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Hercules

Originaltitel: Hercules__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: Brett Ratner__Darsteller: Dwayne Johnson, Irina Shayk, Rebecca Ferguson, Aksel Hennie, Reece Ritchie, John Hurt, Ian McShane, Joseph Fiennes, Rufus Sewell, Barbara Palvin, Ingrid Bolsø Berdal, Robert Maillet, Ian Whyte u.a.
Hercules

Dwayne “The Rock” Johnson gibt “Hercules”!

Aktuell hat Hollywood einen Narren daran gefressen, alle Helden so menschlich wie möglich zu zeichnen. Das begann bei den Comicverfilmungen und macht nun auch vor dem Halbgott Hercules nicht halt. Renny Harlin, der in „The Legend of Hercules“ die Flegeljahre des Helden bebilderte, fing damit bereits an, indem er Hercules’ göttliche Kräfte eher klein hielt und die Heldenwerdung des Halbgottes als eine Art Coming of Age Geschichte anlegte.

Brett Ratner macht Hercules nun gleich vollkommen menschlich. Mehr noch, in Ratners Streifen ist Hercules nur ein gedungener Söldner, der seine und die Dienste seiner Mitstreiter jenem anbietet, der das meiste zahlt. Die großen Heldentaten des Griechen erweisen sich derweil als Sagen und Geschichten, die die letzten Endes erstaunlich normalen Abenteuer von Hercules nur ausschmücken und vor allem aufblasen. Daran haben auch Hercules’ Mitstreiter einen nicht unerheblichen Anteil, denn jenen ist nur zu bewusst, dass ein gutes, ja göttliches Image deutlich mehr Geld in die Kassen spült.

So springen sie diesmal dem unterdrückten Volk der Thraker bei. Diese haben sich in einen Bürgerkrieg verstrickt, der die Menschen in unvorstellbares Leid stürzte. Der thrakische König Cotys möchte mit der Hilfe von Hercules seinen Gegner Rhesus besiegen, das Land wieder einen und es zu alter Macht und Stärke führen. Hercules und seine Mannen stimmen aufgrund eines äußerst großzügigen Salärs nur zu gerne zu und beginnen die verbliebenen Gefolgsleute des Königs auf die folgende Schlacht mit dem angeblichen Zentauren Rhesus vorzubereiten. Was Hercules und seine Mannen nicht ahnen, ist, dass Cotys mit ihnen ein hinterlistiges Spiel treibt…

„Hercules“ beruht auf der Graphic Novel „Hercules: The Thracian Wars“, die vor allem Peter Berg („Battleship“) so beeindruckte, dass er sie für eine Verfilmung optionierte und ebenjene nun produzierte. In den Comics versuchte der Autor Steve Moore die Geschichte Hercules’ so authentisch wie irgendmöglich aufzuziehen. Dazu machte er den Halbgott zu einem gefallenen Helden, der sich nach Erlösung sehnt bzw. erst zu sich selbst finden muss, bevor er die auf ihn wartenden Aufgaben angehen kann. Diese Grundidee übernimmt Ratner für seine Verfilmung und präsentiert die weithin bekannten Teile der Hercules Saga rund um die Hydra von Lerna, den nemeischen Löwen oder den erymanthischen Eber als eine Erzählung eines Begleiters von Hercules, der sich in einer prekären Situation befindet und Zeit schinden muss, bis Hercules ihn erretten kann. Als dieser die Szenerie betritt und nur mithilfe seiner Kumpanen die Angreifer ausschalten und seinen Mitstreiter (und Neffen) aus der brenzligen Situation befreien kann, kommt er nur zu menschlich rüber…

Hercules

Ready to Rock!

Im Grunde präsentiert sich „Hercules“ also in der „Tradition“ von Filmen wie „King Arthur“ oder Petersens „Troja“, die eine weithin bekannte Geschichte hernehmen, alle fantastischen Elemente der Vorlage tilgen und eine Art „wahre Geschichte“ hinter der Geschichte entwickeln. Ein derartiges Vorgehen kann funktionieren („King Arthur“) oder es kann gewaltig in die Hose gehen („Troja“). „Hercules“ sehe ich persönlich eher bei „Troja“…, denn so überzeugend die Übertragung der Grundidee des Comics auf Film auch sein mag, es stellt sich niemals der erhoffte Aha-Effekt ein. Selbst wenn Ratner ab sofort inflationär oft damit spielt, dass angebliche Sagen-Elemente nichts anderes als Lug und Trug sind und alles um Hercules herum einfach nur ganz normal ist, springt der Funke einfach nicht über. Vielmehr beschleicht einen der Eindruck, dass sich der gesamte Film fortan auf dieser einen Idee ausruht…

Hercules

Die nordischen Top-Stars Aksel Hennie und Ingrid Bolsø Berdal in Action vereint…

Im weiteren Verlauf wird „Hercules“ nun zu einem x-beliebigen Sandalenfilm, der sich dem Training der Thraker widmet, einige nette und erstaunlich blutige Schlachten auffährt und diverse langweilige Ränke schmiedet. Das Element, dass Ratner und Co. bewusst herausnehmen, ist am Ende genau das, was man an „Hercules“ im weiteren Verlauf richtig vermisst: Fantasy! Große Heldentaten! Abenteuer! Götterschlachten! Man beginnt sogar vermehrt abzuschweifen und fragt sich, was „Hercules“ wohl für ein Film geworden wäre, wenn man ihn als Creature Feature aufgezogen hätte? Herc und seine Mannen also beispielsweise den ganzen Film über die Hydra gejagt hätten, während diese, dem Predator gleich, die Mitstreiter von Herc ausdünnt. Für all diese Überlegungen hat man bei „Hercules“ genug Zeit, denn der weiß irgendwann gar nicht mehr an sich zu fesseln. Ja, die Produktionswerte stimmen. Die Schlachten steigen in tollen (ungarischen) Landschaften. Die Ausstattung ist detailverliebt und toll anzusehen und auch actiontechnisch wird sehr solides Hack and Slay mit der einen oder anderen Härte geboten. Richtig mitreißen will das Ganze aber nie.

Das liegt auch und vor allem daran, dass Ratner sich keine Zeit für seine Figuren lässt. Alle, einschließlich Hercules, bleiben Pappfiguren. Versiert im Töten, aber ansonsten eigenschaftslos. Dementsprechend wenig mag beispielsweise Ian McShane („Deadwood“) schauspielern. Einige der Darsteller, vor allem Rufus Sewell („Ritter aus Leidenschaft“), geben sich dagegen zwar vergleichsweise mehr Mühe, werden aber vom Drehbuch im Stich gelassen. Und die nordischen Hot Shots Aksel Hennie („Headhunters“) und Ingrid Bolso Berdal („Cold Prey“) werden komplett auf ihre Physis beschränkt. Joseph Fiennes („Enemy at the Gates“) macht sich derweil komplett lächerlich, während sich John Hurt („Snowpiercer“) zumindest vernünftig aus der Affäre zieht. Und Dwayne „The Rock“ Johnson („Pain & Gain“)? Nun, der hat sich vor dem Film ordentlich in Form gebracht und darf in der Action ordentlich glänzen (was mehr als doppeldeutig gemeint ist), während die wenigen Charaktermomente so beliebig wie egal sind und den Darsteller keinesfalls fordern.

Hercules

Alles nur Fantas(y)ie?

Dennoch ist der Cast natürlich weitaus glanzvoller aufgestellt als jener des Konkurrenzproduktes „The Legend of Hercules“. Auch ist Ratners „Hercules“ dem Renny Harlin Prügler in allen technischen Aspekten überlegen. Seien es die Effekte, die Schauplätze oder die allgemeine optische Umsetzung. Brett Ratners glatter Hochglanzlook ist zwar weit davon entfernt, irgendwie interessant oder spannend zu sein, den braunen Matsch rund um Kellan Lutz als jugendlichen Hercules überbietet er aber spielend. ABER!, und da liegt nun der Hase tatsächlich im Pfeffer, Harlins „The Legend of Hercules“ ist tatsächlich!! unterhaltsamer!!! Und das, obwohl er sich ebenfalls nichts traut und auch absolut nichts Neues zu erzählen vermag. Aber er nimmt sich selber weniger ernst und er ist sich anscheinend seiner trashigen Grundnote weitaus bewusster als es Ratners „Hercules“ ist. Der mag sich um eine gewisse Authentizität bemühen, erstarrt aber irgendwann in diesen Bestrebungen und fühlt sich trotz aller Anstrengungen spätestens im saft- und kraftlosen Showdown und aufgrund der Gegenwart von Dwayne Johnson eher wie ein 0815 „Scorpion King“-DTV-Sequel und weniger wie großes Action-Abenteuerkino an. Das Ergebnis ist banales Blockbusterkino mit wenig Herz, noch weniger Seele und mit starken Defiziten in Sachen Schmiss, Spaß und Unterhaltungspotential…

„Hercules“ ist ab 4. September in den deutschen Kinos zu sehen und kommt von Paramount Pictures.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Paramount Pictures Germany GmbH__FSK Freigabe: ab 12???__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 4. September in den deutschen Kinos

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