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Hired to Kill

Originaltitel: Hired to Kill__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1990__ Regie: Nico Mastorakis und Peter Rader__Darsteller: Brian Thompson, George Kennedy, Oliver Reed, Jordana Capra, Kendall Conrad, José Ferrer, Michelle Moffett, Jude Mussetter, Barbara Niven, Penelope Reed, David Sawyer u.a.
Hired to Kill

Das martialisch coole Artwork von “Hired to Kill” kommt bei der britischen Neuauflage als Wendecover mit.

1990. Die Mauer war gefallen und der Autor dieser Zeilen begann ein neues Medium namens VHS für sich zu entdecken. Das Tolle: Der ehemalige kapitalistische Klassenfeind stellte die neuesten Videos in Zeitschriften vor! Eine der ersten, die ich dahingehend erwarb, war eine Zeitschrift namens „Videoplus“. Darin entdeckte ich eine ganze Menge geiler Kracher, aber ein Film ließ mich seitdem nie wieder los.

Beworben wurde er mit einer halbseitigen Anzeige. Schon das Cover rockte wie Hulle: Aus einem See, Tümpel oder Fluss ragte ein Arm heraus. Die Hand am Arm hielt eine MP und eine Schlange hatte den Arm fest umschlossen. Auf kleineren Werbebildern posierte ein Kerl von einem Mann mit riesiger Wumme. Der Titel war da eigentlich Makulatur, er sei aber dennoch erwähnt: „Hired to Kill“! Ich musste diesen Film sehen! Doch blöderweise sollte ihn die Videothek vor Ort nie führen.

Nicht einmal die Videothek der nahe gelegenen Kreisstadt hatte ihn. Im anbrechenden DVD-Zeitalter schien sich ebenfalls kein deutscher Anbieter des Streifens annehmen zu wollen. Importiert habe ich damals noch nix. So graste ich irgendwann gar die Bootleg-Szene ab. Erfolglos. Der Film geriet so allmählich in Vergessenheit. Vor etwa einer Woche dann gab ich mal wieder gelangweilt „Action“ beim englischen Ableger eines großen Versandhauses ein und plötzlich traf es mich wie der Blitz: „Hired to Kill“ wurde als erstes Suchergebnis angezeigt! Eine DVD/Blu-ray-Kombo. Erst vor wenigen Wochen erschienen. Der Bestellfinger verrichtete sein Werk und endlich durfte ich den Film sehen…

Hired to Kill

Das neue Artwork von “Hired to Kill”.

Der konnte freilich mit den hohen Erwartungen, die sich da über Jahre hinweg aufgebaut hatten, im Leben nicht mithalten. Er ist nicht einmal besonders gut. Und dennoch hatte ich meinen Spaß. Worum es geht? Nun, irgendein europäischer Fantasie-Staat verletzt permanent Menschenrechte und entwickelt sich nicht halbwegs so, wie es sich ein paar fiese Unternehmer, die ordentlich Geld in den Staat gepumpt haben (warum auch immer), erwarteten. Darum wollen sie den Staat kollabieren lassen und engagieren hierfür den Söldner Frank Ryan.

Der soll als schwuler Modedesigner mit sechs kampfkräftigen Models in das Land eingeschleust werden, heimlich einen Revoluzzer aus einem Gefängnis der landeseigenen Todesschwadronen befreien und den fiesen Diktator Michael Bartos zu Fall bringen…

So weit, so bekloppt… Und warum nun ausgerechnet ein reicher Unternehmer die Regierung eines Unrechtsstaates stürzen will, das bleibt bis zum Ende das Geheimnis von „Hired to Kill“. Gleich zwei gegen Ende eingewobene Twists geraten sogar noch undurchsichtiger. Und dennoch muss man dem Film für einige seiner Story-Ideen Eier attestieren. Das Highlight ist dabei ganz sicher der etablierte Held. Der ist nämlich eigentlich so männlich, dass er ihn nervende klingelnde Telefone einfach erschießt! Ebenjenen kerligen Überkerl im weiteren Verlauf zu einem schwulen Modedesigner zu machen, das haben sich bisher nicht viele Actionfilme getraut.

Mehr noch, diese Idee mündet in eine vollkommen irre Szenerie. In selbiger testet Bartos-Darsteller Oliver Reed („Gladiator“) die Schwulheit von Frank Ryan, gegeben von Brian Thompson („Perfect Target“). Dazu präsentiert er ihm ein paar amtliche Hupen und langt ihm hernach an die Eier. Und was macht Thompson? Der küsst Oliver Reed in einer viel zu langen Einstellung. Ein Bild für die Götter. Irgendwie. Und gleichzeitig ein Bild, das man wohl nie mehr los wird, wenn man es einmal gesehen hat. Vor allem, wenn man sich vor Augen hält, dass Thompson einfach ausschaut wie ein Testosteron-Psychopath und Reed einen widerwärtigen Oberlippenbart spazieren trägt, der weit jenseits von Gut und Böse rangiert.

Hired to Kill

Brian Thompson beherrscht die großen Posen.

Das Blödeste an „Hired to Kill“ ist, dass der Film seinen Zuschauern abseits solcher Momente lange Zeit gar nichts zu bieten hat. Während „Hired to Kill“ noch flott in die Handlung einsteigt, fällt er bereits wenig später wieder komplett in sich zusammen. So sind wir Ewigkeiten dabei, wie Frank seine Girlies zusammensucht. Die sind letzten Endes ein talentbefreiter und unsympathischer Haufen wenig ansehnlicher Damen, die weder als Models noch als Actionheldinnen durchgehen. Zumindest darf Supermacho Frank ein paar derbe frauenfeindliche Zoten ablassen, spannender wird das folgende Training (Schießen und Haare kämmen – nacheinander) der Frauen dadurch aber auch nicht.

Kommen die Helden dann in dem Fantasie-Staat an, hauen die Regisseure Peter Rader und Nico Mastorakis („The Zero Boys“) so richtig die Bremse rein. Reed und Thompson knutschen sich, die Girls fahren permanent Rolltreppen rauf und runter und diverse widerlich schleimige Lesbensprüche einiger Protagonistinnen sollen wohl das Kopfkino des Zuschauers kitzeln. Das ist dank absolut schrecklicher Kaltwellen, auftoupierter Frisuren und hässlicher Klamotten aber schon vor langer Zeit in Katatonie verfallen.

Hired to Kill

Die drei Damen vom Diktator-Grill…

Leider wollen die Regisseure aber auch keine Action einstreuen. Erst 20 Minuten vor Schluss scheint ihnen einzufallen, dass sie eigentlich einen Actioner abliefern wollen. Also huschen sie schnell zum Showdown, was sie so übereilt machen, dass sie nebenbei alle Logik fahren lassen und die bisherigen 70 Minuten vollkommen ad absurdum führen.

Zumindest haben sie für ihre Action einen hübschen Schauplatz aufgefahren (eine alte Befestigungsanlage), wo sie ein paar fette Explosionen mit herumgeschleuderten Lumpen zünden, eine nette Menge an Goons (meist unblutig) verenden lassen und den Film halbwegs plausibel zu Ende bringen. Nach der langen Anlaufzeit ist der Showdown alles in allem aber ziemlich enttäuschend geraten. Auch und vor allem, weil ausgerechnet Superheld Frank Ryan nur hier und da in die Action eingreifen darf und ansonsten tatsächlich die Ischen die meiste Arbeit verrichten. Dabei bewegen sie sich aber so steif und schwerfällig, dass die ohnehin wenig spektakulären Shootouts und Keilereien noch schnarchiger wirken.

Hired to Kill

Ryan mit seinen Mädels…

Die größte Überraschung an „Hired to Kill“ ist, dass Brian Thompson, sonst ja eher auf Bad Asses abonniert (siehe „City Cobra“), als Held eine verdammt gute Figur macht. Sowohl das prollig Machohafte seines Frank Ryan als auch das Tuckige seines Modedesigners bringt er gut und unverkrampft rüber. Auch deshalb bedauert man die Entscheidung des Drehbuches, sechs (später sieben) unansehnliche Chicks zu den Heldinnen zu machen, mit zunehmender Laufzeit immer mehr. Zumal der Film aus dieser Konstellation auch nichts macht. Davon abgesehen ist der verkappte Söldnerstreifen technisch recht kompetent und sauber in Szene gesetzt, die Schauplätze haben Flair und das Showdown-Setting ist schlichtweg genial. Was dem Film allerdings komplett fehlt, sind Spannung, eine plausible Dramaturgie, Action, Tempo und die eine oder andere Brutalität. Das wird leider auch durch komplett wahnsinnige Szenen (unter anderem die seltsame Hinleitung zu einer noch viel seltsameren Sexszene) nicht ausreichend ausgeglichen. Die Folge ist absolute Hilflosigkeit. Sowohl bei den Akteuren (George Kennedy („Delta Force“) und Oliver Reed wirken komplett verloren) als auch beim Zuschauer.

Und trotzdem bin ich nun irgendwie stolz, den Film in mein Blu-ray-Regal einsortieren zu können. Schon komisch…

Die dem Review zugrunde liegende Blu-ray/DVD-Kombination kommt von dem britischen Label „Arrow Video“. Die fertigten von diesem B-Schinken mal eben ein 4K-Master an, was den Film erstaunlich frisch wirken lässt. Die leicht pastelligen Farbtöne verhindern aber ein richtiges Erstrahlen des Streifens. Soundtechnisch darf es ab und an nett rumpeln. Als Extras erwarten den Käufer ein Audiokommentar, Interviews mit dem Regisseur und dem Hauptdarsteller, Trailer zum Film und ein hübsches Booklet. Mit einer arg hoch gegriffen wirkenden Freigabe ab 18 ist der Film ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label der britischen Ausgabe: Arrow Video__Freigabe: 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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