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I spit on your Grave 2

Originaltitel: I spit on your Grave 2__Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2013__ Regie: Steven R. Monroe__ Darsteller: Jemma Dallender, Yavor Baharov, Joe Absolom, Aleksandar Aleksiev, Mary Stockley, Valentine Pelka, George Zlatarev, Peter Silverleaf, Michael Dixon, Kacey Barnfield,

Das österreichische Cover-Motiv.

Das österreichische Cover-Motiv.

Das australische Cover-Motiv.

Das australische Cover-Motiv.

Im Jahre 2010 war es Regisseur Steven R. Monroe gelungen, in Gestalt seiner „I spit on your Grave“-Neuverfilmung einen ebenso gewalttätigen, packenden, intensiven wie ungemütlichen „Rape&Revenge“-Streifen zu erschaffen, der dem 1978er Original Meir Zarchis (dank solcher Eigenschaften wie fähigeren Darstellern, einer besser ausgearbeiteten Handlung sowie einer durchweg inspirierteren Umsetzung) obendrein in nahezu jeder Hinsicht überlegen ist. In Anbetracht des soliden Erfolgs jener Veröffentlichung beschlossen einige Entscheidungsträger im Folgenden jedoch, ausgerechnet diese Materie zu so etwas wie einer „Franchise“ auszubauen – und so wurde ein entsprechendes Projekt kurzerhand in Auftrag gegeben, welches 2013 schließlich „das Licht der Welt erblickte“ und hier nun zur Besprechung vorliegt. Was ich dabei (an sich) als interessant empfand, war dass Monroe ein erneutes Mal die Inszenierung übernahm – wohingegen es mir (von vornherein) deutlich weniger zusagte, dass sich die von Thomas Fenton („Saw IV“) und Neil Elman („Throttle“) verfasste Story in keinerlei Weise um eine Anknüpfung an das Vorgängerwerk bemüht, sondern stattdessen einfach bloß eine andere, inhaltlich nicht mehr als ein Stück weit variierte Geschichte erzählt…

Katie (Jemma Dallender) ist jung, attraktiv, vom Lande stammend und träumt davon, in New York eine Karriere als Model zu starten. Leider aber erzeugen ihre bisherigen Fotos bei den dortigen Agenturen einen „zu provinziell“ gearteten Eindruck – weshalb sie sich vorerst (notgedrungen) als Kellnerin „über Wasser hält“. Da das Leben in der City (erfahrungsgemäß) ein relativ teures ist, kommt ihr das Angebot eines kostenfreien Shootings gerade recht, in dessen Rahmen sie ihre Sedcard (unter Umständen) um einige besser zur Nachfrage in der Metropole passende Aufnahmen zu ergänzen erhofft. In dem mitgeteilt bekommenen Studio trifft sie auf den Photographen Ivan (Joe Absolom) und seine beiden Brüder Nikolay (Aleksandar Aleksiev) und Georgy (Yavor Baharov) – worauf man sich umgehend an die Arbeit begibt: Was (von den Ergebnissen her) eigentlich nicht unergiebig beginnt, entwickelt sich plötzlich aber in eine veränderte Richtung, als Katie zunehmend klar wird, dass es den Männern vor allem wohl darum geht, sie möglichst „hüllenlos“ abzulichten, um jene Pics anschließend im Internet anbieten bzw. verkaufen zu können. Auf nichts dergleichen ist sie sich jedoch einzulassen bereit – weshalb sie die Session sofort (entschieden und selbstbewusst) abbricht…

Als Georgy später (unerwartet) bei ihr daheim auftaucht, um ihr einen USB-Stick mit ihren Fotos zu überreichen, beschleicht Katie unweigerlich ein „unbehagliches Bauchgefühl“, das nicht lange danach seine unglückselige Bestätigung erfährt: Unbemerkt verschafft sich der von dem hübschen Mädel arg angetane Osteuropäer Zugang zu ihrem Appartement und versteckt sich in diesem erst einmal eine ganze Weile, bevor sie inmitten der Nacht (mit Schrecken) auf ihn aufmerksam wird – samt gezückter Kamera am Fuße ihres Bettes hockend. Eine Auseinandersetzung entbrennt, im Zuge derer Katie u.a. niedergeschlagen und vergewaltigt wird sowie des Weiteren mit ansehen muss, wie ein ihr zu Hilfe geeilter Nachbar von Georgy eiskalt mit einem Messer getötet wird. Herbeigerufen, um die „missliche Lage“ eventuell irgendwie „bereinigend in den Griff zu bekommen“, setzen Ivan und Nikolay sie prompt unter Drogen und sperren sie in eine Kiste, wo sie rasch in eine tiefe Besinnungslosigkeit verfällt. Nackt und missbraucht, erlangt sie auf einer alten Matratze in einem düsteren Kellerraum liegend ihr Bewusstsein zurück: Fortan wird ihr ein wahres Martyrium auferlegt, welches sie schon bald an die Grenzen ihrer physischen wie psychischen Belastbarkeit bringt…

„I spit on your Grave 2“ folgt der altbekannten „Formel“ dieser Art Filme ohne nennenswerte Abweichungen oder Variationen – weshalb im Grunde jedem der komplette (aus jener Plot-Struktur hervorgehende) Ablauf inzwischen zu genüge vertraut sein dürfte und man von daher haargenau weiß, dass Katie die ihr zugefügten Qualen überlebt und in der „zweiten Hälfte“ dann grausame Rache an ihren Peinigern nehmen wird: Ein zwar unoriginelles, wohl aber in gewissen Zuschauer-Kreisen „keineswegs unbeliebtes“ Konzept. Besonders in diesem Sub-Genre ist der Grad zwischen einem effektiven, sich der Thematik auf durchaus geschickte Weise annähernden Reißer (wie z.B. das 2009er „the Last House on the Left“-Remake) und „verachtenswerter Kost für gestörte Gemüter“ (á la David DeFalco´s „Chaos“) bloß relativ schmal. Ist es Monroe nun also gelungen, an die „Qualitäten“ des ersten Teils anzuschließen – oder vielleicht sogar darauf aufzubauen? Um die betreffende Antwort bereits an dieser Stelle vorwegzunehmen: Nein. Die Hauptschuld daran ist einigen unvorteilhaften Entscheidungen zuzurechnen, die u.a. aus einer schwächeren Skript-Vorlage resultieren – „rein handwerklich“ gibt es nämlich auch dieses Mal nur wenig zu beanstanden. Aber der Reihe nach…

Im Vorgänger verließ die von Sarah Butler portraitierte Jennifer NYC, um auf dem abgeschiedenen Lande in Ruhe an ihrem neuen Roman zu arbeiten – in diesem Fall ist Katie in die Großstadt gezogen, um dort das Fundament einer Karriere zu legen. In gräulich-kühlen Bildern wird der urbane Schauplatz dargeboten: Katie´s Hoffnungen und Träume haben sich noch nicht erfüllt, das Geld ist knapp und bis auf einige flüchtige Gespräche mit ihrem netten Nachbarn hat sie noch nirgends echten Anschluss finden können. Kein ungewöhnlicher Alltag für jemanden im aufgezeigten Kontext. Etwas mehr Charaktertiefe wäre mit Sicherheit nicht von Nachteil gewesen – doch immerhin kann man im Angesicht dieser Umstände zumindest einigermaßen nachvollziehen, warum sie sich auf das nicht unbedingt professionell anmutende Shooting einlässt. Ihr Verhalten im Rahmen des Abbruchs sowie in den Stunden danach wirkt anstandslos glaubwürdig – worauf für sie „alles“ jedoch stracks in einen abscheulichen Albtraum abgleitet: Erbarmungslos „direkt“ eingefangen, wird sie u.a. auf dem Boden ihres Wohnzimmers vergewaltigt, während ihr niedergestochener Bekannter (keine drei Meter entfernt) langsam verblutet und sie dabei gegenseitig (hilflos) „Zeuge ihrer jeweiligen Schicksale“ werden…

Intensiv und abstoßend zugleich, ist die Szene an sich schon für den „normalen Betrachter“ nur schwer beizuwohnen – und dennoch markiert sie erst die sinnbildliche „Spitze des Eisbergs“ in dieser Hinsicht. Als die betäubte Katie später erneut ihre Augen öffnet, wird sie gerade von Nikolay geschändet, der unmittelbar nach dem brutalen Akt auch noch auf die wimmernde und verletzte Frau uriniert. In einem abgepassten Moment gelingt es ihr allerdings, sich zu befreien sowie aus dem Gebäude in die umliegende Nachbarschaft zu fliehen – wo sie aber plötzlich (ebenso verwundert wie bestürzt) feststellen muss, sich überhaupt nicht mehr in den Vereinigten Staaten, sondern stattdessen in Bulgarien zu befinden! Eine wirklich fein arrangierte Sequenz – unabhängig einer damit jedoch verknüpften (markanten) „Logik-Auffälligkeit“: Wie bloß soll es den Brüdern geglückt sein, sie (in der Form und Zeit, wohlgemerkt) außer Landes zu schaffen?!? Nunja. Von der örtlichen Polizei aufgegriffen, wird sie jedenfalls seitens eines Beamten befragt sowie in die Obhut einer (Opfer wie sie betreuenden) Sozialarbeiterin überstellt – allerdings führen bestimmte Verstrickungen im Folgenden dazu, dass sie Ivan, Nikolay und Georgy wiederum in die Hände fällt…

Als ob das Bisherige nicht bereits schlimm genug war, sieht sich die angekettete Katie nun einem schmierigen Osteuropäer ausgesetzt, der sie (gegen Bezahlung) über mehrere (unschön voyeuristisch und detailfreudig präsentierte) Minuten hinweg „genüsslich sadistisch“ (u.a. im Bereich ihrer Genitalien) mit einem elektrischen Viehtreiber quält: „Gewaltpornographie“ dürfte dafür ein recht angebrachter Begriff sein. Erst dann hat die Geschundene (der Auffassung ihrer Missbraucher nach) „ihren Zweck erfüllt“ – worauf sie noch einmal verprügelt, in die Kiste gesperrt sowie letztlich gar lebendig begraben wird. Nur aufgrund eines speziellen „baulichen Umstands“ entkommt sie aus jener (prinzipiell eigentlich ausweglosen) Lage: Nackt, verletzt und weinend schleppt sie sich fortan durch die Kanalisation Sofias, sucht sich einige Lumpen zusammen und ernährt sich u.a. von einem verletzten Vogel – bevor sie bei einem Einbruch in eine Kirche einen barmherzigen Priester kennen lernt, der ihr etwas Essen, Kleidung sowie auch eine Bibel überlässt. Durch das Lesen einer Passage über Vergeltung in ihren eigenen Gedanken bekräftigt, entschließt sie sich kurzerhand dazu, eben jenen „Pfad“ zu beschreiten, anstatt den (in Sicherheit führenden) Gang zur US-Botschaft anzutreten…

Da der Film seinem Publikum bis zu diesem Punkt im Verlauf so ziemlich alle verwerfliche Details der Taten sowie die zugehörigen Mitleid-erregenden Reaktionen Katies aufgezeigt hat, gönnt man ihr ihre (möglichst ebenbürtige) Rache nach dieser durchlittenen Tortour geradezu herzhaft, welcher man im Vorfeld ja „auf solch unangenehme Weise“ Zeuge wurde. Der Reihe nach zahlt sie es ihnen (u.a. per Verwendung sexueller Gewalt) heim: Zum Beispiel fesselt sie einen, fügt ihm tiefe Schnittwunden zu und beschmiert diese mit Fäkalien – was über die Tage hinweg zu fiesen Infektionen führt. Einem anderen klemmt sie „die Weichteile“ in einen Schraubstock ein und betätigt diesen bis hin zum Platzen des Hodensacks: In Großaufnahme! Schmerzhaft mit anzusehen sind diese Bestrafungen ohne jeden Zweifel – und trotzdem kommt es einem so vor, als würde in jener Beziehung die „Verhältnismäßigkeit“ nicht ganz stimmen. Ich selbst habe mich beim Verfassen dieser Kritik ja ebenfalls stärker auf den „Rape“- als auf den „Revenge“-Anteil des Streifens konzentriert – nicht bloß um gewisse Spoiler zu umgehen, sondern auch da letztere „Phase“ überraschend bündig abgehandelt wird…

In Anbetracht von Katie´s Martyrium sowie mit dem inzwischen ja weitestgehend abgeebbten „Torture Porn“-Trend noch gut in Erinnerung, hätte ihre Retribution im Grunde ein zusätzliches Stück weit „extremer“ ausfallen müssen, um auf der betreffenden (emotional geprägten) Anschauungs- bzw. Empfindungsebene ein „zufriedener stellendes Gefühl von Angemessenheit“ zu erzeugen. Darüber hinaus geht es unweigerlich auf Kosten der bis dato generierten Beklemmung, wenn das Drehbuch Katie auf einmal markige One-Liner (zynisch-sarkastische Variationen einzelner Sätze ihrer Vergewaltiger) in den Mund legt oder ihr die Kraft zuspricht, einen der Männer etwa eigenhändig in einer Toiletten-Schüssel zu ertränken. In der Hauptrolle beweist Jemma Dallender („Community“) ein anständiges Maß an Talent und liefert eine kraftvolle „Tour-de-Force“-Performance ab – wird im Schlussdrittel aber zu merklich von Seiten des Skripts „im Stich gelassen“, was sich sogleich auf ihre Glaubwürdigkeit und Leistung (als „eiskalte Vergelterin“) auswirkt. Die Parts ihrer Peiniger verkörpern Joe Absolom (TV´s „EastEnders“), Yavor Baharov („Tilt“) und Aleksandar Aleksiev („Pesticide“) indes „den Anforderungen entsprechend widerwärtig“…

Fenton und Elman haben eine substanzlose, schlicht gestrickte sowie von eindimensionalen Charakteren bevölkerte Story verfasst, die einen mit Anbruch der zweiten Hälfte zunehmend unvorteilhafter zu verärgern beginnt – u.a. im Hinblick darauf, dass Katie „ihre Vorhaben“ im Prinzip nur deshalb stets so erfolgreich umsetzen kann, da ihre „Zielpersonen“ ihr meist völlig unbeholfen-unüberlegt wirkend zu den jeweils gestellten „Fallen“ hin folgen. Sich um Nebenfiguren wie den hilfsbereiten Priester, einen Polizei-Beamten sowie die Mutter der Brüder rankende Handlungsstränge verbleiben durchweg oberflächlich geartet, einzelne Logik-Schwächen sind nicht zu verkennen und die generelle Vorhersehbarkeit der Geschehnisse vermeidet weit mehr als nur das Aufkommen von Suspense: Das Gebotene mutet schlichtweg uninspiriert an – etwas, das auch mit den gewählten Locations (Ostblock, Kellerräume, Kanalisationsschächte etc.) sowie der damit verbundenen gräulich-düsteren Farbgebung in Zusammenhang steht, immerhin aber mit zur gewollten Atmosphäre beiträgt. Vervollständigt wird der „handwerkliche Eindruck“ schlussendlich von der soliden Bebilderung Damian Bromleys („House of 9“), einigen echt feinen „Old-School-Effekten“ sowie der kompetenten, obgleich nicht allzu beseelten Regie-Arbeit Steven R. Monroes…

Fazit:  Bei „I spit on your Grave 2“ (2013) haben wir es mit einem ebenso gewalttätigen wie ungemütlichen Exploitation-Flick zutun, der zwar fachkundig realisiert wurde und seine (von der gesamten Konzeption her) angedachte „Wirkung“ beileibe nicht verfehlt, nichtsdestotrotz aber rein gar nichts vorzuweisen vermag, das man (beispielsweise) im vorherigen Film nicht schon besser präsentiert erhalten hat – Setting, Darsteller, Plot-Gestaltung und Inszenierung mit inbegriffen…

Wie schon im Fall von Teil 1, erschien die britische Veröffentlichung bloß in einer gekürzten Version. Hierzulande lief der Film bislang (Stand: 02/2014) nur im Rahmen von Veranstaltungen wie dem “CineStrange”-Festival in Dresden – während “Sunfilm” den eigentlich angedachten Heimkino-Start immer wieder verschoben hat (Schnitte seitens der FSK sind bei dem Werk unausweichlich). Die österreichischen DVDs und BluRays aus dem Hause “Illusions UnLtd.” sind indes (wiederum) uncut, weisen eine deutsche Tonspur auf und beinhalten die “Unrated”-Fassung, welche ebenfalls in Ländern wie Australien und den USA käuflich zu erwerben ist…

Stefan SeidlI spit on your Grave 2

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I spit on your Grave 2

Copyright der Cover und Bilder: Anchor Bay (US&GB) / Illusions UnLtd. (A) / Madman Ent. (AU) / Sunfilm (D)__ Infos zur österreichischen VÖ: Freigabe: Unrated__ Geschnitten: nein__ Blu Ray/DVD: ja/ja__

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