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Kill Fighter

Originaltitel: Zhang Wu Shuang, Coweb__Herstellungsland: Hongkong__Erscheinungsjahr: 2009__Regie: Hung Yan-Yan aka Xin Xin Xiong__Darsteller: Jiang Luxia, Sam Lee, Cheung Siu Fai, Kane Kosugi, Mike Möller u.a.
Kill Fighter

Mike Möller kloppt sich mit Jiang Luxia in “Kill Fighter”

Bei den Dreharbeiten zu einem Werbespot traf der vornehmlich als Stuntman und Darsteller arbeitende Xin Xin Xiong eine junge Dame namens Jiang Luxia. Selbige war vorher nur als Kandidatin der Jackie Chan Martial Arts Castingshow „The Disciple“ aufgefallen und sollte in dem Spot die Hauptdarstellerin doubeln. Xiong fragte sie, ob sie sich einen ganz besonderen Stunt zutrauen würde. Sie meinte, sie wolle es zumindest versuchen und bewältigte die Aufgabe mühelos. Xiong war so beeindruckt von dem jungen Talent, dass er beschloss, der Dame, die noch nie in einem Film mitgewirkt hatte, einen eigenen auf den Leib zu schneidern, den er selbst als Regisseur betreute – und damit sein Regie-Debüt ablieferte.

Dieses hört auf den Titel „Kill Fighter“ und erzählt von Nie Yiyi, seit dem Tod ihres Vaters Inhaberin einer finanziell dem Untergang geweihten Martial Arts Schule. Da kommt ihr das Angebot, einer Familie als Bodyguard dienlich zu sein, gerade recht, könnte dies doch den Ausweg aus der monetären Misere bedeuten. Doch schon am ersten Tag ihres neuen Jobs werden ihre Schutzbefohlenen samt und sonders entführt. Alles was Nie Yiyi zurückbehält, ist eine seltsame SMS mit der Nachricht, dass das Spiel begonnen habe. Auf ihrer Suche nach den Entführten stolpert sie in der Folge seltsamerweise von einem Kampf in den nächsten und bemerkt irgendwann, dass all ihre Fights mittels unauffälliger Kameras aufgezeichnet werden …

Auf dem Papier klang „Kill Fighter“ mit seiner Fokussierung auf harte Fights und eine sehr junge Hauptdarstellerin ein wenig nach einem Hongkong Remake des Thai Krachers „Chocolate“, doch letztlich sind die Parallelen deutlich marginaler als vermutet. Vielmehr haben wir es hier mit einem typischen Underground-Fights Actioner zu tun. Denn freilich stellt sich schnell heraus, dass die Fights, in die Nie Yiyi unentwegt gerät, arrangiert sind und mit jedem Sieg die Quoten für Nie steigen, ohne dass diese oder der Zuschauer wissen, warum und wie sie in diese Situation geraten konnte. Ein Umstand, der noch dadurch verstärkt wird, dass die Verantwortlichen hinter der ganzen Chose mit allen multimedialen Mitteln arbeiten, um ihre Kämpfe an das zahlende Publikum zu bringen und darum noch einmal einen ganzen Tacken gesichtsloser daherkommen, da nichts außer installierten Kameras überhaupt auf deren Existenz hinweist. So setzt es bis zum Schluss sogar ein paar hübsche Wendungen, von denen man aber freilich nicht erwarten sollte, dass sie einen aus den Schuhen blasen.

Kill Fighter

Jiang Luxia klettert und kickt auf einem Baugerüst aus Bambus.

Das erledigen dafür die Fights, denn die sind durchweg richtig stark geraten. Die Choreografien machen Laune, das Tempo ist enorm, die Konsequenz mancher Aktionen verblüfft und die junge Hauptdarstellerin entpuppt sich als wahrer Martial Arts Wirbelwind, der auf dem engsten Raum einer Küche genauso brachial zu agieren versteht wie in deutlich weitläufigeren Arealen. Von einem sehr coolen Kampf in einem Baugerüst aus Bambus ganz zu schweigen. Wie man schon an den Schauplätzen sieht, versucht „Kill Fighter“, eine möglichst breite Varianz in Sachen Martial Arts Action aufzubauen. So gibt es Mano a Mano Duelle ebenso wie Burly Brawls, variieren die präsentierten Kampfsportarten von Capoeira (Mike Möller gibt den Hip Hop Fighter) bis Taekwondo und ist der eine Fight noch deutlich athletischer angelegt, überrascht der andere mit brutaler Durchschlagskraft. Am meisten gefällt Jiang Luxias Kampf gegen den wie immer großartigen Kane Kosugi („Ninja – Pfad der Rache“), der hier mit spielender Leichtigkeit mal wieder Aktionen aus seinem Körper holt, die durchweg verblüffen. Zudem ist dieser Fight derjenige, der durchweg auf Wirework verzichtet und so in seiner ganzen Anmutung zwar weniger elegant als die vorherigen wirkt, diese aber in Sachen Härte spielend übertrifft. Ansonsten sind die Wirework Einlagen ganz sinnvoll in den Film integriert. Sie dienen mehr als eine Art doppelter Boden denn als durchgehender Ersatz für mangelnde Kampfsportfähigkeiten der Akteure und haben darum auch rundweg ihre Daseinsberechtigung, auch wenn dadurch der Real Martial Arts Ansatz ein wenig unterwandert wird. Denn freilich – und das wird im Making Of des Filmes überdeutlich – ist dieser Film ein weiterer Versuch der Chinesen, nicht vollends den Rang durch die vor allem thailändische Konkurrenz abgelaufen zu bekommen. Allerdings sind diese auch nach „Kill Fighter“ den Chinesen noch voraus. Wenn auch nicht viel …

Kill Fighter

Kane Kosugi darf in “Kill Fighter” amtlich hinlangen!

Was bleibt, ist ein wirklich cooler Klopper, der fast atemlos von einer ausladenden Fighteinlage zur nächsten hetzt. Vermutlich auch, um die sympathische, aber darstellerisch recht hilflos wirkende Hauptdarstellerin, zu der man als Zuschauer niemals so etwas wie eine Bindung aufzubauen vermag, nicht zu überfordern. Diese macht dafür in den Fightszenen eine grandiose Figur und bietet viel für das verwöhnte Actionauge. Die Action ist souverän inszeniert – man sieht einfach, dass der Regisseur aus dem Metier kommt. Ansonsten herrscht glatter Hochglanzlook ohne große Ecken und Kanten vor. Auch der Storyaufhänger ist erstaunlich solide geraten. Wenn es bei „Kill Fighter“ stockt, liegt das daran, dass die Story ab und an ein wenig konfus wirkt, weil man es mit der Geheimniskrämerei übertreibt, manche Figuren niemals richtig im Film ankommen, die Thaiklopper aktuell eben doch eine Klasse für sich sind und man selbst mit sichtlichem Bemühen nicht an sie herankommt, und ich meines Erachtens selten so kontraproduktiv eingesetzte Musik in einem Martial Arts Film gehört habe. Klassik und pathetische Dramamucke unter Kickereien? Geht mir ja weg! Kurzum: Sympathische und teils spektakuläre Kickeraction, die aber nie so recht zündet …

Die DVD kommt von dem Label KSM und ist mit einer FSK 16 uncut.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: KSM__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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