Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Antisocial

Originaltitel: Antisocial__Herstellungsland: Kanada__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Cody Calahan__Darsteller: Michelle Mylett, Cody Thompson, Adam Christie, Ana Alic, Romaine Waite, Ry Barrett, Serje Basi, Kirill Belousov, Laurel Brandes, Alexandria Colton u.a.
Antisocial

Der Film wider die Social Media Kanäle heißt schlicht und ergreifend “Antisocial”

Ich halte von den verschiedenen Social Media Kanälen nichts. Gar nichts, um genau zu sein. Ich habe auch keine Lust, mich damit zu beschäftigen. Warum auch? Ob ich nun keine Freunde habe oder 243, die ich noch nie gesehen habe, wen juckt’s? Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass jemanden interessiert, wann ich zuletzt auf dem Klo war. Das große Lachen bekomme ich immer bei dem beliebtesten Motiv der Nutzung von Facebook und Co.: Man könne viel besser mit seinen Freunden in Kontakt bleiben und sich viel toller verabreden usw. Ganz ehrlich, Leute, die ich nicht via SMS oder E-Mail auf meine Partys einlade, sind genau jene Leute, die ich nicht auf meiner Party haben will. Aber sei’s drum, es kann ja jeder machen, was er will. Und darum kann von mir aus auch jeder zum gleichgeschalteten Social Media Zombie mutieren. Mir vollkommen Wumpe. Mittlerweile rege ich mich über die Datenkraken wie Facebook gar nicht mehr auf.

Vielmehr lache ich lieber über die Art und Weise, wie diese Kommunikationskanäle auch das Zwischenmenschliche verändern. Wenn ein Anstupsen zum Beginn einer großen Liebe wird, die öffentlich via Paarprofil auf Facebook gelebt wird, so dass jeder daran teilhaben muss, wie zum Kotzen glücklich die beiden doch sind. Dann kommt garantiert irgendwann der Moment, wo er postet, dass er gerade mit seiner Ex einen Saufen ist. Genau das bekommt die eifersüchtig die Einträge verfolgende „große“ Liebe mit und kurz darauf springt dann der Status der Dame auf der Soloseite von „vergeben“ auf „Single“ um. Genau dann drücke ich gedanklich den „Like“ Button. Genau in solchen Momenten liebe ich Facebook und Co. Und das Tolle: Sowohl ihm als auch ihr ermöglicht Facebook ein vollkommen straffreies Stalking. Man muss ja einfach nur heimlich die Seiten des jeweils anderen weiter beobachten. Schöne neue Welt…

Und genau mit einer solchen Situation beginnt „Antisocial“, der erste Horrorfilm, der sich ausschließlich des Themas Social Media annimmt. Genauer gesagt wird hier die Beziehung von Sam und ihrem Freund via der sozialen Plattform „The Social Redroom“ im Chatroom beendet und Sam löscht ihren Account auf dem Facebook-Lookalike. Um sich abzulenken, schließt sie sich einigen Freunden an, die eine rauschende Silvesterparty planen. Doch dann kommt alles anders, denn plötzlich kommen via Fernsehen und Internet immer neue Nachrichten von unerklärlichen Todesfällen herein. Und mehr noch, auch unsere Partyfreunde werden plötzlich mitten in die Vorgänge hineingezogen, werden sie doch von Typen attackiert, die aus Nase und Ohren bluten und erstaunlich aggressiv agieren. Die Freunde verbarrikadieren sich in ihrer Partystätte, nicht ahnend, dass die Gefahr nicht nur von außen, sondern auch von innen kommt und in erster Linie von „The Social Redroom“ ausgeht…

„Antisocial“ ist mal wirklich ein starker Film. Er hat viele Parallelen zu dem Streifen „Pulse“. Doch wo sich bei „Pulse“ die Datentransfertechnik gegen die Menschen wand, ist es in „Antisocial“ das Social Network, das die Menschen grundlegend verändert und sie zu rasenden Bestien macht. Die Mutation beginnt dabei mit Halluzinationen, die „Antisocial“ herrlich creepy umsetzt und mit gelungenen Special Effects flankiert. Es folgen Nasen- und Ohrenbluten und noch heftigere Halluzinationen, bei denen „Antisocial“ durchaus offensiv an der Terrorschraube dreht und vor allem aufgrund des fantastischen, mal themenaffinen, mal verstörenden, immer extrem basslastigen und häufig an John Carpenters beste Zeiten erinnernden Scores durch Mark und Bein geht. Die letzte Stufe ist dann Raserei… Dabei hält sich der Film weit entfernt von dem aktuell überhand nehmenden Slasher-, Backwood- und/oder 0815 Teeniehorrorszenarios und setzt vor allem auf die psychische Komponente. Erst wenn die „Infizierten“ zu rasenden Bestien werden, hat der Film etwas von einem Zombiestreifen. Doch dieses Element wird niemals überstrapaziert.

Ein großer Pluspunkt des Filmes sind die ordentlich geschriebenen Figuren, die ausnahmsweise mal nicht blöd handeln müssen und auch keinen Kokolores aufzusagen haben. Grundlage hierfür ist eine ordentliche Charakterexposition. Zum Thema des Filmes passend geschieht diese via den Profilen der Figuren auf „The Social Redroom“. Eine, wie ich finde, sehr innovative Idee, die inklusive verlinkten Bildern die Beziehungen der Figuren untereinander früh im Film erklärt. Die Darsteller der eingeschlossenen Freunde schlagen sich durch die Bank sehr ordentlich, einzig die wirklich hübsche Darstellerin der Sam, Michelle Mylett in ihrem Filmdebüt, bleibt unfassbar blass und wirkt einige Male extrem überfordert von ihrer Rolle.

Der Film spielt rundweg an einem Schauplatz und wurde von seinem Regisseur versiert und mit Blick für Details umgesetzt. Vor allem zu Beginn arbeitet Cody Calahan mit sehr konzentrierten Einstellungen, denen er nur in den Halluzinationen etwas mehr Dynamik und Drive verleiht. Gegen Ende dann, wenn er die Spannungsschraube ordentlich anzieht, wird auch die Kameraführung deutlich unruhiger und zieht so unvermittelt ins Geschehen hinein. Bis auf einen schwachen CGI Shot gegen Ende leistet sich „Antisocial“ keine technischen Schnitzer und setzt in den wenigen, dafür wirkungsvoll getimten Bluteffekten auf handgemachte Effekte. Während die Halluzinationen zumeist in stahlblau daherkommen, wirkt der Rest des Filmes zwar etwas farbiger, setzt nichtsdestotrotz aber auf einen farblich sehr reduzierten, kalten Look. Einige schräge Perspektiven runden den gelungenen optischen Eindruck ab. Und obschon ich ihn bereits erwähnt habe, muss ich noch einmal den Soundtrack von Stephanie Copeland lobend hervorheben, denn dieser verleiht dem Film eine wirklich extrem eigene Note und unterstreicht die Ungewissheit der gesamten Situation beinahe meisterlich!

„Antisocial“ ist ein Film, der sein Social Media Sujet durchaus ernst nimmt und auch die damit verbundene technische Abhängigkeit des Menschen nicht ausblendet. Immer haben die Menschen heutzutage ein Handy nebst zugehöriger Cam parat. Dementsprechend erleben die Figuren in „Antisocial“ selbst die Erotik einer gemeinsamen sexuellen Begegnung gefiltert durch den Monitor eines Handys. Gerade solche Details sind es, die aufzeigen, dass „Antisocial“ sein grundlegendes Thema verstanden hat. Ich hebe dies darum hervor, weil sonst vor allem die frühen Filme zu modernen und fortschrittlichen Inhalten (genannt sei einmal der Cyberspace) allesamt nicht in der Lage waren, ihr eigentliches Thema universell auf Film zu übertragen. „Antisocial“ dagegen gelingt das. So sind unsere Helden niemals alleine in ihrer prekären Situation. Via Internet und eben den Social Media Kanälen sind sie immer mit anderen Freunden verbunden, die ebenfalls zu überleben versuchen oder der Ursache des Ganzen auf den Grund gehen. Auch dürfen hier Handys, Internet und Co. durchgehend funktionieren. Zwar ist die Erklärung der ganzen Vorkommnisse etwas „over the top“, andererseits setzt sie toll auf so manchen Bedenken (gläserner User, Datensammlung über die User, Beeinflussung der User) auf, die Social Media Gegner gegenüber den „neuen Massenmedien“ haben. Und spätestens wenn am Ende DAS Sinnbild für meine eingangs erwähnten „gleichgeschalteten Zombies“ geliefert wird, kann sich der kleine sture „Dagegen“-Wicht in mir ein „Hell Yeah!!!“ nicht verkneifen.

„Antisocial“ ist ein wahrlich gelungener kleiner Horrorstreifen, der die Paranoia in Sachen „Social Media“ gekonnt und pointiert auf die Spitze treibt. Er mag dabei nicht das sein, was „Der weiße Hai“ einst für das Schwimmen in den Weltmeeren war und die meisten Zuschauer werden lieber über Facebook und Co. posten, wie geil der Film ist, anstatt ihre Accounts bei diesen Diensten zu löschen, aber hey. Spannend und straff inszeniert ist „Antisocial“ in jedem Fall. Mit einer stärkeren Hauptdarstellerin hätte er vielleicht sogar noch mehr reinhauen können. Auch die Entfaltung der Geschichte weiß zu gefallen und hält bis zuletzt interessante Enthüllungen und schräge Ideen bereit. Und weil der Film sein Thema auch ernst nimmt und in den nicht abgehobenen Momenten auch sehr realistisch umsetzt, wird dieser Film in ein paar Jahren – vorausgesetzt es gibt diese leidigen Social Media Dienste dann immer noch – nicht derart veraltet und lachhaft wirken, wie „Der Rasenmähermann“ oder ähnlicher Kokolores, der sein damals modernes Thema nur ausschlachtete und überhaupt nicht verstanden hat.

Die leider komplett extrafreie Blu-ray/DVD kommt am 21. Februar 2014 von dem Label Mad Dimension und ist mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten. Besondere Erwähnung hat das Menü verdient, das dem Webauftritt von „The Social Redroom“ nachempfunden ist und bei dem sich Mad Dimension sogar einen kleinen Werbeauftritt gegönnt hat. Sehr sehr cool!

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Mad Dimension__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

Tagged as: , , , , ,

Wie Viele Actionnerds gibt es?

  • Keine Sorge, du bist mit deiner Vorliebe nicht allein! Uns besuchten bereits 5585658 andere Actionnerds