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King of the Hill

Originaltitel: El Rey de la Montaña__Herstellungsland: Spanien__Erscheinungsjahr: 2007__Regie: Gonzalo López-Gallego__Darsteller: Leonardo Sbaraglia, María Valverde, Thomas Riordan, Andrés Juste, Pablo Menasanch, Francisco Olmo, Manuel Sánchez Ramos u.a.
King of the Hill DVD Cover

“King of the Hill” aus Spanien bietet feinsten Survival-Horror mit starkem Finish!

Quim ist im spanischen Hinterland unterwegs. Sein Ziel: Seine Freundin und vermutliche Bald-Ex Sophia. An einer Raststelle begegnet er der langfingrigen Bea, die die Raststätte um diverse Schokoriegel erleichtert. Direkt danach baut die aparte junge Dame etwas Druck bei Quim ab. Auf dieses kurze Vergnügen hätte Quim mal lieber verzichtet, denn nach dem Stelldichein muss er feststellen, dass Bea ihm seine Geldbörse gestohlen hat. Jetzt liegen seine Nerven blank.

Als er irgendwann vollkommen entnervt seine Reise wieder aufnimmt, sieht er zufällig das Auto von Bea! Er folgt ihr und kommt dabei immer mehr von seinem eigentlichen Weg ab. Da hört er plötzlich einen Schuss brechen und hat das unbestimmte Gefühl, dass dieser Schuss ihm galt. Und wirklich, als er aussteigt, um die Lage zu checken, hat die Verkleidung seines Autos ein Einschussloch.

Doch Quim hat gar nicht die Möglichkeit, sich groß Gedanken zu machen, denn unvermittelt taucht ein Jäger vor ihm auf und eröffnet ohne jedwede Warnung das Feuer! Quim flieht und überfährt bei seiner Flucht einen anderen Jäger. Nun findet er sich erst recht im Fadenkreuz des örtlichen Jagdvereins wieder und in der höchsten Not begegnet er auch Bea, die fortan mit ihm gemeinsam um ihr Überleben kämpft.

Schaut in “King of the Hill” hinein

„King of the Hill“ ist in seiner ersten Stunde reinster und purer Survival-Horror mit einigen ziemlich beklemmenden Szenen und einem gigantischen Hauptdarsteller: Selten zuvor nämlich wurde ein Landstrich so eindrucksvoll rau, unwirtlich, brutal und roh in Szene gesetzt, wie in „King of the Hill“. Wer nach 30 Minuten des Filmes immer noch das Gefühl hat, er müsse in diesem Landstrich einmal Urlaub machen, dem ist wohl nicht mehr zu helfen.

Grau, trostlos, kalt und nebelverhangen präsentiert sich dieses scheinbar vollkommen menschenleere Stück Rest unerschlossener Natur. Allerdings muss man bei aller Schwärmerei für den Schauplatz auch erwähnen, dass es Regisseur Gonzalo López-Gallego („Open Grave“) zu Beginn sehr schwer fällt, echte Stringenz oder Spannung ins Geschehen zu bringen. Er steigt zwar ziemlich unmittelbar ins Geschehen ein und stößt sowohl Protagonist Quim als auch den Zuschauer ordentlich vor den Kopf, doch das geringe Opferaufkommen macht es zu Beginn schwer, die Ausweglosigkeit und unmittelbare Brutalität der Situation erfahrbar zu machen. Einfach weil die lange gesichtslosen Jäger keinerlei Gefahr und Bedrohung entwickeln können.

King of the Hill mit den Helden Quim und Bea

Bea und Quim müssen eher unfreiwillig zusammenarbeiten, um zu überleben.

Doch dann bringt der Regisseur weitere Figuren ins Spiel und verschärft die Gangart zusehends. Die Situation wird zunehmend klaustrophobischer, bedrohlicher und packender, einfach weil die Jäger jetzt so mit den Figuren umspringen können, wie es der Streifen von Anfang an nötig gehabt hätte.

Darstellerisch dürfen dabei vor allem die beiden Hauptdarsteller Leonardo Sbaraglia („Wild Tales“) als Quim und María Valverde („The Liberator“) als Bea über die Maßen glänzen. Vor allem der Quim-Darsteller entwickelt von Minute zu Minute mehr Präsenz und Wucht. Dagegen hält „King of the Hill“ seine Jäger wie erwähnt zunächst gesichtslos. Hier mal ein Auge, das durch ein Zielfernrohr späht, da die Ahnung eines Umrisses. Dementsprechend spürt man, dass Regisseur Gonzalo López-Gallego mit den Jägerfiguren noch etwas vor hat.

King of the Hill mit Leonardo Sbaraglia

Quim (Leonardo Sbaraglia) weiß nicht mehr, wem er noch trauen kann.

Und wirklich, etwa 30 Minuten vor Schluss wechselt der Regisseur einfach die Perspektive und wechselt von der Gejagtenperspektive auf die Seite der Jäger. Schlug „King of the Hill“ schon bis zu diesem Zeitpunkt einige unerwartete Haken, purzeln nun die Pointen und wird der Zuschauer einige Male ordentlich durchgeschüttelt. Sowohl was die Identität der Killer als auch ihr doch sehr profanes Motiv angeht! Hier gelingt es dem Regisseur dank der Perspektivverschiebung sogar, dass man Mitleid mit den Killern bekommt.

In dem dann folgenden, vor allem emotional sehr harten Showdown krachen vor allem auch die Befindlichkeiten des Zuschauers aufeinander. Denn klar, die Killer müssen kriegen, was sie verdienen, letztendlich aber wieder auch nicht. Immerhin sollte jeder das Recht auf Veränderung / Resozialisierung haben.

King of the Hill mit Leonardo Sbaraglia und Maria Valverde

Freund oder Feind? Bea und Quim in höchster Not.

Im Übrigen ändert der Regisseur mit Offenlegung der Identität der Killer auch die Art der optischen Bebilderung und passt sie grandios an das Motiv der Jäger an. Doch auch schon vorher beweist der Regisseur großartige Stilsicherheit. Er ist immer ganz nah an seinen Figuren dran. Präsentiert sie realistisch, dreckig und unmittelbar und zieht so den Zuschauer mitten hinein in deren Tour de Force des Terrors.

Doch auch die bereits erwähnte Natur rückt er in ein immer düster bedrohliches Licht und spielt mit der Tiefenschärfe, um ganz besondere Effekte in der Darstellung zu erreichen. Auch die Story seines Filmes hat er zu jedem Zeitpunkt absolut im Griff und beweist, dass die Iberer wissen, wie Horror funktioniert. Vor allem eben auch in einer derart auf das Wesentliche heruntergebrochenen Art.

“King of the Hill” ist feinster Survival-Horror

Denn schlussendlich bietet „King of the Hill“ sehr auf die Kernelemente des Survival-Horrors beschränkte Filmkost vor grandioser Kulisse, in der die Charaktere an und für sich keine große Rolle spielen, aber dennoch einige Momente zur Entfaltung erhalten. Dies nutzen vor allem die beiden grandiosen Hauptdarsteller auf sehr effektive Art und Weise aus und lassen mit ihren Figuren ordentlich mitfiebern. Der Twist gegen Ende sitzt und sorgt durchaus für ordentlich Beklemmung und auch der Showdown geht an die Nieren. Hätte der Film etwas Schneller diesen Zug und diese Sogkraft entwickelt (vielleicht hätte man das ganze Raststättengeplänkel weglassen sollen und Quim mindestens einen Mitstreiter zum frühen Sterben an die Hand geben sollen?), er wäre locker in die Genrespitze aufgestiegen. So bleibt mehr als ordentliche Unterhaltung, die ausnahmsweise den Kopf mal nicht außen vor lässt.

7 von 10

Die deutsche DVD kommt von Kinowelt, hat ein kleines Making Of an Bord, in dem die durchweg sympathischen Filmschaffenden mal nicht jeden Furz schönreden, und ist mit einer FSK 18 Freigabe uncut.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Kinowelt/Studiocanal__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Nein/Ja

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