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Minotaurus

Originaltitel: Minotaur__Herstellungsland: Deutschland / Frankreich / Großbritannien / Luxemburg / Spanien__Erscheinungsjahr: 2006__Regie: Jonathan English__Darsteller: Tom Hardy, Michelle Van Der Water, Tony Todd, Lex Shrapnel, Jonathan Readwin, Rutger Hauer, Maimie McCoy, Lucy Brown, James Bradshaw, Fiona Maclaine, Ingrid Pitt u.a.
Minotaurus

Rutger Hauer in “Minotaurus”

Der Minotaurus ist eine Gottheit, die aus der unseligen Verbindung einer Königin mit einem Stiergott hervorging und von dem König Deucalion in einem Labyrinth unter seinem Palast gehalten wird, von wo aus diese Gottheit des Königs Macht festigen soll. Um den Mensch/Stiergott bei Laune zu halten, serviert man ihm in regelmäßigen Abständen eine Vielzahl junger Leute aus den Dörfern unterworfener Landstriche. Dabei erwischte es eines Tages auch die Versprochene des Schäfers Theo. Als dieser von einem Medium erfährt, dass seine Zukünftige noch am Leben sei und im Labyrinth des Minotaurus vor sich hin vegetiere, bricht Theo wild entschlossen auf, um dem Gott den Garaus zu machen und seine Geliebte zu befreien. In dem Labyrinth kommen ihm und seinen Freunden aber bald Zweifel an dieser Mission, denn der Minotaurus erweist sich als alles andere als leicht besiegbar …

Der Einstieg in den Film ist hervorragend gelungen. Die “Erschaffung” des Minotaurus ist absolut stimmig und dank der düsteren Bebilderung sehr atmosphärisch geraten. Das Gleiche gilt unisono für die herrlich stimmungsvollen, in stahlblaue kalte Farben getünchten Bilder in und um das Dorf von Theo. In den Dorfszenen kann “Minotaurus” zudem mit Rutger Hauer eine sichere Bank in Sachen Sympathiefang beim Zuschauer aufbieten. Sind diese 20 Minuten beendet und der Film in dem Labyrinth von Minos (Deucalions Palast) angelangt, beginnen sich die Probleme zu häufen. Zunächst einmal ist der Wechsel von unwirtlichen Originalschauplätzen (Dorfszenen) zu sterilen Bühnenaufbauten, die ein unterirdisches Labyrinth und einen prunkvollen Palast darstellen sollen, ein echter Atmosphärekiller. Des Weiteren gelingt es in diesem Abschnitt nicht, eine echte Spannungskurve zu generieren. Denn anstelle die klaustrophobische Enge des Labyrinthes für eine richtig geile Monsterhatz zu nutzen, gestehen sich Charaktere ihre ewige Liebe, labern Gülle oder stolpern eben dem Minotaurus vor die Hörner.

Minotaurus

Tom Hardy im Blut, Schweiß und Tränenepos vor seinen Kollaborationen mit Christopher Nolan.

Eine klare erzählerische Linie ist dann auch nicht mehr auszumachen, denn vor allem die Kills des Minotaurus wirken arg beliebig und größtenteils über die Maßen zufällig. Auch die parallel ablaufende Handlung um den psychisch kaputten König Deucalion und seine Liebe zu seiner heißen Schwester Raphaella sorgt eher für Langweile, denn für ein hohes Tempo! Das größte Problem ist aber der Held des Streifens. Theo ist einem das Gros der Laufzeit über derart unsympathisch, dass man permanent hofft, er möge doch endlich auf den Hörnern des Minotaurus Platz nehmen. Zum Ende hin fängt sich die Figur zwar und entwickelt eine Art Grundsympathie, doch viel Involvement auf Seiten des Zuschauers kann man so freilich nicht erzeugen. Und so dümpelt der lose auf der griechischen Sage “Theseus und der Minotauros” basierende Streifen über weite Strecken erschreckend belanglos vor sich hin und kann eigentlich erst zum Ende hin richtig zünden, denn hier greift das größte Plus des Filmes. Seine Effekte!

Minotaurus

Blood, Sweat and Ärsche in “Minotaurus”

Der Minotaurus präsentiert sich als für B-Verhältnisse unglaublich gelungene Mischung aus Animatronics und auf den Punkt funktionierenden CGI Einlagen, die dem garstigen Vieh wirklich ordentlich Leben einbläuen und es so richtig schön schnell und agil machen. Zwar übernimmt man sich am Ende ein wenig mit der Kombination von Realszenen, CGI Effekten und einer zusätzlichen Feuerwand, doch letztendlich funktionieren sogar diese Szenen. Das Vieh selber hat zwar nicht wirklich viel von einem Menschen (immerhin ist es ja eine Kreuzung aus Mensch und Stier), das macht aber nicht wirklich viel aus, denn das Viech rockt! Andere Effekte gibt es leider kaum zu bestaunen, nur hier und da ein paar Verwischungseffekte aufgrund ausströmenden Gases. Aber so konnte man sich offensichtlich voll und ganz auf das Vieh konzentrieren. Ein weiterer wichtiger Pluspunkt von Minotaurus ist seine sonstige Technik. Die Optik präsentiert sich konsequent dunkel und düster und reißt eigentlich nur in den Szenen in Deucalions Palast richtig auf. Und auch hier will sich nicht allzu viel Licht seinen Weg in den Film bahnen. In dem Labyrinth setzt es dann viele Schatten, dunkle Winkel und diverse nette Einstellungen und Kamerafahrten, die durchaus auch den leicht künstlichen Look der Pappmache Wände überspielen können. Akustisch macht der Stier ordentlich Druck mit einem teils ordentlichen Bassfundament. Die musikalische Untermalung ist ebenfalls sehr passend geraten und kann einige interessante Themen lancieren.

Minotaurus

Rutger Hauer schaut ebenfalls beim “Minotaurus” vorbei.

Ebenfalls als Plus erweisen sich die meisten Darsteller. Da wäre zum einen die alte Garde. Tony Todd (“Candyman”) gibt den König Deucalion von Kreta und wirkt sehr engagiert bei der Darstellung des doch arg neben sich stehenden Königs, der sich mittels “Extrem-Gasschnüffelns” immer wieder in andere Sphären des Bewusstseins beamt. Seine gute Leistung fällt sofort ins Auge und geht konform mit Pressemeldungen, in denen sich Todd recht unvorteilhaft in Bezug auf den fertigen Film äußerte, von dem er sich laut eigenem Bekunden im Vorfeld sehr viel mehr versprochen hatte. Und eben diese höheren Erwartungen schlagen sich in seinem Schauspiel durchaus nieder. Als eine Aussätzige, die im Grunde die Handlung von Minotaurus erst lostritt, agiert die englische Horrorikone Ingrid Pitt (“The Wicker Man” – Original), deren Auftritt aber unter zu wenig Screentime zu leiden hat. Rutger Hauers Auftritt wurde leider massiv zusammengestrichen. Er gibt Theos Vater Cyrnan und bestreitet mehr als die Hälfte der Deleted Scenes im Bonusmaterial der DVD. Natürlich landet der Film durch diese Straffungen sehr schnell im Labyrinth des Minotaurus, nach Ansicht der Deleted Scenes und unter Einbeziehung der Qualität des nun vorliegenden Filmes, der eben vor allem im Labyrinthteil massiv abbaut, kann das Entfernen der vielen Hauerszenen nur als sehr unglücklich bezeichnet werden. Im endgültigen Film ist er nun ca. 5 Minuten zu sehen und liefert wie immer eine absolut solide Vorstellung! Der jüngere Cast stellt sich dagegen dann als relativ durchwachsen heraus. Sie bestreiten den meisten Teil an Screentime, da sie ja die Opferlämmer für den Minotaurus stellen, und leiden massiv unter dem nicht besonders gelungenen Drehbuch, das ihnen die mülligsten Standardphrasen des Kleinen Horror ABCs in den Mund legt und sie obendrein ziemlich dumm agieren lässt. Denn natürlich erwischt es hier immer die, die sich auch nur ansatzweise von der Gruppe entfernen und irgendwie finden die Idioten immer einen Grund für diesen dummen Fehler. Tom Hardy  (“Mad Max: Fury Road“) als Theo ist dabei – wie bereits erwähnt – ganz besonders arm dran. Er spielt zwar nicht schlecht, wirkt aber eben aufgrund des luschigen und langweiligen Auftretens seiner Figur immer massiv unsympathisch und geht einem irgendwann auch ordentlich auf die Ketten. Eine echte Bombe ist dann aber Michelle Van Der Water als Königin Raphaella. Sie kann zwar nicht sonderlich gut spielen ist aber Eyecandy vom Allerfeinsten und zieht in ihren Auftritten IMMER die Blicke auf sich. Überdies ist der weibliche Cast allgemein recht ansprechend geraten, da kann man(n) sich wahrlich nicht beschweren.

Das Ergebnis ist 10 kleine Negerlein Fantasyhorror, der mit tollen Effekten zu punkten versteht, neben einem blöden Helden aber auch unter vollkommener Abwesenheit von Spannung leidet und eben alle Klischees bedient, die den 10 kleine Negerlein Abzählhorror im Allgemeinen bestimmen.

Die DVD von Sunfilm kommt wahlweise im Pappschuber oder Metallschuber und ist mit einer FSK 16 uncut. Neben den angesprochenen Deleted Scenes gibt es auf der DVD sogar einen Audiokommentar des Regisseurs!

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Tiberius Film/Sunfilm Entertainment__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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Categorised in: Creature Feature, Reviews

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