angekommen. Straker und mir war gar nicht bewusst, wie verfeindet die USA mit Thailand gewesen zu sein scheint.

Schaut in den Vietnam-Actioner mit Richard Norton hinein

Ganze 50 Minuten müssen wir den Deppen um Straker zuschauen, ohne dass irgendetwas Wesentliches passieren würde. Hier explodiert mal ein Bus, da kickt Straker ein paar Lumpen um und freilich schaut man auch mal in einer thailändischen Strippbude vorbei, aber heldenhaft ist an „Helden USA 2“ lange Zeit wirklich gar nichts. In den 50 Minuten bekommt man auch die Figuren nicht näher gebracht. Stattdessen filmt Regisseur Anthony Maharaj („Mission Terminate“) lieber ganze Busfahrten der Helden oder ewig lange Hubschrauberflüge. Irgendwann glaubt man aufgrund der ewigen Reiseclips glatt, man ist in einem verkappten Werbefilm für die Philippinen gelandet, weil der Inselstaat mal wieder Vietnam doubelt.

Hat man die 50 Minuten durchlitten (oder mittels Spulfingers beschleunigt), steigt endlich das, weshalb wir alle einen Film mit dem Titel „Helden USA 2“ in den Player legen: Action. In einer schier nicht enden wollenden Ballereinlage machen unsere Helden aus den USA ein Lager fieser Vietcongs platt. In einer Tour fliegen jetzt Strohhütten formatfüllend in die Luft und werden gefühlt 200 – 300 Vietnamesen, die immer zu dritt vor die Flinten der Amerikaner rennen, umgenietet. Zwischendurch dürfen auch hübsch hässliche fahrbare Untersätze in fetten Feuerbällen aufgehen.

Die Balleraction nimmt kein Ende in “Helden USA 2”

Das folgt alles keiner wirklich durchdachten Choreographie und hat keinerlei Härten zu verzeichnen. Stattdessen fallen die Statisten einfach vollkommen unblutig um, wenn irgendwo eine Platzpatrone knallt. Aber die Actioneinlage unterhält und begeistert schon deshalb auf gewisse Weise, weil sie einfach kein Ende nimmt. Und weil Hauptdarsteller Richard Norton („Equalizer 2000“) zwischendurch auch mal nett kicken darf.

Norton ist es auch, der den Film mit seiner Präsenz zumindest ansatzweise zusammenhält. Er macht als halbwegs glaubwürdiger Held unter lauter Superluschen eine ganz ordentliche Figur und ihm nimmt man im Vergleich zu den anderen Flitzpiepen die gebotene Action auch ab.

Und die hat nun bis zum Showdown keine Pause mehr. Nachdem das Lager beräumt wurde, erobern unsere Amerikaner einen vietnamesischen Zug und nieten fortan alles um, was am Wegesrand steht (so wurde der Railshooter für PCs und Videokonsolen erfunden, hab ich gehört). Hier und da darf wieder so mancher Feuerball gen Himmel steigen. Alles genauso planlos in Szene gesetzt wie die restliche Action, vom massiven Aufkommen und Bodycount her aber wahrlich enorm.

Während in Sachen Action der Aufwand stimmt, wirkt „Helden USA 2“ allgemein sehr billig und unbeholfen in Szene gesetzt. Die Bilder sind schmucklos und trist, die ewig gleich wirkenden Waldschauplätze langweilen und ein echter Cutter hätte den Film locker um 10-15 Minuten Laufzeit erleichtert, ohne, dass dem Film irgendwelche wesentlichen Informationen verloren gegangen wären. Recht dudelig geriet der Score zum Film, der in der Action teils sogar antiklimaktisch wirkt.

“Helden USA 2” ist billige Billigaction, die erst in Hälfte zwei abliefert

Was am Ende bleibt, ist ein storytechnisch unverhohlenes, spannungsfreies und in den ersten 50 Minuten teils extrem zähes „Rambo 2“-Rip-Off. Hat man den viel zu langen Filmeinstieg halbwegs unbeschadet überstanden, zünden Richard Norton und Regisseur Anthony Maharaj ein nicht enden wollendes Actionfinale. Das vermag – im Vergleich zum vergurkten Einstieg  -ballergeile Fans bodycountintensiver Dschungelaction der Marke Cirio H. Santiago durchaus zu befriedigen. Und birgt aufgrund einer absolut bekloppten Idee um Leprakranke und dem sorglosen Umgang mit selbigen eine Menge unfreiwilligen Humors.

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Eine deutsche Veröffentlichung auf DVD kommt von dem Label HDMV, welches leider kaum mehr als ein abgenudeltes und ausgewaschen wirkendes VHS-Tape als „Master“ zur Verfügung hatte. Zumindest präsentiert die ungeprüfte DVD den Film uncut.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: HDMV__Freigabe: ungeprüft__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Nein/Ja

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