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Das verschollene Medaillon – Die Abenteuer von Billy Stone

Originaltitel: The Lost Medallion: The Adventures of Billy Stone__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2011__Regie: Bill Muir__Darsteller: Billy Unger, Sammi Hanratty, Jansen Panettiere, James Hong, Mark Dacascos, William Corkery, Tiya Sircar, Hal Rudnick, Sidney S. Liufau, Eric Unger u.a.
Das verschollene Medaillon

Mark Dacascos gibt den üblen Lump in “Das verschollene Medaillon”

Kinderfilme sind immer dann am besten, wenn sie ihr eigentliches Zielpublikum in fremde Welten entführen, ihnen positive Identifikationsfiguren bieten, eventuell kleine Lehren bereithalten und sie blendend unterhalten. Aus einem solchen Kinderfilm wird ein richtig guter Film, wenn er es obendrein schafft, erwachsene Zuschauer (seien es die Eltern oder allgemein Filminteressierte) ebenfalls abzuholen und in die Filmwelt hineinzuziehen. „Das verschollene Medaillon“ müht sich redlich, zu einem Film der zweiten Kategorie zu werden, schafft es aber nicht vollends.

In dem Streifen geht es um den jungen Billy, der zu gerne in die Fußstapfen seines Vaters treten würde. Dieser ist aktuell als Archäologe in Thailand tätig und widmet seit dem Tod seiner Frau sein ganzes Leben der Suche nach einem sagenumwobenen, lange verschollenen Medaillon. Darüber vergisst er allerdings seinen Jungen, der seinerseits alles versucht, seinen Vater zu beeindrucken und sich dessen Zuneigung zu erkämpfen. Dabei gelingt ihm, was dem Vater so lange verwehrt blieb: Er findet das Medaillon gemeinsam mit seiner guten Freundin Allie und aktiviert unbewusst dessen magische Fähigkeiten. Gemeinsam landen die beiden in der Zeit, in der das Medaillon einst verschwand und in der ein finsterer Bösewicht versucht, die Herrschaft des ganzen Landes an sich zu reißen. Dazu braucht er das Medaillon und so kreuzen sich die Wege des Bösewichtes häufiger mit jenen Billys und ein buntes Abenteuer nimmt seinen Lauf…

Das verschollene Medaillon

Exotische Schauplätze und sympathische Helden kennzeichnen “Das verschollene Medaillon”.

„Das verschollene Medaillon“ macht von Beginn an sehr viel sehr richtig. Vor allem mit der Hauptfigur des Billy, der als junger Indiana Jones Verschnitt Schätze suchen, motorisierte Roller fahren und ein süßes Mädel seine Begleitung nennen darf, hat der Film eine starke Identifikationsfigur mit genau der richtigen Mischung aus Abenteuerlust und Unbedarftheit, um sein eigentliches Zielpublikum abzuholen. Und auch die Grundgeschichte um machtvolle Medaillons, etwas Magie, Zeitreisen und ordentlich Abenteuer erzeugt eine hübsche Spannungskurve, die auch über manch kleinere Länge hinweghilft. Zudem hält Regisseur Bill Muir seinen Film beständig in Bewegung, was für ein angenehmes Tempo und insgesamt wenig störenden Leerlauf sorgt. Zwar häufen sich vor allem gegen Ende die Logikprobleme, vor allem wenn es um den Aspekt der Zeitreise geht, dem eigentlich anvisierten Publikum dürfte dies aber eher weniger auffallen.

Dem erwachsenen Zuschauer allerdings dürfte so manche Drehbuchentwicklung durchaus sauer aufstoßen. Schade ist vor allem, dass vielen Figuren die Handlungsmotive fehlen. Warum ist Billys Vater so versessen auf das Medaillon? Wofür braucht Bösewicht Cobra das Medaillon, scheint er doch die armen Dorftrottel, die es zu unterdrücken gilt, auch so mehr als gut im Griff zu haben? Noch ärger stößt einem aber die Botschaftenmaschinerie hinter dem Film auf. Früh im Film, und zwar in Gestalt einer vollkommen sinnlosen erzählerischen Klammer um eine Gruppe Waisenkinder, schleichen sich vermehrt religiöse Botschaften in den Film ein. Erscheinen Botschaften ums „An-Sich-Selbst-Glauben“ und „Dem-Herzen-Folgen-Ohne-Sich-Verbiegen-Zu-Lassen“ zunächst noch sehr charmant, geht es urplötzlich um von höheren Mächten vorgegebene Bestimmungen und den Glauben an und die Liebe von Gott. Vor allem gegen Ende wähnt man sich fast am Ende einer Predigt, wenn noch einmal die Wichtigkeit von Gott zusammenfassend erklärt und dem Film als Hauptaussage übergestülpt wird. Schaut man dann in das 55 Minuten lange Making Of, darf man sich noch viel mehr derartige Theorien des Regisseurs anhören und bekommt im Nachhinein beinahe den ganzen Film verleidet.

Das verschollene Medaillon

Als Bösewicht Cobra agiert Mark Dacascos.

Abgesehen von derartigem Kokolores wird man aber auch als erwachsener Zuschauer durchaus gut von „Das verschollene Medaillon“ unterhalten. Dafür sorgen vor allem die fantastischen Schauplätze des Filmes. Gedreht in Thailand rückt der Regisseur die natürlichen Vorzüge der Region immer wieder formatfüllend ins rechte Licht und macht den Film zu einem wirklich wirksamen Werbespot für das Land. Zwar kleistert etwas zuviel Ethnokitsch von der Tonspur manches Bild zu vehement zu, schön anzusehen ist der Film jedoch in jeder einzelnen Einstellung. Auch die Ausstattung sitzt auf dem Punkt und trifft den Ton zwischen Fantasy und landestypischer Kleidung usw. genau.

Das verschollene Medaillon

Die Helden gönnen sich mal einen Verschnaufer.

Am interessantesten für unsere Seite ist freilich das Mitwirken von Mark Dacascos („Der Pakt der Wölfe“) als Cobra. Wird Mark in der Jetztzeit, wo er mit eigenartiger Langhaarperücke agiert, noch von zwei trotteligen und als Comic Relief geplanten Henchmen aus der Handlung gedrückt, kann er im historischen Part extrem viel Screentime verbuchen. Für einen FSK 6 freigegebenen Film darf er überraschen viele seiner Gefolgsleute killen und einen erstaunlich ernsten Bösewicht entwerfen, der keinerlei Peinlichkeiten über sich ergehen lassen muss. Kicken darf er zwar bis auf ein paar Lufttritte niemanden, dennoch macht seine Performance, jetzt im Übrigen mit Glatze, richtig Laune, und dass er Spaß am Set hatte, beweist das Making Of zum Film eindrücklich. Zumal ihm ja das Genre des Kinderfilmes nicht wirklich fremd ist, wobei sein „Junior Pilot“ von „Das verschollene Medaillon“ problemlos überrundet wird. An seiner Seite agieren einige talentierte Jungschauspieler, wobei vor allem die unfassbar sympathische, extrem stark und natürlich aufspielende Sammi Hanratty alle ihre jungen männlichen Co-Stars heftig an die Wand spielt. Mit James Hong („Safe“) haben wir ein weiteres bekanntes Gesicht im Cast, allerdings muss die Allzweckwaffe Hollywoods für asiatische Rollen etliche überzogene Schauspielmomente lancieren.

Was bleibt, ist ein Kinderfilm, der seiner eigentlichen Zielgruppe sehr viel Spaß bereiten dürfte. Das Tempo ist ordentlich, die Spannungskurve stimmt, die Action ist flott umgesetzt und das exotische Flair des Filmes wird den Kleinen sicherlich ebenfalls sehr gut gefallen. Zudem liefert der Film einige brauchbare Identifikationsfiguren und stillt den Hunger nach Abenteuern. Die Erwachsenen werden sich vor allem an der sauberen, stilvollen und Fernweh weckenden Inszenierung begeistern können. Und auch das Fehlen von überzogenem, allzu kindlichem Humor nimmt man anerkennend zur Kenntnis. Die moralinsaure Botschaften-Maschinerie hinter dem Film vergällt einem im Abgang aber fast das gesamte Filmerlebnis. Auch und vor allem, weil es dem Film beinahe zwanghaft übergezogen wird und im großen Abenteuerabschnitt keine wirkliche Rolle spielt.

Die deutsche DVD / Blu-ray kommt von NewKSM, ist mit einer FSK 6 uncut und in Ton und Bild eine für das Urlaubsland Thailand werbende Wucht. Einzig in der deutschen Synchronisation finden sich ein paar herbe stimmliche Fehlbesetzungen. Vor allem in der bereits erwähnten Klammer um die Waisenkids.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: NewKSM__FSK Freigabe: ab 06__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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