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Hitman: Agent 47

Originaltitel: Hitman: Agent 47__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2015__ Regie: Aleksander Bach__Darsteller: Rupert Friend, Zachary Quinto, Ciarán Hinds, Hannah Ware, Thomas Kretschmann, Emilio Rivera, Dan Bakkedahl, Mona Pirzad, Prince William E. Morris, Michaela Caspar u.a.
Hitman: Agent 47

Rupert Friend gibt Agent 47 in dem neuerlichen Versuch, das erfolgreiche Videospiel “Hitman” fürs Kino zu adaptieren.

Agent 47 war jahrelang Teil eines Programms rund um geklonte Superkiller. Diese wurden darauf programmiert, skrupellos und effektiv zu töten. Als das Programm aufgelöst wurde, tauchte er wie einige andere Killerklone unter und bot seine Dienste fortan dem Höchstbietenden an. Sein aktuellster Auftrag führt ihn nach Berlin. Hier heftet er sich an die Fersen von Katja.

Diese sucht nach einem verschwundenen Wissenschaftler, an dem auch der Großindustrielle Le Clerq großes Interesse hat. Denn der Wissenschaftler war einst federführend bei dem Klonprogramm, das auch Agent 47 hervorbrachte. Nun will Le Clerq die dabei zum Einsatz kommenden Formeln verbessern, um noch tödlichere Superkiller auf die Welt loszulassen.

Hitman: Agent 47

Finster gucken, du bist im Fernsehen!

Warum und weshalb, das lässt „Hitman: Agent 47“ total im Dunkeln. Allgemein wirkt die Videospielverfilmung etwas unterbelichtet, was ihre Story angeht. Diese passt mühelos auf einen halbierten Bierdeckel und wäre nach fünf Minuten Laufzeit komplett auserzählt, würde sie Regisseur Aleksander Bach nicht ein wenig verklausuliert aufziehen. Voller Ernst wird dabei eine total behämmerte und abstruse Geschichte aufgezogen, die in ihren Erzählmustern wie eine Hommage an beste Old-School-Videothekenware daherkommt und sich gar nicht erst die Mühe macht, so etwas wie Humor oder Ironie auflockernd dazwischen funken zu lassen. Spannung hat es dennoch keine, die Figurenkonstellationen sind total durchsichtig und jedweder vermutlich überraschend gedachter Moment löst beim Zuschauer nur ein Kopfschütteln aus.

Zumindest versuchen die Macher immer wieder von dem Story-Unsinn abzulenken. Dazu verpflichteten sie die „John Wick“-Zauberer Chad Stahelski und David Leitch, deren Einfluss als Regisseure der Actionszenen unverkennbar ist. Agent 47 bedient sich im beidhändigen Umgang mit seinen Waffen des Gunkata Stils, den die beiden hauptberuflichen Stuntmen in „John Wick“ etabliert haben. Dabei atmet der Film auch eine ähnliche Form der Härte, wenn Agent 47 aus nächster Nähe in Köpfe und Körper ballert und gnadenlos durch die Reihen der Bösewichter pflügt. Deutlich brutaler wird es in einer Szene in einer Berliner Fabrik, bei der die Gegner des Klonkillers brachial zersplattert werden. Zwar kommt hierbei beinahe ausschließlich der Rechner zum Einsatz, die Gewalteinlagen haben aber dennoch einen krassen Impact.

Hitman: Agent 47

Die Blasse und das Biest. Oder: No Acting trifft Overacting!

Selbiger geht den sonstigen Actionszenen leider ziemlich ab. Es fehlt irgendwie an Abwechslung. So wiederholen sich etwa die Moves von Agent 47 von Szene zu Szene, was gewaltig am Coolness-Faktor nagt. Um die Actionszenen anderweitig aufzuwerten, kommen immer häufiger großformatige Desasterszenen zum Einsatz. Gewaltige Explosionen erschüttern dann die Leinwand, sehen allerdings leider arg künstlich aus. Allgemein wird jede Actionszene von mindestens einem deutlich als Effektshot erkennbaren Moment geerdet. Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass die Effektkünstler von ILM hinter den Effekten dieses Filmes stehen. Im Vergleich zum Trailer wurde zwar noch einmal gewaltig an den Effekten geschraubt und im kurzatmigen Editing gehen auch einige Effektpatzer unter, aber gerade die vielen animierten Opfer von Agent 47 wirken wie aus der Pionierzeit der Special Effects.

Darstellerisch muss ich anmerken, dass ich mit Rupert Friend („Homeland“) als Hitman nicht so wirklich warm wurde. Um genau zu sein, saß ich die ganze Zeit in dem Film und dachte bei mir: Was ist denn nur mit Orlando Bloom los, hat er in eine saure Zitrone gebissen? Genauso schaut Friend den ganzen Film lang aus der Wäsche. Abgesehen von der Tatsache, dass der gute Rupert kein Glatzengesicht hat, hat er das große Problem, dass man mit seinem Charakter nie warm wird. Er wirkt unnahbar, eben wie ein eiskalter Killer. Um ihn aufzubrechen wurde Hannah Ware („Oldboy“) als Katja engagiert. Diese hat mit ihrer eigenen, seltsam überladenen Rolle so stark zu kämpfen, dass sie bei ihrer eigentlichen Aufgabe – als Mittler zwischen dem Hitman und dem Zuschauer zu fungieren – komplett versagt. Optisch ist sie zwar ganz nett anzuschauen, schauspielerisch bleibt sie aber vollkommen blass und für den Film nutzlos. In Nebenrollen versuchen Cirian Hinds („Ghost Rider 2“) und Thomas Kretschmann („The Avengers: Age of Ultron“) gar nicht erst, sich beim Schauspielen erwischen zu lassen. Dagegen flüchtet sich Zachary Quinto („Star Trek Into Darkness“) nach interessantem Start einfach ins Überkandidelte.

Hitman: Agent 47

Das Ende der großen Audi-Werbung.

Technisch gesehen macht „Hitman: Agent 47“ nicht viel verkehrt. Zunächst aufgrund des Schauplatzes Berlin recht organisch und leicht angeraut wirkend, übernimmt mit dem Schauplatz Singapur die dortige erstaunliche Architektur das Regiezepter und wird von cool designten, äußerst modernen Innenraumsettings flankiert. In der Action ist der Film teilweise sehr schnell und hart geschnitten. Hier und da wirkt er trotz R-Ratings, als sei er mit der Schere im Kopf inszeniert wurden, denn der eine oder andere Abgang diverser Bösewichter wirkt nicht ganz rund. Das geht sogar soweit, dass man den Abspanngag gar nicht so richtig versteht.

Letzten Endes bliebe noch die Erkenntnis, dass „Hitman: Agent 47“ wie der Vorgängerstreifen „Hitman – Jeder stirbt alleine“ mit der eigentlichen Vorlage erneut nicht viel gemein hat. Zu Beginn, wenn Agent 47 seine Gegner noch mit Fallen, Garrotte und stoischer Gelassenheit in Mano-a-Mano-Situationen ausschaltet, ist der Film recht nah an der grundlegenden Stealth-Spielmechanik der Spielvorlage dran. Das ändert sich mit zunehmender Laufzeit gravierend. Der Hitman wird mehr und mehr zum reinen Actionhero, was mit der Spielfigur per se nicht viel gemein hat…

Während man die Art und Weise, wie die wirklich dünne, hanebüchene, spannungsbefreite und häufiger dramaturgisch durchhängende Story aufgezogen wird, noch als Old School abfeiern könnte, fehlt es dem Rest einfach an Impact, Wucht und richtigem Schmiss. Vor allem die teilweise schwachen CGIs von ILM (man kann es nicht oft genug erwähnen) reißen immer wieder aus der Action heraus, die von den „John Wick“-Machern arg eintönig und irgendwie gebremst wirkend choreografiert wurde. Für etwas Abwechslung im Shootout-Einerlei sorgt eine Verfolgungsjagd zwischen einem Audi und mehreren Motorrädern. Leider verkommt diese Einlage zu einer Art Werbespot für das Auto aus deutscher Herstellung, der nicht halb so cool ist, wie der entsprechende BMW-Werbespot aus „Mission: Impossible – Rogue Nation“. Nur das Ende der Szene, das ist mal wirklich innovativ. Das ergibt letzten Endes zumindest flott anmutende 0815-Action in coolem Look. Immerhin…

„Hitman: Agent 47“ läuft seit dem 27. August in den deutschen Kinos und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Twentieth Century Fox__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, seit dem 27.8.2015 in den deutschen Kinos

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