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Macho Man

Versuche deutscher Actionreißer gab und gibt es immer wieder. Zu den besonders berühmt-berüchtigten Exponanten gehört „Macho Man“ mit Boxchamp René Weller in der Hauptrolle. Der zum Trash-Kult gewordene Germano-Actioner versucht Nürnberg zum Moloch Marke New York in den 1980ern umzudeuten und schickt Weller als Boxchamp Danny Wagner in den Kampf gegen böse Drogendealer.

Originaltitel: Macho Man__Herstellungsland: Deutschland__Erscheinungsjahr: 1985__Regie: Alexander Titus Benda__Darsteller: René Weller, Bea Fiedler, Peter Althof, Jacqueline Elber, Michael Messing, Horst Schreiner, Thomas Wening, Hans Vogel, Horst Ulrich, Jürgen Dietrich, Wolfgang Sauerhammer, Günther Althof u.a.
Macho Man

Der deutsche Versuch eines Crime-Action-Knallers aus den 1980ern: “Macho Man” mit René Weller

Wir schreiben die 1980er. Das amerikanische Actionkino trumpft mit Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone auf, weitere Kampfkünstler auf dem Weg zu Kino- oder Videothekenruhm stehen bereits in den Startlöchern und auch aus europäischen Gefilden wie Frankreich oder Italien kommt etwas zum Genre. Muss Deutschland da hintanstehen? Nein, dachten sich Boxmeister René Weller und einige Getreue, die mit „Macho Man“ den ganz großen deutschen Actionfilm der Dekade schaffen wollten.

Wobei der anvisierten Größe diverse Limitierungen in den Bereichen Budget und Talent entgegenstehen. Allerdings ist schon die Wahl des Schauplatzes ein Knaller, denn das beschauliche Nürnberg soll hier ein Hotspot für Kriminalität sein, ein Hort für Verbrechen, analog zum damals gefährlichen Pflastern wie New York, was schon der erste Knaller ist. In Nürnberg, Crime City Deutschland, jedenfalls gehen die Dealer um und spritzen auf der Suche nach Kundschaft auch schon mal Gratisproben in unwillige Leute, etwa Krankenschwester Sandra Petersen (Bea Fiedler), die vor einem entsprechen Schicksal gerade noch von Boxprofi Danny Wagner (René Weller) gerettet wird.

Mit Blick auf den Hauptdarsteller als treibende Kraft hinter „Macho Man“ ist Danny natürlich die coolste Sau unter Nürnbergs Sonne, der nicht nur dem Gegner im Ring die Falten aus der Stirn kloppt, sondern auch mal einen Banküberfall verhindert, wenn er gerade mal etwas Kies vom Schalter holen will. Dabei steht ihm Karatetrainer Andreas Arnold (Peter Althof) zur Seite, der ebenfalls zufällig in der Filiale ist. Peter Althofs Vater Günther spielt einen Polizeikommissar, was den Eindruck verstärkt, dass sich hier einfach ein paar befreundete Atzen zum Filmdreh getroffen haben.

Bevor Andreas und Danny aber als schlagkräftiges Duo die Drogenszene aufmischen können, kommt, Schockschwerenot, die Eifersucht dazwischen, denn beide interessieren sich für Sandra. Also soll ein Match beiden klären, ob Karate oder Boxen der geilere Sport ist und wer von beiden denn nun die Frau bekommt, so wie das echte Männer, oder das, was Regisseur und Drehbuchautor Alexander Titus Benda („Das Nürnberger Bett“) dafür hielt, in den 1980ern eben machten…

„Macho Man“ ist ein filmischer Super-GAU, der sich bald zum Geheimtipp in Trash-Kult-Kreisen mauserte, und es nicht schwer zu sehen warum: Hier gibt es so viel geballte Unfähigkeit auf einem Haufen, dass man nur wahlweise die Segel streichen oder das Ganze abfeiern kann. Schon die Darsteller waren größtenteils wohl derart limitiert, dass sich der Verleih noch nicht einmal traute ihre Originalstimmen aufs Publikum loszulassen, weshalb René Weller, Peter Althof und Co. einfach von bekannten Synchronsprechern vertont werden. Das ist einerseits eine vielleicht gar nicht so unkluge Idee, macht die grobschlächtigen mimischen Verrenkungen, die hier wohl aus Schauspiel durchgehen sollen, andrerseits auch nicht wieder wett. Dass mit Bea Fiedler („Eis am Stil 4 – Hasenjagd“) und Jacqueline Elber („Sunshine Reggae auf Ibiza“) auch gleich zwei Darstellerinnen aus den Sex-Komödchen jener Ära an der Seite der Machomänner von „Macho Man“ stehen, gehört natürlich zum Gesamtrezept des Films.

Macho Man

Das hier sind tatsächlich die Helden des Films: Andreas Arnold (Peter Althoff) und Danny Wagner (René Weller)

Denn die Helden des Films sind dermaßen prollig und ordinär, dass sie sich kaum von den Drogendealern unterscheiden, mit denen sie abrechnen wollen. So sitzen dann sowohl bei Boxkämpfen, in Dojos oder in zwielichtigen Eckspelunken vornehmlich Hackfressen mit Porno-Schnauzer und Vokuhila herum, sodass man die guten Kampfsportler und die bösen Dealer optisch kaum unterscheiden kann. Vielleicht ist es auch ein kluger Kommentar bezüglich der Dualität von Gut und Böse in jedem von uns, wer weiß. Und natürlich muss man auch den entsprechenden Style in aller Breite vorführen, sodass man hässliche Bärte, hässliche Frisen und hässliche Klamotten in einer Tour vorgeführt bekommt – am schärfsten sicherlich in der Szene, in der sich das Quartett aus Boxbirne Danny, Blondie-Sandra, Karate-Andi und seiner Schülerin Lisa Roth (Jacqueline Elber) zum gemeinsam Disco-Besuch verabredet und die Herren grelle Ballonseidenanzüge auftragen, in denen man normalerweise noch nicht einmal tot im Eigenheim aufgefunden werden möchte.

Immerhin: In der Disse gibt es die einzige Person in diesem Film zu sehen, die wusste was sie tat. Tony Dawson-Harrison alias Captain Hollywood führt eine Breakdance-Einlage auf, die zwar nichts zum Film beiträgt, ein paar der gerade einmal 82 Minuten Laufzeit schindet, aber immerhin gut ausschaut. Man kann sicherlich argumentieren, dass auch Weller und Althof ihr Metier verstehen, denn kloppen können sie ja. Dummerweise wird jeder Blick auf mögliches Talent durch eine sauschlechte Choreographie aller der (eh nicht besonders zahlreichen) Actionszenen zunichtegemacht, in denen man sich entweder im Ring beharkt oder Dealern draußen auf der Straße vors Fressbrett haut. Da kann Althof zwar gefühlte dreißigmal zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit vorführen wie gelenkig doch sein Karatebeinchen ist – „Macho Man“ ist ein Actionfilm mit lausiger Action. Und Wellers Propeller-Box-Move mag auf dem Bildschirm zwar putzig aussehen, scheint aber eher in einen Cartoon als in eine ernsthafte Kampfszene zu gehören.

Macho Man

The Gang’s All Here: Danny und Andreas mit Sandra Petersen (Bea Fiedler) und Lisa Roth (Jacqueline Elber)

Kaum besser als die vermeintliche Hauptattraktion dieses versuchten Actionfilms ist das gesamte Drumherum. So ist hier kaum eine Handlung zu finden. Im Mittelteil streiten sich die beiden um Sandra, obwohl mit Lisa längst die potentielle Traumpartnerin für Andreas angereist ist, die sich zudem auch äußerst paarungswillig gibt. Das wird ihnen allerdings erst inmitten des angedachten Kampfes des Giganten bewusst, den sie dann mittendrin abbrechen, um unvermittelt in den Privatkrieg gegen die Dealer zu ziehen, die dafür im Mittelteil des Films Sendepause hatten. So kommt der Film von Hölzchen auf Stöckchen und ordnet so banale Dinge wie Storytelling, Handlung oder Nachvollziehbarkeit praktischen Überlegungen unter. Wenn Andreas etwa Lisa vom Flugplatz abholt, dann fährt er sie erst einmal an jeder touristischen Attraktion Nürnbergs vorbei, was den Schluss zulässt, dass sich der örtliche Fremdenverkehrsverein am nicht besonders üppigen Budget von „Macho Man“ beteiligte.

Natürlich wäre es vermessen, von so einem Film auch noch eine brauchbare Figurenmotivation zu erwarten, aber selbst bei diesen Voraussetzungen schießt „Macho Man“ noch einmal den Vogel ab. Die beiden Protagonistendeppen wollen sich vor allem aus gekränktem Stolz in Sachen Alpha-Männchen-Status gegenseitig die Fresse polieren; dass die umworbene Frau da auch eine Rolle spielen könnte, kommt ihnen gar nicht in den Sinn. Freilich muss man auch an Sandras Zurechnungsfähigkeit zweifeln: Ihre beste Freundin ist von den Drogendealern kaltgemacht worden, sie wurde beinahe zum Nadeltestgelände, aber das ist schnell vergessen, lieber gibt sie beiden Männern Signale, dass sie auf sie steht und geht mit ihnen feiern – weder mit ihrer Entscheidungsfreude noch mit dem Kurzzeitgedächtnis scheint es bei weit her zu sein. Ein Knaller ist allerdings auch Lisas Zeichnung als angeblich so emanzipierte und toughe Frau von Welt: Da jettet sie mit ihrem Privatfliegermal eben nach Nürnberg, um Privatstunden im achso weltberühmten Studio Andis (das trotzdem nach begrenzt beliebter Nischenklitsche ausschaut) zu nehmen, lässt sich dann aber vom Trainer brav ins Bett kommandieren, der ihr auch schon den gleich den passenden Fummel ins Schlafzimmer gelegt hat. Und in der Gedankenwelt eines „Macho Man“ mag Lisa zwar Karatestunden nehmen, wenn aber die obligatorische Entführung durch die Schurken im Finale ansteht, lässt sie sich hilflos kreischend ohne große Gegenwehr einsacken, genau wie Sandra.

„Macho Man“ ist die Bebilderung von prolliger Großmannssucht, die eher Minderwertigkeitskomplexe offenlegt: Grelle Klamotten verbrennen des Zuschauers Netzhaut, Dialoge des Grauens martern seine Ohren und die Kampfszenen sind so mäßig choreographiert wie inszeniert, dass die unbestreitbare Körperbeherrschung der Protagonisten kaum herübergebracht wird. Mit dem genredefinierenden deutschen Actionfilm mag es für Weller, Benda und Co. hier nicht geklappt haben, auf ganz andere Weise wurde „Macho Man“ dann zum Kult. Und unter Trash- wie Partygesichtspunkten darf man auf meine Wertung dann wieder einige Punkte draufpacken.

Cine Club hat „Macho Man” auf DVD veröffentlicht, ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben. Neben Trailer gehört eine kurze Doku zum Phänomen „Macho Man“ zum Bonusmaterial.

© Nils Bothmann (McClane)

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